Zwischen 2012 und 2021 schrieb und zeichnete Manga-Künstler Sakurai Gamon an seinem Werk Ajin: Demi-Human, das 2016 auch eine Anime-Umsetzung erfuhr. Regisseur Motohiro Katsuyuki sorgte 2017 für die Umsetzung des Werks als Live-Action-Verfilmung.
Vor einem Vierteljahrhundert wurden in Afrika die ersten Menschen entdeckt, die anders sind als der Rest der Weltbevölkerung. Es sind Menschen, die nicht sterben können. Jede noch so große Wunde können sie wegstecken, als sei nichts gewesen. Weniger als fünfzig solcher Fälle sind weltweit bekannt. Entsprechend interessant sind die Ajin genannten Menschen für die Wissenschaft. Der Film Ajin: Demi-Human baut also auf demselben Grundkonzept wie der Manga und der Anime auf. Zu Beginn des Films erfährt der Zuschauer, dass in Japan gerade der dritte Ajin entdeckt wurde. Im Gegensatz zur Anime- und Manga-Vorlage spart der Live-Action-Film von Regisseur Motohiro Katsuyuki jedoch an einer großen Einleitung. Stattdessen wird der Zuschauer mitten ins Geschehen geworfen. Beim dritten in Japan entdecken Ajin handelt es sich um die Hauptfigur Nagai Kei, der in einem Forschungslabor als Versuchskaninchen missbraucht wird. An dieser Stelle kommt die zweite wichtige Figur, Satō genannt, ins Spiel. Er und sein Kollege Tanaka Kōji sind ebenfalls Ajin, die in Japan leben. Zusammen mit Tanaka will er Nagai aus den Klauen der erbarmungslosen Forscher und Regierungsbeamten retten. Nagai ist aber alles andere als begeistert von Satōs Regeln und wahnsinnigen Vorstellungen, jeden Gegner zu töten. Vor Ort entbrennt ein Kampf auf Leben und Tod.
Verzahnte Handlungsstränge
Wenig später spaltet sich die Erzählung in mehrere Handlungsstränge auf. Beispielsweise geht Satō an die Öffentlichkeit und berichtet von den Schmerzen, die die Ajin zu ertragen haben. Er verlangt vor der versammelten Presse Gerechtigkeit und darüber hinaus eine autonome Zone für die Ajin. Mehr und mehr stellt sich jedoch heraus, dass Satō eigentlich ganz andere Pläne verfolgt. Um diese zu verwirklichen, benötigt er allerdings Nagai. Deshalb wird Tanaka damit beauftragt, dessen gesundheitlich angeschlagene Schwester Eriko aus dem Krankenhaus zu holen, um sie als eine Art Köder zu verwenden. Die Ajin Shimomura Izumi wird hingegen von Yū Tosaki, dem Leiter des besagten Instituts für Ajin-Forschung, damit beauftragt, Eriko zu beschützen. Nagai respektive Kei entkommt hingegen dem Trubel und findet auf dem Land Unterschlupf bei einer älteren Dame. Nach und nach setzen sich die Handlungsstränge mosaikartig zusammen. Ist der Zuschauer vertraut mit der Vorlage, so werden ihm hier und da einige Änderungen auffallen. Für die Charaktere Nakano Kō oder Kaito, die für Nagai in Ajin: Demi-Human immerhin eine bedeutende Rolle als Freunde und Verbündete spielen, haben in der Live-Action-Verfilmung keinen Platz. Damit die Handlung in 108 Minuten erzählt werden kann, hat Motohiro notgedrungen Kürzungen vorgenommen.
Angemessene filmische Umsetzung
Trotz allem lässt sich dem Film gut folgen. Er konzentriert sich auf das Nötigste. Spannende Action-Szenen wechseln sich fast schon im Duett mit ruhigen Momenten ab. Der regelrecht dynamische Wechsel sorgt dafür, dass sich der Film in keiner Minute langweilig anfühlt. Nur an sehr wenigen Stellen erweckt der Film den Eindruck, dass es an wichtigen Details fehlt. Die Spezialeffekte, die gerade bei den übermenschlichen Kräften der Ajin auftreten, gehen in Ordnung und wirken nur wenig aufgesetzt. Das Bild in 1080p liegt im Breitbildformat vor. Das heißt, oben und unten gibt es schwarze Balken, mit denen sich der Zuschauer anfreunden muss. Das Bild an sich wirkt sehr hochwertig. An vielen Stellen des Films ist zu erkennen, dass tatsächlich vor Ort oder vor hochwertigen Kulissen gedreht wurde. Die Schauspieler schaffen es, die dichte Atmosphäre aufrechtzuerhalten. Unter anderem sind Satō Takeru als Nagai Kei, den Fans vor allem aus Rurouni Kenshin kennen, und Ayano Gō als Satō zu sehen. Wer sich den Film in der deutschen Synchronisation ansieht, hört für diese beiden Rollen die nicht weniger bekannten Stimmen von David Turba und Julien Haggège. Unter akustischen Gesichtspunkten sorgt auch die Musik im Tonformat DTS-HD Master Audio 5.1 für reichlich Adrenalin. Bonusmaterial liegt dem Blu-ray-Film bedauerlicherweise aber nicht bei.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Schlussendlich bleibt die Frage, an wen sich die Live-Action-Verfilmung aus dem Jahr 2017 eigentlich richtet. Im Grunde bietet das Werk von Regisseur Motohiro Katsuyuki einen stringenten Handlungsstrang, der von Anfang bis Ende trotz Cliffhanger funktioniert. Sowohl die ruhigen Momente als auch die actionreichen Szenen sind für eine Anime- beziehungsweise Manga-Umsetzung gut eingefangen. Dennoch fehlen im Film Charaktere, bei denen es sich eigentlich um wichtige Bezugspersonen für die Hauptfigur handelt. Kennt der Zuschauer die Vorlage nicht, wird er diese aber nicht vermissen. Soll heißen, dass es nicht zwingend erforderlich ist, sich vorher mit dem Anime beziehungsweise dem Manga zu beschäftigen. Der Streifen richtet sich damit auch ganz einfach an jedweden Bewunderer japanischer Filme, der Lust auf ein wenig Fantasy, Science Fiction oder Mystery hat – und dabei immer im Hintergrund behält, auf welchem Werk der Film basiert.
Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Ajin: Demi-Human!