Review: Star Wars: Battlefront

Star Wars Battlefront (1)Als 1977 George Lucas’ erster Film der Star-Wars-Saga in den Lichtspielhäusern startete, war es wohl noch nicht abzusehen, dass fast vier Dekaden später der Hype um die Weltraumoper ununterbrochen anhält. Teil dieses Universums ist auch das Spiel Star Wars: Battlefront.

Star Wars Battlefront (2)Der Ego-Shooter aus dem Jahr 2004 ist uns bis heute sehr gut in Erinnerung geblieben, denn er bot für die damalige Zeit fantastisches Gameplay in Kombination mit der Atmosphäre der Filmreihe. Nur ein Jahr später erschien mit Star Wars: Battlefront II der Nachfolger, der noch weitere Elemente ins Spiel implementiert hat. Ein dritter Teil der Ego-Shooter-Serie war bis 2008 geplant und befand sich sogar, je nach Informationsquelle, schon weit in Entwicklung. Unter anderem sollten im dritten Serienteil Schlachten möglich sein, die sich sowohl auf der Planetenoberfläche, als auch im Weltraum abspielen sollten. Gemischt und mit nahtlosen Übergängen wohlgemerkt! Nachdem sich der Konzern Disney die Rechte an der Star-Wars-Marke gesichert hatte, wurde Electronic Arts flugs damit beauftragt, an Videospielen zum Franchise zu arbeiten. Electronic Arts steht nicht unbedingt in der Gunst vieler Spieler, wenn es darum geht, mit Lizenzen zu arbeiten. Wenn man sich die letzten Ausflüge mit Harry Potter ansieht, sollten sich einem zwar die Nackenhaare aufstellen, doch wenn man sich an die Jahre nach der Jahrtausendwende zurückerinnert, kann man sehen, dass das nicht immer so war. Bis heute gehören vor allem die Der-Herr-der-Ringe-Videospiele und kurioserweise sogar die ersten beiden Harry-Potter-Episoden zum Besten, was der Konzern entwickeln ließ.

Fans wollen (k)eine Einzelspielerkampagne

Star Wars Battlefront (3)Mit Star Wars: Battlefront (2004) hat der dritte Serienteil allerdings kaum etwas gemeinsam. Schließlich sitzt am Spiel nicht mehr das Entwicklerteam von Pandemic Studios; jenes Entwicklerstudio, welches Electronic Arts 2009 geschlossen hat. Stattdessen hat man die nicht weniger erfahrenen Köpfe von Dice beauftragt, das Spiel zu entwerfen. Leider hat jenes Team mit Battlefield 4 und Battlefield Hardline in den letzten Jahren gezeigt, dass sie es mittlerweile nicht mehr so ganz schaffen, dass Genre weiterzuentwickeln. Trotzdem sind diese Spiele im Mehrspielermodus massentauglich und erfreuen sich entsprechend auch großer Beliebtheit. Ähnliches wird Star Wars: Battlefront (2015) sicherlich ebenso widerfahren, doch sollte man vorab sagen, dass sich das Spiel fast ausschließlich an Spieler richtet, die online gegen Freunde und unbekannte Spieler antreten wollen. Eine Einzelspielerkampagne gibt es nämlich nicht. Electronic Arts hat in der Vergangenheit behauptet, dass die Fans kein Interesse daran haben, eine Einzelspielerkampagne zu spielen. Das mag vielleicht bei den Teilen der Battlefield-Reihe zutreffen, doch wer mit einer so großen Lizenz wie Star Wars arbeiten darf, sollte sich zweimal überlegen, was die Fans wirklich spielen wollen. Ein Blick in Internetforen und soziale Netzwerke offenbart, dass Electronic Arts mit der Vermutung meilenweit falsch liegt.

Zusammenhanglose Einzelspielermissionen

Star Wars Battlefront (4)Das heißt, dass wir nicht wie früher der Reihe nach die Planeten der Galaxis abklappern, sondern einfach planlos Missionen auswählen, die sich sehr lose mit verschiedenen Einblicken in die Handlung der Filme (an gerade einmal vier verschiedenen Handlungsorten, von denen einer nicht in der Ursprungstrilogie vorkommt) beschäftigen. Da sollen wir auf dem Waldmond Endor Rebellen, die sich am Eigentum des Imperiums vergriffen haben, auf unseren Speeder Bikes verfolgen. Außerdem ist es hier möglich, in die Rolle von den bekannten Helden und Bösewichten zu schlüpfen und vor Ort für Ruhe zu sorgen. Das macht durchaus Spaß, unterhält aber maximal für zwei bis drei Stunden – zumindest, wenn wir diese Missionen einzeln angehen. Wenn jemand aus unserer Origin-Freundesliste ebenfalls in den Krieg zieht, dürfen wir zusammen mit ihm Aufgaben, wie das Beschützen eines bestimmten Gebiets, erledigen. Mit einem zufälligen Mitspieler können wir die Missionen allerdings nicht spielen. Da der Titel gleich für drei Plattformen erschienen ist, erschwert dies die Partnerwahl. Der eigentliche Einzelspielermodus wird so zwar nicht langweilig, doch offenbart sich hier das Schicksal des Titels. Er möchte lieber online, als alleine gespielt werden. Warum Electronic Arts trotzdem noch Einzelspielermissionen unbedingt ins Korsett zwängt, ist uns schleierhaft.

