Review: Fable Anniversary

Fable Anniversary (1)Wir erinnern uns noch gut an die Versprechen, die Märchenonkel Peter Molyneux bei Fable vor mehr als zehn Jahren gemacht hat und sie nicht einhalten konnte. Trotzdem kann der Titel des übermotivierten Designers auch zehn Jahre nach seinem Release noch überzeugen.

Fable Anniversary (2)Fable Anniversary ist das HD-Remake des ersten Teils der Fable-Reihe. Nach wie vor spielen wir den Sohn der Gladiatorin Scharlachrobe und des Waldhüters Brom. Die Geschichte setzt zudem bereits in der Kindheit unseres Helden in seinem Heimatdorf Oakvale ein. Genauer gesagt am Geburtstag unserer Schwester Theresa. Von Brom erhalten wir die Aufgabe, gute Taten in Oakvale zu vollbringen. Für jede gute Tat erhalten wir ein Goldstück und mit drei Goldstücken können wir schließlich ein Geburtstagsgeschenk für unsere Schwester kaufen. Fable Anniversary lässt uns jedoch wie das Original die Wahl, ob wir nun gute oder auch böse Taten vollbringen wollen. So piesackt ein Rowdy einen kleinen Jungen. Entweder helfen wir dem Buben und vertreiben den Miesepeter oder wir machen mit diesem gemeinsame Sache. So oder so wird die Handlung stringent vorangetrieben – sie nimmt einfach nur eine andere Wendung. An diesem schönen Tag in Oakvale kommt es jedoch wie es kommen musste. Das Dorf wird von Banditen überfallen und brandgeschatzt. Als vermeintlich letzter Überlebender werden wir von Magier Maze rekrutiert und prompt in die Heldengilde gebracht. Gebeutelt durch die Geschehnisse, lassen wir unsere Kindheit hinter uns und starten mit der Ausbildung zu einem Helden, der das Fantasy-Reich Albion retten oder in den Untergang treiben wird.

Stärke, Fertigkeit und Magie

Fable Anniversary (3)Während unserer Ausbildung werden wir in die Grundlagen des Spiels eingewiesen. Es bleibt uns frei, ob wir lieber mit einem Schwert, dem Bogen oder mit Magie kämpfen, doch Obacht: Je nachdem wie wir mit den Gegnern im Spiel umgehen, erhalten wir neben den normalen Erfahrungspunkten auch Erfahrungspunkte in den drei genannten Kategorien, die wir für neue Fähigkeiten ausgeben. Besonders früh im Spiel ist es wichtig, sich zunächst auf eine Richtung festzulegen. Sobald wir im Spiel fortgeschritten sind, purzeln die Erfahrungspunkte ohnehin nur so von den Leichen der Feinde und die Kombination mehrerer Fähigkeiten macht dann durchaus Sinn. Haben wir die Ausbildung abgeschlossen, werden wir in die Wildnis von Albion entlassen. Wer eine offene Spielwelt eines The Elder Scrolls III: Morrowind erwartet, wird enttäuscht. Zwar ist die Welt frei begehbar, doch nur auf vorgeschriebenen Wegen. Rechts und links befinden sich natürliche Begrenzungen wie Abhänge oder Mauern, die das Ausbrechen aus der Spielwelt verhindern. Trotzdem ist das kein Manko, denn der Titel setzt nach wie vor auf andere Elemente und die macht er richtig gut. In der Heldengilde nehmen wir Quests an, die nach dem Absolvieren unseren Bekanntheitsgrad steigern und so weitere Aufgaben freischalten. Nebenbei festigen wir die gute oder böse Gesinnung unseres Helden.

Die Bekanntheit eines Helden

Fable Anniversary (4)Ab einem bestimmten Gesinnungswert erscheint unserem Helden entweder ein Glorienschein über seinem Haupt oder ihm wachsen zwei Hörner aus diesem. Je nachdem wie stark unsere Ausrichtung und unser Bekanntheitsgrad ist, reagieren auch die Menschen in Albion auf uns. Einem strahlenden Helden etwa applaudieren sie, doch wenn sie einen gefürchteten Schurken erblicken, nehmen sie schnell die Beine in die Hand und schreien um ihr Leben. Um unseren Bekanntheitsgrad zu feiern, dürfen wir zu den meisten Quests auch Großtaten übernehmen. Entscheiden wir uns dafür, werden wir vor die Tore der Heldengilde teleportiert und geben auf dem dortigen Podium vor Publikum an. Wir können beispielsweise prahlen, dass wir den Quest nackend absolvieren, keine Waffen verwenden oder unverwundet bleiben werden. Haben wir das geschafft, erhalten wir zusätzlich ein paar Goldmünzen. Die brauchen wir auch, denn mit der Ausbildungskleidung kommen wir nicht weit. Ein Held braucht eine gute Rüstung, mächtige Waffen und natürlich Heiltränke. Letztere finden wir jedoch auch sehr oft in der Wildnis, weshalb wir das Geld besser für etwas anderes sparen sollten. In jeder Stadt gibt es beispielsweise ein Haus, welches wir kaufen dürfen. Entweder verkaufen wir es später, wir vermieten es an Familien oder ziehen sogar selbst mit Ehefrau und Kind ein.

