Review: I am a Hero

Zwischen 2009 und 2017 zeichnete Hanazawa Kengo den Manga I am a Hero. Eine Anime-Umsetzung gibt es erstaunlicherweise zwar nicht, doch dafür wurde das Werk im Jahr 2015 als Film adaptiert. Im Oktober 2017 erschien dieser hierzulande für den Heimkinomarkt.

Im Mittelpunkt der Story von I am a Hero steht der fünfunddreißigjährige Manga-Zeichner Suzuki Hideo. Vor fünfzehn Jahren erhielt er den Preis als bestes Nachwuchstalent, konnte seitdem jedoch keinen Erfolg mehr verbuchen. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitet er als Assistent für einen bekannteren Künstler. Als eine weitere seiner Ideen für ein eigenes Werk abgelehnt wird, beendet auch noch seine Freundin Kurokawa Tetsuko ihre Beziehung. Kurze Zeit später erhält Hideo einen seltsamen Anruf von Tetsuko, die ihre Beziehung doch noch nicht aufgeben möchte. Am nächsten Morgen beschließt Hideo, Tetsuko aufzusuchen und über die gemeinsame Zukunft zu sprechen. Das Gespräch beginnt anders als es sich Hideo vorstellen möchte. Sie liegt zunächst reglos auf ihrem Bett und dann beginnt sich nicht nur ihr Kopf zu verdrehen, sondern auch ihr ganzer Körper bizarr an zu zucken. Damit nehmen die unheimlichen Geschehnisse, die auch schon vorher durch mysteriöse Vorfälle in den Nachrichten im Hintergrund erahnt werden können, jedoch nicht ab. Als er ins Büro seines Arbeitgebers zurückkehrt, muss Hideo beobachten, wie einer seiner Kollegen mit einem Baseballschläger bewaffnet neben der Leiche einer anderen Mitarbeiterin steht und dann damit auf seinen Chef losgeht. Hideo verlässt das Gebäude und betritt draußen eine neue Welt.

Facettenreicher Handlungsverlauf

Mit der Exposition stellt der Film klar, dass sich die Regeln der Gesellschaft peu á peu ändern werden, denn draußen fangen die Menschen an, sich gegenseitig umzubringen. Aufgeteilt ist der Rest des Films in drei wichtige Teile, sowie einem kurzen Schlusskapitel. Im ersten dieser drei Teile wird die Beziehung zwischen Hideo und der Schülerin Hayakari Hiromi während ihrer Flucht aus Japans Hauptstadt Tōkyō umrissen. Ihre neue Freundschaft und der Kampf ums Überleben in der Wildnis werden auf eine harte Probe gestellt, als einer von ihnen vom so genannten Zokyun-Virus infiziert wird. Das Mittelstück dreht sich um eine kleine Gemeinschaft, die sich auf den Dächern eines Einkaufzentrums vor der Außenwelt verschanzt hat. Besonderer Wert wird hier auf die zwischenmenschlichen Interaktionen gelegt. Diese führen in der Gruppe zu Unstimmigkeiten und zeigen Abgründe auf, in die Menschen selbst in einer ausweglosen Situation fallen können. Den letzten Akt der Handlung nimmt der Kampf gegen die Infizierten ein. Um Lebensmittel zu organisieren, müssen die Helden ins Lager des Einkaufszentrums eindringen und werden dabei von einer Horde Infizierter fast schon überrannt. Fans der zweiundzwanzigteiligen und gar im deutschsprachigen Raum abgeschlossenen Manga-Vorlage können erahnen, dass die Geschichte des Films die ersten acht Bände umfasst.

Gelungene Manga-Adaption

Grundsätzlich ist die Handlung des Films durchweg spannend erzählt und bietet vor allem für Nichtkenner des Mangas einige überraschende Wendungen. Jedoch ist dem ersten Drittel des Films anzumerken, dass die Geschichte stellenweise gekürzt wiedergegeben wird. Die Story erweckt rein inhaltlich den Eindruck, dass sie innerhalb von ein paar Tagen spielt – allerdings ist am Bart von Hideo, der von einer Szene auf die nächste plötzlich vorhanden ist, zu bemerken, dass hier noch Platz für eine ausführlichere Darstellung gewesen wäre. Trotzdem fühlt sich der Film mit seinen 126 Minuten niemals zu lang an, denn sowohl ruhige Momente, als auch actionreiche Szenen liegen in einem ausgewogenen Maße vor. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich den Film zudem unbedingt im japanischen Originalton anschauen, da die emotionalen Ausbrüche der Charaktere hier besonders stark zur Geltung kommen. Die deutsche Synchronisation ist zwar ebenfalls gut gelungen, kommt aber bei Weitem nicht an die Vorlage heran. Neben den wichtigsten Protagonisten, die von den Schauspielern Ōizumi Yō, Arimura Kasumi und Nagasawa Masami gespielt werden, können aber vor allem die Infizierten glänzen. Diese bleiben nämlich in der Regel ihrem Verhaltensmuster als Menschen treu und nehmen so locker die Hürde der besonderen Note, an denen viele andere Zombiefilme scheitern.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassungen): Seitdem im Jahr 2010 mit der Fernsehserie The Walking Dead Zombies massentauglich gemacht wurden, festigte sich mehr und mehr ein Bild von „dem“ Untoten. Dass es jedoch nicht bei einer unumstößlichen Darstellung bleiben muss, beweist I am a Hero von Regisseur Satō Shinsuke aus dem Jahr 2015 schon in der Exposition des Films. Hier agiert so gut wie jeder Infizierte nach dem Verhaltensmuster, wie er als Mensch agiert hat – bis auf den unstillbaren Hungertrieb nach Menschenfleisch. Damit schlägt I am a Hero die Brücke zum typischen Kampf ums Überleben in der Apokalypse und zeigt Abgründe im sozialen Zusammenleben auf. Hinzu kommen außergewöhnliche Protagonisten, die es so in anderen Filmen des Genres nicht gibt. Hier und da wirkt der Film durch die extravaganten Zombies zwar unfreiwillig komisch, doch ist das im Anbetracht der Einzigartigkeit schnell vergessen. I am Hero ist ein sehenswerter Film, der nicht nur Fans der Manga-Vorlage anspricht, sondern auch Genießer von Zombiefilmen zufriedenstellen kann.

Vielen Dank an Eye Seen Movies für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von I am a Hero!

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