Review: Pokémon Trading Card Game

Pokémon Trading Card Game (1)Als japanische Videospieler 1998 in den Genuss des digitalen Pokémon Trading Card Games kommen, wissen nur wenige informierte Fans, welcher Boom erst ein Jahr später in Europa losgetreten wird. Die Pokémon beginnen in Europa ihren Siegeszug nämlich erst im Jahr 1999.

Pokémon Trading Card Game (2)Bis nach den ersten beiden Pokémon-Editionen das Sammelkartenspiel in Videospielform in Europa Einzug hält, vergehen zum Glück nicht erneut drei weitere Jahre. Schon im Dezember 2000 kann man den Titel Dank der anhaltenden Faszination der Pokémon in hiesigen Läden für den GameBoy Color erstehen. Der ebenfalls für Nintendos GameBoy Color entwickelte Nachfolger Pokémon Card GB2: Great Rocket-dan Sanjō! erblickt 2001 dann nur noch das Licht der Welt in der japanischen Heimat. Hierzulande wartet man darauf vergeblich und man muss sich die Zeit entweder mit der goldenen und der silbernen Edition der Rollenspielreihe vertreiben oder in das richtige Sammelkartenspiel einsteigen. Trotz prädestinierter Technik der nachfolgenden Handhelds DS und 3DS gibt es bis heute leider keinen weiteren Vertreter des Franchises auf einer Videospielkonsole. Wer den Titel im Jahr 2000 leider verpasst hat, bekommt jetzt jedoch für einen sehr günstigen Preis in den Genuss der Download-Variante für den 3DS. Nach wie vor übernehmen wir die Rolle eines Jungen, der eines Tages die vier legendären Pokémon-Karten erben will. Um diese Pokémon-Karten zu erhalten, muss er am Ende seiner Reise die vier Meister besiegen. Bis dahin ist es jedoch ein steiler Weg, denn um überhaupt zu den vier Meistern vorgelassen zu werden, muss er acht Club-Meister bezwingen.

Aller Anfang ist… leicht!

Pokémon Trading Card Game (3)Am Anfang des Abenteuers finden wir uns im Labor von Doktor Mason wieder. Der Forscher beschäftigt sich mit dem Pokémon-Sammelkartenspiel und führt uns mit seinem Assistent Jan prompt in die Grundlagen des Spiels ein. Wer das echte Sammelkartenspiel bereits kennt, darf die Einführung zwar müde belächeln, doch Nichtkenner der Vorlage freuen sich über eine gut verständliche Präsentation. Am Anfang eines jeden Duells ziehen wir sieben Karten von dem aus sechzig Karten bestehenden Kartenstapels. Anschließend wählen wir ein Basis-Pokémon aus, welches den Kampf zuerst bestreiten darf. Weitere Basis-Pokémon platzieren wir auf der Bank, wo sie auf ihren Einsatz warten. Danach werden noch Pokémon-Karten als Preise auf dem Feld platziert und eine Münze geworfen, wer den Kampf beginnt. Danach gilt es unser Pokémon so schnell wie möglich einsatzbereit zu machen. Dies funktioniert nur, indem wir Energie-Karten auf dem aktiven Basis-Pokémon platzieren. Jedes Pokémon verfügt nämlich wie in der Rollenspielserie über bestimmte Attacken. Diese können jedoch nur vom Pokémon durchgeführt werden, wenn dieses über ausreichend Energie-Karten verfügt. Mit den nächsten Angriffen ziehen wir dem gegnerischen Taschenmonster in Kartenform Kraftpunkte ab. Das funktioniert im Sammelkartenspiel so, dass wir Schadensmarken auf der Karte platzieren.