Fast nutzlose Flugvehikel

Star Wars Battlefront (5)Wer jetzt allerdings hofft, dass Battlefront im Mehrspielermodus die Offenbarung für jedweden Star-Wars-Fan ist, täuscht sich leider gewaltig. Anstatt ein Spiel zu kreieren, welches der Marke wahrhaftig würdig ist, haben die Entwickler an verschiedenen Baustellen gewerkelt und es schlussendlich nicht geschafft, diese vernünftig zusammenzufügen. So steht uns eine Vielzahl an Modi zur Verfügung, die allerdings alle nicht so recht zünden wollen. Den Luftkampf konnten wir ja bereits auf der Gamescom 2015 anspielen und im Grunde haben wir dort schon alles gesehen. Wir jagen entweder mit einem Tie-Fighter den X-Wings hinterher oder wechseln die Seite. Großartige Raffinessen vermissen wir hier. Auch wenn dieser Modi nur einen kleinen Teil des Spiels ausmacht, tauchen die Flugvehikel auch in anderen Modi auf und genau deswegen hätte man sich an vorherigen Star-Wars-Titeln wie Star Wars: Rogue Leader – Rogue Squadron II vom Gamecube aus dem Jahr 2002 orientieren können. Uns verwundert diese Antipathie allerdings nicht; schließlich will man für Nintendo-Plattformen derzeit ohnehin keine Spiele mehr veröffentlichen. Man schießt, weicht eventuell noch aus und schafft es so, einer Lenkrakete zu entkommen, um anschließend Bodenvehikel zu vernichten. Zu weiteren Manövern sind die Fluggeräte nicht zu gebrauchen. Verschenktes Potenzial!

Interessanter Heldenansatz

Star Wars Battlefront (6)Interessanter sind da schon die Helden mit ihren Antagonisten, die man in den Schlachten ebenfalls spielen kann. In der Rolle von Luke Skywalker und Prinzessin Leia, Han Solo und dessen Erzfeind Boba Fett, sowie Darth Vader und der Imperator sind hier spielbar. Alle Charaktere unterscheiden sich dabei in ihren Fähigkeiten. Während Luke und Vader mit Lichtschwertern kämpfen und sich Han und Boba mit ihren Blaster-Pistolen die Köpfe wegschießen, unterstützen Leia und der Imperator die Bodentruppen. Die Helden fühlen sich recht ausgeglichen an, da sie sowohl Vor-, als auch Nachteile haben. Einzig und allein der Imperator wirkt mit seinem Machtblitz etwas zu mächtig. Schade finden wir jedoch, wie die besonderen Charaktere und Vehikel ins Spiel implementiert worden sind. Auf der Karte tauchen zufällig Symbole auf, die wir einsammeln können, um anschließend temporär Zugang zu diesen Inhalten zu bekommen. Wer Pech hat, wird nie mit einem Tie-Fighter die lästigen Rebellen vom Himmel schießen und wer Glück hat, darf in jeder Runde mit Luke Skywalker und seinem Lichtschwert die Sturmtruppen rösten. Warum die Fahrzeuge nicht einfach auf dem Schlachtfeld an bestimmten Positionen herumstehen und warum man Helden keine besonderen Belohungen sind, wissen nur die drei verantwortlichen Konzerne Dice, Electronic Arts und Disney.

Heillose Individualität

Star Wars Battlefront (7)Trotz der verschiedenen Spielmodi, in denen wir Droiden aktivieren, Kapseln suchen, Fracht stehlen oder Positionen halten, zieht es uns immer wieder ins normale Gefecht zurück. Dieser Spielmodus spielt sich immer noch am zugänglichsten. Das liegt auch daran, da Dice das Spiel so einsteigerfreundlich wie möglich gestaltetet hat und damit vor allem den Veteranen an den Kopf stößt. Man kann sich nach dem Ableben seines Soldaten nicht mehr aussuchen, wo man auf der Karte wieder ins Spiel einsteigen will. Außerdem gibt es keine Klassen mehr. Das kommt zwar der Individualität zugute, doch endet das in Battlefront in einem heillosen Durcheinander. Ärgerlich ist hier, dass einem von Anfang an nicht alle Inhalte zur Verfügung stehen und man diese erst durch zahllose Level-Aufstiege aktivieren beziehungsweise mit erspieltem Ingame-Geld, genannt Credits, kaufen muss. Das Spiel wirft hier schlechte und gute Spieler einfach zusammen, sodass die besseren Teilnehmer schnell gelangweilt sein dürften und Neulinge sich unnötig ärgern und schnell aufgeben. Noch nie waren in einem Spiel alle Spielteilnehmer dermaßen unausgeglichen, dass selbst wir schon nach wenigen Runden Pausen einlegen mussten, da wir einfach keine Freude mehr an Battlefront hatten. Von der ursprünglichen Vision dieser Videospielreihe ist absolut nichts mehr übrig geblieben. Schade.

