Review: Nintendo Land

Nintendo Land (1)Als Nintendo auf der Electronic Entertainment Expo 2012 die Katze aus dem Sack ließ, haben einige sicherlich direkt an einen Freizeitpark gedacht. Nintendo Land ist das auch, allerdings nur in virtueller Form auf dem neuen Konsolen-Flagschiff Wii U.

Nintendo Land (2)Wer Nintendo Land einmal in seine Wii U einlegt, der findet sich unmittelbar danach in dem rundförmigen Freizeitpark, der allerdings noch etwas karg wirkt, wieder. Unser Mii wird begrüßt von einem sprechenden Monitor, der auf den Namen Monita hört. Monita erklärt uns, wie der Park aufgebaut ist und so erfahren wir, dass es insgesamt zwölf Attraktionen gibt, die wir erleben dürfen. Das klingt zu Beginn wenig und wenn man an ältere Wii-Spiele, beispielsweise Wii Play Motion oder Wii Party denkt, dann ist es das auch. Die Attraktionen von Nintendo Land sind dafür umso vielschichtiger und können uns diesmal sogar als Einzelspieler stundenlang an den Bildschirm fesseln. Das Besondere an Nintendo Land ist, dass man sich diesmal voll und ganz an eigenen Marken wie Super Mario, The Legend of Zelda, Metroid und selbst dem futuristischen Rennspiel F-Zero bedient. Jede Attraktion steht somit ganz im Zeichen eines Nintendo-Franchises. Das ist sehr intelligent, denn so schlägt Nintendo die Brücke zwischen Intensiv- und Gelegenheitsspieler. Letztere können so einfach Spaß mit Nintendo Land haben und die andere Zielgruppe freut sich auf ein Wiedersehen mit ihren Helden und erinnern sich an die großen Momente der jeweiligen Spielserie. Da sich jedes der zwölf Minispiele anders anfühlt, kann Nintendo Land von Anfang an mit jeder Menge Abwechslung glänzen.

Muntere Punktejagd

Nintendo Land (3)Die zwölf Attraktionen unterteilen sich in drei Typen. Sechs Attraktionen sind ausschließlich den Solisten vorenthalten, denn hier steht die muntere Punktejagd im Vordergrund. In Yoshi’s Fruit Cart müssen wir mit dem grünen Dinosaurier eigentlich nur eine Strecke abfahren, um diverse Obstsorten einzusammeln. Während jedoch die Früchte auf dem Fernsehbildschirm zu jeder Zeit ersichtlich sind, fehlen diese auf dem Bildschirm des Wii U GamePads. Über dieses geben wir mittels des Stylus die Strecke ein, die Yoshi ablaufen soll, um die Früchte in seinen Warenkorb zu legen. Verpassen wir dabei auch nur eine Frucht, öffnet sich das Tor am Ende des Weges nicht. In Donkey Kong’s Crash Course müssen wir einen Parcours abfahren und dabei darauf achten, dass wir unsere Spielfigur nicht zerstören. Eine zu heftige Kollision mit der Umwelt reicht aus, dass diese in ihre Einzelteile zerfällt. Mit Senken des Wii U GamePads und Zuhilfenahmen der beiden Sticks bewegen wir sie durch den Parcours und nehmen somit Einfluss auf diverse sich bewegende Plattformen. Sobald die Figur mit hohem Tempo an eine Wand stößt oder auch nur von einer kleinen Anhöhe versehentlich hinunterfällt, verlieren wir einen von mehreren Versuchen. Nur wer hier einen kühlen Kopf behält und es sich dennoch nicht nehmen lässt, schnell an Geschwindigkeit zu gewinnen, kann hier ordentlich punkten.

