Review: Need for Speed

Need for Speed (1)Nach Need for Speed: Hot Pursuit aus dem Jahre 2010 konnte kein Teil der Serie mehr die Erwartungen der Fans erfüllen. Seltsame Design-Entscheidungen und schwaches Gameplay waren unter anderem die Gründe. Mit dem neuen Ableger sind diese Tiefpunkte vergessen.

Need for Speed (2)In Need for Speed: The Run haben Publisher Electronic Arts und das nach dem Desaster geschlossene Entwicklerstudio Electronic Arts Black Box zuletzt versucht, eine Story ins Spiel zu bringen. Diese war sehr hanebüchen und hat mit komischen Gameplay-Einlagen in Form von Quick Time Events versucht, den Rennalltag aufzulockern. Von Quick Time Events hat man sich im neuen Serienteil, den man schlicht Need for Speed nennt, getrennt. Die Idee von der Handlung ist jedoch geblieben. Diesmal spielen wir einen namenlosen Typen, der bei illegalen Rennen kreuz und quer durch das fiktive Ventura Bay seine Brötchen verdient. Unseren Helden sehen wir allerdings nie, da wir das Geschehen durch seine Augen betrachten. So und nicht anders möchte Entwickler Ghost Games bezwecken, dass wir uns selbst als Teil der Crew sehen, in die wir kurz nach Spielstart hineinwachsen. Mittel zum Zweck sind Filmsequenzen, in denen echte Schauspieler zum Zug kommen. Diese verkörpern ihre Rollen überraschend gut und erheitern uns zwischen den zahlreichen Events mit viel Humor und ein wenig Dramatik. Die Hintergrundgeschichte möchte uns vor allem bespaßen, ist aber bei Weitem keine Handlung, die man ständig weiterverfolgen will. Trotzdem merkt man schon nach wenigen Spielstunden, wie einem Amy, Robyn, Spike, Travis und Co ans Herz gewachsen sind.

Cruisen durch Ventura Bay

Need for Speed (3)Schauplatz von Need for Speed ist das erwähnte Ventura Bay mit seiner unmittelbaren Umgebung. Die Stadt erinnert vom Aufbau und ihrer Architektur an reale US-amerikanische Metropolen, allen voran Los Angeles. Zwar kann sich die Größe der Spielwelt nicht mit der von Spielen wie The Crew oder Forza Horizon 2 messen, doch sorgt gerade diese Überschaubarkeit dafür, dass wir uns umso besser zurechtfinden und schneller zum nächsten Event gelangen. Zum Erkunden laden herumstehende Karosserien ein, bei denen wir kostenlose Autoteile finden und später in der Werkstatt in unsere Wagen einbauen können. Des Weiteren können wir an verschiedenen Plätzen Fotos schießen oder Donoughts, sprich kreisförmige Umdrehungen mit unserem Wagen, ausführen. In der Regel lassen sich diese Bonusaufgaben auch während des regulären Spielverlaufs abarbeiten, da wir ohnehin kreuz und quer durch Ventura Bay fahren müssen. Eine Schnellreisefunktion gibt es leider nicht, was besonders bei weit entfernten Zielpunkten auf den Bergen außerhalb der Stadtgrenzen sehr ärgerlich ist. Ziel des Spiels ist, alle Events zu meistern und in unserem Rang aufzusteigen. Diese erhöhen wir, indem wir sowohl in einem der vielen Events, als auch bei freier Fahrt durch die Stadt, ständig unser Tempo erhöhen, Beinahunfälle inszenieren oder geschmeidig um Häuserecken driften.

Betrügerische Konkurrenten

Need for Speed (4)Die Events unterscheiden sich in der Hinsicht voneinander, dass die zu erfüllenden Aufgaben unterschiedlich sind. Rennen können gegen nur einen Computergegner oder gegen mehrere Rivalen gefahren werden. Außerdem unterscheiden sich Rennen in Rundrennkursen und Streckenrennen. Abgegrenzt werden die Rennen dabei nicht, weshalb wir immer auf die Bodenmarkierung und bei hohem Tempo auch auf die Minimap achten müssen, wo sich der nächste Kontrollpunkt befindet. Nicht vergessen werden darf dabei, dass sowohl Verkehr von Nichtspielercharakteren, als auch von menschlichen Mitspielern übers Internet unterwegs sind und teilweise die Strecken blockieren können. Im Test ist uns dies negativ aufgefallen, da wir so des Öfteren unabsichtlich Unfälle gebaut haben, die uns kurz vor der Ziellinie den ersten Platz gekostet haben. Während in den frühen Events eine Platzierung am oberen Ende der Bestenliste nicht zwingend notwendig ist, steigen die Anforderungen an uns mit zunehmendem Spielverlauf ständig. Die künstliche Intelligenz fällt allgemein sehr durchwachsen aus. Mal sind unsere Konkurrenten ausbalanciert und mal versucht uns die Technik mit plötzlich viel zu heftiger Beschleunigung oder ausgedachten Punktzahlen beim Driften oder fast schon utopischen Rundenzahlen beim nervenaufreibenden Zeitrennen gelinde gesagt zu bescheißen.

Driften, driften, driften!

