Review: Battlefield Hardline

Battlefield Hardline (1)Das Ego-Shooter-Genre neu zu erfinden, ist wohl kaum möglich, allerdings waren im Vorfeld wenige Battlefield-Fans vom frischen Ansatz von Battlefield: Hardline begeistert. Dennoch macht der Titel in einigen Punkten vieles neu, ohne dabei das Battlefield-Feeling aufzugeben.

Battlefield Hardline (2)In Battlefield: Hardline stellen wir uns nicht gegen die üblichen terroristischen Bedrohungen aus dem Nahen Ost oder ferner Nationen Asiens, sondern versuchen den Drogenkartellen mitten in Amerika das Leben schwer zu machen. Visceral Games bewies schon mit der Dead-Space-Reihe, dass sie bereits einige Erfahrungen in Sachen Präsentation und Erzählung von spannenden Geschichten in Videospielen sammeln konnten. Zwar war in den letzten Teilen der Battlefield-Reihe der Singleplayer-Modus nie mehr als eine spielerische Aufwärmphase für das Herzstück – dem Multiplayer-Modus – dennoch würde es natürlich jeden glücklich stimmen, in der Kampagne auch abseits der Action etwas geboten zu bekommen. Davon gibt es natürlich immer noch reichlich. Auch wenn unser Charakter Nicholas Mendoza nicht auf Seiten des Militärs kämpft, gibt es im Alltag eines Drogenfahnders aus Miami mehr als genug Schießereien. In der Rolle von Nicholas versuchen wir zusammen mit unseren neuen Partnerin Khai Minh Dao den Drogenkrieg zu beenden, dessen Ausmaße keiner einzuschätzen wagt. Die gesamte Geschichte präsentiert sich episodisch, was unweigerlich an das Format der heutigen Fernsehserien erinnert. Vorbilder in Form von US-amerikanischen Krimi-Serien eifert Battlefield: Hardline dabei mit klassischen Rückblenden und Vorschauen sehr gut nach.

Mit Handschellen und Kabelband

Battlefield Hardline (3)Nicholas und seine Kollegen sind in erster Linie nicht als Killer-Kommando unterwegs, was sich auch in einigen neuen Gameplay-Elementen widerspiegelt. Battlefield: Hardline gibt uns des Öfteren die Möglichkeit, Konfrontationen mit den Verbrechern zu umgehen, indem wir vom Stealth-Feature Gebrauch machen. Neben Ablenkungen hilft hier auch der Scanner, der Positionen der Gegner markiert und Informationen über sie preisgibt. Nick wäre jedoch kein waschechter Polizist, könnte er Verdächtige nicht auch festnehmen. Durch das Zücken seiner Dienstmarke fährt bis zu drei Ganoven auf einmal der Schreck in die Glieder, sodass sie sich einer nach dem anderen bedingungslos entwaffnen und ruhigstellen lassen. Hin und wieder erschien uns dieses Element fehlplatziert, wenn wir völlig aus dem Kontext gerissen einmal Gegner niederschießen und eine Ecke weiter wieder behutsam festnehmen. Insgesamt ist diese neue Mechanik dennoch spaßig. Besonders dann, wenn wir für das Fassen bestimmter Verbrecher Extrapunkte bekommen. Auch freischaltbare Waffen gibt es nun im Singleplayer-Modus, sodass wir unser ursprüngliches Polizei-Equipment mit allen gefundenen Waffen aufbessern können. Anders als anfangs gedacht, fühlt sich dieses Element nicht aufgesetzt an und sorgt dafür, dass wir uns tatsächlich mit den verfügbaren Waffen auseinandersetzen.

Räuber und Gendarm

Battlefield Hardline (4)Die Schusswechsel werden hin und wider durch kurze Fahrpassagen aufgelockert. Diese spielen und steuern sich leider zwar sehr oberflächlich, bringen aber zumindest die horrende Technik des Spiels zum Vorschein. Auch im Multiplayer-Modus sind die Fahrzeuge sehr präsent und wichtig, wenn auch nicht mehr so sehr wie früher. Battlefield: Hardline trumpft in der Serie seit langem wieder einmal mit einigen richtig kreativen und verspielten Spielmodi, die nun auch primär auf den Infanteriekampf ausgerichtet wurden. Das heißt natürlich nicht, dass diese nun weniger aufregend ausfallen. Zum großen Bedauern vieler gibt es zwar keinen klassischen Rush-Modus mehr, in dem Angreifer früher Bombenkisten der Verteidiger zerstören mussten – der neue Spielmodus Überfall tritt dafür genau in dessen Fußstapfen und entwickelt dieses Spielsystem konsequent weiter. Nun müssen die Angreifer, also hier die Räuber, Geldpakete aus dem Gebiet der Polizisten erbeuten und diese möglichst schnell zum Rückzugspunkt eskortieren. Die Settings der Maps passen dabei wie die Faust aufs Auge, sodass wir einmal eine pompöse Bank in Stadtmitte stürmen oder ein geheimes Drogenlabor hochnehmen. Die Level-Architektur spielt der Gangster-Atmosphäre mit verschließbaren Tresortüren und anderen kleinen taktischen interaktiven Elementen zudem voll in die Karten.