Virtueller Schweiß

Nintendo Land (4)Passive Spieler können bei diesem Minispiel übrigens zuschauen, denn während die nähere Umgebung des Parcours auf dem Bildschirm des Wii U GamePads angezeigt wird, ist dieser auf dem Fernsehbildschirm vollständig zu sehen. Captain Falcon’s Twister Race funktioniert ähnlich, denn während wir die Rennstrecke des Minispiels aus der Vogelperspektive sehen, ist das Geschehen auf dem Fernseher aus der dritten Person ersichtlich. In diesem Minispiel gilt es grundsätzlich nur geschickt Hindernissen auszuweichen und keinen Schaden zu nehmen. In Balloon Trip Breeze hingegen navigieren wir unsere Spielfigur übers Meer und müssen dafür sorgen, dass wir nicht in dieses stürzen oder von Flugobjekten getroffen werden. Im nächsten Minispiel (Octopus Dance) ahmen wir einfach nur Tanzbewegungen im Takt nach. Dass das natürlich schwieriger ausfällt, als es klingt, dürftet ihr spätestens in der Praxis merken, denn auch wir sind bereits nach einigen Versuchen ordentlich ins Schwitzen gekommen, aber keine Sorge: So viel Schweiß, wie wir 2006 bei Wii Sports verloren haben, verlieren wir hier dann aber doch nicht. Takamaru’s Ninja Castle inspiriert sich an Nazo no Murasame-jō – ein Spiel, welches hierzulande wohl kaum jemand kennen dürfte. Es sei denn, ihr wart beim Spielen von Super Smash Bros. Brawl oder eher noch bei Samurai Warriors 3 sehr, sehr aufmerksam.

Intelligente GamePad-Nutzung

Nintendo Land (5)Jedenfalls nutzt Takamaru’s Ninja Castle das Wii U GamePad ziemlich gut aus. Während wir auf dem Bildschirm der Steuerungseinheit immer wieder Wurfsterne angezeigt bekommen, ist die Spielumgebung auf dem Fernseher zu sehen. Nun müssen wir das GamePad waagerecht und zum Fernseher längs ausgerichtet halten. Je nachdem wie wir das GamePad nun bewegen, verändert sich auch das Fadenkreuz auf dem Bildschirm. Mit einem Wisch verschießen wir in aufeinanderfolgenden Spielabschnitten dann die Wurfsterne auf die Gegner. Wir finden diese Steuerungsmethode sehr anspruchsvoll, doch kann diese Attraktionen umso mehr begeistern. In die nächste Kategorie, den Team-Attraktionen, fallen drei weitere Minispiele. The Legend of Zelda: Battle Quest verlangt von uns mit Gefährten in diverse Situationen einzutauchen. So ist der Spieler mit einem GamePad ein Bogenschütze, der das Spielgeschehen auf dem Screen der Steuerungseinheit bestens überblicken kann. Diesen Luxus haben die anderen Spieler, die nur mittels einer Wii-Fernbedienung als Schwertkämpfer agieren können, nicht. Sie müssen mit dem kleinen (oder großen) Bildschirmausschnitt auf dem Fernseher Vorlieb nehmen. Das Manko dabei ist zudem die beschränkte Bewegungsfreiheit. Zwar geht auch der Bogenschütze auf vordefinierten Bahnen, doch kann dieser zumindest noch frei zielen.

Nachbars Garten

Nintendo Land (6)Die Schwertkämpfer dürfen hingegen zwischen den einzelnen Zielen wählen, müssen aber ein ganzes Stück genauer zuschlagen. Gegner halten ihren Schild mal links, mal rechts oder über ihren Kopf und sollten wir statt den Gegner dieses treffen, sind wir kurz benommen und sehr wahrscheinlich nutzt der Gegner diese Schwäche unmittelbar aus. Die Energieleiste, die wie in der Videospielserie aus mehreren Herzen besteht, teilen sich die Spieler übrigens. Es heißt also zusammenhalten – Teamwork ist gefragt. Hier sehen wir übrigens, wenn sich Nintendo geschickt anstellt, übrigens Potential für ein eigenes Spiel. Der Einzelverkauf von GamePads, der irgendwann in Zukunft bei entsprechender Software eingeleitet werden möchte, könnte so wunderbar funktionieren. Ebenfalls vorstellen können wir uns ein neues The Legen of Zelda: Four Swords Adventures, aber das ist eine andere Geschichte. In Pikmin Adventure gehen wir mit Freunden auf einen Ausflug in Nachbars Garten und kämpfen dort gegen seltsame Käfer und andere Viecher. Das Spiel fällt deutlich entschlackter aus, als wir es von Pikmin gewohnt waren. Die verschiedenen Pikmin-Farben haben nun keine Bedeutung und das Ziel ist immer deutlich vorgegeben. Immerhin können die Levels, in denen wir zudem auch noch gegen die unaufhaltsam ablaufende Zeit vorgehen müssen, durchgehend unterhalten.

