Review: Starfield

Über viele Jahre hinweg, und das auch noch kurz vor Release des Titels, konnten sich viele Spieler nicht vorstellen, was sich hinter der neuen Marke Starfield von Bethesda Softworks befindet. Anfang September 2023 erschien das begeisternde wie ernüchternde Rollenspiel.

Wer Bethesda hört, der denkt entweder an die gleichnamige Stadt, wo das Unternehmen im Jahr 1986 gegründet wurde, oder an den Entwickler und Publisher der überaus berühmten The-Elder-Scrolls-Reihe. Als nächstes dürfte einem dann wohl die Fallout-Serie in den Sinn kommen, die Bethesda seit Fallout 3 betreut. An neue Marken haben sich die Entwickler in den letzten Jahren gar nicht mehr gewagt, weshalb das groß angekündigte Starfield als neues Franchise Licht auf den zurückhaltenden Publisher wirft. Zu Beginn des auf etliche Stunden angelegten Abenteuers erstellen wir uns einen Charakter mithilfe eines Editors, in dem wir auch kleinere Details wie die Augenfarbe oder die Wangenknochenform anpassen. Außerdem verpassen wir unserer Spielfigur eine Art Hintergrundgeschichte, auf die Nebenfiguren im Handlungsverlauf eingehen können. Dieser Hintergrund entscheidet auch über die Fähigkeiten, die wir zu Beginn des Spiels beherrschen. Ins Gewicht fällt dies aber nicht, doch dazu später mehr. Besonders sind hingegen exklusive Inhalte wie Eltern oder einen Fan unserer Taten, die wir als Merkmale festlegen. Überraschend fehlen Individualisierungsmöglichkeiten zu Attributen oder dergleichen. Starfield schlägt hier im Grunde den Weg von Monster Hunter ein. Es will anders definiert werden, wie es funktioniert. Dies klappt jedoch nur zum Teil.

Kontakt mit Artefakten

Kaum haben wir unseren Charakter erstellt, in unserem Fall einen Rōnin, geht es ans Eingemachte. Von der ersten Minute an fühlt sich das Weltraumabenteuer wie ein Aufguss von The Elder Scrolls: Skyrim oder Fallout 4 an, was in erster Linie aber nicht schlimm ist. Das Konzept funktioniert auch im Weltraum. Wir arbeiten irgendwo im Universum auf einem entfernten Planeten in einem Bergwerksstollen. In einer Höhle entdecken wir ein mysteriöses Artefakt, das bei unserem Charakter für Halluzinationen sorgt. Wir sollen den ominösen Gegenstand nach New Atlantis bringen, einer der großen Städte in den besiedelten Systemen. Dort machen wir Bekanntschaft mit der Constellation. Hierbei handelt sich um eine recht überschaubare Organisation, die mit wissenschaftlichen Methoden das Universum untersucht. An dieser Stelle müssten Spoiler für Starfield folgen, auf die wir verzichten wollen. Dennoch sei gesagt, dass wir wohl oder übel mit der Constellation zusammenarbeiten müssen, um das Geheimnis des Artefakts aufzudecken. Im Gegensatz zu früheren Spielen des Entwicklerstudios fällt die Geschichte trotz stummen Helden gar nicht so unspannend aus und führt uns quer durch die Galaxis. Das heißt aber nicht, dass die Nebengeschichten langweilig sind. In diese können wir viel Zeit stecken und viele Abenteuer erleben, die oftmals interessant ausfallen.

