Mit dem 2014 veröffentlichten The Crew und dem Nachfolger The Crew 2 aus dem Jahr 2018 hat sich Ubisoft womöglich ein wenig übernommen. Mitte September 2023 wollte es der Publisher dennoch ein drittes Mal wissen – und The Crew: Motorfest macht so einiges richtig!
Anstatt wie in den beiden Vorgängern die kompletten Vereinigten Staaten in einer verkleinerten Version abzudecken, hat sich Entwicklerstudio Ubisoft Ivory Tower für The Crew: Motorfest für Hawai’i oder genauer gesagt die Insel O’ahu entschieden. Auf dieser findet das titelgebende Motorfest statt, zu dem aus der ganzen Welt die wagemutigsten Rennfahrer angereist sind – und einfach eine Menge Spaß haben wollen. Wer jetzt an die Ausgangslage eines jeden Forza Horizon denkt, liegt damit gar nicht mal so falsch. Die Entwickler haben sich sehr stark an der Microsoft-Marke orientiert. Besser gut kopiert als schlecht selbst gemacht, hieß dieses Mal die Devise. Zwar hat dies den fahlen Beigeschmack des Abkupferns, aber das Endprodukt leidet keineswegs darunter. Kaum auf O’ahu angekommen, entscheiden wir uns für einen Avatar. Zur Auswahl stehen verschiedene vorgefertigte Spielfiguren, die wir dann im Detail anpassen können. Allerdings bleibt unser Held die ganze Spielzeit über blass. Selbiges gilt auch für die Nebenfiguren, die uns hier und da begegnen. Mehr als coole Typen, denen wir selbst ihre Coolness nicht abkaufen, bietet The Crew: Motorfest nicht. Von der Geschichte des Spiels ganz zu schweigen, denn von dieser merken wir sowieso nichts – und gerade hier hätten die Entwickler durchaus mit den Vorurteilen stumpfer Rennspiele aufräumen können.
Motivierendes Gameplay
Grundsätzlich ist das aber nicht schlimm, denn nur sehr wenige vergleichbare Spiele wie beispielsweise Need for Speed aus dem Jahr 2015 haben sich in den letzten Jahren mehr getraut. Ohnehin steht in The Crew: Motorfest wie bei Forza Horizon das Gameplay im Mittelpunkt. Übers Menü respektive der Übersichtskarte suchen wir uns das nächste Ereignis aus und fahren dann über die Straßen von O’ahu zum Zielpunkt. Diese Events bauen aufeinander auf. Ubisoft bezeichnet dies als eine Playlist, an deren Ende eine Belohnung steht. Entsprechend sind wir motiviert, eine Playlist durchzuspielen, um Goodies wie ein neues Auto oder Bucks zu kassieren. Bei letzterem handelt es sich schlicht um die Währung des Spiels, mit denen wir uns weitere Karren für unseren Fuhrpark kaufen können. Für das Abschließen von einzelnen Aufgaben erhalten wir ebenfalls Geld. Noch dazu hagelt es Erfahrungspunkte, durch die wir im Level aufsteigen. Jede neue Stufe beschert uns ebenso eine Belohung. Letzteres dauert in The Crew: Motorfest aber gefühlt viel zu lange. Motivierender sind da schon die Bauteile, die es häufig auch als Belohnung für abgeschlossene Rennen gibt. Das Spiel verzichtet hierbei auf umfassende Erklärungen oder Bezeichnungen. Stattdessen wird die Performance über eine Zahl wiedergegeben – und wir sehen, welche Attribute unseres Fahrzeugs sich verändern.
Dreifache Erkundungsmöglichkeit
Über etliche Stunden hinweg können wir so unseren Fuhrpark vergrößern und unsere Fahrzeuge aufmotzen. Je nachdem für welche Playlist wir uns zuerst entscheiden, erhalten wir früher oder später Zugriff auf Motorboote oder Flugzeuge. Wie schon in The Crew 2 können wir unser Vehikel außerhalb der Herausforderungen jederzeit auf Knopfdruck wechseln. Wollen wir schneller von einem Ort zum anderen gelangen, wechseln wir zum Flugzeug. Luftlinie ist immerhin der schnellste Weg von Punkt A nach Punkt B. Geht es hingegen darum, kleinere Gebiete auf dem Wasser zu erkunden, steigen wir aufs Boot um. Vor allem wenn wir die Spielwelt bis in den letzten Winkel erkunden wollen, ist das Wechseln auch bitter nötig. Hin und wieder schlägt darüber hinaus unser Radar aus. In diesem Falle wissen wir, dass sich ein Behälter in der Nähe befindet, der Geld und neue Bauteile beinhaltet. Je näher wir der Truhe kommen, desto heftiger schlägt das Radar aus. Blöd nur, dass der näher kommende Piepton nur dann erklingt, wenn sich unser Fahrzeug auch tatsächlich bewegt. Das ist ein wenig nervig und müsste unserer Meinung nach auch ohne Bewegung funktionieren, da wir uns so gelegentlich neu orientieren müssen. Trotzdem trägt dieser Umstand dazu bei, dass wir nicht nur auf den Straßen unterwegs sind, sondern O’ahu auch abseits dessen in der Natur erkunden.
