Review: What the Golf?

Auf der Gamescom 2019 haben wir uns während eines Anspieltermins von What the Golf? durchaus schlapp gelacht, das Gameplay aber noch belächelt. Diese Einstellung haben wir überdacht, denn das Geschicklichkeitsspiel bietet mehr, als es auf den ersten Blick scheint.

Wer auf der Suche nach einem neuen Golfspiel ist, braucht gar nicht erst weiterzulesen, denn der Titel What the Golf? des dänischen Entwicklerstudios Triband ist nur in den ersten Sekunden ein Spiel, das diesem Genre rudimentär zugeordnet werden kann. Zunächst sehen wir eine kleine Landschaft, die viel zu klein für den Sport ist, und eine Golfbahn, die sich eher dem Minigolf zuordnen lässt. Mit einer viel zu umfangsarmen, aber eingängigen Steuerung lochen wir den Golfball ein. Beim nächsten Loch wollen noch drei Katzen umgangen werden, die es sich auf dem Platz gemütlich gemacht haben. Hier fällt direkt auf, dass What the Golf? die Grenzen des Sportes ausloten will – und genau dieser Umstand wird mit jedem weiteren Loch umso deutlicher. Beim dritten Loch schlagen wir den Ball nicht selbst ab. Stattdessen steht neben dem Ball auf einmal ein Golfer mit Schläger, ganz traditionell eben. Wir holen aus, doch anstatt dass der Golfball ein paar Meter nach vorne flitzt, fliegt auf einmal der Golfschläger los und der Golfer gleich hinterher. Nun ist es unsere Aufgabe, den Golfer im wahrsten Sinne des Wortes einzulochen – oder zumindest die Fahnenstange am Ende der Bahn zu erreichen. Diese abartige Vorstellung des Menschenzerquetschens wollen wir gleich wieder vergessen. Stattdessen wollen wir die vielen weiteren Golfvarianten von What the Golf? erleben, die sich bis auf die eine oder andere mühselige Wiederholung immer mehr überbieten.

Kreativer Irrsinn

Bei What the Golf? fällt es schwer, sich in das Gameplay hineinzuversetzen und es zu verinnerlichen, um besser und besser zu werden. Das meinen wir aber absolut nicht im negativen Sinne, denn so abwechslungsreich und unterschiedlich ist nur selten ein Spiel. Wir können uns einfach nicht darauf einstellen, was im nächsten Level passiert. Einmal müssen wir ein ganzes Haus über den Golfplatz schlagen und ein anderes Mal mit einem raketenartigen Geschoss bis zum Loch düsen. Ebenso müssen wir als Schreibtisch über den Rasen rollen oder einen Fußball ins Tor schießen und vorher einer halben pubertierenden Fußballmannschaft ausweichen. Damit hört die Kreativität der Entwickler aber noch lange nicht auf, denn hin und wieder ist es unsere Aufgabe, die lebendig gewordene Fahnenstange zu verfolgen, um unseren Ball beziehungsweise unser Objekt damit zu treffen. Verpackt sind all diese Ideen respektive Levels in die epische Geschichte eines Golfballs, der ein Golflabor auf Vordermann bringen will. Gut, diese Umschreibung mag vielleicht ein wenig übertrieben sein, zeigt aber gut, wie genial und bescheuert das Spiel in seinen besten Momenten zugleich ist. Um ein Level auszuwählen, schlagen wir den Ball aus der leicht versetzten Vogelperspektive einfach zum entsprechenden Loch im Labor, woraufhin wir ins jeweilige Level transportiert werden. Um in das nächste Gebiet vorzudringen, müssen wir jeweils alle Levels eines Areals abschließen.

Hart, härter, What the Golf?

