Review: Saga of Tanya the Evil (Vol. 3)

Im Monatstakt veröffentlichte der hiesige Publisher Kazé Anime zwischen September und November 2019 die Anime-Serie Saga of Tanya the Evil. Mit der dritten Volume wird das Ende der Serie erreicht, das mit noch weitaus größeren Gräueltaten schockiert.

Saga of Tanya the Evil schildert auch in der dritten und leider letzten Volume die Geschichte eines ermordeten japanischen Geschäftsmanns, der in einer fiktiven Welt, die dem Europa des frühen 20. Jahrhunderts ähnelt, wiedergeboren wird. In der Haut des jungen Mädchens Tanya Degretschow erhält er von Gott den Auftrag, so lange wie möglich zu überleben, um aus der anhaltenden Kriegshölle zu entkommen und ebenso das Recht auf eine weitere Wiedergeburt zu erhalten. Zeitlich ist die Story der Anime-Serie inzwischen im Mai 1925 nach der fiktiven Vereinigungszeitrechnung angekommen. In der ersten Episode der dritten Ausgabe wird Tanya, die mittlerweile im Rang eines Majors Entscheidungen trifft, mitgeteilt, dass sich die Truppen des Imperiums von der Westfront am Rhein zurückziehen werden. Das heißt jedoch nicht, dass sich die Lage entspannt oder der Krieg als verloren eingestuft wird. Stattdessen will die oberste Heeresleitung mit der sogenannten Operation „Nebel und Sonne“ lediglich die feindliche Hauptstreitmacht hervorlocken, um sie mit einem Angriff vernichtend zu schlagen. Es sollen so viele Gegner wie nötig erledigt werden, um den weiteren Vorstoß zu verhindern, zumal bereits ein Weltkrieg droht, wie am Ende der achten Episode von Saga of Tanya the Evil mit einer Szene, die in den Vereinigten Staaten spielt, bereits angedeutet wurde.

Möglichkeiten des Neuen und Unbekannten

Obwohl die bisherigen Geschehnisse in der Anime-Serie schon schrecklich genug waren, legt die dritte Volume noch eine Schippe drauf. Allen voran liegt das am technischen Fortschritt, von dem auch die Magier profitieren. Der durchtriebene Wissenschaftler Dr. Schugel hat die Waffe V1 erfunden: Auch wenn der Begriff „Vergeltungswaffe 1“ in Saga of Tanya the Evil in dieser Form nicht fällt, darf aufgrund der optischen Gestaltung der Waffe stark davon ausgegangen werden, dass sich das Nut Animation Studio an der im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten eingesetzten Waffe orientiert hat. Mit dem Durchbruch der Schallmauer, gegen die die Magier natürlich gefeit sind, gelingt es Tanya und ihrem Trupp in der Operation „Angst und Schrecken“ wichtige Stützpunkte des Feindes in die Luft zu jagen – und damit dem Imperium zu einem großen Schritt auf dem Weg zum Sieg zu verhelfen. Die Hauptfigur bleibt bei ihren Aktionen nach wie vor rücksichtslos und bezeichnet Gott als Sadisten, da er sie in diese Situation gebracht hat. Andernfalls bittet sie ihn auch um Beistand, wenn sie in der Klemme steckt. Hinzu kommt, dass Tanya mit einem Gegenspieler konfrontiert wird, der von Gott den Auftrag erhalten hat, sie respektive den „Teufel vom Rhein“ auszuschalten. Wer im Namen des metaphysischen Wesens sein Leben lässt, sollte der Zuschauer selbst sehen.

Krieg bleibt immer gleich

Mit der ungeschönten Darstellung von zahlreichen Verletzungen, Verkrüppelten und Toten ist die Kriegsatmosphäre auch in der letzten Volume in jeder Minute zu spüren. Gegen Ende der Serie beißen sich sogar die politischen Ansichten des Oberkommandos und Tanyas militanter Einstellung so sehr, dass auf einmal eine ganze Welt für sie zusammenbricht. Dargestellt wird das Kriegsgeschehen im bildschirmfüllenden 16:9-Format mit braunen und grauen Farbtönen, die den positiven Nebeneffekt haben, dass der Zuschauer die erzählte Zeit besser greifen kann. Nicht vergessen werden darf hierbei der fantastische Soundtrack, der in den wichtigsten Szenen hervorragend aus den Lautsprechern trällert und die Atmosphäre so stimmungsvoll untermalt, wie es die deutschen und japanischen Synchronsprecher mit ihren Stimmen schaffen. Neben den vier und jeweils ungefähr 24-minütigen Episoden liegt auf der Blu-ray Disc jedoch kein weiteres Material vor. Boni, die die Umsetzung von der Light Novel zum Anime zeigen oder sich gar mit dem Krieg in der Realität auseinandersetzen, wären äußerst wünschenswert gewesen, fehlen allerdings. Dafür erhält der Käufer ein letztes Mal ein 36-seitiges Booklet mit weiteren Informationen zur Anime-Serie. Wie in Valkyria Chronicles 4 oder The Man in the High Castle funktioniert alternative Geschichte auch in Saga of Tanya the Evil wirklich gut, weshalb jeder mit einem Faible für Parallelwelten und Co hier unbedingt zugreifen sollte.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Alternative Geschichtsschreibung ist nach wie vor ein sehr interessanter Ansatz, der auch in Saga of Tanya the Evil sehr gut funktioniert. In der dritten und leider auch schon letzten Volume funktioniert das sogar noch etwas besser, da sich jetzt auch Elemente des Ersten mit denen des Zweiten Weltkriegs verbinden. Mit den neuen technologischen Möglichkeiten, wie der V1-Rakete und dem Einsatz vom Panzern, ist das gefährliche Ausmaß des Krieges für den Zuschauer noch furchteinflößender zu erkennen. Leider endet Saga of Tanya the Evil mit der zwölften Episode halbwegs offen, zumal auch die Light-Novel-Vorlage bis heute erscheint. Wer die ersten beiden Volumes gesehen hat, sollte auch beim dritten Episodenpaket zugreifen. Dennoch bleibt unterm Strich nur zu hoffen, dass irgendwann noch eine zweite Staffel dieser großartig inszenierten Anime-Serie folgt, da das Szenario von Saga of Tanya the Evil so viel hergibt und unbedingt fortgesetzt werden muss!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Saga of Tanya the Evil (Vol. 3)!

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