Review: The Evil Within

The Evil Within (1)Man könnte meinen, dass die Zeit der großen Survial-Horror-Videospielserien schon lange zurückliegt. Resident Evil 5 und Resident Evil 6 zeigen mit Schrecken, was Capcom nahezu im Alleingang aus dem einstig glanzvollen Genre gemacht hat. Zum Leidwesen aller Fans!

The Evil Within (2)Shinji Mikami, der Erfinder der Resident-Evil-Reihe, musste Publisher Capcom erst verlassen, um an alte Erfolge anknüpfen zu können. Mit seinem Studio Tango Gameworks werkelte die Entwicklerlegende vier Jahre lang an The Evil Within, welches schließlich Ende 2014 unter der Flagge von Bethesda Softworks erschien. Vier Jahre, in denen Fans hofften, dass Mikami wieder ein prägendes Spiel wie Resident Evil oder Resident Evil 4 vollenden wird. Zu Beginn unseres Reviews können wir sagen, dass es ihm zumindest zum Teil gelungen ist, ein großes Spiel auf die Beine zu stellen. Ebenso verrennt sich Mikami mit The Evil Within in ideenlose Gameplay-Elemente, die in vielen Momenten nicht wirklich zusammenpassen wollen. Sehr ähnlich geht es auch Detective Sebastian Castellanos, der Hauptfigur des Spiels. In Krimson City, einer fiktiven Stadt in den Vereinigten Staaten, soll er Vorfälle in der Nervenheilanstalt untersuchen. Der Aufenthalt in der Klink verläuft allerdings alles andere als nach Plan und urplötzlich muss sich Castellanos einem Wahnsinnigen stellen, der im Kellergewölbe der Anstalt Menschen aufschlitzt und sie wie ein Metzger an Schürhaken aufhängt. Hätten wir doch nur ein paar Waffen, würden wir dem gestörten Individuum zeigen, was wir von seinen Taten halten. Ohne Waffen bleibt uns fürs Erste jedoch nur eine nervenaufreibende Flucht.

Gefahren hinter jeder Ecke

The Evil Within (3)Bereits in den ersten Spielstunden möchte uns The Evil Within ein Gefühl der Machtlosigkeit vermitteln. Wir schleichen uns durch dunkle Gemäuer und versuchen mit nur wenigen Mitteln aus diesem Alptraum zu entkommen. Als wir es mit letzter Kraft an die Oberfläche schaffen, hat sich die Welt verändert. Sie scheint menschenleer und selbst die Architektur der Stadt hat sich gegen uns verschworen und versucht zu verhindern, dass wir entkommen. So schickt uns The Evil Within lose erzählt zu verschiedenen Handlungsorten. Wir besuchen ein Dorf, viele Höhlen, mysteriöse Grabkammern, Laboratorien und kehren schließlich ins zerstörte Krimson City zurück. Alle Gebiete haben eines gemeinsam: Überall herrscht Munitionsknappheit und trotzdem schickt uns der Titel so viele Gegner auf den Hals, dass die Kugeln bei Weitem nicht für alle Feinde reichen. Zumindest in den ersten Spielstunden müssen wir sorgsam mit allen Munitionsarten haushalten. Im letzten Spieldrittel fällt das nicht mehr ganz so ins Gewicht. Es sind jedoch nicht nur die Feinde, die eine Gefahr für uns darstellen. Überall lauern Gefahren in Form von Bärenfallen, Bomben mit Bewegungssensoren oder Stolperdrähte, die noch mehr furchterregende Überraschungen für uns bereithalten, wenn wir sie denn auslösen. Zum Glück hat Castellanos die Fähigkeit, sämtliche Fallen zu entschärfen und Einzelteile zu verwerten.

Unlogischer Rückschritt

The Evil Within (4)Das hilft allerdings auch nicht viel, da The Evil Within bereits auf dem mittleren von anfangs drei Schwierigkeitsgraden sehr happig ausfällt. Ein einzelner Angriff eines Gegners raubt uns schon mal die halbe Lebensenergie, die sich anschließend nur wenig erholt und auch nur mit den seltenen Spritzen oder Erste-Hilfe-Kästen im Spiel wieder aufgefüllt werden kann. Unser Held ist auch kein Athlet – anfangs kann er gerade einmal zwei Sekunden rennen, bevor ihm die Puste ausgeht. Hin und wieder gibt es jedoch Spielpassagen, wo Sebastian mühelos von der drohenden Gefahr wegrennen muss. Das ist ebenso unlogisch wie die Gestaltung unseres Inventars. Im Verlauf der Handlung finden wir immer mehr Waffen. Wir können zwar viele schwere Waffen tragen, doch Munition können wir darüber nicht kompensieren. So reichen unsere Taschen nur für eine bestimmte Anzahl an Pistolenkugeln und auch wenn wir für die Schrotflinte keine Munition mit uns führen, können wir nicht einfach mehr tragen. The Evil Within wirft uns in eine Prä-Resident-Evil-Zeit. Vom ansatzweise logischen Tetris-Menü aus Resident Evil 4 fehlt jede Spur. Den Vergleich muss sich The Evil Within gefallen lassen, hat Mikami doch eigentlich mehr als zwanzig Jahre Erfahrung in der Branche gesammelt. Lustig ist das vor allem mit Streichhölzern – von denen dürfen wir anfangs nur fünf mit uns führen.

