Review: Battlefield 3

Vor neun Jahren fand eine Revolution des Ego-Shooter-Genres statt und auch heute noch blicken Videospieler gerne auf das Jahr 2002 zurück. Grund dafür ist der Titel Battlefield 1942, welches mit einem virtuellen Zweiten-Weltkrieg-Szenario zum Meilenstein avancierte.

Battlefield 1942 begeisterte vor neun Jahren mit großen Arealen, einem hohen Detailgrad und einer für damalige Verhältnisse ungeahnten Auswahl an Kriegsmaschinerien. Es dauerte nur drei Jahre, bis mit Battlefield 2 der direkte Nachfolger anstand und einen weiteren Erfolg für sich verbuchen konnte. Es war ein Spiel, welches mit noch größeren Schlachtfeldern und der zeitlichen Verlagerung in die Gegenwart, sowie einer zuvor noch nie dagewesen Multiplayer-Erfahrung neue Fans gewinnen konnte. Selbst heute findet man im Netz noch eine aktive Community und dutzende Server vor, die gnadenlos voll von Spielern sind. Neben der Call-of-Duty-Reihe konnte sich Battlefield zu einer festen Größe im Bereich der Ego-Shooter etablieren. Seit 2005 war es um die Hauptreihe relativ still, doch nun möchte der dritte Teil mit vielen Änderungen auf sich aufmerksam machen, was sich unter anderem in einem recht bombastischen Singleplayer-Modus und dem neuen Kooperationsmodus widerspiegelt.

Allseits bekannte Handlung ohne Innovationen

Die Handlung des Einzelspielermodus beginnt in einem kleinen Zimmer, in dem zwei US-Agenten den abgemagerten und schmächtig gebauten Marine Blackburn verhören. Sein Blick wirkt verzweifelt – direkt wird uns klar, dass uns das Spiel hier das Videospielklischee der Ein-Mann-Armee austreiben möchte. Die Agenten möchten von der Homeland Security erfahren haben, dass in der Stadt New York ein Anschlag stattfinden wird und ein inhaftierter Marine über nähere Einzelheiten verfügen soll. Bei jenem Marine handelt es sich um unsere Wenigkeit und so beginnen wir den Agenten nach und nach zu erzählen, was wir im Einsatz erlebt haben. In Rückblenden spielen wir diese Erlebnisse nach und gehen dabei gegen die Rebellentruppen der People’s Liberation and Resistance im irakischen Sulaimaniyya vor, erzählen von der Jagd auf den Terroristen Solomon und von weiteren Geschehnissen. Um ein wenig Abwechslung in den grauen Alltag zu bringen, erzählen auch die US-Agenten von Einsätzen verschiedener Personen, wie zum Beispiel von Pilotin Hawkins, deren Erlebnis wir ebenfalls nachspielen dürfen. Kurzum wird hier klar, dass wir von der Battlefield-3-Story keine neuen Innovationen zu erwarten haben. Zum tausendsten Male gehen wir in einem Spiel den bösen Terroristen nach und versuchen größere Gefahren zu vereiteln. Das geht besser!

Forderndes Kriegsszenario

Abgesehen von dieser Tatsache gibt es an Battlefield 3 hier wenig auszusetzen. Die Kampagne bringt etwas Abwechslung in den (besonders von der Call-of-Duty-Serie) gekennzeichneten Ego-Shooter-Alltag. Ausnahmsweise bekommen wir hier keinen Superheldencharakter vorgesetzt, sondern einen Menschen, der mit seinen Kameraden auch die Zweifel und Ängste des Krieges an uns weitergibt. Erstaunlicherweise sind die Schießereien in Battlefield 3 ziemlich fordernd. Feindwellen nehmen uns auf offenem Feld sofort ins Kreuzfeuer und versuchen so schnell wie möglich nah an uns heran zu kommen. Wenn wir nicht ab und an hinter eine Deckung springen, sind wir schnell ein toter Mann. Das Problem an der ganzen Sache ist nur, dass nicht nur wir verwundbar sind, sondern auch unsere Kriegskameraden. Wenn wir mit einem Präzisionsgewehr unserem Team Deckung geben müssen und plötzlich eine große Welle an Feinden herein bricht, müssen wir schnell und vor allem präzise agieren, damit keiner unserer Kameraden umkommt – sofern dies geschieht ist die Mission sofort fehlgeschlagen! Gerade solche Passagen bringen uns zum Schwitzen und verlangen uns viel ab.

