Review: Rurouni Kenshin

Rurouni Kenshin (1)Da sich Anime und Manga von Rurouni Kenshin in Japan großer Beliebtheit erfreuen, hat man sich getraut, einen Realfilm zum Franchise zu drehen. Dieser wirkt erstaunlich frisch, kann aber die typische Rurouni-Kenshin-Atmosphäre nicht ganz einfangen.

Rurouni Kenshin (2)Rurouni Kenshin beginnt im Jahr 1878. Japan öffnet sich nach jahrhundertelanger Isolation dem Westen, wodurch Europäer und Amerikaner in Japan Fuß fassen und versuchen, Handel zu treiben. Von Europäern und Amerikanern ist im Film allerdings nicht viel zu sehen. Nur der westliche Einfluss ist deutlich zu erkennen, was besonders auffällig an Kleidung und an der einen oder anderen Waffentechnik zu erkennen ist. Vor der erzwungenen Öffnung war Kenshin einst ein Samurai gewesen, der unter dem Namen Battosai als Attentäter im ganzen Land bekannt war und unzählige Leben auslöschte. In der neuen Zeit wird aber kaum mehr ein Samurai gebraucht, zumal 1876 den Kriegern das Tragen ihrer zwei Schwerter untersagt wurde. Kenshin widersetzt sich dem, in dem er ein umgedrehtes Schwert trägt. Mit diesem kann er niemanden verletzten, denn er bereut zutiefst seine Vergangenheit. Warum das so ist, erfahren wir im Film jedoch nicht. Dazu muss man zumindest den Anime Rurouni Kenshin: Trust & Betrayal gesehen haben. Nun möchte Kenshin nur noch Unschuldige beschützen und dass es dazu kommen wird, können sich Kenner der Anime- und Manga-Vorlage denken. In Tōkyō meuchelt nämlich ein unbekannter Kämpfer unter Kenshins altem Decknamen viele unschuldige Menschen. Das kann sich der Samurai natürlich nicht gefallenlassen!

Freunde fürs Leben

Rurouni Kenshin (3)In Rurouni Kenshin wird nun auch in einer Realverfilmung gezeigt, wie Kenshin in Tōkyō ankommt und Bekanntschaft mit seinen neuen Freunden Kaoru Kamiya, Sanosuke Sagara, Yahiko Myōjin macht, die ihm bis ans Lebensende die Treue schwören. Dazu gibt es genügend Einblicke in das Leben der Figuren, wie sie miteinander kommunizieren und ein Komplott im Film aufdecken. Rurouni Kenshin liegt auf der Blu-ray in 1080p, sowie im 16:9-Format (2,35:1) vor, welches ein klares Bild liefert. Durch die wenigen, aber hübschen Kulissen, wirkt das Bild frisch, klar und äußerst scharf. Lediglich wenn in der Dunkelheit im Film gekämpft wird, verliert das Bild ein wenig an Kontrast und es sind nicht mehr so viele Details zu erkennen. Wer sich aber durch den Anime oder durch Geschichtsbücher ein Bild vom Japan des 19. Jahrhunderts machen kann, wird sich an solchen Kleinigkeiten ohnehin nicht lange aufhalten. Die Schauplätze sind zwar nicht eins zu eins der Vorlage entsprechend umgesetzt, doch das würde (wenn überhaupt) nur detailverliebte Perfektionisten auf die Palme bringen. Zu den Kämpfen können wir noch anmerken, dass die Choreografien, wie auf der Verpackung schon geworben wird, tatsächlich schnell und wild ausfallen. Wer Wert auf gute und anspruchsvolle Schwerkampf-Action legt, wird hier sicherlich nicht enttäuscht werden!

Die Umsetzung im Detail

Rurouni Kenshin (4)Hätte man die Umgebungen tatsächlich originalgetreu umgesetzt, hätte Rurouni Kenshin zwar Pluspunkte verdient, aber da die Kulissen dennoch ähnlich atmosphärisch wirken, wollen wir das gar nicht bemängeln. Bemängeln müssen wir jedoch ein wenig die deutschsprachige Synchronisation. Es tauchen zwar viele bekannte Sprecher auf, doch fehlt es den Charakteren durch diese manchmal an Authentizität. Besonders, wenn zwei Charaktere in den Kämpfen miteinander sprechen, wirkt der japanische Originalton – wie könnte es auch anders sein – oft sehr viel besser, nur selten monoton und dafür umso ausdrucksstärker. Wer die japanische Sprache zumindest verstehen kann, kann sich die deutschen (oder niederländischen) Untertitel sparen und den Film durchgehend genießen. Ansonsten muss man halt zwischen Bild und Text ständig hin- und herschauen, um die Übersicht über die teils komplexe Handlung nicht zu verlieren. Schlussendlich hätten wir uns hier über allumfassendes Bonusmaterial gefreut, welches die Handlung der Vorlage kurz und knapp mit den wichtigsten Eckpunkten nacherzählt. Stattdessen finden wir nur Interviews, Videos von der Premiere und noch ein paar Trailer auf der Disc, die zusammen etwa sechzig Minuten zusätzliches Material darstellen. So bleibt Rurouni Kenshin in erster Linie ein Film für Kenner der Vorlage.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray): Die vier Blu-rays, die Kazé Anime vor einiger Zeit hierzulande veröffentlicht hat, habe ich zum Teil sehr genossen. Es ist leider nur sehr schwer einen Anime zu verstehen, wenn die gesamte Serie hierzulande noch nicht einmal im Fernsehen ausgestrahlt worden ist und man sich die Verknüpfungen zusammenreimen darf. Ähnlich sieht es auch mit der Realverfilmung aus. Es wird zu wenig die Vergangenheit von Kenshin erörtert (und noch nicht einmal sein richtiger Name erwähnt) und viele Details, die in Gesprächen erwähnt werden, können Laien einfach nicht verstehen. Da ich mich mit dem Franchise schon ein wenig auseinandergesetzt habe, habe ich zumindest die Eckpfeiler der Story und den Zeitpunkt des Geschehens korrekt einordnen können. Obwohl der Film vom Inhalt ordentlich ist, kann mich die akustische Untermalung nicht ganz so überzeugen. Die wirkt oft unpassend und vor allem nicht zur jeweiligen Zeit, die hier eingefangen wird. Wer sich die Animes, die hierzulande veröffentlicht worden, bereits angeschaut hat, darf auch bei Rurouni Kenshin einen Blick riskieren, doch ansonsten kann es einem doch sehr schwerfallen, überhaupt eine Verbindung zum Film herzustellen. Wenn man das allerdings schafft, erhält man mit dem Film eine ganz ordentliche Verfilmung eines Anime beziehungsweise Manga!

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Rurouni Kenshin!

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