Review: Grimgar, Ashes and Illusions (Vol. 1)

Im September 2018 veröffentlichte Kazé Anime die erste Volume von Grimgar, Ashes and Illusions. Zweieinhalb Jahre nach der Erstausstrahlung im japanischen Fernsehen kommen so auch Fans im deutschsprachigen Raum in den Genuss der zwölfteiligen Fantasy-Reihe.

Angesiedelt ist Grimgar, Ashes and Illusions im titelgebenden Fantasy-Reich Grimgar. Die Handlung dreht sich um eine Heldengruppe, die sich zwangsläufig mit sehr verschiedenen Problemen auseinandersetzen muss. Allen voran wollen sie ihre Herkunft klären, denn ihre Erinnerungen reichen zu Beginn der Serie gerade einmal zwei Wochen zurück. So sprechen die Charaktere von Mobiltelefonen oder Videospielen, wissen dabei aber gar nicht, um was es sich bei diesen ominösen Objekten handelt. Kurioserweise gewöhnen sie sich an ihr neues Leben recht schnell und kämpfen für die Red-Moon-Streitkräfte im Grenzland von Grimgar. Fiese Goblins wollen besiegt und Materialien gesammelt werden, damit sie in den Städten veräußert werden können. Bei der Erzählung wird häufig zwischen der Gegenwart und den ersten Tagen nach Ankunft in Grimgar gesprungen. So erfährt der Zuschauer beispielsweise, wie sich die zwei Gruppen der Ankömmlinge gebildet haben. Draufgänger Renji hat sich am ersten Tag mit den vermeintlich stärksten Figuren zusammengetan, während Manato sich für die im direkten Vergleich deutlich schwächeren Gruppenmitglieder entschieden hat. Ebenso ist die Wahl der Gilden der einzelnen Charaktere ein wichtiger Aspekt der Erzählweise, da so schon in der ersten Episode der Anime-Serie eine klare Rollenverteilung vermittelt wird.

Philosophische Fragen

Obwohl Manato, der sich für eine Ausbildung als Priester entschlossen hat, der Anführer der Gruppe ist, wird das Geschehen hauptsächlich aus der Sicht von Haruhiro erzählt. Dieser hat sich für einen Werdegang als Dieb entschieden. Weitere Berufe gibt es in Form des Kriegers oder des schwarzen Ritters, die von Moguzō und Ranta verkörpert werden. Yume ist hingegen die Jägerin der Gruppe und Shihoru die Magierin. In den ersten Episoden der Serie lernen sie, wie sie ihre Waffen einsetzen, Seite an Seite kämpfen und sich aufeinander einspielen. Während des einen oder anderen Kampf stellen sich die Figuren auch philosophische Fragen, warum es beispielsweise in Ordnung sei, Goblins zu töten. Diese wollen, wie auch im Kampf deutlich wird, ebenfalls nur überleben. Insbesondere durch den etwas höheren Gewaltgrad in solchen Momenten wird diese Philosophie, wer über das Recht auf Leben urteilen darf, noch einmal verstärkt. In ein paar anderen Momenten hinterfragen die Charaktere hingegen neben ihrer Herkunft auch die geografische Lage von Grimgar oder warum der Mond rötlich strahlt. Dennoch bleibt auch Zeit für die zwischenmenschlichen Beziehungen, die schließlich in einer durchaus sehr starken Charakterisierung der verschiedenen Persönlichkeit münden. Während Haruhiro eher mitfühlend ist, erscheint Ranta eher schamlos und teils sogar durchtrieben.

Wunderschönes Design

Obwohl die einzelnen Geschichten, die vor allem auf die Entwicklung als Gruppe abzielen, sehr interessant gestaltet sind und hier und da mit ein wenig mit Humor aufpoliert werden, fehlt es Grimgar, Ashes and Illusions noch an einem Ziel. So amüsant die zahlreichen Details im alltäglichen der Charaktere sind, so sehr schmerzt der fehlende Plan. Es ist schlicht und einfach nicht ganz klar, worauf die Story eigentlich hinarbeitet. Deutlich mehr überzeugt da schon die technische Ausarbeitung der Anime-Serie, denn das ansehnliche Charakterdesign von Hosoi Mieko passt hervorragend zu den natürlichen Umgebungen der Fantasy-Welt. Diese ist mit recht blassen Farben und eher seichten Übergängen sehr angenehm für das Auge gestaltet. An der einen oder anderen Stelle arbeitet Animationsstudio A-1 Pictures sogar mit dem Verdecken der Sicht, sodass die Neugier des Zuschauers durch diese Art der Kameraführung durchweg aufrechterhalten wird. Schade, dass das Bonusmaterial lediglich aus einem Clear Opening besteht. Immerhin liegt laut Herstellerangaben noch ein 40-seitiges Booklet in physischer Form bei, sodass zumindest hier noch Hintergrundinformationen über Grimgar, Ashes and Illusions gesammelt werden können. Unterm Strich bleibt zu hoffen, dass die erste Volume lediglich als stabiles Fundament für die detailreiche Handlung dienen sollte.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Grimgar, Ashes and Illusions ist eine sehr detaillierte Serie über eine Heldengruppe in einem Fantasy-Reich, in dem recht viele Fragen aufgeworfen, aber kaum welche beantwortet werden. Obwohl die einzelnen Geschichten durchaus interessant sind und den Alltag der Gruppe wunderbar und vor allem detailliert beleuchten, fehlt es einfach an einem Ziel für die Handlung. Es ist kaum verständlich, welche Motivation hinter dem Abenteuer steckt und wie sich die Geschichte noch entwickeln soll. Hier müssen die nächsten Folgen zeigen, dass die Episoden der ersten Volume lediglich als Grundlage für die Serienhandlung genommen wurden. Im Gegensatz dazu gibt es in technischer und akustischer Hinsicht nichts zu bemängeln, weil Optik und Musik eine Einheit bilden und so ein glaubhaftes Gesamtbild erzeugen. Da A-1 Pictures aber mit anderen Serien wie Blue Exorcist und Co schon ähnliches bewiesen hat, können Zuschauer zuversichtlich sein, dass die Serie mindestens ihre Qualität halten wird.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Grimgar, Ashes and Illusions (Vol. 1)!

 

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