Review: Shovel Knight

Shovel Knight (1)Als Nintendo 1990 das Super Nintendo veröffentlichte, gerieten 8-Bit-Spiele immer mehr aus den Augen führender Entwicklerstudios. Als dann aber Nintendo mit der Wii im Jahr 2006 die Virtual Console etablierte, erfuhr so manch ein betagter 8-Bit-Titel eine neue Renaissance.

Shovel Knight (2)Das berühmteste Beispiel dürfte wohl Mega Man sein, denn nachdem die ersten Ableger jener Videospielserie zum Download bereitstanden, begann man bei Konami mit der Entwicklung von Mega Man 9. Bis auf wenige Details fühlte sich der Titel auch genauso an, wie die ersten Teile der Reihe – die Fans liebten das Spiel, doch nach Mega Man 10 war bei Konami nicht mehr an einem neuen Serienteil zu denken. Selbst Mega Man Legends 3 wurde wenig später eingestellt. Von der 8-Bit-Welle erfasst, begannen einige Entwickler mit der Produktion von Spielen, die sich an den großen Spielen der späten Achtziger und sehr frühen Neunziger Jahre orientierten. Eines dieser Entwicklerstudios ist Yacht Club Games, welches sich für Shovel Knight ganz klar das Mega-Man-Franchise als großes Vorbild genommen hat. Die Handlung von Shovel Knight setzt mit dem Besuch des wackeren Shovel Knight und seiner geliebten Shield Knight am Turm des Schicksals ein. Was hier genau passiert, lässt das Spiel aus – das Puzzle setzt sich im Verlauf der Geschichte allerdings leicht zusammen. Jedenfalls vermisst Shovel Knight seine geliebte Shield Knight furchtbar und macht sich auf dem Weg durch ein mystisches Land voller Magie. Der Weg zurück zum Turm des Schicksals wäre grundsätzlich schnell geschafft, doch Shovels Knights ehemalige Verbündete stellen sich ihm in den Weg!

Auf den Spuren eines Fantastilliardärs

Shovel Knight (3)Der Reihe nach kämpfen wir uns durch verschiedene Levels der Spielwelt. Wir durchkämmen einen Wald, erklimmen Burgen und trotzen kalten, sowie heißen Temperaturen. Die Regionen bieten reichlich Abwechslung, doch haben alle Levels etwas gemeinsam. In sämtlichen Levels finden sich massenweise glitzernde Klunker, die in vielen Fällen erst von uns ausgegraben werden wollen. Wie gut, dass der Shovel Knight, wie sein Name es schon vermuten lässt, mit einer Schaufel unterwegs ist. Mit der Schaufel können wir übrigens auch Blöcke zerstören und Gegner besiegen. Entweder erschlagen wir die Feinde mit dem Spaten oder nutzen ihn, um in bester Onkel-Dagobert-Gedächtnismanier auf sie draufzuspringen. So gelangen wir in einigen Fällen auch an hochgelegene Plattformen, wo neue Edelsteine auf uns warten. Da es sich bei Shovel Knight um einen Titel handelt, der sich vermehrt an ein erfahrenes Publikum richtet, ist der Schwierigkeitsgrad auch etwas höher ausgefallen. Mit genügend Motivation ist aber auch das kein Hindernis, da man schließlich mit seiner Erfahrung wächst. 1-ups suchen wir in Shovel Knight allerdings vergebens. Wenn wir besiegt werden oder in einen Graben fallen, verlieren wir nur einen Bruchteil unseres Geldes und können dies beim nächsten Start vom letzten Checkpoint wieder einsammeln – es sei denn, wir sterben zwischenzeitlich erneut.

