Review: Semblance

Ende Juli 2018 veröffentlichte Publisher Gambitious das Geschicklichkeitsspiel Semblance für den PC und die Nintendo Switch. Von anderen Titeln des Genres möchte sich das Spiel mit der Beeinflussung der Level-Architektur absetzen. Ein Plan, der teilweise aufgeht.

In Semblance schlüpft der Spieler in die Haut eines kleinen Blobs, der am Boden krabbeln, durch die Luft springen und mit Kopfnüssen die Positionen verschiedener Plattformen und Wände in dutzenden Levels manipulieren kann. Eine Hintergrundgeschichte selbst wird zwar über Höhlenmalereien an diversen Stellen im Spiel dargestellt, die jedoch zu keiner Zeit durch eingeblendete Texte oder einen Erzähler erklärt werden. Diese indirekte Erzählweise sorgt im Abenteuer dafür, dass sich der Spieler selbst mit den Hintergründen auseinandersetzen muss und sich so seine ganz persönliche Geschichte zum Titel ausdenken kann. Wem das nicht zusagt, kann sich aber dennoch auf Semblance einlassen, da der Fokus ohnehin aufs Gameplay gelegt wird. Semblance bleibt in den zweidimensionalen Jump-’n’-Run-Abschnitten weitgehend friedfertig, denn nur selten kreuzen Gegner den Weg des Blobs. Besiegt werden können diese zudem nicht, weshalb ihnen stets ausgewichen werden muss. Dies passt auch zum Geschicklichkeitscharakter des Titels, der überwiegend vorherrscht. In jedem Spielabschnitt sind ein paar mit seichten Lichteffekten auf sich aufmachende Objekte verteilt, die eingesammelt werden wollen. Dies ist jedoch nicht zwingend erforderlich, sodass auch unerfahrene Naturen ein ausgelassenes Objekt bei einer erneuten Erforschung eines Levels einsammeln können.

Level-Manipulation

Um diese Gegenstände einsammeln zu können, ist es erforderlich, stets auf unterschiedliche Art und Weise mit der Level-Architektur zu interagieren. Wer mit dem Blob beispielsweise gegen eine über ihn schwebende Plattform springt, sorgt für eine Delle auf der nun nicht mehr so flachen Ebene. Über den entstandenen Hügel auf der Plattform lassen sich so gleich höher gelegene Stellen im Level erreichen. Ähnlich funktioniert es mit Wänden, denn der Blob kann auch seitliche Dellen in diese schlagen, sodass auf diesem Weg überhaupt erst Plattformen in einem Gebiet möglich gemacht werden. Mit ansteigender Spielzeit wird das wenig komplizierte Gameplay jedoch mit weiteren Mechaniken aufgestockt, wodurch auch der Schwierigkeitsgrad ansteigt. Beispielsweise verhindern auf einmal tödliche Dornen oder Elektrizitätsströme das Vorankommen und an anderer Stelle werden Plattformen und Wände von einem Laser erfasst, woraufhin das Verändern der Level-Struktur nur noch bedingt funktioniert. Semblance nutzt in diesem Punkt tatsächlich alle Möglichkeiten, die dem Spiel zur Verfügung stehen. Schade und nicht gerade spielspaßfördernd ist jedoch, dass eine Plattform jedes Mal nur in eine einzige Richtung ausgerichtet werden kann. Verändert sich der Zielpunkt, muss auch die Plattform auf Knopfdruck zunächst einmal in ihren Ursprungszustand versetzt werden. Nervig!

Visuelle Rätselkost

Semblance erfindet mit seinem Gameplay das Rad aber nicht neu, denn einige Elemente sind so auch schon seit Jahrzehnten in anderen Spielen zu sehen und funktionieren dort teilweise besser. Wandsprünge müssen beispielsweise insofern vorbereitet werden, indem die Architektur der Spielabschnitte vorher angepasst wird, wodurch die Bezeichnung dieser Technik auch ihre Daseinsberechtigung verliert. Dies sind aber die einzigen nicht nachvollziehbaren Gamedesign-Entscheidungen, denn trotz kurzer Action-Stopper, seltenen Kameraproblemen oder Nachladerucklern macht es sehr viel Spaß, die Rätsel zu knacken, um die begehrten Sammelobjekte einzusammeln. Das gesamte Geschehen läuft in einer visuell sehr minimalistischen Grafik ab, die sich auf wenige Blau-, Grün- und Rot-Töne beschränkt und damit ein wenig an das Action-Adventure Fe von Entwicklerstudio Zoink! erinnert. Herausragend ist aber vor allem die Einarbeitung der aus Glibber und Glubschaugen bestehenden Spielfigur in diesen Stil, denn sobald der Charakter stirbt, verdunkelt sich das Bild und seine Augen wandern an die Position, an der der Blob mitsamt des restlichen Bildschirmausschnitts wieder auftaucht. Die musikalische Untermalung bleibt beim Erkunden der Levels meistens im Hintergrund, verwandelt sich aber genau dann zu einem wunderbaren Hörerlebnis, wenn der Spieler etwas länger an der Lösung einer Knobelei tüftelt. Rätselfüchse sollten unbedingt zugreifen!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Semblance ist ein visuell ansehnliches Geschicklichkeitsspiel, das sich vor allem auf seinen zugleich einfachen als auch einprägsamen Look stützt und diesen Stil mit vielen zu lösenden Rätseln kombiniert. Mit diesen Knobelaufgaben werden sich ungeübte Spieler besonders schnell anfreunden können, da ein Rätsel schlicht und einfach übersprungen werden kann, sofern es zu schwierig erscheint. Ungeduldige Naturen werden dafür in Versuchung geführt, einfach so durch das Spiel zu hasten und verpassen so durchaus das eine oder andere intelligente Rätsel. Einzig und allein an den teils arg limitierten Gameplay-Funktionen lässt sich hier und da etwas aussetzen: Einmal manipulierte Plattformen oder Wände können nur in eine Richtung bewegt werden und wenn sie an anderer Stelle sinnvoller wären, müssen sie zunächst in den Ursprungszustand zurückversetzt werden. Dies ist jedoch nur der kalte Tropfen auf den heißen Stein, denn sonst macht Semblance sehr vieles richtig. Fans von Geschicklichkeitsspielen, die Wert auf vielschichtige und intelligente Rätsel legen, sollten sich Semblance auf keinen Fall entgehen lassen!

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