Möglichkeiten über Möglichkeiten

Fable Anniversary (5)Schöne Damen oder feine Herren lassen sich mit Geschenken bezirzen, bis sie schließlich einen Ehering von uns fordern. Relevant für das Spiel ist das jedoch nicht, aber immerhin eine nette Dreingabe. Dreingaben sind auch die Minispiele in den Städten. Hühnerweittreten, das eine oder andere Kneipenspiel oder Bogenschießen machen durchaus Spaß und lenken vom harten Heldenalltag ab. Wer mit einer Angelrute oder einem Spaten ausgerüstet ist, angelt nach versunkenen Schätzen oder buddelt diese, beispielsweise aus Friedhofsgräbern, aus. In einigen Fällen finden wir dabei die sogenannten Silberschlüssel. Überall in der Spielwelt gibt Truhen, die nur aufgehen, wenn wir eine bestimmte Anzahl an Silberschüsseln mit uns führen – oft werden wir mit besseren Waffen oder Ausrüstungsgegenständen belohnt. Belohungen winken ebenfalls, wenn wir zu den Dämonentoren pilgern. Die sprechenden Türen verlangen von uns bestimmte Opfergaben. Das kann der Mord an einer Person, die Ehe mit einer Frau, eine ausgebaute Fertigkeitsleiste oder eine strahlende Rüstung sein. Bereits hier haben die Lionhead Studios bewiesen, dass man mit der Fable-Reihe einen unkonventionellen Weg einschlagen und sich von der Konkurrenz absetzen will. Fable II und Fable III zeigen aber noch deutlich besser, wie man dieses Ziel erreichen kann. Fable ist die geborene Grundlage.

Die Gefahr des Einfrierens

Fable Anniversary (6)Blicken wir auf die letzten zehn Jahre zurück, hätte man aus Fable Anniversary jedoch noch sehr viel mehr rausholen können. Die Entwickler haben sich fast ausschließlich der Grafik des Spiels gewidmet. Der Grafikstil ist jetzt weniger bunt und orientiert sich mehr an den beiden Nachfolgern, ohne aber deren optische Qualität zu erreichen. Trotzdem ist die Welt immer noch in Instanzen eingeteilt. Das wäre zwar aufgrund der Vorlage nur bedingt veränderbar gewesen, doch Ladezeiten von zehn bis dreißig Sekunden müssen auf der Xbox 360 beim Gebietswechsel definitiv nicht sein. Außerdem standen die Vorzeichen, dass der Titel mit einigen Bugs auf den Markt kommt, seit der letzten Gamescom nicht schlecht. Dort konnten wir den Titel bereits zwanzig Minuten anspielen. Ruckelorgien und Systemabstürze haben wir nicht nur bei uns, sondern auch bei anderen Spielern beobachtet. Während Ruckelorgien im fertigen Spiel zum Glück so gut wie nie auftreten, ist uns das Spiel beim Testen sechs bis sieben Mal eingefroren. In diesem Falle half es nur, die Xbox 360 vollständig neu zu starten. Reproduzierbar war das Bildschirmeinfrieren indes nicht. Die Entwickler arbeiten angeblich zwar an einem Patch, doch fragen wir uns einmal mehr, warum man diese Fehler nicht früher in den Griff bekommen hat und das Spiel fehlerhaft auf den Markt geschmissen wird.