Packende Star-Wars-Atmosphäre

Star Wars Battlefront (8)Während die PC-Fassung an einer sehr gewöhnungsbedürftigen Fahrzeugsteuerung leidet, ist es auf den Konsolen wie immer das Zielen mit den beiden Analog-Sticks, welches dem einen oder anderen Spielertyp Kopfschmerzen bereiten könnte. Wer den Ego-Shooter auf dem PC spielen will, sollte sich also auf eine gewisse Einarbeitungszeit einstellen. Davon abgesehen ist es sehr schade, dass das Gameplay an fast allen Ecken und Enden unvollendet wirkt und der Titel dann zumindest bis zu einem möglichen Patch ungespielt im Origin-Verzeichnis verbleiben wird. Ärgerlich ist das vor allem wegen der wirklich fantastischen Technik. Optisch gehört das Spiel neben The Order: 1886 zum Besten, was wir in der gesamten Videospielgeschichte gesehen haben. Den Begriff des Fotorealismus sollte man nicht leichtfertig verwenden, doch für die Verhältnisse des Jahres 2015 kommt Battlefront dem sehr, sehr nahe. Dazu kommt die fantastische Filmmusik von John Williams; gepaart mit den absolut typischen Sound-Effekten und den Stimmen von Hans-Georg Panczak, Wolfgang Pampel und Susanna Bonaséwicz. Somit kommt, auch wenn das Gameplay selten stimmig ist, in jeder Sekunde Star-Wars-Atmosphäre auf. Der Spielumfang fällt zwar gering aus, doch bietet der Publisher mit dem fünfzig Euro teuren Season Pass schon jetzt einen Blick in die Zukunft.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Als großer Fan des ersten Serienteils habe ich mich wirklich sehr auf Star Wars: Battlefront (2015) gefreut und auch das sehr kurze Anspielen auf der Gamescom 2015 hat mich freudig gestimmt. Bereits im Vorfeld wurde Electronic Arts jedoch (auch von mir) für die Aussage, dass die Spieler keine Einzelspielerkampagne wünschen, hart kritisiert. Obwohl der Konzern sicher weiß, dass die Star-Wars-Fangemeinde nicht gerade klein ist, hat man sich trotzdem gegen diese Kampagne entschieden. Mich persönlich hätte es auch gewundert, wenn man das Spiel deswegen verschoben hätte, um eine Kampagne zu entwerfen, die dann gerade einmal an vier Schauplätzen spielen könnte. Ich kann dann auch sehr gut verstehen, dass der Druck seitens Disney auf Electronic Arts und von Electronic Arts auf Dice sehr groß gewesen sein muss. Allerdings kann ich nicht verstehen, dass der Umfang dann trotz langer Entwicklungszeit dermaßen klein ausfällt und man den Titel dennoch als Vollpreisspiel in die Läden stellt, um dann noch einmal in Form des Season Pass nachträglich zur Kasse zu bitten und unfertige Spielinhalte nicht kostenlos nachliefert. Wäre Star Wars: Battlefront das beste Spiel der Welt geworden, so könnte man vielleicht ein Auge zu drücken, doch eckt der Titel mit seinem Gameplay in meinen Augen an allen Kanten an. Die fantastische Kulisse kann nicht kaschieren, welche gravierenden Fehler hier im Design gemacht worden sind. Ich verstehe nicht, warum der Zufall entscheidet, wer denn nun als Held spielen darf. Ich verstehe nicht, warum Fahrzeuge via Item von überall auf dem Schlachtfeld aktiviert werden und nicht auf der Karte herumstehen. Ich verstehe nicht, warum ich mir nicht aussuchen darf, wo und mit welcher Klasse ich auf dem Schlachtfeld erscheinen darf. Auch wenn die Individualität sicherlich im Ansatz gut klingt, wurde diese Idee einfach nicht zu Ende gedacht und hat die Macht im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Gleichgewicht gebracht. Battlefront macht mir auf Dauer einfach keinen Spaß, denn kaum habe ich den Titel eine halbe Stunde gespielt, suche ich verzweifelt nach dem Befehl, das Spiel zu beenden. Der Titel richtet sich an eine jüngere Generation, die sich dermaßen von den Fans der ersten beiden Teile unterscheidet. Dice hat mit Battlefront bewiesen, dass sie das Ego-Shooter-Genre nicht weiterentwickeln wollen. Es ist nicht verwunderlich, dass der Gedanke des Ursprungsspiel und die Möglichkeiten des eigentlichen dritten und leider eingestellten Teils so nicht genutzt werden können. Der Titel hat mich bis auf seine wirklich tolle Atmosphäre fast nur enttäuscht und als Star-Wars-Fan hoffe ich jetzt, dass man Vernunft walten lässt und lieber einen fähigeren Entwickler an die Marke setzen wird. Es ist schließlich Star Wars und das wissen hoffentlich auch die Verantwortlichen bei Electronic Arts.

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Star Wars: Battlefront!

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