Review: The Suspect – Traue keinem

The Suspect - Traue keinem (1)Bei Südkoreanischen Action-Filmen und Thriller, die auch hierzulande erscheinen, kann man in der Regel blind zuschlagen. So auch bei The Suspect – Traue keinem, denn hier prallt teils geballte Action auf ein Drama, welches mit seiner Tiefe 138 Minuten lang unterhalten kann.

The Suspect - Traue keinem (2)Der Zweite Weltkrieg hat für Deutschland und Korea ein ähnliches Ende, denn beide Staaten werden aufgeteilt. Während das Deutsche Reich in die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik aufgeteilt wird, ereilt Korea das Schicksal, in eine Nord- und eine Südhälfte getrennt zu werden. Während Südkorea nach dem Ende des Krieges das mit Abstand ärmste Land der Welt war, erholt es sich in den darauffolgenden Jahren und Jahrzehnten unglaublich schnell. Schaut man sich Südkorea und Nordkorea im Vergleich an, wird man deutliche Unterschiede erkennen. Im Süden herrscht endlich Demokratie und im Norden hält man an einer Ideologie fest. Wie es auch während der Teilung Deutschlands der Fall war, gibt es ebenso heute noch Geheimagenten in Korea, die aus dem Norden kommen und im Süden spionieren. Wie wir aus dem Weltgeschehen wissen, wird nach dem Tod von Kim Jong-il sein Sohn Kim Jong-un der neue politische Führer des Landes. Das heißt, dass in dieser Zeit mehrere politische und militärische Positionen ausgewechselt oder gar eliminiert werden, welche der neuen Führungsebene gefährlich werden könnten. Dieses Schicksal trifft Protagonist Dong-chul. Dieser führt für das Regime nach besten Wissen und Gewissen seine Aufträge aus, wird dann jedoch von seinen Vorgesetzten fallengelassen und gefoltert.

Leben eines Flüchtlings

The Suspect - Traue keinem (3)Der Film nutzt hier die Gelegenheit deutlich, um durch die Qualen, die Dong-chul erleiden muss, das nordkoreanische System zu kritisieren. Wie in Nordkorea tatsächlich Menschen gefoltert und gequält werden, um sie der Politik entsprechend gefügig zu machen, lässt sich in der Realität durch die Berichte von Flüchtlingen erfahren. Offiziell wird die politische Ebene von Nordkorea diese Tatsachen ohnehin nur schönreden. Schöngeredet wird in The Suspect jedoch nichts. Der Film dreht sich nicht nur um die Gegensätze zwischen Nord- und Südkorea, sondern beschäftigt sich zudem noch mit möglicher Korruption im südkoreanischen Polizei-Apparat. In diesen Sumpf der Korruption wird Dong-chul jedoch nur zufällig hineingezogen. Vor einigen Jahren ist ihm die Flucht nach Südkorea gelungen. Mittlerweile genießt er seine Stellung als Chauffeur bei einem wohlhabenden Firmenvorsitzenden. Eines Abends möchte sich Dong-chul auf den Weg nach Hause machen, doch bemerkt er dabei, dass die Kameras, die das Anwesen überwachen, ausgeschaltet sind. Er kehrt zurück und muss mit ansehen, wie sein Arbeitgeber durch ein Gift langsam getötet wird. Mit seinem letzten Atemzug bitter ihn sein Arbeitgeber, doch seine Brille zu vergraben. Wie genau das genau gemeint ist, klärt sich im Verlauf der Handlung. Leider sind die falschen Polizisten ebenfalls schnell zur Stelle.

Sitzfleisch für 138 Minuten

The Suspect - Traue keinem (4)Es entwickelt sich eine Verfolgungsjagd zwischen Dong-chul, dem Geheimdienst und der Polizei. Noch dazu kommt ein ehemaliger Gegenspieler Dong-chuls, der ihm dicht auf den Fersen ist. Außerdem kommt ans Tageslicht, dass Dong-chuls Tochter noch leben könnte. Es entbrennt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn Dong-chuls Unschuld zu beweisen ist schwieriger als gedacht, da dieses Ziel unausweichlich mit Leichen gepflastert ist. An einigen Stellen des Films ist es etwas schwierig, der Handlung vollständig zu folgen. Auf der einen Seite würden wir uns wünschen, dass man einige Szenen besser zusammengefasst hätte und auf der anderen Seite konnte man die Charaktere nicht so einführen, wie es für das Verständnis besser wäre. Der Thriller verlangt entsprechend 138 Minuten lang nach Sitzfleisch. Trotz einiger Tiefen kann der Film mit seinen Action-Höhepunkten überzeugen. Ein paar Martial-Arts-Einlagen und Autoverfolgungsjagden quer durch Seoul lockern den tiefsinnigen Film auf. Das Bild in 1080p und im 16:9-Format kann mit Schärfe und Kontrast punkten. Zudem wird der Film durchweg mit passenden (meist dumpfen) Melodien unterlegt. Wer den Film im Originalton sehen will, darf deutsche oder niederländische Untertitel zuschalten. Die Synchronisation ins Deutsche ist gelungen. Bonusmaterial liegt für The Suspect – Traue keinem leider nicht vor.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Südkoreanische Action-Filme haben mich noch nie enttäuscht. In Südkorea gibt es einige Künstler, die meiner Meinung nach im Westen mehr Aufmerksamkeit verdienen. So auch Regisseur Won Shin-yeon, der mit The Suspect – Traue keinem einen spannenden Thriller inszeniert, der sich mit der koreanischen Geschichte und dessen Auswirkungen bis heute beschäftigt. Zudem kommen noch oft behandelte Themen wie mögliche Korruption bei Polizei und Geheimdienst dazu. Abschließend erhält Protagonist Dong-chul noch ein ganz eigenes Motiv, um die Verschwörung aufzudecken. Diese Elemente spielen hervorragend zusammen und ergeben die ganzen 138 Minuten lang ein schlüssiges Gesamtbild. Einzig und allein manche Szenen wirken für mich etwas zu lang und der eine oder andere Charakter könnte ruhig etwas deutlicher eingeführt oder erklärt werden. Der Film ist dennoch von vorne bis hinten durchgehend verständlich. Während der Film in Südkorea Ende 2013 vier Millionen Menschen in die Kinos lockte, wird der Film hierzulande mal wieder nur gleich fürs Heimkino veröffentlicht. Davon sollte man sich aber absolut nicht abschrecken lassen, denn The Suspect ist ein hervorragender Film mit ernster Thematik!

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Suspect – Traue keinem!

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