Die Wirkungskraft des Geldes

Shovel Knight (4)Wer besonders mutig ist und auch wirklich jedes Juwel in einem Level abgrasen will, darf die Kontrollpunkte zerstören und erhält dafür eine kleine Entschädigung. Sollten wir dann jedoch besiegt werden, starten wir am Checkpoint davor und falls wir tatsächlich alle Kontrollpunkte zerstören, entsprechend am Anfang des Levels. Eine nette Idee, welche von Profis sicherlich zugenüge genutzt wird. Am Ende eines Levels wartet dann wie in Mega Man ein Bossgegner auf uns, die alle mit einer anderen Taktik besiegt werden wollen. Mole Knight springt aus den Wänden und fegt nur so über uns her, Treasure Knight zieht uns während des Kampfes Geld ab und Specter Knight wirbelt seine Sense wie Gevatter Tod persönlich. Anders wie in Mega Man gibt es allerdings nicht die eine Waffe, die einen Gegner ganz besonders viel Schaden macht. Wir verlassen uns auf unsere Schaufel und hoffen, dass wir nach dem Bosskampf mit genügend Kleingeld von dannen ziehen können. Nach dem Ende eines Spielabschnitt landen wir wieder auf der Oberwelt, die ähnlich funktioniert wie die Weltkarte in Super Mario Bros. 3. Das heißt, dass wir hin und wieder von Wegelagerern angegriffen werden, die uns an den Kragen wollen – im Gegensatz zum Jump ’n’ Run von Nintendo allerdings mit einer netten Hintergrundstory, die in Zukunft reichlich Potenzial für etwaige Nachfolger bietet.

Eine Ode an die 8-Bit-Zeit

Shovel Knight (5)Mit dem hart erkämpften Geld können wir dann erhobenen Hauptes in die Stadt spazieren, um dort unsere Schaufel verstärken zu lassen, uns eine neue Rüstung zu schmieden oder uns mit sonstigem Kleinod einzudecken, um beispielsweise unsere Lebensenergie oder Magieanzeige zu erweitern. Ebenfalls nett: Während man in typischen Action-Adventures wie Zelda II: The Adventure of Link ein Item im Verlies findet, taucht in Shovel Knight aus der Kiste gleich der Verkäufer auf, der Bares dafür sehen möchte. Es empfiehlt sich also, nicht zu viel Geld im Spielabschnitt zu verlieren. Hat man kein Kleingeld übrig, kann man sich das Item danach in der Stadt kaufen. Man kann also wirklich nichts verpassen. Shovel Knight bietet zahlreiche Anspielungen an die 8-Bit-Zeit. Mega Man, DuckTales, Super Mario Bros. oder The Legend of Zelda. Der Titel bietet aus vielen Serien quasi ein Best-of, welches man erlebt haben sollte. Die optische Gestaltung des Titels ist makellos und bietet mit mehreren Hintergründen in den Levels sogar technisch etwas, was selbst auf dem Nintendo Entertainment System in dieser Form meist nicht ohne eine Reduzierung in der Framerate möglich war. Dazu kommt eine musikalische Untermalung, welche uns – bis auf ein paar Ausnahmen – wunderbar in die späten Achtziger Jahre versetzt. Welch Barde hier auch am Werkeln war – er leistete Großes!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Wii-U-Fassung): Als ich mir 2006 die Wii gekauft habe, hätte ich niemals daran gedacht, dass mir die ganzen Mega-Man-Spiele, die ich auf diesem Wege überhaupt erst nachholen konnte, so begeistern, dass ich mich auch über Spiele freue, die heute auf alte Grafik getrimmt sind. Shovel Knight ist solch ein Spiel, welches mich von Anfang bis Ende mit seiner sehr charmanten Retro-Optik begeistert und mich dazu auch mit einem tollen Soundtrack bei Laune hält. Das Gameplay pickt sich zudem die besten Ideen aus diversen Nintendo-Entertainment-System-Titeln heraus und würzt das Ganze mit einer Prise Eigenständigkeit, um als moderner Retro-Titel durchgehen zu können. Die Idee, dass ich die Kontrollpunkte zerstören kann, nur um ein paar zusätzliche Juwelen einzusammeln, ist dabei nur die Spitze des Eisberges. Ich springe bereits auch so dem kleinsten Edelstein in den sicheren Tod hinterher – die Hoffnung irgendwie zu überleben, stirbt bekanntlich zuletzt. Man merkt, dass mir Shovel Knight sehr gut gefallen hat. Das einzige, was mich genau so sehr wie bei manch anderen Titeln der damaligen Zeit stört, ist die gelegentlich zu direkte Steuerung. Kaum tippe ich das Steuerkreuz auch nur leicht an, wird eine Aktion ausgeführt, die ich so nicht wollte und mich im schlimmsten Fall einen weiteren Tod kostet. Aber so war das eben damals, in den späten Achtzigern, mit Mega Man und Co.

Vielen Dank an Yacht Club Games für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Shovel Knight!

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