Review: Diablo II: Resurrected

Mit Diablo II erschuf Entwicklerstudio Blizzard North im Jahr 2000 eines der wohl wichtigsten Spiele des Publishers. Zwei Jahrzehnte später versucht Vicarious Visions das Original mit neuen Grafiken aufzufrischen. Das Gameplay bleibt davon leider fast völlig unangetastet.

Wer das Original im Jahr 2000 oder danach gespielt hat, wird sich auch in Diablo II: Resurrected sofort heimisch fühlen. So haben die Entwickler der Neuauflage an der Story gar nichts verändert, was selbstverständlich zu begrüßen ist. Schließlich gehört die Diablo-Geschichte zu eben jenen Universen, die sich über die Zeit mit Büchern und weiteren Ablegern ständig weiterentwickelt hat. So erfahren wir einleitend aus der Sicht von Marius, der schlussendlich in einer Irrenanstalt gelandet ist, wie er den dunklen Wanderer begleitet hat. In puncto Story dreht sich alles um Diablo, der im ersten Teil nicht völlig besiegt werden konnte, und seine beiden Brüder Baal und Mephisto. Als ein neuer Held müssen wir durch die Fantasy-Welt Sanktuario ziehen, um die Dämonen aufzuhalten. Zu Beginn des Abenteuers steht deshalb die Erstellung unseres Charakters. Wir wählen zwischen den Klassen Amazone, Assassine, Barbar, Druide, Paladin, Totenbeschwörer und Zauberin. Danach verpassen wir dem Helden respektive der Heldin noch einen Namen und können uns ins Getümmel stürzen. Diablo II: Resurrected hätte die Charakterentwicklung zwar vertiefen können, möchte aber lieber dem Pfad des Originals folgen. Immerhin beinhaltet das grafisch stark überarbeitete Remaster auch schon alle Inhalte aus Diablo II: Lord of Destruction und bietet somit direkt das Gesamtpaket.

Versöhnung mit alten Fans

Obwohl wir schnell einen Charakter erstellt haben, müssen wir vor Spielbeginn eine wichtige Entscheidung treffen. Wir haben die Wahl, ob wir einen Online- oder einen Offline-Helden in den Kampf gegen Diablo und Co schicken. Der Unterschied liegt vor allem in de Art unserer Spielweise. Wenn wir ohnehin nur alleine spielen und den Charakter auf der Festplatte unseres Computers speichern wollen, erstellen wir lediglich einen Offline-Recken. Sobald wir aber auch hin und wieder mal mit anderen Spielern gemeinsam in den Kampf ziehen wollen, sollte unsere Wahl auf einen Online-Helden fallen. Alleine spielen können wir trotzdem. Zu alledem sei gesagt, dass in diesem Falle unsere Spielfigur online gespeichert wird und wir somit vor einem Festplattencrash oder ähnlichem gefeit sind. Wer im Übrigen noch ein Savegame von Diablo II besitzt, kann seinen alten Helden problemlos importieren und diesen auch noch in Diablo II: Resurrected weiter verwenden. Dies gilt allerdings nur für Offline-Figuren. Somit werden die Battle.net-Server des Spiels ausschließlich von neuen Heroen besiedelt. Dieser frische Start passt in gewisser Weise zur Überarbeitung des Spiels, denn nachdem Diablo III mit seinem bunten Stil und Änderungen in der Charakterentwicklung nicht mehr jeden Nerv getroffen hat, will Diablo II: Resurrected sich also irgendwie mit den alten Fans versöhnen.

Totklickerei und guter Controller-Einsatz

In puncto Gameplay orientiert sich das Action-Rollenspiel sehr stark am Original respektive setzt es dessen Mechaniken fast eins zu eins um. Wir starten in einem Lager, ziehen hinaus in die bei jedem Spielstart neu erstellte Welt von Sanktuario und legen uns in den folgenden Spielstunden mit zehntausenden Dämonen an. Dargestellt wird das Spiel nach wie vor aus der isometrischen Perspektive von oben. Wir haben also stets im Blick, aus welcher Richtung die Feinde auf uns zugelaufen kommen. Sonderlich tiefgründig ist das Kampfsystem aber nicht, denn wir klicken mit dem Cursor einfach auf alles, was sich bewegt. Wahlweise können wir in der PC-Fassung auch mit einem Controller spielen und die einzelnen Fähigkeiten unserer Helden auf mehrere Aktionsknöpfe verteilen. Das funktioniert in Diablo II: Resurrected überraschend gut und macht das Geschehen flüssiger. Wichtig ist nur, in die jeweilige Richtung zu schauen und die Aktion zu tätigen. Je nach Charakterklasse können wir im Nahkampf ordentlich austeilen, mächtige Zauber entfesseln oder gar Untote oder Tierwesen beschwören, die uns im Kampf unterstützen. In regelmäßigen Abständen können wir auch Söldner anheuern, die an unserer Seite kämpfen wollen. Besonders wenn wir offline und ohne Hilfe von anderen menschlichen Spielern spielen wollen, ist uns diese Hilfe ganz besonders willkommen.