Atmosphärischer Spielfluss

Atmosphäre wird in Battlefield 3 groß geschrieben, denn der schwedische Entwickler hat es sich nicht nehmen lassen, weitere Animationen mit ins Spiel einzubauen, um dieses weitaus authentischer zu gestalten. Als gutes Beispiel dient der Panzereinsatz mit Sergeant Miller. Am Anfang dieser Mission gucken wir während der Fahrt lediglich aus der Panzerluke, bis wir schlussendlich selbst in das Vehikel einsteigen dürfen, um das Geschütz zu bedienen. Diese Übergänge sind im ganzen Spiel animiert und unterstützen den logischen Spielfluss. So sehen wir unter anderem, wie sich unser Soldat abstützt und sich bis zum Steuer des Panzers im Innenraum bewegt. Es wirkt einfach alles so, als wären wir tatsächlich mit dabei. Ein weiteres Beispiel wären die Quick Time Events zu nennen. In einigen Missionen müssen wir uns hin und wieder auch im Nahkampf behaupten. Dabei schlagen wir nicht aktiv auf die Gegner ein, sondern müssen gezielt vorgegebene Tastenkombinationen drücken, um den einzelnen Feind effektiv auszuschalten. Diese Events sind durchaus leicht gestaltet und fordern uns nur wenig. Da ist uns die umständliche Installation der PC-Fassung schon eher ein Dorn im Auge.

Zwanghafte Origin-Einbindung

Bevor wir das Spiel auf unsere Festplatte bannen, setzt Battlefield 3 ein kostenloses Konto bei Electronic Arts’ eigener Handelsplattform Origin voraus. Nach der Installation des Programms legt es einen entsprechenden Account für die Verwaltungsseite Battlelog an. Während der gesamten Spielzeit, egal ob wir nun alleine oder mit mehreren Leuten spielen möchten, muss Origin im Hintergrund durchgehend aktiviert sein. Beim Start von Battlefield kommen wir nicht, wie bei Spielen sonst gewohnt in ein Hauptmenü, sondern auf das bereits erwähnte Battlelog. Über das Battlelog können wir dann die Kampagne, den Coop- oder auch den Multiplayer-Modus starten. Des Weiteren bietet diese Präsenz auch Nachweise über unsere letzten Begegnungen. So können wir Waffenstatistiken und Fahrzeugstatistiken begutachten oder auch einsehen, welche Waffen und Setups wir als nächstes freischalten. Es ist zudem auch möglich, unsere Daten mit denen unserer Freunde zu vergleichen, um so ein direktes Fazit zu ziehen, wer in welchem Bereich des Schlachtfeldes der Beste ist. Dies sorgt für spannende Wettkampfgarantie unter Freunden. Außerdem hat sich bei den Multiplayer-Klassen seit Battlefield 2 einiges getan, so stehen uns nun nur noch vier Klassen zur Auswahl.

Klassen-Zusammenspiel

Dies wären im Einzelnen der Sturmsoldat, der Ingenieur, der Versorgungssoldat und der Aufklärer. Freunde der Sanitärklasse dürfen beruhigt sein, denn diese Fähigkeiten fließen nun in die des Sturmsoldaten mit ein. Somit ist dieser für die ärztliche Unterstützung auf dem Schlachtfeld verantwortlich, in dem wir Medikits auf den Boden legen, mit denen sich unsere Teammitglieder heilen können. Außerdem dürfen wir bereits gefallene Kameraden mit dem Defibrillator wiederbeleben. Der Ingenieur ist im Übrigen für die Reparaturen und auch Zerstörungen von Fahrzeugen zuständig. Mit einem Schweißgerät können wir unsere Vehikel reparieren und mit der Panzerfaust Fahrzeuge des Gegners vernichten. Versorgungssoldaten sind mit dicken Maschinengewehren ausgestattet und können Teammitglieder mit Munitionskisten unterstützen. Die Maschinengewehre lassen sich mit einem Zweibein auf dem Boden oder an Fensterbänken aufstellen, um zusätzliche Präzision zu gewinnen. Ähnliches gilt auch für den Aufklärer. Dieser ist mit einem Scharfschützengewehr bewaffnet, welches er ebenfalls durch ein Zweibein aufstellen darf. Als besondere Fähigkeit kann der Aufklärer Wiedereinstiegspunkte für sein Squad einrichten. Durch fleißiges Spielen der einzelnen Klassen steigen wir auch im Level auf und schalten so Waffen und Zubehör frei.

Schwere Kriegsmaschinerie

Natürlich ist man in Battlefield 3 nicht gezwungen, alles als Infanterist zu erleben. So haben wir die Möglichkeit, zwischen Jeeps, leichten Schützen- und schweren Kampfpanzern, Hubschraubern und Kampfjets zu wählen. Das Besondere im Vergleich zum Vorgänger ist jedoch, dass wir durch Erfahrungspunkte in Fahrzeugen unser Gefährt aufstufen kann, um somit neue Gadgets frei zuschalten. Als Beispiel möchten wir die Infrared Flares für den Kampfjet nennen. Diese bewirken, dass Wärmesuchraketen des Gegners abgeleitet werden und uns somit verfehlen. An diesen kleinen Spielsachen mangelt es im Multiplayer-Modus überhaupt nicht. Durch ordentliches Aufleveln der einzelnen Fahrzeuge werden uns immer mehr Möglichkeiten bereit gestellt, unser Fahrzeug so anzupassen, wie wir es für richtig halten. Optisch zeigt Battlefield 3 auf dem PC das, was ohne technische Einbußungen auf den aktuellen Konsolen (PlayStation 3 und Xbox 360) nicht möglich ist. Trotzdem herrschen auch hier kleinere unschöne Texturen und Fehler, wie hässliche Sandsäcke oder Laternen, die unter Beschuss nicht zerspringen. Dazu muss gesagt werden, dass im Mehrspielermodus die sehr schönen Animationen beim Ein- und Aussteigen in die Fahrzeuge fehlen, doch dies ist unserer Meinung nur logisch, da bei hitzigen Online-Gefechten so wertvolle Sekunden verlorengehen.