Taktik des Rollenspielvorbilds

Pokémon Trading Card Game (4)Dabei müssen wir auch darauf achten, dass wir Stärken und Schwächen unserer Karten auf die des Gegner anpassen. Ein Wasserangriff mit einem Turtok schädigt ein Feuer-Pokémon wie Arkani natürlich umso mehr. Andersherum fügt ein Kampf-Pokémon einem fliegenden Tauboga aufgrund dessen Resistenz nur wenig Schaden zu. Auch Items haben es in das Spiel in Form von Trainer-Karten geschafft. Man sollte also nicht davor zurückschrecken, Tränke einzusetzen, wenn ein Pokémon geschwächt ist. Pokémon Trading Card Game bietet also eine Spieltiefe, wie wir sie aus der Rollenspielreihe bereits kennen. Dadurch, dass sich bis auf die Münzwürfe, die eine kräftige Portion Glück ins Spiel bringen, nahezu alles berechnen lässt, wirkt der Titel sogar etwas taktischer als die Hauptreihe. Nach jedem Kampf ernten wir hier jedoch keine Erfahrungspunkte, sondern erhalten eine oder mehrere Booster-Packungen, die neue Karten beinhalten. Diese stecken wir dann wiederum in unser Deck oder basteln uns mit den neuen Karten von Grund auf ein neues Kartendeck. Sind wir dazu zu faul, können wir uns in Doktor Masons Labor sogar vorgefertigte Zusammenstellungen zu einem Deck formen lassen – sofern wir denn alle nötigen Karten besitzen. Wer wie in der Hauptreihe von Beginn an mit einem nahezu unveränderten Team durchstarten will, wird bald Niederlagen einstecken.

Komplexes Regelwerk trotz begrenzter Technik

Pokémon Trading Card Game (5)Läuft man beispielsweise mit seinem Schiggy-und-Freunde-Deck nicht in den Feuerclub, ist man im Elektro-Club schnell aufgeschmissen. Das heißt jedoch nicht, dass wir wie in der Mega-Man-Reihe eine nahezu perfekte Route durch die Herausforderungen finden müssen – im Gegenteil: Mit jedem gewonnenen Kampf erhalten wir neue Karten, aus denen sich schon bald eigene Decks erstellen lassen. Die Welt von Pokémon Trading Card Game ist nämlich von Beginn an offen und über eine Oberwelt, die in diesem Titel gleich auf einem einzelnen Bildschirm Platz hat, wählen wir die acht verschiedenen Clubs, Doktor Masons Labor oder das Haus von Herrn Ishihara aus. Hier erkennt man auch, dass nicht das Entwicklerstudio Game Freak, welches die Rollenspiele der Serie erstellt, am Werke war, sondern Hudson Soft. Technisch ist das Spiel in einigen Punkten den Rollenspielen unterlegen, was man besonders in der teils mauen Menüführung und den Bewegungsanimationen merkt. Der Soundtrack ist zwar passend, könnte aber wesentlich stimmiger oder spannender sein. Trotzdem muss man die Entwickler loben, denn wie diese 1998 das komplexe Regelwerk auf die sehr begrenzte technische Grundlage von GameBoy und GameBoy Color zaubern, ist atemberaubend. Wir hoffen sehr, dass nach dreizehn langen Jahren bald wieder eine Fortsetzung erscheinen wird.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der GameBoy-Color- und der Virtual-Console-Version): Schon nach wenigen Spielminuten habe ich mich in der Spielwelt wieder richtig heimisch gefühlt. Ich weiß noch sehr, sehr gut, wie ich vor unzähligen Jahren die Meister der Clubs herausgefordert habe und ich weiß noch viel besser, wie viele Rückschläge ich als junger Videospieler einstecken musste. Diesmal gehe ich an das Spiel jedoch mit der einen oder auch anderen Sichtweise heran, erstelle meine Decks wesentlich besser und berechne Angriffe im Voraus. Kaum schaue ich auf die Uhr, bemerke ich auch schon, wie schnell die Zeit vergeht. Pokémon Trading Card Game ist sicherlich kein Spiel, welches man mal eben zwischendurch einlegen oder starten kann. Genau dieses Spielprinzip ist es auch, was Sammelkartenspiele in der Realität ausmachen – nur ist das digitale Pokémon Trading Card Game die wesentlich günstigere Variante! Wer nur mit den Pokémon der roten und blauen Edition spielen will, ein wenig Nostalgie empfinden oder sein Interesse ausweiten will, erhält mit diesem Titel einen sehr guten Einstieg ins Franchise. Obwohl ein digitales Spiel eigentlich keine Gerüche über ein Gerät verteilen kann, habe ich mehr als nur einmal den Farbgeruch von frischen Karten aus den ebenfalls digitalen Booster-Packungen gerochen. Unglaublich, aber wahr!

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Pokémon Trading Card Game!

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