Antiquierte und umständliche Inventarverwaltung

Ein wichtiger Aspekt des Spiels ist vor allem die Jagd nach Beute. So lassen besiegte Feinde des Öfteren nicht nur Goldmünzen und Heiltränke fallen, sondern auch frische Ausrüstung. In Diablo II: Resurrected ist es genauso wie im Ursprungsspiel überaus wichtig, dass wir nicht nur unseren Helden durch Erfahrungspunkte aufstufen und Fertigkeiten verbessern, sondern auch die möglichst beste Waffe und beste Rüstung tragen. Dadurch können wir mehr Schaden anrichten und sind vor stärkeren Angriffen geschützt, was besonders wichtig ist, wenn die Gegner in Scharen auftreten und uns umzingeln. Selbstverständlich lässt sich neue Ausrüstung auch kaufen, ist bei den Händlern von Sanktuario aber vor allem zu Beginn sehr teuer. Zudem gibt es auch seltene Ausrüstung, in deren Sockel wir Edelsteine einfügen können. Diese erhalten dadurch weitere Boni, was über etliche Stunden Spielzeit hinweg zu einer motivierenden Aufwärtsspirale führt. In diesem Zusammenhang gibt es nur ein Problem, dass auch schon im Jahr 2000 nicht mehr zeitgemäß war: Das Inventar ist extrem begrenzt. Kaum sind wir zwei bis drei Minuten in einem Gebiet gelandet, können wir aufgrund der üppigen Beuterate keine Items mehr aufnehmen. Wer seine Sachen verkaufen will, lässt nicht verwendete Items an Ort und Stelle zurück oder muss ständig per Stadtportal zurückreisen. Echt nervig!

Verpasste Anpassungsmöglichkeiten

Besonders in dieser Disziplin hätte das Spiel angepasst werden müssen. Wer beispielsweise die Inventarbildschirme von Final Fantasy III kennt, hat sich über deren nötige Überarbeitung im Pixel Remaster gefreut. Immerhin bietet Diablo II: Resurrected eine großzügige Truhe am Ausgangspunkt, die nun Ablagefächer für unsere weiteren Charaktere liefert. Auch dass Gold auf Wunsch automatisch eingesammelt wird, ist eine kleine Quality-of-Life-Verbesserung. In unseren Augen macht dieser Umstand das schwache Inventarsystem aber nicht wirklich wett. Auch wenn die Kämpfe per Controller besser vonstatten gehen, empfehlen wir spätestens im Dialog mit Händlern, für Reparaturen oder dem häufigen Verschieben von Items ins Lager den temporären Wechsel zur Maus. All das schadet wiederholend dem flüssigen Gameplay. Auch dass es noch eine Ausdauerleiste gibt, die in den Kampfgebieten im direkten Verhältnis zur Vitalität unseres Charakters stellenweise rasch abnehmen kann, versetzt dem Spielfluss einen weiteren Dämpfer. Dafür überzeugt die absolut düstere Farbgebung in den detaillierten Umgebungsgrafiken auf ganzer Linie. Auch der Soundtrack des Originals kommt sehr gut zur Geltung. Lediglich in eine neue deutsche Synchronisation hätte der Publisher investieren können. Während diese in den Dialogen immer noch recht atmosphärisch wirkt, ist diese in den überarbeiteten Zwischensequenzen unpassend, da sie nicht annähernd lippensynchron ist.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Noch nie war ich ein großer Fan von Diablo II und anderen Blizzard-Spielen. Die Spiele des Entwicklers sind mir einfach zu innovationsarm und anhand des von Vicarious Visions entwickelten Remasters wird mir das wieder deutlich. Zu sehr orientieren sich die Entwickler von Diablo II: Resurrected am Original. Grundsätzlich ist das nichts schlimmes, denn auch Diablo II bietet sehr motivierende Gameplay-Mechaniken wie die Jagd nach immer besserer Ausrüstung und eigentlich flotte Kämpfe. Allerdings verstehe ich ganz und gar nicht, warum die Entwickler an einem Inventarsystem festhalten, das schon im Jahr 2000 ausrangiert gehörte. Dieses führt zu unnötigen und repetitiven Laufwegen zum letzten Wegpunkt beziehungsweise zum Einsatz des Stadtportals, dessen Spruchrolle ich im Laden immer wieder neu kaufen muss. Diablo II: Resurrected wäre genau die Möglichkeit gewesen, das Action-Rollenspiel zu dem zu machen, was es schon vor zwei Jahrzehnten hätte sein können. Die Quality-of-Life-Verbesserungen sind leider überschaubar. Dennoch können mich die hochauflösenden Grafiken mit ihrem düsteren Look und die akustische Untermalung überzeugen, die zusammen genommen richtig atmosphärisch sind. So werde ich mich sicherlich auch in Zukunft dabei ertappen, wie ich mich noch spät in der Nacht durch Sanktuario mit Dämonen kloppe, auch wenn das Endergebnis noch deutlich besser hätte werden können.

Vielen Dank an Activision Blizzard für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Diablo II: Resurrected!

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