Klangvoller Krieg

Ansonsten sind die einzelnen Schlachtfelder eine wahre Pracht und beeindrucken durch viele Details und ein weites Sichtfeld. Selbst außerhalb des Kriegsgebiets sieht man Details wie brennende Wälder oder gewaltige Bergketten. Fahrzeuge und Waffen sehen fast schon fotorealistisch aus und wirken im Gefecht ziemlich authentisch, der Frostbite Engine 2 sei Dank. Im Großen und Ganzen bleibt zu sagen, dass Battlefield 3 eine grafische Glanzleistung des Genres ist, doch noch mehr haben uns die Soundeffekte beeindruckt. Wenn uns Kugeln um die Ohren fliegen, Explosionen nur knapp neben uns ertönen, Panzer an uns vorbei fahren und wir die Schreie anderer Soldaten vernehmen, die uns vor anfliegenden Granaten warnen möchten, bekommen wir einmal mehr das Gefühl, mitten in einem Schützgraben zu liegen. Bei Battlefield 3 kommen eine bahnbrechende Optik, ein authentischer Sound und packendes Kriegsfeeling mit abwechslungsreichen und gut überschaubaren Maps daher. Fans von Ego-Shootern mit Kriegsszenarien kommen um Battlefield 3 kaum herum, doch Obacht: Wer sich für den Ego-Shooter interessiert, aber erst Ende nächsten Jahres auf der kommenden Wii U spielen möchte, sollte darüber im Klaren sein, dass einer der Entwickler vor kurzem verlauten ließ, dass der Titel womöglich doch nicht für Nintendos nächste Heimkonsole erscheinen wird. Bis es vielleicht soweit sein wird, bleiben euch lediglich die Versionen für die aktuelle Konsolengeneration und den PC – und zumindest bei letztgenannter Fassung kann man wie bereits erwähnt so gut wie nichts falsch machen!

Geschrieben von Axel Gutsmiedl

Axels Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Damals habe ich etliche Stunden, Tage, Wochen, Monate, sogar Jahre mit Battlefield 2 verbracht. Selbst heute werfe ich das Spiel noch ab und zu an, um mit Freunden ein paar Runden zu verbringen und stelle jedes Mal fest, dass es weiterhin genügend Server gibt, auf denen noch aktiv gespielt wird. Das Spiel hat einfach einen Kultstatus erreicht und so etwas findet man in der heutigen Generation nur noch sehr selten. Battlefield 3 hat in meinen Augen aber wieder das Zeug dazu, zu einem modernen Klassiker zu avancieren. Das Entwicklerteam hat wunderbare Arbeit verrichtet und wieder ein Spiel geschaffen, welches sich wie die alten Battlefield-Titel spielt und anfühlt. Die Grafik ist überwiegend ein Augenschmaus und sieht auch mit leistungsschwächeren Hardware-Komponenten ordentlich aus. Wer aber einen leistungsstarken PC daheim stehen hat, kann die ganze Grafikpracht genießen und weiß, was ich meine. Der Singleplayer-Modus wirkt für mich allerdings eher dahin geklatscht, aber um ehrlich zu sein war dies auch der Aspekt, der mich am wenigsten interessierte. Und dies werden auch die Entwickler verstehen, denn die Reihe ist und bleibt ein Multiplayer-Spektakel und zeigt dort ihre wahren Stärken. Battlefield 3 ist bis auf ein paar Kleinigkeiten gut ausbalanciert, macht mir ziemlich viel Spaß und ist endlich mal wieder ein Spiel, in dem man nicht nach ein paar Runden alles frei geschaltet hat. Alles muss man sich hart und über lange Zeit erarbeiten. Wenn jetzt noch der Support stimmt, immer mal wieder kleinere Fehler ausgemerzt werden und Erweiterungen folgen, die auch Sinn ergeben werden und sich vom Inhalt her lohnen, ist dies ein Spiel, welches ich sicherlich noch einige Jahre spielen werde. Wenn ich mir aber auch schon den Downloadable Content Back to Karkand anschaue, mache ich mir keinerlei Sorgen über die Zukunft des Spiels. Eine Mainstream-Reihe wie bei Activisions Call of Duty erwartet mich hier sicherlich nicht!

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Battlefield 3!

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