Review: Coppelion – Vol. 1

Coppelion - Vol. 1 (1)Japan ist eine Nation, die auf Atomenergie angewiesen ist, um den Energiehaushalt decken zu können. Wie man den Umgang mit Atomkraft kritisiert, bewies Ishirō Honda schon im Jahr 1954 mit Godzilla. Dass Kritik in Manga-Form funktioniert, beweist Tomonori Inoue mit Coppelion seit 2008.

Coppelion - Vol. 1 (2)Die Story von Coppelion setzt zeitlich irgendwann in den Jahren bis zur Jahrhundertwende ein, denn mehr Informationen möchte man uns auf der Packungsrückseite in Form des Jahres 20XX nicht verraten. Was im ersten Moment nach der Mega-Man-Videospielserie klingt, ist im Anime aber glücklicherweise ganz anders. Coppelion erzählt von einer Katastrophe, die die ehemalige Hauptstadt Japans kontaminiert hat. Die radioaktive Strahlung macht das Leben in und um Tōkyō nahezu unmöglich. Trotzdem leben immer noch vereinzelt Menschen in der einstigen Millionenmetropole, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen weigern, diese zu verlassen. Daraufhin bildet die Regierung die so genannte Sondertruppe der Dritten Division der Bodenstreitkräfte, welche sich gleich aus zwei Teams zusammensetzt. In den ersten vier Episoden von Coppelion wird vor allem Wert auf die Schilderung der Rettungseinheit gelegt. Diese Einheit besteht aus den drei Charakteren Ibara, Aoi und Taeko. Die drei jungen Frauen, die man äußerlich sofort als typisch normale Schulmädchen identifizieren würde, können sich aufgrund ihrer genetischen Struktur ohne Schutzanzug in die kontaminierte Zone wagen, denn die Strahlung im Stadtzentrum ist so hoch, dass die Schutzanzüge der Dritten Division absolut nicht ausreichen würden, um die Menschen vor der (fast) unsichtbaren Gefahr zu schützen.

Erschreckende Bestandsaufnahme

Coppelion - Vol. 1 (3)Während ihres ersten Ausflugs in die ehemalige Hauptstadt, lernen die drei Protagonistinnen einige unterschiedliche Charaktere kennen, welche das Ausmaß der Zerstörung und gar deren Überlebenswillen in dieser dystopischen Welt kennzeichnen. Während die Familie Kawabata durch die starke Verstrahlung vor allem psychologisch belastet wird, versucht Denjirō Shiba, der das Kraftwerk im Herzen der Stadt entworfen hat, die restlichen Tōkyōter mit Nahrung zu versorgen und ihr Überleben zu sichern. Wohlgemerkt spielt die Handlung von Coppelion zwanzig Jahre nach dem tragischen Vorfall. Durch die Dialoge zwischen den Figuren wird sehr viel Kritik am Umgang mit Atomenergie geübt. Da der Anime, anders als der Manga, nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima erschienen ist, spricht er nachhaltig auf dieses Ereignis an. Teile der Präfektur Fukushima werden schließlich noch hunderte Jahre lang nicht bewohnbar sein. Ebenfalls in der Kritik steht die fehlende Endlagerlösung für Nuklearabfall. Gezeigt wird dies (für Anime-Verhältnisse) mit beeindruckenden Bildern. Ein riesiger Sarg aus Beton oder ein ganzer See voller Fässer mit Atommüll. Obwohl Coppelion nicht mit Verweisen auf reale und erschreckende Tatsachen geizt, verfügt der Anime zum Glück über weitere Qualitäten, welche für den Unterhaltungswert für den Zuschauer verantwortlich sind.

Glaubwürdige Gestaltung

Coppelion - Vol. 1 (4)Die Dialoge zwischen Ibara, Aoi und Taeko sind abseits der ernsten Momente lustig gestaltet. Aoi freut sich darüber, ein Mensch zu sein, der jegliche Nahrung genießen kann, während die Anführerin der Gruppe, Ibara, eher pragmatisch ist und sich stattdessen lieber eine Sprite mit den nötigen Nährstoffen verabreicht. Ihre Taten spiegeln sich auch in ihren Charakterzügen wieder. Taeko ist somit ein recht einfühlsamer Mensch; sie macht sich selbst Gedanken um verwundete Wölfe am Straßenrand, die für sie eigentlich eine große Gefahr darstellen. Alle Charaktere wirken, bis auf vereinzelte Eigenschaften, sehr real und somit nachvollziehbar. Wie bereits erwähnt, beeindruckt Coppelion mit beeindruckenden Bildern. Dank der Full-HD-Auflösung der Blu-ray-Fassung wird Tōkyō, welches langsam von der Natur zurückerobert wird, atmosphärisch eingefangen. Störend fallen vereinzelt nur zu starke Konturen auf, welche die Charaktere vom Hintergrund abheben sollen. Dafür beeindruckt die Soundkulisse. Sowohl die Effekte, als auch der Soundtrack ergeben ein stimmiges Gesamtbild. Stimmig ist auch das physische Bonusmaterial, welches in Form eines 24-seitigen Booklets vorliegt. Das Heftchen wurde von Kazé Anime sorgfältig mit vielen Informationen zu Charakteren und mit Fakten gespickt. Schlussendlich liefert es klare Inhaltsangaben zu den vier Folgen. Klasse!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Coppelion bietet Spielraum für reichlich Interpretationen. Viel wichtiger ist jedoch, dass Coppelion auch für den Laien die Kritik am Umgang mit Atomenergie deutlich machen kann. Regisseur Shingo Suzuki beweist mit starken Bildern in Anime-Form, wie eine nukleare Katastrophe aussehen kann, wenn man nicht damit aufhört, Atomenergie zu verwenden oder endlich eine Endlagerlösung findet. Gekoppelt wird dies mit einer spannenden Handlung, die im Serienauftakt allerdings noch sehr viel Wert auf eine vernünftige Einführung der Charaktere legt und die ersten Gegenspieler andeutet. Dazu gesellt sich Action, die zwar schon ein wenig übertrieben für so ein ernstes Werk wirkt, aber dennoch unterhalten kann. Es ist zwar schade, dass bereits nach vier Folgen vorerst Schluss mit Coppelion ist, doch dank des sorgfältig gestalteten Booklets kann ich mich auch nach dem Abspann mit der Serie auseinandersetzen, Hintergründe erfahren und Motive entdecken, die beim Schauen unentdeckt geblieben sind. Wer sich mit ernsten Hintergründen in einem sehr gut gestalteten Anime auseinandersetzen will, sollte sich Coppelion unbedingt anschauen!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Coppelion – Vol. 1!

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