Review: The Order: 1886

The Order 1886 (1)Bereits vor dem offiziellen Release von The Order: 1886 wurde das Spiel sowohl von Gamern, als auch von der Presse heftig diskutiert. Je näher die Veröffentlichung rückte, desto eher war es allen klar, dass The Order: 1886 ein Spiel mit extrem vielen Zwischensequenzen sein wird.

The Order 1886 (2)Das merken wir bereits im Prolog des Spiels, in welchem wir Ende November des Jahrs 1886 von zwei Männern mit unserem Kopf in ein Wasserbecken getunkt werden. Wir wissen nicht, wie lange wir schon in dem Gefängnis gehalten werden, doch genug ist irgendwann einfach genug. Wir können uns aus den Fängen unserer Peiniger befreien und gelangen so endlich an die Oberfläche, wo wir prompt von Jägern und Vertrauten gejagt und beschützt werden. Der letzte Ausweg für uns ist der Fall ins kalte Wasser der Londoner Themse. Danach macht die Handlung einen Zeitsprung zurück in den Oktober 1886. Unser Leben scheint hier noch nach den für uns geltenden Regeln abzulaufen. Wir sind Sir Galahad, Mitglied des Ritterordens – und wir können uns noch nicht im Entferntesten ausrechnen, wie sich unser Leben innerhalb von nur einem Monat sich dermaßen verändern wird. Als Mitglied des Ritterordens sind wir Teil eines Krieges und bekämpfen in den Londoner Straßen die gefährlichen Halbblüter; halb Mensch, halb Tier. Dies ist allerdings nur die Rahmenhandlung des Universums, in dem wir uns gerade zurechtfinden wollen. Schnell geraten wir in einen Konflikt mit den Rebellen, die Königin Victoria am liebsten am Galgen baumeln sehen wollen. Später mischen sich noch eine indische Fraktion und Vampire ins Geschehen ein. All diese Verbindungen führen uns in ein Geflecht aus Lügen und Verrat, welches wir im Verlauf der Story durchschauen müssen.

Filmreife Inszenierung

The Order 1886 (3)Mehr wollen wir zur Handlung von The Order: 1886 nicht verraten, denn das Spiel lebt sehr von der Story und den dutzenden Zwischensequenzen. Diese nehmen auch den Hauptteil des Spiels ein. Um diesen Fakt kommt kein Interessent drumherum, denn während das Spiel nach circa acht Stunden endet, haben wir in dieser Zeit vielleicht zwei Stunden damit verbracht, in der Gegend herumzuballern. Die Zwischensequenzen werden immerhin mit reichlich Quick Time Events aufgelockert. Ärgerlich ist allerdings, dass wir diese Events in der Regel immer auslösen müssen. Alternative Wege, einen Konflikt zu lösen, gibt es so gut wie nie. Besonders im Finale ist das sehr ärgerlich und eben deshalb wird der Epilog definitiv noch viel diskutiert werden. Man merkt den Zwischensequenzen allerdings sehr an, wie sehr das Entwicklerteam an seiner Story um Galahad, Perceval und Co festhält und wie viel Liebe man in die Handlung eigentlich gesteckt hat. Als Spieler fragt man sich dann im Verlauf der kurzen Spielzeit aber mehrmals, ob man dieses Herzblut nicht eher in die Ausarbeitung eines mitreißenden Films, denn in ein Videospiel gesteckt haben sollte. Zumal das eigentliche Gameplay niemals übers Mittelmaß hinauskommt. Hier laufen wir mit Galahad durch Schlauchlevels und spritzen die Gegner mit Blei voll, bis unser Magazin leer ist. Das Waffenarsenal ist durchaus vielschichtig.

