Review: The Unforgiven

The Unforgiven (1)Der japanische Film The Unforgiven von Regisseur Lee Sang-il aus dem Jahr 2013 behandelt das tragische Thema Tod auf vielfältige Weise. Erzählt wird die Geschichte des Charakters Kamata Junbei und schildert, wie ein einstiger Samurai von der Vergangenheit eingeholt wird.

The Unforgiven (2)Im Jahr 1853 tauchte der US-amerikanische Commodore Matthew Perry mit den Schwarzen Schiffen vor der Küste Japans auf. Die Öffnung des Landes wurde durch die Vereinigten Staaten erzwungen, um Japan in den Handel mit dem Westen zu drängen. Die folgenden Jahre waren von einer politischen Umwälzung geprägt. Das Tokugawa-Shōgunat wurde entmachtet und das Amt des Tennō erhielt die politische Bedeutung zurück, welche es seit Jahrhunderten nicht mehr innehielt. The Unforgiven lässt sich historisch genau in den Jahren 1869 und 1880 einordnen. Er spielt somit im zweiten und im zwölften Jahr der Meiji-Zeit. Kamata ist direkt von den Auswirkungen der neuen Regierung betroffen, denn als er sich gegen diese auflehnt, muss er auf die Insel Ezo flüchten. Auf der heutigen Insel Hokkaidō lebt er länger als eine Dekade als einfacher Landwirt, doch nach elf Jahren taucht sein alter Kamerad Baba Kingo auf, der auf der Suche nach zwei Verbrechern ist. Diese haben einer Prostituierten bleibende Schnittwunden zugefügt. Obgleich es untersagt ist, auf Personen Kopfgelder auszusetzen, sind eintausend Yen Belohung auf die Köpfe von Hotta Sanosuke und Hotta Unosuke ausgesetzt. Kamata lehnt Babas Angebot ab, doch als die Ernte spärlicher als gedacht ausfällt, gräbt der ehemalige Samurai sein Schwert aus und folgt seinem alten Freund auf die Kopfgeldjagd.

Japanisches Historiendrama

The Unforgiven (3)Während ihrer Reise durch das karge Ezo lauert ihnen Sawada Goro auf. Dieser befindet sich ebenfalls auf der Kopfgeldjagd und will die Belohung, welche auf die Brüder ausgesetzt ist, mit Baba und Kamata teilen, sofern sie gemeinsam operieren sollten. Des Weiteren verfügt er über das Wissen einer Abkürzung zum Ort des Geschehens. Obwohl sich die beiden zunächst gegen die Beteiligung Sawadas aussprechen, schließen sie sich dennoch zusammen, um ihre Reise um zwei Tage zu verkürzen. Ihr Zielort, ein kleines Dorf, wird vom Dorfvorsteher Oishi Ichizo kontrolliert. Dieser arbeitet weitgehend im gesetzlichen Rahmen, nimmt sich aber mehr als einmal Freiheiten, um das Gesetz zu seinem Vorteil zu interpretieren. Jetzt müssen sich die drei Kopfgeldjäger nicht nur um die Hotta-Brüder Gedanken machen, sondern sich zudem noch mit einem weiteren Feind konfrontiert sehen. Obwohl solche Themen Action vermuten lassen, bleibt The Unforgiven 135 Minuten lang auf einem recht zurückhaltenden Niveau. Es handelt sich hierbei um ein Drama, welches sich stark mit politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen beschäftigt. Das Wegfallen des Shinōkōshō, also des Vier-Stände-Systems aus der Edo-Zeit, wird genauso thematisiert wie die Diskriminierung der ethnischen Minderheit Ainu. Die Dialoge nehmen sich viel Zeit, um auf solche Tatsachen aufmerksam zu machen.

Technische Defizite

The Unforgiven (4)Während der Titel inhaltlich definitiv viele Qualitäten aufweist, sind wir von der Ausstattung und Umsetzung der Blu-ray-Fassung von The Unforgiven sehr enttäuscht. Der Film bietet ein meist opulentes Bild durchgehend in einer Full-HD-Auflösung. Nur selten stören hier ein paar Unschärfeeinstellungen. Das Audioformat in DTS-HD Master Audio 5.1 kann ebenfalls nicht gänzlich überzeugen. Der Film wechselt zwischenzeitlich auf die Originaltonspur, wenn sich Kamata oder Sawada in der Ainu-Sprache mit der ethnischen Minderheit unterhalten. Um die Charaktere problemlos verstehen zu können, muss die Lautstärke höhergestellt werden. Später stellt man sie dann wieder herunter, weil die Musik des Films gegebenenfalls zu lautstark sein könnte. Fans der japanischen Originaltonspur haben keine Möglichkeit auf diese zu wechseln, da sie einfach keinen Platz auf der deutschen Veröffentlichung der Blu-ray-Fassung gefunden hat. Möchte man den Film also auf Japanisch genießen, ist ein Import die einzige Möglichkeit. Recht dürftig fällt auch das Bonusmaterial aus. Aus dem spartanisch gestalteten Menü heraus können wir lediglich auf einen deutschsprachigen Trailer von The Unforgiven zugreifen, der den Film dazu action-lastiger darstellt, als er überhaupt ist. Immerhin liegt ein Code bei, den wir beim Streaming-Dienst Flixter einlösen und so The Unforgiven auch streamen dürfen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): The Unforgiven ist kein Film, den ich mir zwischendurch angucken möchte. Das Drama aus dem Jahr 2013 mit Watanabe Ken in einer der Hauptrollen beschäftigt sich mit einem historischen Hintergrund, welcher für das Japan der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von immenser Bedeutung ist. Durch den politischen Regierungswechsel liegt die Macht nicht mehr beim Shōgun, sondern de facto beim Tennō. In dieser Zeit werden außerdem die Stände abgeschafft, womit sich in erster Linie Kamata Jubei konfrontiert sehen muss. Sein Leben ändert sich innerhalb weniger Tage schlagartig und wird für mindestens elf Jahre von der politischen Umwälzung bestimmt – bis er durch das Auftreten von Baba Kingo von der Vergangenheit eingeholt wird. Armut und Hunger bestimmen seinen Alltag, weshalb der einstige Samurai wieder zum Schwert greift und mit verschiedenen Arten von Tod konfrontiert wird. Dabei stellt der Film mehrmals die Frage, wie, wann und ob man überhaupt töten sollte. Wie sich das in The Unforgiven genau widerspiegelt, möchte ich aber nicht verraten. Watanabe-Fans, die sich mit ein paar politischen und gesellschaftlichen Problemen der frühen Meiji-Zeit beschäftigen möchten, sollten sich The Unforgiven definitiv einmal anschauen. Das Remake von Clint Eastwoods Western Erbarmungslos sollte man mal gesehen haben, doch actionreiche Höhepunkte bietet Lee Sang-ils Werk allerdings kaum.

Vielen Dank an Warner Home Video für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Unforgiven!

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