In puncto Schwierigkeitsgrad steigt What the Golf?, auch wenn es anfangs kaum zu vermuten ist, mit jeder freigeschalteten Welt leicht an. Dennoch sind die einzelnen Aufgaben niemals zu schwer, lediglich ein paar der weit über hundert Geschicklichkeitseinlagen reißen uns hier und da aus dem Spielfluss. Das macht aber nichts, da wir jederzeit den nächsten Quatsch, den sich die Dänen ausgedacht haben, sehen wollen und deshalb die Zähne zusammenbeißen. Nach ein paar Minuten geht es garantiert weiter. Wem die normalen Levels jedoch zu einfach sind, kann nach dem ersten Durchspielen des Levels zwei schwierigere Varianten freischalten, bei denen zum Beispiel die Bahn unter Par gespielt werden muss. Eine weitere Idee ist hier, eine Vase, die als Golfball dient, nicht zu zerbrechen. Sie darf nirgends anecken und nicht in einen Abgrund fallen, was der unermüdliche Rückenwind in der kurvigen Streckenführung äußerst erschwert. Für wen auch das keine Herausforderung mehr darstellt, sollte sich auf dem Startbildschirm unbedingt einmal die unmöglichen Herausforderungen anschauen. In diesem spektakulären Modus werden die wohl schwierigsten und zugleich aberwitzigsten Levels aneinandergereiht. Uns fällt hierbei sehr positiv auf, dass der Rekord online auf einer Bestenliste landet. So können wir uns wunderbar in den Weiten des Internets mit all den anderen Bekloppten auf der Welt messen, die von What the Golf? wie wir ebenso nicht genug bekommen können.

Wer lacht am lautesten?

Es ist nur logisch, dass bei all diesem Chaos auf den Golfbahnen kein Auge trocken bleibt. Kaum haben wir uns die letzte Träne aus den Augenwinkeln gewischt, fangen wir wieder herrlich an zu lachen. Vor allem jene, die das Spiel noch gar nicht kennen, dürften sich vor allem in der Gruppe nicht mehr einkriegen. Wenn auf einmal statt des Golfballs die Energieanzeige durch die Gegend fliegt, dürften alle zusammen in lautes Gelächter ausbrechen. Aus keinem anderen Grund ist What the Golf? auch nicht nur für Einzelspieler gedacht, denn mit ein paar Freunden vor dem heimischen Fernseher kann das Spiel für einen oder mehrere unvergessliche Abende sorgen. Deshalb gibt es wohl auch einen Modus, der die ersten Levels in aller Kürze zusammenfasst und für nichtsahnende Freunde die erste Anlaufstelle sein sollte. Daneben gibt es auch einen kompetitiven Zwei-Spieler-Modus, in dem beide Spieler simultan darum kämpfen, die Fahnenstange als erster zu erreichen. Zu guter Letzt gibt es noch tägliche Herausforderungen, die genau wie die bereits erwähnten unmöglichen Herausforderungen nicht ohne Online-Highscores auskommen. Am arg comichaften What the Golf? gibt es fast nichts zu bemängeln, denn das Geschicklichkeitsspiel ist in den Punkten Humor, Ideenreichtum und Spielbarkeit einfach eine Wucht. Lediglich die mit ansteigender Spielzeit zunehmende Wiederholung etablierter Elemente fällt leicht negativ auf, was aber zu verschmerzen ist.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Als ich auf What the Golf? während der Gamescom 2019 in Köln aufmerksam gemacht wurde, habe ich sehr gehofft, dass das Entwicklerstudio Triband das Spiel nicht vergeigen wird. Obwohl die Anzeichen gut dafür standen, dass das Spiel nur ein kurzes Stündchen und dann nie wieder vor den heimischen Fernseher locken würde, enttäuscht mich What the Golf? so gut wie gar nicht. Auch nach mehreren Stunden kriege ich, selbst wenn ich alleine auf dem Sofa sitze, einen Lachflash von so mancher kreativen Idee. Zusammen mit Freunden ist What the Golf? noch einmal ein ganzes Stück witziger. Die sich im späteren Spielverlauf zunehmend wiederholenden Elemente tun der sehr guten Spielbarkeit, die mit dennoch abwechslungsreichen Ideen, einer guten Steuerung und verschiedenen Kameraperspektiven punktet, aber keinen Abbruch. Wer alle Collectibles des Spiels sammeln will und sich auch gerne auf Bestenlisten mit anderen Spielern verewigt, wird mit What the Golf? über Wochen hinweg immer mal wieder Spaß haben.

Ein Kommentar zu “Review: What the Golf?

  1. Das Spiel ist klasse, kann ich auf jeden Fall nur weiterempfehlen xD
    Ein anderes Spiel das in die Kerbe schlägt ist Pool Panic (Billard, Golf, ist ja alles das Gleiche xD)

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