Franchise-Orgasmus

Nintendo Land (7)Metroid Blast ist wohl das Spiel, auf welches sich im Vorfeld viele Spieler gefreut haben. In den einzelnen Missionen gehen wir entweder gegen außerirdische Lebensformen mit Gewalt vor, indem wir von einem Flugobjekt auf die Oberfläche schießen oder direkt im Raumanzug auf den Plattformen der Levels für Ruhe sorgen. Zudem können wir uns noch mit Freunden in Schlachten messen. Während die Steuerung mit dem Flugobjekt zwar gewöhnungsbedürftig, aber dennoch noch sehr angenehm ausfällt, ist die Steuerung auf dem Boden mit Nunchuck und Wii-Fernbedienung unserer Meinung nach etwas hakelig ausgefallen. Dass das deutlich besser geht, beweist das Franchise (mit Ausnahme von Metroid: Other M) durchgehend. Dann schlummern auf der Disc noch drei weitere Attraktionen, die mindestens zwei Teilnehmer erfordern. In Mario Chase übernimmt der Spieler mit dem GamePad die Rolle von Mario und läuft bis zu drei Toads davon. Diese haben anschließend zwei Minuten Zeit, den Klempner im Level zu finden und zu fangen. Da der Mario-Spieler das gesamte Spielfeld überblicken kann, aber nicht die einzelnen Toad-Spieler, kann sich hier eine tolle Verfolgungsjagd entwickeln. Luigi’s Ghost Mansion bereitet uns nicht weniger Spaß, denn während vier Geisterjäger auf dem Fernsehbildschirm hantieren, müssen wir sie auf dem GamePad erschrecken.

Sammelwahnsinn

Nintendo Land (8)Das klingt jedoch leichter, als es im Endeffekt ist, denn sobald wir in die Nähe eines der vier Geisterjäger kommen, vibriert dessen Fernbedienung. Entweder sind wir schnell oder führen diesen absichtlich in die Enge. Als Ausgleich entladen sich die Batterien der Jäger nach einer Weile. Das ist fair! In Animal Crossing: Sweet Day kontrolliert der Spieler mit dem GamePad gleich die beiden Wachhunde des Dorfes und muss mit ihnen den Elefanten, der von einem anderen Spieler mit Wii Remote gesteuert wird, aufhalten. Dieser soll nämlich eine bestimmte Anzahl an Bonbons sammeln und an Sammelpunkten abliefern. Der Clou an der Sache ist der, dass der Elefant langsamer wird, wenn er mehr Bonbons einsammelt. Sammeln ist übrigens ein gutes Stichwort, denn wie jeder weiß, verzichtet Nintendo auf ein Gamescore-System, wie wir es beispielsweise auf der Xbox 360 oder der PlayStation 3 erleben. In Nintendo Land gibt es für das Erfüllen bestimmter Ziele stattdessen Stempel. Bis man diese alle gesammelt hat, dürfte viel Zeit vergehen, denn die konkreten Ziele verrät das Spiel zu keiner Zeit. Damit hat der Sammelwahnsinn aber noch kein Ende gefunden, denn für jede bewältigte Attraktion gibt es Münzen, die wir in einem Minispiel auf dem Turm inmitten der Plaza ausgeben dürfen, um so neue Items zu sammeln, welche den umliegenden Platz auf kosmetische Weise füllen.