Leben und sterben in Whitechapel

The Order 1886 (4)Wir ballern uns mit Revolvern, Gewehren und auch einer retrofuturistischen Waffe durch die Gegnerhorden. Dabei suchen wir immer wieder Deckung und werfen auch mal Granaten auf die Feinde. Das ist zwar spannend, aber sehr repetitiv. Dazu gibt es nebenher eigentlich nur wenig zu tun. Es gibt kaum Abzweigungen, die wir auf unserem Feldzug gegen Halbblüter und Vampire nehmen können. Falls wir dennoch mal eine Nische entdecken, können wir dort im Regelfall höchstens mal ein Objekt genauer unter die Lupe nehmen. Spieltechnisch hat das aber keinerlei Auswirkungen. Ebenfalls sind Informationen, die wir aus englischsprachigen Zeitungen oder Wachswalzen aufnehmen, kein elementarer Bestandteil des Spielgefühls. Sie bereichern allerdings stark die Hintergrundatmosphäre. Auf diese Atmosphäre setzt der Titel sehr, denn es wird Bezug zu verschiedenen fiktiven und historischen Ereignissen genommen. Die Namen der Ritter des Ordens gehen auf die Artus-Sage zurück, in Whitechapel geschehen gerade die Ripper-Morde und Nikola Tesla etwa unterstützt uns als Q des Ritterordens mit technischem Firlefanz. Außerdem merkt man daran recht eindeutig, dass der Titel in einem Paralleluniversum angesiedelt ist und sich historische Ereignisse ein wenig verfrühen. Macht aber nichts, da die Stimmung im viktorianischen Setting so einmal mehr angeheizt wird.

Unglaublich hübsch

The Order 1886 (5)Der technische Aspekt von The Order: 1886 ist ebenfalls nicht zu verachten. Der Titel gehört zu den hübschesten Spielen, die wir in dieser Konsolengeneration bisher gesehen haben. Das ging während der Entwicklung sogar soweit, dass man zwangsweise schwarze Balken oben und unten am Bildschirmrand einblenden musste, damit das Spiel überhaupt erst flüssig mit dreißig Bildern pro Sekunde läuft. Während wir diese beiden schwarzen Balken aus der Hölle bei The Evil Within noch verurteilt haben, fällt uns das bei The Order: 1886 nicht annähernd so schlimm auf. Das liegt vor allem daran, dass wir uns anders wie beim Titel von Bethesda nicht ständig aus Furcht vor den Gegnern umdrehen müssen und eigentlich nur schnurstracks nach vorne oder zur Seite laufen. Da behält man tatsächlich alles im Überblick und hier sind die Balken absolut kein Zierwerk. Sie unterstützen einmal mehr die cineastische Präsentation des Spiels. Es gibt zwar auch in The Order: 1886 einige Nebelfetzen, doch so blöd das auch klingen mag, erhöhen diese die Atmosphäre ebenfalls. Unterlegt wird das Abenteuer in vielen Momenten mit einem passenden Soundtrack, der die Emotionen der Charaktere zusätzlich zu den wunderschönen Gesichtsanimationen, glaubhaft wiedergibt. The Order: 1886 mag zwar spieltechnisch mau sein, doch an der Präsentation dürfen sich alle mal ein Beispiel nehmen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Seit der Ankündigung von The Order: 1886 habe ich mich sehr auf das Spiel gefreut. Kurzum war der Titel schon lange einer der Kaufgründe für die PlayStation 4 für mich, da mich das Szenario im viktorianischen England schon immer sehr fasziniert hat. Im Vorfeld war mir schon lange klar, dass der Titel spielerisch nur wenig zu bieten hat und der Fokus auf der spannend erzählten Story liegt. Genau diese ist auch schuld daran, warum ich The Order: 1886 gleich beim ersten Spielstart in einem Rutsch und in einer Nacht durchgespielt habe. Sie bietet so viele verschiedene Aspekte, die auf historische und fiktive Ereignisse zurückführen und gleich so viel Atmosphäre bescheren. Nikola Tesla als Q des Ritterordens herzunehmen, die Ripper-Morde geschickt in die Handlung einzuweben und König Artus zu erwähnen, sind in meinen Augen sehr reichhaltige Ideen. Während ich an der Präsentation und Atmosphäre von The Order: 1886 absolut nichts auszusetzen habe, stört mich allerdings das Gameplay. Mir gefallen die Schießereien und sogar die Schlauchlevels machen mir nur wenig aus, da man in der Regel immer zu zweit unterwegs ist und Galahad sich so mit seinem Verbündeten unterhält, doch tröstet das nicht darüber hinweg, dass das Gameplay recht eintönig ausfällt. Es gibt zwar hin und wieder nette Details am Straßenrand zu bestaunen und auch mal Schleichmissionen zu überleben, doch all das bietet nur wenig Abwechslung. Wer sich auf das Spiel einlassen will, sollte auf jeden Fall ein Cineast sein und Zwischensequenzen genießen oder gar lieben können. Andernfalls wird einem bereits nach ein bis zwei Spielstunden extrem langweilig werden. Mann kann es einfach nicht anders ausdrücken – The Order: 1886 ist ein sechzig Euro teurer Blockbuster.

Vielen Dank an Sony Computer Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Order: 1886!

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