Review: Soul Eater (Vol. 1)

Soul Eater Vol. 1 (1)Animes wie Naruto oder Dragonball genießen hierzulande unter Unwissenden oft den Ruf eines Kinderprodukts mit einem Niveau, das man angeblich nicht ernst nehmen kann. Soul Eater reiht sich ohne Zweifel auch in dieses Genre ein, ist aber der Anime, der noch am wenigsten auf der gleichen Wellenlänge mit diesen anderen Serien liegt.

Soul Eater Vol. 1 (2)Auf der Shinigami-Fachschule für Waffenhandwerk werden Schüler ausgebildet und trainiert, um in der fiktiven Stadt Death City und anderen Orten unserer Welt auf Monsterseelenjagd zu gehen. Dabei arbeiten Waffenmeister wortwörtlich Hand in Hand mit ihren Seelenwaffen, die sich nach Belieben in eine menschliche Form transformieren können, zusammen. Im Rampenlicht der Serie steht dabei die Musterschülerin Maka Albarn mit ihrer Waffe Soul Eater, einer imposanten Großsense. Das Schulziel ist erreicht, wenn 99 Seelen von verdorbenen Lebewesen, also schlechten Menschen oder Monstern, und die einer Hexe erlangt wurden. Falls Soul Eater die insgesamt hundert Seelen verspeist hat, verwandelt er sich in eine mächtige Death Scythe. Das misslingt unserem zweiköpfigem Team schon in der ersten Episode (sonst wäre die Serie ja auch schon vorbei), sodass alle bisherig gesammelten Seelen ungültig werden und die Beiden noch einmal von Null vorne beginnen müssen. Nach dem drei Folgen langen selbsternannten Prolog, in dem alle Charaktere vorgestellt werden und der Zuschauer ein Gespür für das verdrehte Universum von Soul Eater bekommen soll, geht es erst richtig los.

Eine bewährte Form mit anderen Ansätzen

Soul Eater Vol. 1 (3)Die Serie bleibt streng episodisch, sodass wir eine fortlaufende Story und eine konstante Charakterentwicklung, jedenfalls in der ersten Ausgabe, noch vermissen. Durch Kleinigkeiten wie dem Humor und dem Artdesign hebt sie sich dennoch klar und eindeutig von anderen Genrevertretern ab und parodiert sie sogar an einigen Stellen. Das heißt, dass sich unsere Helden zwar jede Folge aufs Neue Standard-Feinde der Unterwelt, darunter auch Zombies und Mumien, entgegenstellen müssen, richtig langweilig wird das aber nie. Die Protagonisten sind mit unzähligen Ticks und Macken bespickt, die uns mit einer Vielzahl an Running Gags öfters herzhaft zum Lachen bringen können. Soul ist zum Beispiel derjenige, der nach außen mies gelaunt ist und dem alles egal zu sein scheint. Dennoch kann er sich zusammenreißen, wenn die Situation es von ihm verlangt. Mindestens genauso viele Folgen wie Soul und Maka, werden der Mondsichelgruppe gewidmet. Sie besteht aus dem übermütigen Black Star und der zurückhaltenden und stets freundlichen Tsubaki Nakatsukasa. Falls sie sich nicht gerade wieder gegenseitig in die Haare kriegen, bilden sie trotz ihrer Unstimmigkeiten ein fabelhaftes Team.

Der Grad zwischen Spaß und Ernst

Soul Eater Vol. 1 (4)Am lustigsten finden wir aber einstimmig den Sohn des Schuldirektors Death the Kid, der einen unbändigen Drang zur perfekten Symmetrie hegt. Obwohl er selbst seine Frisur bewusst asymmetrisch trägt, lässt diese Manie ihn auch mitten in wichtigen Kämpfen umkehren, wenn er sich entsinnt, einen Bilderrahmen nicht ideal symmetrisch aufgehängt zu haben. An einer anderen Stelle sieht er sich einem übermächtigen Gegner hilflos ausgeliefert, bis er bemerkt, dass dieser Gegner es mit der Symmetrie nicht allzu ernst nimmt, was ihn wiederum vor Wut und Zorn ungeahnte Kräfte verleiht. Der Anime nimmt sich über weite Strecken natürlich überhaupt nicht ernst und auch kein Blatt vor den Mund, um den Zuschauer mit den absurdesten Witzen zu unterhalten. Genau dort liegt leider eine der größten Schwächen der Serie. Wenn Soul Eater anfängt, ernsthafte Geschichten zu erzählen, singt das Niveau des Animes um einige Stufen und findet sich neben dem von miesen Action-Serien wieder. Genau diese leichte und spaßige Art, die sonst alle Dialoge und Handlungsinhalte durchzieht, wird aber ungefähr ab der Hälfte der Serie drastisch zurückgefahren und muss belanglosen Plot-Fragmenten weichen.