Techdemo zum Launch

Nintendo Land (9)Grafisch hat sich seit Wii Play Motion und Konsorten einiges getan, denn mittlerweile ist das japanische Traditionsunternehmen im HD-Zeitalter angekommen und das merkt man an den Miis, die sich auf dem Platz tummeln, ganz besonders. Die Texturen sind sehr hübsch und der Stil für eine (wenn man so möchte) Freizeitparksimulation sehr witzig. Alle Attraktionen sind so konzipiert, dass sie nicht wie das Original wirken, da alles aus Stoff oder Metallen besteht – Yoshi’s Story lässt grüßen. Unterlegt wird jegliches Geschehen mit der entsprechenden Musik aus dem Franchise und besonders ältere Spieler werden den Soundtrack genießen können, da sie die Videospiele, an denen sich Nintendo Land anlehnt, bereits gespielt haben. Obwohl die Attraktionen sehr unterschiedlich ausfallen und genügend Spaß machen, finden wir es schade, dass man nicht bei allen Minispielen die Möglichkeit hat, sie mit Freunden zu spielen. Das gilt sowohl offline, als auch online. Ein Online-Mehrspielermodus oder gar simple Online-Ranglisten fehlen. So bleibt unterm Stich also die Miiverse-Einbindung, in denen wir anderen Spielern persönliche Erfahrungen in Textform mitteilen können. Das macht Sinn, erhöht den Spielspaß aber nur bedingt. Nintendo Land demonstriert also in erster Linie die Fähigkeiten des Wii U GamePads, doch wie Wii Sports wird man es auch noch in Jahren spielen wollen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Björns Fazit: Nintendo Land hat mich wirklich überrascht. Eigentlich hatte ich nicht viel mehr erwartet als ein schnödes Aneinanderreihen einiger Techdemos. Nüchtern betrachtet ist es zwar auch nicht viel mehr, aber dennoch vermittelt das Spiel einen großen Charme und kann die Besonderheiten der Konsole gut in Szene setzen. Vor allen Dingen ist diese Minispielsammlung in Wahrheit gar nicht so mini. Man kann wirklich zahlreiche Stunden mit den Spielen zubringen – egal ob mit mehreren Spielern oder ganz alleine. Die besonders umfangreichen Spielchen zu den Franchises von Metroid oder The Legend of Zelda wirken auf mich leider aber etwas deplatziert. Die Grenze zwischen einem echten Titel und einem Minispiel ist hier sehr schwammig gezeichnet, denn der Umfang spricht für ein eigenes Spiel, die Einfachheit der Spielmechanismen für ein Minispielchen. Nintendo Land ist dennoch bereits Grund genug, um zur Premium-Variante der Wii U zu greifen.

Erics Fazit: Da ich mir das Premium Pack der Wii U gekauft habe, lag Nintendo Land schon dabei und so musste ich nicht noch einmal fünfzig Euro ausgeben und habe dafür auch noch die bessere Konsolenausstattung bekommen. Als das Spiel damals vorgestellt wurde, war ich allerdings noch nicht so sehr überzeugt. Das Spiel bot mir in meinen Augen damals einfach zu wenig Inhalt, doch diese Aussage möchte ich nun revidieren. Wenn man tatsächlich alles in Nintendo Land sehen und erleben möchte, wird man unzählige Stunden investieren müssen. Dabei ist es egal, ob man nun lieber alleine oder mit Freunden spielt. Grundsätzlich gibt es immer ein Minispiel, welches man gerade spielen, seinen Highscore knacken oder einfach nur dabei Münzen verdienen möchte, um auch das letzte Item freizuspielen. Ich finde es jedoch sehr schade, dass einige Spielchen nur alleine und andere Attraktionen wiederum einzig und allein mit Freunden gespielt werden können. Das beschränkt die Spielauswahl und auch im letzten Jahr (2012) konnte man bereits von Entwicklern erwarten, eine künstliche Intelligenz zu entwickeln oder zumindest einen funktionierenden Online-Modus einzubauen. Trotzdem ist Nintendo Land ein Spiel geworden, welches mir aufgrund des großen Wiedererkennungswert sehr gefallen hat. Überall gibt es Sounds oder ganze Musikstücke, die ich aus Kindheitstagen kenne und selbst heute noch gerne mitsumme. Abschließend hoffe ich, dass Nintendo für das Wii-U-Debüt-Spiel ein Update herausbringen wird, welches zusätzliche Funktionen oder gar Inhalte mit sich bringen wird. Wii-U-Besitzer und Nintendo-Fans kommen um Nintendo Land aber ohnehin nicht herum, denn dafür bietet der Titel viel zu viele spaßige Momente.

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