Review: Fallout 4

Fallout 4 (1)Nicht nur auf den Fallout-New-Vegas-Nachfolger mussten die Fans lange warten, sondern auch auf unser Review zu dem neuen Endzeitableger von Bethesda. Der Grund ist ganz einfach – selten gibt es Spiele mit solch gigantischem Umfang und überdurchschnittlich langer Spielzeit.

Fallout 4 (2)Für ein Spiel wie Fallout 4 lassen wir uns auch gerne mal etwas mehr Zeit, um eine umfangreiche Meinung in unser Review einfließen zu lassen. Weder wollen wir das Spiel möglichst schnell durchspielen, um die Haupthandlung in wenigen Punkten aufgreifen zu können, noch möchten wir die Ersten sein, die das Spiel vielleicht zu vorschnell bewerten. Für uns ist die Glaubwürdigkeit das entscheidende Merkmal und dieses möchten wir euch in unserem Review näherbringen. Dazu gehören neben vielen Spielstunden auch das Erkunden der Spielwelt und das Absolvieren möglicher Nebenquests –Fans der Serie wissen genau, wie lange man sich mit denen beschäftigen kann. Ein sehnsüchtig erwartetes Spiel wie Fallout 4 ist in seinem Umfang so immens, das wir selbst zum jetzigen Zeitpunkt und nach etlichen Spielstunden immer noch nicht alles erleben konnten. Nachdem es Bethesda jahrelang geschafft hat, die Entwicklung zu verschweigen und ein Mysterium daraus zu machen, haben die ersten Bilder die Fans sauer aufstoßen lassen. Zu bunt, zu wenig Zerstörung und anscheinend eine schlechte Grafik waren der Kontext in vielen Foren. Doch davon ließen sich die Entwickler nicht einschüchtern und blieben ihrer Linie treu. Jetzt stell sich einmal mehr die Frage, ob sich dies gelohnt hat und ob Fallout 4 das Spiel ist, welches Fans jahrelang sehnsüchtig erwartet haben.

I don’t want to set the world on fire

Fallout 4 (3)Seit jeher ist die Atmosphäre des Fallout-Universums das Aushängeschild der Serie. Dabei ist es sicherlich nicht einfach, eine postapokalyptische Welt zu simulieren und sich eine Gesellschaft auszumalen, die schon in den vermeintlich Sechziger Jahren untergegangen ist. Genau dort setzt Fallout wie schon gehabt an – nur etwas futuristischer gestaltet. Stilistisch ist die Welt stehengeblieben, technisch jedoch beginnt sie sich immer stärker von unserer Welt zu unterscheiden. Statt der Miniaturisierung der Elektrogeräte und Ressourcenmanagement, setzt das Fallout-Universum auf eine höchst mögliche Verschwendung aller Ressourcen, was unweigerlich zu einer Rohstoffkrise und dem nächsten Krieg führt. Dieser atomare Krieg vernichtet die Erde wie sie einst war und verwandelte den blauen Planeten in ein Ödland – zugegebenermaßen so wie in fast jedem postapokalyptischen Spiel, aber zur Zeit des ersten Serienteils war die Idee noch nicht so ausgelutscht wie heute. Nur wenige Menschen überlebten und viele, die zu dem Zeitpunkt der atomaren Explosion an der Erdoberfläche waren, mutierten zu vielerlei Kreaturen wie Supermutanten oder Ghulen. Jedoch gibt es auch Menschen, welche die Katastrophe unbeschadet überstanden haben, da diese sich in einem der vielen Tunnelsysteme, einer sogenannten Vault, verstecken durften.

War, War never changes

Fallout 4 (4)Um in einer Vault unterkommen zu dürfen, mussten die Einwohner eine beachtliche Summe zahlen. So beginnt auch das Spiel in aller Ruhe damit, dass sich unser selbst gestalteter Protagonist und seine Familie von einem Vault-Werbevertreter einen solchen Vertrag zum eigenen Schutz aufschwatzen lässt. Wir bekommen damit in der Einleitung einen kurzen Einblick geliefert, wie die Welt vor der nuklearen Vernichtung ausgesehen hat – in all seiner Pracht und im wunderschönen Retrostil. Wie zu erwarten kommt das Unheil jedoch schneller als gedacht und schon finden wir uns von einem Moment in den anderen in der Vault wieder, in einer Art Eisschlaf. Aus diesem Eisschlaf werden wir plötzlich für kurze Zeit erweckt, um mit anzusehen, wie vermeintliche Ärzte unsere Familie ebenso aufwecken, um vor unseren Augen unser Kind zu entführen und unsere Frau zu erschießen. Nach diesem Szenario schlafen wir erneut ein und wachen aufgrund eines technischen Defektes erst 210 Jahre später auf. Immer noch schockiert von der Tat, macht sich unser Protagonist auf, um seinen Sohn zu suchen und die Männer zu finden, welche sich verantwortlich für das Geschehene zeigen. Von diesem Moment an wird es uns überlassen, wie wir in der Spielwelt agieren wollen und welchen Zielen wir nachjagen. Wie in The Elder Scrolls V: Skyrim geschieht alles in Open-World Manier.