Need for Speed (5)Außerdem gibt es für die wenigsten Rennen irgendwelche Beschränkungen, sodass wir unser Auto in der Werkstatt dermaßen ans Limit tunen können, dass wir der Konkurrenz über den Highway regelrecht davon fahren. Allerdings hat hier auch die Polizei ein Wörtchen mit zu reden, denn wenn diese uns erwischt, beginnt auch schon die Verfolgungsjagd. Grundsätzlich ist es aber sehr leicht, den Ordnungshütern zu entkommen. Brenzlig wird es erst, wenn wir uns selbst zum Gesetzlosen aufspielen und Polizeiwagen mehrfach absichtlich rammen. Hier würden wir uns jedoch wünschen, dass die Entwickler sowohl ein optionales Tempolimit, als auch erhöhte Polizeipräsenz per Patch nachschieben würden. In der Stadt ist es nämlich mehr als ärgerlich, kurz vor dem Beginn eines Events erst einmal die Polizei abzuschütteln und dann durch mehrfaches Drücken auf die Beschleunigungstaste zum Startpunkt zu schleichen, da einzelne Streifenwagen immer noch unterwegs sind. Bis auf diese kleinen Probleme und vielleicht ärgerlichen Unfällen, die wir bei hoher Geschwindigkeit viel zu schnell bauen, ist Need for Speed jedoch wirklich sehr gut gelungen. Man muss allerdings ein Gespür fürs Driften haben, denn auf Rasen um Häuserecken und geschmeidiges Fahren in Kurven wird vielWert gelegt. Aus keinem anderen Grund empfiehlt sich zum Spielen unbedingt ein Gamepad.

Hübsches Rennspiel

Need for Speed (6)Die PC-Version des Spiels sieht bei maximalen Grafikeinstellungen fantastisch aus, doch auch auf älteren Mittelklasserechnern ist Need for Speed selbst mit reduzierten Einstellungen immer noch sehr schön. Man kann sagen, dass der Titel zu den hübschesten Rennspielen gehört, denn sowohl der düstere und dreckige Grafikfilter, als auch die Licht- und Regeneffekte versüßen die Atmosphäre des Spiels enorm. Schade ist, dass es keinen dynamischen Tag-und-Nacht-Wechsel gibt. Fahren ist nur bei Dämmerung oder in der Nacht möglich. Dafür entschädigt die Framerate mit sechzig Bildern pro Sekunde, die in der Ende 2015 bereits veröffentlichten Version für PlayStation 4 und Xbox One so nicht machbar gewesen wären. Trotz fehlender Cockpit-Perspektive, die für ein Rennspiel eigentlich obligatorisch wäre, schafft es Need for Speed so, uns durchgehend an den Bildschirm zu fesseln. Selbiges schafft auch der intensive Soundtrack, der aus ganzen 64 Stücken von ebenso vielen Interpreten wie Dimension, Going Quantum, Modestep, Refused oder Zeds Dead besteht. Zwar lassen sich einzelne Tracks überspringen, doch auf eine Aufteilung auf Radiosender (mit Moderatoren) haben die Entwickler verzichtet. Wer sich auf Need for Speed einlassen will, braucht jedoch trotz überwiegender Einzelspieler-Erfahrung unverständlicherweise einen permanenten Internet-Zugang.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Da ich erst mit Need for Speed: The Run zum Franchise gefunden habe, habe ich in den letzten Jahren wohl nur die Tiefpunkte der Reihe erlebt. Mit dem neuen Ableger, den man schlicht Need for Speed nennt, geht es mit dem Franchise trotz fragwürdiger Namensfindung allerdings wieder aufwärts. Das merke ich vor allem an der Spielzeit, denn während ich in den letzten Jahren immer nur ein paar Stunden und danach nie wieder einen Teil der Reihe gespielt habe, saß ich in den letzten Tagen stundenlang am Stück am PC und habe ein Event nach dem anderen abgeschlossen – teilweise bis mitten in die Nacht. Sowohl das Spielgefühl, als auch die restliche Präsentation mit ihrer tollen Atmosphäre gefallen mir. Es macht unglaublich viel Spaß, bei sehr hohen Geschwindigkeiten durch die Spielwelt zu rasen und sensationelle Drifts abzuliefern. So oft es mir gelingt hohe Punktzahlen zu erzielen, so gerne könnte ich jedoch auch jedes Mal ausrasten, wenn ich mal einen Unfall baue. Besonders in den Rennen ist dies dank nicht vorhandener Rückspulfunktion mehr als ärgerlich, da ich dann gelegentlich das ganze Rennen neu starten muss. So sehr ich meinen Spaß mit dem Spiel hatte, so unverständlich ist für mich, warum Electronic Arts darauf pocht, die Einzelspieler- mit den Mehrspieler-Optionen zu verbinden. Während der gesamten Testphase von etwa 17 Stunden habe ich wirklich nur ein einziges Mal eine Herausforderung von einem anderen Spieler angenommen und mich sonst nur auf die Hauptaufgaben des Spiels konzentriert, da der Titel von selbst aus schon den Fokus darauf legt. Nach SimCity und Star Wars: Battlefront sollte der Publisher eigentlich langsam wissen, dass es auch Spieler gibt, die nicht zwangsweise (ständig) online spielen wollen, doch möchte es der Konzern wohl einfach nicht verstehen. Wer trotzdem kein Problem damit hat, dass andere Spieler durch „seine“ Stadt driften und es akzeptiert, dass nach etwa 25 bis maximal dreißig Stunden keine weiteren Inhalte den Wiederspielwert in puncto Mehrspieler-Optionen strecken, muss Need for Speed unbedingt eine Chance geben!

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Need for Speed!

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