Review: Once upon a Time in Vietnam

Once upon a Time in Vietnam (1)Manche Filme lassen sich nur sehr schwer in Worte fassen. Once upon a Time in Vietnam ist solch ein Film, da er sich an den Elementen verschiedener Genres bedient und sie zu einem wunderbaren Kunstwerk formt. Wir gehen auf eine märchenhafte Reise nach Vietnam.

Once upon a Time in Vietnam (2)Ob es sich bei dem Schauplatz des Films tatsächlich um Vietnam handelt, lässt sich schon ab der ersten Minute bezweifeln. Zwar ist der Film aus dem Jahr 2013 tatsächlich in Vietnam gedreht worden, doch die historischen Geschehnisse, die der Film vermitteln will, spiegeln in erster Linie nicht unbedingt die Wahrheit wieder, wie sich das Land nach der Besatzung durch das japanische Kaiserreich im Zweiten Weltkrieg entwickelt. Die Handlung dreht sich um den Kriegermönch Dao. Dessen Aufgabe ist es, Deserteure im ganzen Land aufzuspüren. Findet er einen Deserteur, muss er diesen auf der Stelle hinrichten. Das Blutvergießen nimmt kein Ende, rücksichtslos führt er seine Aufträge durch. Eines Tages führt ihn sein Weg in ein Fischerdorf. Dort soll er die hübsche Anh töten. Diese hat jedoch einen Ehemann und ein Kind. Die Mutter weckt in Dao Gewissensbisse, weshalb er zunächst beschließt, Anh zu verschonen. Das Leben des Paars und das von Dao geht seinen gewohnten Gang. Während Anhs Mann im Dorf eine Bäckerei leitet, ist sie für die Erziehung ihres kleinen Sohns verantwortlich. Dieser wird in der Schule nämlich von Raufbolden schikaniert, weil er klein und schwächlich ist. Die Beziehung zwischen Kind und Eltern wird auf eine harte Probe gestellt, als seine Mutter ihm vor den drei Raufbolden beschützt. Er wünscht sich so sehr, dass er es seinen Feinden heimzahlen kann.

Vierecksbeziehung

Once upon a Time in Vietnam (3)Während sein Vater dafür ist, dass der Junge lernen soll, wie er sich zur Wehr setzen kann, hält seine Mutter pazifistisch dagegen. Als Dao jedoch der Untermieter der Familie wird, erfährt ihr Sohn zwangsläufig, dass er ein Meister ist und mit dem Schwert umgehen kann. Während der Junge im Kampf unterrichtet wird, daraufhin erst in der Schule und dann auch noch zuhause für Unruhe sorgt, holt Anh und Dao die Vergangenheit ein. Dabei bleibt es jedoch nicht, denn als Daos Vorgesetzter erfährt, dass Anh nicht hingerichtet wurde, macht sich dieser selbst auf, um das Kriegsrecht durchzusetzen. Long ahnt jedoch nicht, dass er auch mit der Vergangenheit Anhs konfrontiert wird. Wie genau die Verknüpfungen zwischen den Protagonisten aussehen, lassen wir euch an dieser Stelle nur erahnen. Bis zum Ende bleibt es jedoch spannend und wendungsreich. Wendungsreich bedeutet auch, dass verschiedene Genre des Films in Once upon a Time in Vietnam charakterisiert werden. Die erste Szene erinnert zum Beispiel an einen Western, wo ein Unbekannter (Dao) eine Bar betritt. Dann wiederum fährt Dao auf einem Motorrad den Sonnenuntergang entgegen, doch der Himmel wirkt so, als ob bereits die Apokalypse längst zurückliegt. Die Geschichte rund um Anh ähnelt eher der eines Dramas denn eines Abenteuers; Gefühle und Emotionen werden in uns allseits geweckt.

Modernes Märchen

Once upon a Time in Vietnam (4)Das ist jedoch noch lange nicht alles, denn Once upon a Time in Vietnam verfügt über schier unendliche Facetten. Der Martial-Arts-Anteil wird so durch Fantasy-Elemente ergänzt. Hier werden die Fäuste von Dao zu Stein und Long attackiert seine Gegner mit Flammenangriffen. Außerdem gibt es noch Schwertkämpfe, welche Action und Spannung auf den Höhepunkt treiben. Diese Elemente passen gerade deshalb so gut zusammen, weil sie durch Rückblenden in die Zeit des Krieges in Etappen eingeführt werden beziehungsweise sich abwechseln. Die Computereffekte sind zwar nicht auf der Höhe der Zeit, fallen aber nicht sonderlich störend auf. Das Bild in 1080p macht dafür einen sehr guten Eindruck; alle Kulissen werden scharf und kontrastreich eingefangen. Sowohl die deutsche, als auch die vietnamesische Tonspur liegen auf der Blu-ray Disc in DTS-HD 5.1 Master Audio vor. Im Originalton wirkt der Film zwar einen Tick authentischer, aber auch die deutsche Synchronisation kann sich die ganzen 107 Minuten absolut hören lassen. Nach dem Abspann schauen wir uns gerne noch das 56 Minuten lange Bonusmaterial an, welches aus einem Behind-the-Scenes-Video besteht. Hier wird chronologisch durch die Entstehung des Films geleitet. Once upon a Time in Vietnam ist ein vietnamesisches, modernes und erwachsenes Märchen, auf dessen Reise ihr euch unbedingt begeben solltet!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Mit vietnamesischen Filmen hatte ich bisher noch keine Erfahrung gemacht und mit Once upon a Time in Vietnam direkt einen Glückstreffer gelandet. Der Film ist vielleicht an einigen Stellen nicht auf der technischen Höhe der Zeit, doch das gleicht er mit seiner wirklich spannenden und wendungsreichen Handlung, die sich an sehr vielen Facetten und recht verschiedenen Filmgenres bedient, absolut wieder aus. Egal ob Western, Drama oder Martial-Arts-Streifen – die Genres wechseln sich ständig ab und greifen teilweise ineinander über. Die Ideen sind hervorragend miteinander kombiniert und werden durchweg nicht langweilig, da immer wieder neue Geheimnisse ans Tageslicht kommen und die Geschichte so durchweg spannend bleibt. Schade ist höchstens, dass der Film nach 107 Minuten wieder vorbei ist. Ich würde so gerne noch viel mehr Zeit mit Once upon a Time in Vietnam verbringen. Das kann ich dann höchstens im Bonusmaterial, wo man sich sichtlich erkennen kann, wie viel Spaß die Schauspieler beim Dreh hatten. Ich kann Once upon a Time in Vietnam nur sehr empfehlen, denn solch ein vietnamesisches modernes Märchen gibt es in der Welt nicht noch einmal!

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Once upon a Time in Vietnam!

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