Du bist S.P.E.C.I.A.L

Fallout 4 (5)Wie in jedem guten Rollenspiel entwickelt sich unser Charakter mit jedem Stufenaufstieg weiter und wir bekommen die Möglichkeit, seine Fähigkeiten individuell anzupassen. Dazu dient im ersten Schritt das S.P.E.C.I.A.L.-Attributsystem, im Englischen ein Akronym, welches für die Attribute Strength (Stärke), Perception (Wahrnehmung), Endurance (Ausdauer), Charisma (übersetzt sich von selbst), Intelligence (Intelligenz), Agility (Beweglichkeit) und Luck (Glück) steht. Innerhalb dieser Attribute gibt es dann Fähigkeiten, welche wir je nach Attributlevel erlernen können, zum Beispiel Kannibalismus: Diese Fähigkeit regeneriert unsere Lebenspunkte immer dann, wenn wir einen anderen Ödländer essen werden – klingt absurd, ist es auch. Jeder Spieler hat somit seine individuellen Möglichkeiten, den Charakter auf seine Spielweise anzupassen. Eine nette Änderung haben wir im Vault-Tec-Assisted-Targeting-System gefunden. Dieses dient dazu, die Zeit anzuhalten, um Feinde gezielt und automatisch unter Beschuss zu nehmen. Nun hält jedoch nicht mehr die Zeit an, sondern sie verlangsamt sich nur. Damit sind die Kämpfe packender und aggressiver gestaltet und durch die verlangsamte Zeit können wir in aller Ruhe warten, bis sich Gegner richtig positionieren, um eine noch höhere Trefferwahrscheinlichkeit zu erhalten. In unserem Auge ist die Umgestaltung der Attributverteilung und die Veränderung des Kampfsystems eine sinnvolle Veränderung.

Im Ödland bist du nie allein

Fallout 4 (6)Langweilig wird es im Ödland nie! Dazu gibt es zu viele Quests und auch neben den Aufgaben, welche man hinter jeder Ecke findet, gibt es genug skurrile Geschehnisse, die rein zufällig in der großen Spielwelt geschehen. Somit kämpfen verschiedene Fraktionen an unterschiedlichen und zufallsbestimmten Orten gegeneinander oder man sieht live, wie ein Bandit jemandem etwas aus der Tasche klaut und dafür erschossen wird. Einige mal mussten wir uns, aufgrund der absurden Aktionen, die Tränen vor Lachen aus dem Gesicht wischen. Das beste Beispiel war ein Kampf zwischen einem Supermutanten und den humanoiden Robotern des Instituts – in diesem benutzt der Supermutant eine Mini-Atombombe und löschte sich mitsamt allen Gegner einfach selber aus und die Explosion erwischte selbst uns noch leicht, obwohl wir aus der Ferne zuschauten. Aber genau diese Momente sind es, die uns in Erinnerung bleiben und die Welt in Fallout so lebendig gestalten. Hinzu kommen auch noch viele Charaktere, die uns als Begleiter zur Seite stehen können und entweder über unsere Entscheidungen in Dialogen nörgeln oder unsere Antworten für gut heißen. Beleidigen wir dabei einen Mitstreiter, so kann er uns einfach verlassen oder direkt anschießen. Zudem können wir uns einen der vier im Spiel vorhandenen Fraktionen anschließen, um deren Werte in der Welt durchzusetzen.

Vier Fraktionen und Siedlungsbau ohne großen Sinn

Fallout 4 (7)Die Minutemen stellen eine Bürgermiliz dar, die sich für Gerechtigkeit einsetzt und die Siedler des Ödlandes beschützen will. Hinzu kommt die bekannte Stählerne Bruderschaft, die wie in jedem Teil nach militärischer Macht strebt. Als dritte Funktion gibt es die Railroad, welche sich für die Rechte der Synths einsetzt und in jedem humanoiden Roboter eine Seele sieht, die gerettet werden will. Dabei haben alle drei Fraktionen eines gemeinsam: Sie hassen das Institut, die relativ unbekannte vierte Fraktion in Fallout 4. Diese Gruppierung besteht aus den klügsten Köpfen des Landes und ist verantwortlich für die Entwicklung der Synths, welche Menschengestalt annehmen können und echte Menschen eliminieren wollen, um ihren Platz einzunehmen. Die Motive des Instituts sind ein Geheimnis, welches es im Spiel zu entdecken gilt. Eine letzte, jedoch in unserem Auge sinnlose Neuerung, ist das Aufbauen einer Siedlung. Unabhängig von der Fraktion, welcher wir uns anschließen, können wir Siedlungen errichten und müssen diese gegen Überfälle, welche selten geschehen, verteidigen. Zu unserem Schutz können wir Zäune hochziehen und immer, wenn ein Angriff stattfindet, müssen wir zur Siedlung eilen oder es sterben alle. Dies ist recht einfallslos und hat uns am wenigsten Spaß bereitet, da wir stets den Zwang verspürten, uns um unsere Siedlung kümmern zu müssen.

Geschrieben von Axel Gutsmiedl

Axels Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Auch wenn Fallout 4 im Vorfeld sehr kritisiert wurde, so wurde es im Nachhinein mit viel Lob überschüttet. Dem kann ich mich nur anschließen und aufrichtig sagen, dass mich das Ödland immer begeistern kann und ich viele Spielstunden noch in der Welt verbringen werde – sofern es die immer eng bemessene Zeit zumindest zulässt. Voller Zufriedenheit wurden all meine Erwartungen übertroffen und es gibt keine großen Kritikpunkte. Einzig und allein sind die Fraktionen etwas zu unkreativ und hätten mehr Tiefgang gebrauchen können, ebenso wie der Siedlungsbau welcher kaum einen tieferen Sinn hat nur eine Art Live-Tower-Defense-Spiel ist. Aber es sind die einzigartigen Momente, die jeden Augenblick vor mir passieren können, welche so unglaublich viel Spaß machen. Da zurzeit die Inhalte des Season Passes noch nicht bekannt sind, kann auch abgewartet werden, was an Inhalt noch alles dazu kommt. Selbst was die Politik um die Download-Inhalte angeht, hüllt sich Bethesda weiterhin in Stillschweigen und heizt wie gewohnt das Ratespiel in der Fangemeinde an.

Vielen Dank an Bethesda für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Fallout 4!

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