Fähigkeiten wollen gelernt sein

In welche Bahnen sich die Geschichte entwickelt, liegt jedoch in unseren Händen. Wie in den anderen Spielen des Publishers können wir uns auf die Hauptgeschichte konzentrieren oder uns erst einmal Nebenaufgaben vertiefen, um unseren Charakter in Starfield auf das nächste Level zu bringen. Trotz des Verzichts auf Attribute steigen wir eine Stufe auf, indem wir Erfahrungspunkte sammeln. Dies geschieht durch das Absolvieren von Quests oder das Besiegen von Gegnern. Haben wir einen neuen Level erreicht, erhalten wir einen Skillpunkt, mit dem wir eine neue Fähigkeit wählen können. Das Rollenspiel setzt hier auf ein äußerst spannendes Konzept, denn jede Fähigkeit kann mehrfach aufgestuft werden. Dies kostet jeweils einen Skillpunkt. Allerdings muss eine bereits gelernte Fähigkeit erst einmal häufig genug verwendet worden sein. Wer komplexe Schlösser aufschließen will, muss sich daher zunächst in dieser Fähigkeit üben. Selbiges gilt beim Überreden, beim Feilschen, beim Plündern oder beim Tragen von Last. Oh ja, auch in Starfield können wir jede Menge Items aufklauben. Soll heißen, dass die Inneneinrichtung von Nicht-Spieler-Charakteren vor jedem, der ein Langfinger sein will, nicht gefeit ist. Dabei sollten wir uns aber nicht erwischen lassen. Werden wir bei einem Diebstahl nicht beobachtet, ist es auch niemals passiert. Wie gehabt: Echt klasse!

Schrauben und Werkeln

Da es sich beim Rollenspiel von den Bethesda Game Studios um ein Weltraumabenteuer handelt, müssen wir schließlich auch von einem Planeten auf den anderen reisen können. Hierzu steht uns nahezu von Beginn an mit der Frontier ein Raumschiff zur freien Verfügung. Im späteren Spielverlauf können wir auch weitere Schiffe kapern oder die Vehikel in unserem Fuhrpark anpassen. Wer bessere Schilde vor feindlichen Angriffen benötigt, kann sein Schiff genauso aufmotzen wie jemand, der einen größeren Laderaum oder ein Geheimversteck für Schmuggelware braucht. Den Möglichkeiten sind hier keine Grenzen gesetzt, auch wenn das Zusammensetzen ein wenig hakelig ist. Wer gerne baut, freut sich bestimmt darüber, auf entfernten Planeten eigene Unterschlüpfe zu errichten. Das Bauen ist hier aber noch sehr viel frickeliger und damit nicht wirklich spaßig. Zudem ist letzteres fürs Durchspielen auch nicht notwendig. Wer also auf so einen Ballast namens Basenbau wie in Fallout 4 keine Lust hat, muss nicht verzagen. Das eigentliche Gameplay wird davon kaum bis gar nicht tangiert. Wir können also nach Gutdünken durch die Galaxis reisen und auf Wunsch jeden Planeten unserer Wahl erkunden. An dieser Stelle bröckelt die Fassade von Starfield allerdings, dann das freie Erkunden eines Planeten ist nur zum Teil möglich – und fühlt sich dann schnell repetitiv an.

Eingeschränkte, aber unproblematische Bewegungsfreiheit

Landen wir auf der Oberfläche eines Planeten, können wir dort die Flora und Fauna scannen, Erze abbauen, mit möglicherweise ansässigen Siedlern sprechen oder wertvollen Items sammeln. Es ist allerdings nur möglich, eine instanzierte Umgebung zu erkunden. Stoßen wir an den Rand der Umgebung, müssen wir eine neue Instanz öffnen. Wirklich schlimm ist das in unseren Augen aber nicht, da wir ohnehin nicht den Drang verspüren, in Starfield einen Planeten per pedes zu umrunden. Die prozedurale Gestaltung der Planeten fällt da schon deutlich mehr ins Gewicht. Irgendwann haben wir uns einfach sattgesehen und entdecken auch nur selten einzigartige Kreaturen oder dergleichen. Schade ist auch, dass es in der Spielwelt nur sehr wenige große Städte gibt. Immerhin sind Städte wie New Atlantis detailliert gestaltet, was dieses Defizit zumindest ein wenig aufwiegt. Beispielsweise gibt es in New Atlantis einen Raumhafen, ein Geschäftsviertel, ein Wohndistrikt, eine Wasserfallpromenade und ein Unterdeck. Nehmen wir überall Quests an, werden wir kreuz und quer durch die Städte geschickt. Manche Aufgaben führen uns aber auch in den Weltraum auf andere Planeten. Damit gibt es zum Glück keinen Grund, allzu lange an einem Ort zu verweilen. Deshalb sind wir in Starfield meist ständig in Bewegung, auch wenn manche Laufwege echt nervig sein können.