Individualisierungs(alp)traum

The Evil Within (5)Für besiegte Gegner erhalten wir immerhin selten ein wenig neue Munition. Viel mehr haben uns die Feinde in ihrem Testament mit grünem Glibber bedacht. Zwischenzeitlich haben wir immer mal wieder die Möglichkeit, in ein Sanatorium zur Verschnaufpause zurückzukehren. Hier können wir an einer mysteriösen Maschine unsere Fähigkeiten im Austausch für Glibber erweitern. Mehr Lebensenergie, mehr Tragekapazität oder das Verstärken unserer Waffen sind möglich. Diese Individualisierungen machen Spaß, doch kann man bei allen Optionen, die uns hier offenstehen, schnell passieren, dass man sich zu sehr auf einen Punkt verkrampft und andere Fähigkeiten erst viel später ausbaut. Dadurch kann The Evil Within zeitweise zu einer wahren Tortur werden. Da helfen auch die Schlüssel, die wir im Verlauf der Handlung finden, nicht wirklich weiter. Mit denen öffnen wir nämlich Schließfächer, die uns ein wenig mit Munition oder zusätzlichem Glibber ausstatten. Mit zunehmender Spieldauer merken wir aber deutlich, dass unser Charakter immer mächtiger und zum Ende hin vielleicht sogar schon zu mächtig wird. Anfangs krepieren wir alle zwei Minuten wegen Nichtigkeiten. Später haben wir keinerlei Mühen, Gegnern mit einem gezielten Schuss die Köpfe wegzuballern. Hier wirkt The Evil Within leider nicht ausbalanciert und bietet somit einen sehr fahlen Nachgeschmack.

Tödlicher Cineasmus

The Evil Within (6)Selbiges gilt auch für die Handlung. Diese setzt sich am Spielende zwar wie ein Mosaik recht passabel zusammen, doch merken wir von dieser Entwicklung während der Handlung nichts. Man wird an viele Orte geschmissen, die so einfach nicht zusammenpassen. Obwohl das eben storytechnisch alles erklärt wird, fühlt sich The Evil Within wie ein linearer Faden an. Das ist es im Grunde auch fast durchgehend, denn nur selten können wir unsere Umgebungen richtig frei erkunden. In der Regel lenkt uns das Spiel geschickt durch Schlauchlevels, die nur wenig (dafür aber sehr Nützliches!) abseits des Weges bieten. Ärgerlich ist da vor allem die Optik. Damit meinen wir nicht die grafische Qualität, an der wir nichts auszusetzen haben. Viel mehr bot die Ursprungsfassung des Spiels nur eine Kameraperspektive, in der schwarze Balken am oberen und unteren Bildschirmrand ersichtlich sind. Mikami wollte damit sicherlich The Evil Within ein wenig cineastisch gestalten, doch dass das in einem Spiel nicht funktioniert, hätte selbst einer Entwicklerlegende bei der Qualitätssicherung auffallen müssen. Mittlerweile hat man zum Spiel auch einen Patch spendiert, welcher die Balken abschalten lässt. Nun bleibt der Blick endlich frei auf alles Wichtige und The Evil Within ist dadurch wesentlich besser spielbar geworden, als es zum Release der Fall war. Der Ärger nimmt damit aber nicht ab.