Individueller Schwierigkeitsgrad
The Crew: Motorfest bietet nicht nur beim Erforschen der Spielwelt Abwechslung, sondern auch bei den Rennveranstaltungen an sich. Unter anderem fahren wir im Kreis Straßenrennen, arbeiten etappenweise eine Strecke ab, bei der selten sogar mal das Vehikel gewechselt werden muss, oder stellen uns weiteren Herausforderungen. Beispielsweise müssen wir eine hohe Geschwindigkeit erzielen oder genügend Punkte beim Driften erreichen. Das macht Spaß und sorgt dafür, dass wir uns auch mit der Steuerung abseits von Gas geben, lenken und bremsen beschäftigen. Nach und nach werden wir immer besser. Ebenfalls gelungen ist die Anpassung des Schwierigkeitsgrades. Hier ist das Arcade-Rennspiel nämlich sehr flexibel. Wir können zwischen voreingestellten oder benutzerdefinierten Angaben wählen. Letztere wollen wir ganz klar empfehlen, da wir den Schwierigkeitsgrad so individuell auf unsere Fähigkeiten zuschneiden können. Fahren wir sicher und brauchen die ebenso aus Forza Horizon übernommene, in The Crew: Motorfest aber wunderbar stufenlos mögliche Rückspulfunktion nicht, schalten wir diese einfach ab. Im Umkehrschluss erhalten wir für abgestellte Fahrhilfen mehr Erfahrungspunkte. Das ist nur fair und ermöglicht guten Spielern schneller voranzukommen, während eher unerfahrene Rennfahrer nicht auf der Strecke gelassen werden.
Schwächen im Detail
Beim Schwierigkeitsgrad gibt es in unseren Augen nur ein Hindernis, das den Entwicklern hätte auffallen müssen. So agiert die künstliche Intelligenz der Computergegner viel zu aggressiv. Sie rempelt uns an und fährt uns hintendrauf. Gelegentlich kommt es in engen Kurven sogar zu Massenkarambolagen. Da The Crew: Motorfest außerhalb der physikalischen Gesetze agiert und uns gerade bei hohen Geschwindigkeiten auch gerne mal meterweit durch die Luft wirbelt, ist das ärgerlich. Auch Schäden am Auto haben keine spürbaren Einflüsse aufs Fahrverhalten. Während das für Arcade-Rennspiele üblich ist, hätte das Schadensmodell aber ruhig etwas umfangreicher ausfallen können. Selbst wenn wir mit einem Nicht-Spieler-Fahrzeug auf der Straße im Gegenverkehr kollidieren, so ist die Motorhaube bestenfalls angekratzt. Grafisch macht das Spiel eine angemessene Figur, kann aber nicht unbedingt mit der Konkurrenz mithalten. Es mangelt, auch bei den Fahrzeugmodellen, einfach an Details. Dafür läuft das Spiel auf unserem Testrechner (Intel i5 13600K, GeForce RTX 4070, 32 GB DDR5 RAM) auf maximalen Einstellungen mit flüssigen sechzig Bildern pro Sekunde in 1080p. Da sind die technischen Fehler des Vorgängers gerne verziehen. Die Musik geht in Ordnung und passt zum spaßigen Spielgeschehen – und Spielspaß bietet The Crew: Motorfest reichlich!
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Bisher bin ich mit der The-Crew-Reihe leider nie so wirklich warm geworden. Zu groß fiel die Spielwelt für mich aus und gerade der zweite Ableger war Monate nach Release noch von Spielabstürzen geplagt. Da bin ich überaus froh, dass The Crew: Motorfest auf meinem PC richtig gut läuft. Technisch wäre sicherlich mehr möglich gewesen, aber für die stabile Bildwiederholrate nehme ich das gerne in Kauf. Es macht einfach jede Menge Spaß, über Hawai’i zu cruisen und mich der Reihe nach abwechslungsreichen Herausforderungen zu stellen. Peu à peu vergrößert sich mein Fuhrpark und die Leistungsfähigkeit meiner Autos. Dadurch, dass ich bei den Herausforderungen in der Regel einen Leihwagen gestellt bekomme, lerne ich auch schnell andere Fahrzeuge kennen. Auch wenn viele im Spiel einen Forza-Horizon-Klon sehen, sollten Genre-Fans dem Spiel unbedingt eine Chance geben. Durch den Wechsel zu Schnellbooten oder Flugzeugen entwickelt sich das Erkunden der Spielwelt auch im dritten Serienteil zu einer ganzen eigenen Dynamik. Mir gefällt The Crew: Motorfest bis auf kleinere Defizite sehr gut, weshalb ich den Titel mit seinem Abwechslungsreichtum und dem tollen Schauplatz nur wärmstens empfehlen kann.
Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Crew: Motorfest!