Neues Feature: SmartGlass

Fable Anniversary (7)Trotzdem haben wir uns beim Testen dabei ertappt, wie wir diese Fehler hingenommen und die Konsole wieder eingeschalten haben. Fable Anniversary macht wie das Original sehr viel Spaß und motiviert durchgehend bis zum großen Finale, wirklich alle Fähigkeiten zu meistern und alle Nebentätigkeiten abzuschließen. Das macht sogar dann noch Laune, wenn die Story längst abgeschlossen ist und wir immer noch durch Albion reisen dürfen. Hier erinnert uns das Rollenspiel ein wenig an die The-Legend-of-Zelda-Reihe, da deren Welten ebenso mit vielen Geheimnissen und Rätseln gespickt ist. Trotzdem finden wir es schade, dass man dem Titel nur eine mittelmäßige SmartGlass-Unterstützung spendiert hat, anstatt neue Quest oder Kampfoptionen für das zehnjährige Jubiläum zu entwickeln. Wer während des Spielens sein Tablet PC (in unserem Test ein Acer Icoania Tab A510) eingeschaltet hat, kann via SmartGlass eine Karte von Albion mit allen besuchten Orten aufrufen und so sehen, wo sich Truhen und Aufgaben befinden. Das ist größtenteils sehr nutzlos, denn die Fundorte aller Silberschlüssel verrät das Feature nicht und da die Orte ohnehin überschaubar ausfallen, reicht da unserer Meinung nach die kleine Karte am oberen rechten Bildschirmrand ohnehin aus. Wer aber ein permanenter Nutzer von SmartGlass ist, wird sich wohl dennoch über das zusätzliche Feature freuen. Am Spiel ändert sich ja nichts.

Ein Stück Rollenspielgeschichte

Fable Anniversary (8)Die wunderschön gestaltete Welt lenkt ebenso vom Bildschirm des Tablet PCs ab. Dabei ist es egal, ob wir durch die Stadt Bowerstone tingeln, bei anhaltendem Regen ein magisches Schwert aus einem Stein nahe des Tempels von Avo ziehen oder durch die Sümpfe des sehr unappetitlichen Darkwood schlendern. Das Design der Spielwelt ist für die Verhältnisse von 2004 auch heute noch sehr spannend. Passend dazu wird das Geschehen entweder mit recht fröhlichen oder eher düsteren Klängen unterlegt. Einige Melodien hat man auch noch Tage oder Jahre nach dem letzten Spielen im Kopf. Hier haben die Komponisten Danny Elfman und Russell Shaw großartige Arbeit geleistet. Allerdings müssen wir sagen, dass Kenner des Originals nicht unbedingt zu Fable Anniversary greifen müssen. Auch dann nicht, wenn sie The Lost Chapters (ein Erweiterungspaket, welches mit der PC-Fassung von Fable im Jahr 2005 eingeführt wurde) noch nicht kennen. Die Änderungen sind zu gering, als dass sich ganze vierzig Euro tatsächlich lohnen würden. Fable-Fans greifen aber vermutlich trotzdem zu und jene, die mit der Serie erst später begonnen haben oder sie noch gar nicht kennen, bekommen mit Fable Anniversary jetzt die beste Gelegenheit, ein Stück Rollenspielgeschichte nachzuholen. Fable (Anniversary) gehört absolut in jede gut sortierte Rollenspielsammlung!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung von Fable: The Lost Chapters und der Xbox-360-Fassung von Fable Anniversary): Als ich den Titel auf der letzten Gamescom anspielen konnte, habe ich leider kein gutes Gefühl gehabt. Ruckelorgien und Systemabstürze zeichnen den Titel auf der Messe in Köln, doch ein halbes Jahr später ist davon fast nichts mehr zu spüren. Das freut mich sehr, denn Fable (Anniversary) ist auf jeden Fall eines der Spiele, die man als Rollenspieler gespielt haben muss. Das Gesinnungssystem, welches sich optisch auf unseren Helden und stark auf seine Mitmenschen auswirkt, ist bis heute einzigartig in der Videospiellandschaft. Dazu gesellen sich Quests, die mit dem Großtatensystem ebenso sehr viel frischen Wind in die Welt der Rollenspiele gebracht haben. Abgerundet wird das Paket mit einer schönen Welt, einem grandiosen Soundtrack, illustren Charakteren wie Maze, Donner, Whisper, Dornernrose, Messer-Jack und Scharlachrobe, vielen Geheimnissen und einem motivierenden Kampfsystem. Fable Anniversary hat nichts von der Faszination des Originals eingebüßt und jeder, der den Ursprung dieser Serie (oder die Serie im Ganzen) überhaupt nicht kennt, bekommt jetzt die beste Gelegenheit, diese(n) nachzuholen. Für mich ist und bleibt Fable ein Spiel, welches man in seinem Leben unbedingt gespielt haben muss!

Vielen Dank an Microsoft für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Fable Anniversary!

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