Review: Detektiv Conan (Box 7, Episoden 183–206)

Nach einer weiteren viermonatigen Pause, die die kleine Spürnase aus Japan einlegte, war es der Anime-Serie Detektiv Conan Ende 2018 möglich, in 24 weiteren Episoden Fälle zu lösen. Obwohl viele Folgen zum Serienstandard gehören, stechen sieben Episoden besonders hervor.

In den letzten Serienboxen von Detektiv Conan konnte der Zuschauer verschiedene Schwerpunkte bemerken, die sich beispielsweise mit der eingeführten Figur Haibara Ai beschäftigten oder den titelgebenden Detektiv wesentlich forscher agieren ließen. In dieser Volume fehlt ein solcher Schwerpunkt, was aber nicht weiter tragisch ist. Stattdessen konzentriert sich die Serie auf eine ausgewogene Erzählweise, sodass sich Episoden, in denen Edogawa Conan für Mōri Kogorō einen Fall löst, mit den Folgen abwechseln, in denen die Detective Boys im Zentrum der Geschichte stehen. Bemerkenswert sind jedoch sieben ganz besondere Episoden, in denen zum einen die mysteriöse Organisation und zum anderen Conans respektive Kudō Shin’ichis Schicksal thematisiert wird. Während eines winterlichen Spaziergangs entdecken Ai und Conan das Auto von Gin und Wodka, sprich den Männern in Schwarz. Mittels einer Wanze und eines Peilsenders versuchen die beiden mit der Unterstützung von Professor Agasa Hiroshi, ihre Gegenspieler aufzuspüren, um endlich das Gift in die Hände zu bekommen, das sie hat zu Kindern schrumpfen lassen. Leider verkompliziert sich dieser Plan, als Ai von der Organisation entdeckt und eingesperrt wird. Das dreht nicht nur den Action- und Drama-Anteil ordentlich in die Höhe, auch lässt sich die Serie ein bisschen Zeit, um weitere Akteure einzuführen.

Menschliche und nahbare Charaktere

Aufgrund der kurzen und bündigen Vorstellung der neuen Antagonisten wirkt die mysteriöse Organisation ein wenig greifbarer – und noch dazu darf der Zuschauer nach diesen drei Folgen von Detektiv Conan gespannt sein, wie die weiteren Begegnungen zwischen der Spürnase und seinen Gegnern in Zukunft aussehen werden. Im großen Finale der siebten Volume steht hingegen Rans Verdacht, wer Conan in Wirklichkeit ist, im Mittelpunkt. Ob Ran die Wahrheit über ihren kleinen Mitbewohner erfährt, soll an dieser Stelle aber erst einmal ein Geheimnis bleiben. Ohnehin sollte sich der Zuschauer selbst ein Bild von dieser mitreißenden Geschichte machen, zumal sich die Erzählung über zwei eigentlich abgeschlossene Kriminalfälle zieht. Der durchgehende Handlungsstrang ist aber eine willkommene Abwechslung zu den sonst in sich geschlossenen Fällen, zumal die 206. und damit letzte Episode dieser Serienbox mit einem spannenden Cliffhanger endet und die ganze Story, zumindest in der Theorie, auf den Kopf stellen könnte. Positiv fällt hierbei auf, wie menschlich und nahbar mittlerweile alle der wiederkehrenden Figuren geworden sind. Ohne die zahlreichen kleineren Fälle, die gar nicht oder zumindest nur wenig mit der Rahmenhandlung zusammenhängen, wäre dies aber sicher nicht möglich. Leider kann Detektiv Conan in dieser Disziplin nicht ganz das Niveau halten.

Spaß am Miträtseln trotz überdrehter Inszenierung

Vor allem in den kleineren Fällen fällt auf, wie konstruiert manche Morde zum Teil sind. Das war in der langlebigen Anime-Serie zuvor zwar nie anders, doch mittlerweile kommen einige überdrehte und absolut realitätsferne Mordkonstruktionen hinzu. Dazu zählen beispielsweise dutzende Masken, die an einer Leine befestigt und übereinander gestapelt ein Messer halten sollen, das schließlich als Tatwaffe herhält. Dies ist nur eines von mehreren Beispielen, die an der Vernunft der Köpfe hinter dem Projekt zweifeln lassen. Dennoch hält das auch in den 24 Folgen der siebten Serienbox nicht davon ab, Spaß am Miträtseln zu haben oder auch nur den Detektiven und Kommissaren dabei zu zusehen, wie sie das Puzzle nach und nach lösen. Humor ist und bleibt auch in den ernsten Situationen gelegentlich ein Thema, denn insbesondere wenn sich die Anwesenden am Tatort auf „den Höhepunkt der Darbietung“ von Kogorō freuen oder Inspektor Megure Jūzō zynisch anmerkt, dass „es wieder soweit ist“, dann bleibt auch beim Zuschauer kein Auge trocken. Hin und wieder ist auch der Entstehungszeitpunkt um die Jahrtausendwende zu erkennen, wenn Mōri Ran den Film Titanic zitiert oder in selbiger Folge Animationsstudio TMS Entertainment versucht, mit ungünstig computeranimierten Wasserwellen die technischen Grenzen auszuloten. Dennoch bleibt die Serie gewohnt unterhaltsam!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf den Episoden 183 bis 206 der Serie): In den letzten Serienboxen konnte Detektiv Conan bestimmte Schwerpunkte setzen, wozu zum Beispiel die Konzentration auf bestimmte Figuren gehört. Zugunsten einer abwechslungsreicheren Erzählweise rückt das Konzept jedoch in den Hintergrund, sodass sich die Geschichten in der siebten Volume um Edogawa Conan und Mōri Kogorō, den Detective Boys und Haupthandlungsstränge ständig abwechseln. Auch wenn viele Nebengeschichten mit übertriebenen Mordkonstruktionen inszeniert werden, die noch dazu fernab jeglicher Realität sind, macht das Mitraten, wer denn wohl der Täter ist, im wahrsten Sinne des Wortes einen Mordsspaß. Bemerkenswert sind jedoch gerade die sieben Episoden, die zur Haupthandlung gehören, die Männer in Schwarz thematisieren oder Mōri Ran den kleinen Conan auf die Schliche kommen lassen. Insbesondere weil die letzte enthaltene Episode mit einem fulminanten Cliffhanger endet, darf jeder Zuschauer gespannt auf die Fortsetzung blicken, die der Serie theoretisch einen neuen Anstrich geben könnte. Detektiv Conan bleibt somit auch in der siebten Volume überaus sehenswert.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Detektiv Conan (Box 7, Episoden 183–206)!

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