Ein einzigartiger Stil

Soul Eater Vol. 1 (5)Die Serie von 2008 basiert auf dem Manga von Atsushi Ōkubo und wurde in Deutschland schon vor einigen Jahren auf Animax ausgestrahlt. Nach der Insolvenz des damaligen Labels erschien sie in Deutschland bis jetzt noch nicht auf DVD. Ein Glück, dass die Zeichnungen (unter anderem von Studio Bones) sehr gut gealtert sind, denn die vergleichsweise butterweichen Animationen kommen noch heute im 16:9-Format gut zur Geltung. Die einzigartige Welt Soul Eaters, in der scheinbar auch normale Gegenstände eine Seele besitzen, ist aber auch so sehr humorvoll gestaltet, obwohl sie teilweise fast schon makabere und bizarre Elemente besitzt. Deswegen erkennen wir in manchen Bäumen oder auch in der hämisch lachenden Sonne Gesichtsmerkmale wie Münder und Augen. Richtig agieren tun sie nicht, denn sie dienen eigentlich nur dazu, die Hintergründe abwechslungsreich zu gestalten. Zunächst scheint es, dass die Animationsstudios hier und da ein wenig zu tief in den Farbtopf gegriffen haben. Die Farbwahl ergänzt sich dennoch super mit dem fulminanten Artdesign. Aufgrund der Menge an Blut und deutlichen Kampftreffern erhält die Serie  eine Freigabe ab 16 Jahren.

Durchwachsene Synchronisation

Soul Eater Vol. 1 (6)Alle Folgen der 13 Folgen starken ersten Episodensammlung verfügen sowohl über die deutsche als auch die japanische Sprache im Tonformat Dolby Digital 2.0 und separate deutsche Untertitel. Leider ist das beim Opening und dem Ending nicht der Fall, die lediglich mit den originalen Kanji untertitelt sind. Musikalisch und visuell treffen die beiden Clips den Kern der Serie. Da können wir auch über schwarze Balken am oberen und unteren Bildschirmrand hinwegsehen, die in einigen Szenen im Opening zu sehen sind. Bei der Synchronisation spalten sich die Meinungen. Sie besitzt zwar mit Ausnahme der Stimme von Fabian Harloff keine klar erkennbaren Höhen und Tiefen, bewegt sich aber auch sonst nur im Synchronistationsmittelmaß. Harloffs Stimme ist für sich dagegen eigentlich sehr gut, nur leider zu tief und deswegen fehlbesetzt, denn im japanischen Original klingt Black Star wesentlicher jugendlicher, was auch zu seinem kindlichen Charakter passt. Gut finden wir dagegen, dass viele ulkige Reime und Wortspielereien, die oft nur im Japanischen funktionieren und generell oft den Todesstoß für deutschsprachige Comedy-Animes bedeuten, auch im Deutschen einigermaßen gut funktionieren.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Ich war anfangs erstaunt, wie viele Leute noch gar nichts von dem Anime gehört haben – inklusive unseres Chefredaktuers Eric. Soul Eater ist eine einzigartige Marke mit einem Wiedererkennungswert, dem zu Unrecht der große Erfolg, wie ihn zum Beispiel hierzulande One Piece davonträgt, verwehrt blieb. Hoffentlich ändert sich das nun mit dem Erscheinen der DVDs, das mit einer sehr erfreulichen Preis-pro-Episonden-Politik viele Käufer ansprechen könnte. Dafür liegt dem Anime jedoch keinerlei Zusatzmaterial bei, was ich bei der Anzahl an Episoden und bei dem problemreichen Hintergrund überhaupt nicht schlimm finde. Dafür bemängle ich lieber das Wende-Cover, über welches ich mich erste freute, bis ich zu der Erkenntnis gekommen bin, dass es ein exaktes Ebenbild der Vorderseite, nur eben ohne dem FSK-Logo darauf, darstellt. Ich sehe keinen Grund, warum Polyband nicht ein zusätzliches Motiv gewählt hat. In Farbe ist es ja schließlich auch. Obwohl in Deutschland der erste Episodenpack ab 16 Jahren freigegeben wurde, richtet sich die Serie ohne Zweifel an das jüngere Publikum. Trotzdem denke ich, dass auch Erwachsene über den abgefahrenen Humor lachen können und besonders sie den interessanten Stil wertschätzen werden.

Vielen Dank an Polyband für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Soul Eater Vol. 1!

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