Funktionierende, aber veraltete Technik

Mit Starfield wollte Bethesda eine neue Marke etablieren. Experimente haben die Entwickler dabei aber kaum gemacht. Das Rollenspiel fühlt sich größtenteils wie ein neuer Serienteil der The-Elder-Scrolls-Reihe an. Beispielsweise können wir zwischen der First-Person- und der Third-Person-Perspektive wechseln. Bei den Dialogen wenden sich uns die Figuren zu und wir können munter durch das Gespräch klicken. Andere Ähnlichkeiten solltet ihr in diesem Review bereits festgestellt haben. Im Grunde funktioniert all das auch sehr gut. Allerdings ist die Menüstruktur nicht gelungen, denn sowohl die Listen als auch die Item-Beschreibungen fallen veraltet aus. Hinzu kommen zumindest gelegentlich Verzögerungen beim Ansprechen von Personen oder dem Öffnen von Menüs. Dennoch läuft das Spiel in technischer Hinsicht weitgehend rund. Auf unserem Testrechner (Intel i5 13600K, GeForce RTX 4070, 32 GB DDR5 RAM) läuft der Titel in der Regel flüssig. Visuell wirkt das Geschehen aber betagt. Die Umgebungen gehen zwar aufgrund ihres stimmungsvollen Stils noch in Ordnung, doch gerade die Gesichter vieler Nicht-Spieler-Charaktere stammen aus der Hölle. Auch dass die Figuren nicht lippensynchron sprechen, kratzt stark an der Atmosphäre. Ein guter Ausgleich ist die Musik von Inon Zur, die Science-Fiction-Feeling versprüht. Die große Revolution ist Starfield unterm Strich keineswegs geworden, aber zumindest eine Marke, die in Zukunft parallel zu The Elder Scrolls und Fallout ausgebaut werden könnte – und vielleicht sollte.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Lange Zeit habe ich nicht geahnt, was Starfield für ein Spiel sein könnte. Es sah alles recht uninteressant aus und ähnelte auf den Screenshots ein wenig das wohl nie fertig werdende Star Citizen. Zudem hat Bethesda Softworks selbst in den letzten Jahren keine Anstalten gemacht, eine klare Definition zum Spiel zu geben. Hätte der Publisher direkt verlauten lassen, dass sich hinter Starfield ein Rollenspiel im Stile eines The Elder Scrolls verbirgt, hätte das Unternehmen deutlich eher mein Interesse geweckt. Genau das, nicht mehr und nicht weniger, ist Starfield in meinen Augen nämlich. Ich spiele einen namenlosen Charakter, schließe mich Fraktionen an, erledige der Reihe nach Quests, sacke Belohnungen ein, lege mich mit Gegnern an und verbessere mit der Zeit meinen Charakter anhand neuer Fähigkeiten. Natürlich gibt es hier ein paar tolle Ansätze wie das Skillsystem, das mich noch motivierter in die Spielwelt abtauchen lässt, aber dann gibt es mit den Raumschiffen und dem Basenbau Funktionen, die meiner Ansicht nach gar nicht gut funktionieren. Vor allem dass das Spiel wenig bis gar nichts erklärt, was Abkürzungen des Interfaces beim Fliegen einschließt, ist für mich äußerst fragwürdig. Dafür gefällt mir die Spielwelt, auch wenn es viel zu wenige Städte und Siedlungen gibt, ziemlich gut. Vor allem die Hintergründe, die ich in Dialogen, auf Plakaten oder per Audio- oder Videobotschaften erfahre, tun es mir richtig an. Warum Bethesda aber seit Jahren an derselben Engine festhält und damit in Kauf nimmt, dass das Spiel nicht so gut aussieht, wie es aussehen könnte, gibt mir zu bedenken. Wer Spiele wie The Elder Scrolls V: Skyrim mag, auf Science Fiction steht und mit dem einen oder anderen Defizit leben kann, wird mit Starfield über dutzende Stunden hinweg seine wahre Freude haben!

Vielen Dank an Bethesda Softworks für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Starfield!

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