Scheitern im Detail

The Evil Within (7)Die Bedienung von The Evil Within fühlt sich recht hakelig an. Das fällt besonders dann sehr stark ins Gewicht, wenn man mit den beiden schwarzen Balken The Evil Within bestreitet. In vielen Fällen reicht es aber auch aus, ein einziges Mal unachtsam gewesen zu sein. Der Titel bietet keinerlei Übersichtskarten und da Menschen kein zweites Augenpaar im Hinterkopf haben, müssen wir uns zudem ständig umsehen. Blöd nur, dass sowohl Sebastian als auch die Kamera öfters gleichzeitig umpositioniert werden müssen, um alles im Blick zu behalten. Im Grunde ist das nicht weiter schlimm, doch reicht ein unliebsamer Feindeskontakt aus und wir taumeln zurück, wo wir ohne Abklingphase vom nächsten Gegner getötet werden. Zudem gibt es in wenigen Szenen sogar (gewollt) unsichtbare Gegner, die man nur sehen kann, wenn man sie zufällig trifft, wenn man ins Leere schießt oder um sich schlägt. Manche Feinde töten uns sogar mit einem Schlag – egal, wie viel Lebensenergie wir noch haben. Der Grat zwischen schlechtem Gamedesign und Unfairness ist hier sehr, sehr dünn. So blöd das auch klingt, wird die düstere Atmosphäre des Spiels, die durchweg mit einem beklemmenden Soundtrack unterlegt wird, dadurch nur besser und wem das noch nicht reicht, revanchiert sich im zweiten Spieldurchlauf mit Maschinenpistole und Raketenwerfer bei seinen einstigen Peinigern.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Nachdem ich den horrenden Download des Spiels endlich abgeschlossen hatte, konnte ich The Evil Within zum Glück direkt mit einem Patch spielen – die schwarzen Balken des Todes sind mir also nahezu erspart geblieben. Das Spiel wird in meinen Augen dadurch allerdings nicht viel besser. Natürlich habe ich in The Evil Within meinen Spaß gehabt, allerdings nur sehr bedingt. Viele Szenen erinnern mich mit Freude an Resident Evil 4 und so mancher Moment lässt mich an den ersten Teil von Resident Evil zurückdenken. Man merkt, dass hier Shinji Mikami gewerkelt hat. Allerdings muss ich sagen, dass ich dem Künstler wesentlich mehr zugetraut hätte. Mit The Evil Within macht Mikami einen großen Rückschritt. Mich stört dabei noch nicht einmal, dass der Titel nicht sonderlich zugänglich ist – schließlich kenne ich die Gameplay-Mechaniken aus seinen früheren Werken bereits nur zu allzu gut. Mich stören aber diese starre Linearität, die lahm präsentierte Handlung und viele nervige Passagen, die mich zu 135 Toden in 18 Stunden bis zum Abspann des Titels getrieben haben. Manchmal kommt es mir so vor, als würde Mikami selbst nicht so wirklich gewusst haben, ob er das Survival-Horror-Genre wie Resident Evil oder eher wie der vierte Teil der Reihe (theoretisch) wiederbeleben wollte. Irgendwie ist ihm beides nicht so wirklich gelungen. Der Titel ist zwar ein frischer Ansatz abseits deplatzierter Action in neueren Spielen des Genre, doch The Evil Within stellt für mich sehr überraschend eine große Enttäuschung dar – und gegruselt und erschrocken habe ich mich nur ein einziges Mal. Schwach für ein Spiel, welches mit Horror-Elementen auf sich aufmerksam machen will.

Jonas‘ Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Besonders da sich für mich die Resident-Evil-Reihe in letzter Zeit immer weiter entfremdet hat, war ich um so gespannter darauf, wie Shinji Mikami seine moderne Interpretation eines Horror-Adventures in die Tat umsetzen würde. The Evil Within konnte dabei zwar den Resident-Evil-4-Charme nur bedingt kopieren, ein reißendes Abenteuer im alten Stil kam aber trotzdem herum. Klassisch ist allem voran das Gameplay, was aber auch mal wieder eine schöne Abwechslung darstellt. Die Handhabung der Waffen ist fordernd und die zähen Gegner tun ihr übriges, um mich auch ohne stupide Jump Scares und ohne unfair zu werden ins Schwitzen zu bringen. Genau so soll es sein! Daneben ging für mich das Konzept von Mikamis schauriger Welt voller Fallen und Illusionen voll auf, auch wenn sie mitunter eine der größten Feinde der Spielfigur ist. Da stört doch die hölzerne Erzählweise von fast schon autistischen Charakteren nur bedingt, stammen diese Inhalte wohl selbst noch aus jenen älteren Zeiten. Leider verliert das gesamte Spiel in den letzten Stunden etwas an Fahrt, was merklich an der künstlichen Streckung des Titels liegt. Etwas weniger Spielzeit wäre hier auf jedem Fall mehr gewesen. Dennoch war The Evil Within die sehr interessante Erfahrung auf jeden Fall wert, dessen fehlender Feinschliff von Mikami vielleicht in einem Nachfolger korrigiert wird.

Vielen Dank an Bethesda für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Evil Within!

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