Review: Meister aller Klassen III

Meister aller Klassen III (1)Die Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts sind schon sehr kurios. Martial-Arts-Filme sind hierzulande meistens nur in sehr geschnittener Form erhältlich und Titel, die inhaltlich nichts miteinander zu tun haben, werden zu einer eigenen Filmreihe erkoren, wie es hier der Fall ist.

Meister aller Klassen III (2)Eine richtige Trilogie wird mit Meister aller Klassen III dementsprechend nicht vollendet. Die Filme tragen im Original ohnehin andere Titel. Während der zweite Serienteil deshalb schon vor dem ersten Teil gedreht werden kann, ist es nicht verwunderlich, dass der dritte Teil somit beim Kinostart der zweiten Filmepisode schon lange im Kasten ist. Die Einordnung des Films, der im Original New Fist of Fury heißt, ist jedoch nicht nur deshalb abenteuerlich. Regisseur Wei Lo dreht 1972 zusammen mit Bruce Lee Todesgrüße aus Shanghai. 1973 stirbt der bis dahin wohl bekannteste Kampfkünstler an bis heute nicht gänzlich geklärten Umständen. Zu diesem Zeitpunkt kennt Lo Jackie Chan bereits, da dieser in Todesgrüße aus Shanghai als Stuntdouble tätig ist. 1976 dreht Lo in Anlehnung an diesen Film, der auf den Namen Fist of Fury hört, New Fist of Fury beziehungsweise Meister aller Klassen III. Chan erhält in diesem Film seine erste große Rolle. Eine wichtige Rolle spielt auch der historische Kontext für den Film. 1895 muss China in Folge des Ersten Chinesisch-Japanischen Kriegs die Insel Taiwan an Japan abtreten. Taiwan wird zu einer Kolonie Japans, wodurch das Kaiserreich im Zeitalter des Imperialismus an Prestige gewinnt. Der Film thematisiert die Gegensätze zwischen Japanern und Taiwanesen über eine kurze Zeitspanne, gefühlt mehrere Wochen, hinweg.

Von Shanghai nach Taiwan

Meister aller Klassen III (3)Nach der Schlacht um Shanghai im Jahr 1937 fliehen Rebellen aus der Stadt. Ihr Ziel ist die Insel Taiwan, denn eine der Rebellen möchte dort ihren letzten Verwandten, ihren Großvater, aufsuchen. In Shanghai hat ihre Familie eine Kampfschule besessen, doch durch die Angriffe der Japaner kamen diese ums Leben. Sie schwört Rache, doch anstatt von ihrem Großvater in Schutz genommen zu werden, möchte dieser sie lieber fort schicken, da ihr Leben auf Taiwan wohl ebenso gefährdet ist. Sie bleibt jedoch standhaft und verweilt auf Taiwan. Ein anderer der Rebellen verliert bei der Ankunft im Hafen jedoch sein Nunchaku beziehungsweise wird es ihm dort von einem Dieb gestohlen. Dies ist die erste Szene im Film, in dem sich die zwei elementaren Handlungsstränge überschneiden. Der Dieb ist niemand geringeres als Ah Lung, der im Ort bereits bestens bekannt ist, Ärger zu machen. Grund dafür ist jedoch die japanische Besatzung, die ihm und seinem Onkel den Handel untersagt. Lung gerät zudem ständig mit den Japanern zusammen und zieht ebenso ständig den Kürzeren. Als er sich eines Tages mit einer Kampfschule anlegt, wird er bewusstlos geschlagen. Von besagter Enkelin wird Lung in einem Graben gefunden und gesund gepflegt. Als ihr Großvater dann auch noch durch einen Japaner den Tod ereilt, schließt sich Lung ihrer Sache an und lernt in ihrer Schule Kung Fu.

Kritikpunkte

Meister aller Klassen III (4)Die Gegensätze zwischen der taiwanesischen und japanischen Kultur werden dabei vor allem durch die Dialoge deutlich gemacht. Es ist klar, dass der Film 31 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Kritik an der japanischen Nation übt. Wenn ein Taiwanese davon spricht, dass er alle Japaner wie Hunde abschlachten will, sollte man sich jedoch fragen, ob es die einzige Aufgabe des Films sein soll, Kritik auszuüben. Kritik wird jedoch auch in weitaus humanerer Form geäußert. Der Film liegt zudem in drei Fassungen auf der Blu-ray Disc vor. Die ungeschnittene Fassung hat 121, die deutsche Kinofassung noch 93 und die internationale Version kommt mit 83 Minuten aus. Geschnitten wird nicht nur an Kampfszenen. Ebenso sind die Dialoge von der Schere betroffen, weshalb interessante Fakten in den kürzeren Fassungen verloren gehen. Es empfiehlt sich definitiv die Langfassung zu sehen. Die unsynchronisierten Stellen sind dabei mit deutschten Texten untertitelt. Leider liegen nur die kürzeren Fassungen in 5.1 DTS-HD vor; die Langfassung kommt mit 2.0 (Mono) DTS-HD aus. Die Qualität der Tonspur und auch die Qualität des Bildes lassen stellenweise leider sehr zu wünschen übrig. Die Tonspuren beinhalten teilweise dumpfes Klopfen und Walzgeräusche im Hintergrund. In puncto Bild gibt es regelmäßig verschiedene Verunreinigungen. Bonusmaterial liegt nicht vor.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Die Geschichte Chinas und Japans ist für mich immer sehr interessant. Diese Charakterisierung in Filmen zu bestaunen, ist immer ein Genuss. Meister aller Klassen III, egal ob der Titel für diesen Film nun Sinn ergibt oder nicht, ist – im Hinblick auf das Entstehungsjahr – sicherlich ein netter Versuch, die Vergangenheit in unterhaltsamer Weise aufzuarbeiten. Die Martial-Arts-Einlagen mögen zwar nicht die besten seien, doch da Chan hier noch am Anfang seiner Karriere steht, habe ich damit kein Problem. Viel interessanter sind ohnehin auch die Dialoge, welche die beiden Kulturen vorstellen. Schade finde ich jedoch, dass die Geschichte recht einseitig wirkt, da das Geschehen in vielen Fällen nur (negativ) aus Sichtweise der taiwanesischen Bevölkerung erzählt wird. Unpassend ist in meinen Augen jedoch, dass man den Film vor einem ernsten Hintergrund zeigt, ihn aber zudem auch noch einmal nutzt, um an Bruce Lee zu erinnern. In zwei Szenen wird nämlich einfach kurz ein Bild von Lee eingespielt. Das ist zwar eine Verbeugung vor seiner Leistung, aber einfach unpassend. Trotzdem sollte man sich Meister aller Klassen III anschauen, wenn man Chan in seiner ersten großen Rolle unbedingt einmal in Aktion sehen möchte.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Meister aller Klassen III!

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