Review: Ajin: Demi-Human (Vol. 1)

Seit 2012 veröffentlicht Kodansha in Japan die Manga-Reihe Ajin von Sakurai Gamon. Nach dem anhaltenden Erfolg der Manga wurde 2016 eine Anime-Serie in Auftrag gegeben, die von Netflix außerhalb Japans lizenziert wurde. Im Handel erscheint die Reihe bei Kazé Anime.

In der Welt von Ajin: Demi-Human, so der vollständige Titel der Anime-Adaption, existieren so genannte Halbmenschen. Diese titelgebenden Ajin, die vor über siebzehn Jahren das erste Mal entdeckt worden sind, können nicht sterben. Sobald sie von jemanden getötet wurden oder sich selbst umgebracht haben, sorgt ein schwarzer Schleier dafür, dass sie wenig später in die Welt der Lebenden zurückkehren. Obwohl weltweit nicht sonderlich viele Ajin bekannt sind, werden sie von der Gesellschaft ausgegrenzt. Hinzu kommt, dass die Ajin auch von der Polizei und einer speziell dafür eingerichteten Kommission gejagt werden. Nagai Kei ist ein ganz gewöhnlicher Oberschüler, der diese Ausgrenzung am eigenen Leib erfahren muss. So beginnt die Geschichte von Ajin: Demi-Human in der ersten Episode keineswegs gemächlich, denn auch wenn Kei zunächst die Schule und später im Krankenhaus seine kleine Schwester Eriko besucht, wird er auf dem Heimweg in einem Augenblick der Unachtsamkeit von einem Lastwagen überfahren. Der Moment des Schocks sitzt bei seinen angeblichen Freunden tief – und diese staunen wohl wie Kei nicht schlecht, als dieser unter dem Fahrzeug heraus kriecht und plötzlich vor ihnen steht. Kei muss realisieren, dass er ein Ajin ist. Von einer Minute auf die andere ändert sich sein Leben – und gibt dadurch den Anstoß für eine spannende Story.

Drei sich gegenseitig ergänzende Handlungsstränge

Ajin: Demi-Human wird aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt. Im Mittelpunkt der Handlung steht Kei, der vom Unfallort flüchtet und keine Möglichkeit mehr hat, in sein gewohntes Leben zurückzukehren. Auf der Flucht erhält er Hilfe von seinem Kindheitsfreund Kaito, der mit ihm in die Berge verschwindet. Gemeinsam wollen sie nach Kyūshū abhauen, um im Dorf von Kaitos Großvater in Sicherheit zu leben. Es treten jedoch unvorhersehbare Ereignisse ein, die diesen Plan erschweren. Neben Kei gibt es jedoch noch weitere Figuren, die wichtig für die Handlung sind. Unter anderem erfährt der Zuschauer ein wenig über die Arbeit von Ermittler Tosaki Yū, der schon seit Jahren Ajin aufspürt. Durch seine Arbeit wird auch noch einmal hervorgehoben, wie Ajin gesellschaftlich verachtet werden. So wird auf die Ajin nicht mit scharfer Munition geschossen, sondern wie auf so manches Tier mit Betäubungspfeilen. Dabei bleibt es aber nicht, denn Ajin: Demi-Human zeigt unverschönt, wie ein Ajin im Labor gequält wird. Gegen diese Experimente stellt sich beispielsweise der Ajin Satō. Diesem ist es schon einmal gelungen, einen Ajin aus der Gefangenschaft zu befreien. Seither arbeitet er mit Tanaka Kōji zusammen. Gemeinsam suchen sie ebenfalls nach Kei, um diesen für ihre Pläne einzuspannen. All diese toll erzählten Handlungsstränge spielen sich hierbei gegenseitig zu.

Packender und spannender Einstieg in die Anime-Serie

Inszenatorisch ist Animationsstudio Polygon Pictures mit den ersten sieben Episoden von Ajin: Demi-Human der große Wurf gelungen. So ist nicht nur die Geschichte um Kei, Tosaki und Satō äußerst intelligent erzählt, auch die Kämpfe zwischen den Ajin und den polizeilichen Kräften sind spannend gestaltet. Sie finden wie alle Szenen der Serie im dreidimensionalen Raum statt. Durch die besonderen Fähigkeiten der Ajin, zu sterben und wieder aufzuerstehen, wird den Auseinandersetzungen mehr Dynamik verliehen. Weitere Charakteristika sind zum Beispiel der Einsatz von diffusem Licht und das Zusammenspiel von Licht und Schatten. Das heißt, dass in jeder einzelnen Szene das Bild ganz leicht verschleiert wird. Da sich sämtliche Figuren häufig in unterschiedliche Richtungen bewegen oder einfach nur ihren Kopf zur Seite neigen, hat auch die Beleuchtung eine andere Wirkung auf den Zuschauer. Einzig und allein die Animationen stottern manchmal zu sehr. Dies ist jedoch ein Umstand, der nach ein paar Episoden fast gar nicht mehr so negativ auffällt. Nicht ganz unschuldig daran ist die Musik, die alle Situationen stimmungsvoll unterlegt. Sowohl die deutschen als auch die japanischen Synchronsprecher verleihen den Charakteren nachhaltig Ausdruck. Im digitalen Bonusbereich erwarten den Zuschauer nur ein Clear Opening und ein Clear Ending. Käufer der Erstauflage kommen in den Genuss des limitierten Sammelschubers für die ersten beiden Staffeln.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Obwohl Ajin: Demi-Human erst ab der zweiten Episode so wirklich überzeugen kann, entwickelt die Anime-Serie jedoch spätestens ab diesem Zeitpunkt eine spannende Story. In dieser sind die drei Haupthandlungsstränge so intelligent miteinander verzahnt, dass keine einzige Szene überflüssig oder gar langweilig wirkt. Mit jeder einzelnen Minute wird der Zuschauer immer mehr in eine düstere und im Grunde fast schon dystopische Welt gesogen. Allerdings kann die Serie nicht nur inhaltlich, sondern auch inszenatorisch überzeugen. Ajin: Demi-Human ist vollgestopft mit Szenen, die im dreidimensionalen Raum eine ganz besondere Dynamik entwickeln, was besonders in den Kämpfen überaus actionreich ist. Lediglich bei den Animationen gibt es hier und da ein paar Kleinigkeiten zu bemängeln. Nichtsdestotrotz lässt sich darüber leicht hinwegsehen, denn Ajin: Demi-Human ist qualitativ so hochwertig, dass niemand diese Serie auslassen sollte.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Ajin: Demi-Human (Vol. 1)!

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