Der Schlüssel steckt im Zündschloss

Battlefield Hardline (5)Zu Beginn benötigen Einsteiger sicherlich eine gewisse Einübungsphase, bis sie die Aufgaben und die wichtigen Orte auf der Map verstanden haben. Haben sich Neulinge in der Battlefield-Reihe jedoch erst einmal ans Spiel gewöhnt, macht dieser Modus aber auch alleine ohne in einem Team sehr viel Spaß. Der zweite Höhepunkt des Multiplayer-Modus ist der Hot-Wire-Modus, in dem zwei Teams in großflächigen Zonen um eine limitierte Anzahl an Fahrzeugen konkurrieren. Je schneller und länger ohne Unterbrechung die Vehikel in Bewegung sind, desto mehr Punkte gibt es. Auch dieser Modus ist in Battlefield: Hardline neu und setzt mehr auf ein arcade-lastiges Spielgefühl und weniger auf den Realismusfaktor der Vorgänger. Insgesamt wurde der Anteil der Fahrzeuge beträchtlich zurückgeschraubt. Kriegsmaschinerien wie Kettenpanzer und Jets gehören der Vergangenheit an, dennoch gibt es noch leichte Helikopter und mit Maschinengewehren bestückte Kombis. Der restliche Fuhrpark kommt ohne Waffen aus und dient primär der Beförderung. Der Schwerpunkt liegt ähnlich wie im Battlefield 3: Close Quarters hauptsächlich auf dem Kampf Mann gegen Mann. Für Ego-Shooter-Veteranen gibt es noch den einen oder anderen kompetitiven Spielmodus wie die klassische Geiselbefreiung und außerdem Klassiker wie Team Deathmatch und Eroberung.

Klassenkampf

Battlefield Hardline (6)Unseren virtuellen Charakter weisen wir dabei einer von vier Klassen zu, welche wir aus den Vorgängern kennen – das System ist nämlich fast das gleiche geblieben. Im Kampf können wir also zwischen Operator, Mechaniker, Enforcer und Profi – dem Aufklärer – wechseln, die jeweils über ihre kategorischen Fähigkeiten verfügen. Freigeschaltet werden neue Waffen und Gadgets mit einer Ingame-Währung, sodass auch Einsteiger nicht erst stundenlang spielen müssen, bis sie ihre Wunschwaffe mit in den Kampf nehmen dürfen. Dies gehört definitiv zu einer der sinnvollsten Neuerungen von Battlefield: Hardline. Die technischen Aspekte bleiben dafür immerhin auf demselben hohen Niveau wie zuvor, denn die Frostbite Engine 3 steckt auch in dieser Episode der langjährigen Serie. Auch auf der Konsole können die bunten, scharfen und detaillierten Umgebungen mit ihrer butterweichen Performance überzeugen. Wie immer glänzen vor allem die Lichteffekte am hellsten. Aber auch die Charaktermodelle können sich sehen lassen und das ganze au der PlayStation 4 sogar mit relativ kurzen Ladezeiten. Das größere Problem stellten schon immer die Bugs und Ungereimtheiten mit der Verbindung dar. Battlefield: Hardline startete aber mit verhältnismäßig wenigen Problemen und auch das Balancing im Mehrspielermodus weißt bisher keine nennenswerten Lücken auf.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): In den ersten Spielstunden des Singleplayer-Modus war ich von mir selbst überrascht, wie sehr mir der recht frische Ansatz gefiel – auch wenn ich meistens zur lautstärksten Waffe griff, anstatt wie ein pflichtbewusster Polizist zu handeln. Zusätzlich war auch die Story alles andere als unfähig, mich die handvoll Stunden bei der Stange zu halten. Dies kann natürlich auch an den vielen Klischees und bekannten Polizistendilemmas aus unzähligen Krimi-Serien und Action-Thriller liegen, an denen sich Battlefield: Hardline ungeniert bedient. Im Multiplayer-Modus konnte ich dafür das Fehlen von Jets und Panzern verkraften, dafür hielten mich besonders die vielseitigen Spielmodi zu sehr bei Laune. Insgesamt sind die neun Maps sehr abwechslungsreich und versprühen auch in unterschiedlichen Spielmodi alle ihren eigenen Charakter. Das gesamte Setting primär auf Infanterie auszulegen ist eine interessante Herangehensweise an einen Battlefield-Ableger, der in Zukunft mit Sicherheit fortgeführt wird – Potential hat es auf jeden Fall.

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Battlefield: Hardline!

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