Review: Luigi’s Mansion 2 HD

Ursprünglich erschien Luigi’s Mansion 2 im Jahr 2013 für den Nintendo 3DS. Mehr als eine Dekade später erhielt der Nachfolger des GameCube-Launch-Titels im Juni 2024 ein Remaster für die Switch, das mit recht kreativen Ideen punktet, aber die Spielzeit künstlich streckt.

Horrorspiele oder zumindest Action-Adventures mit einem gewissen Gruselanteil müssen sich nicht ausschließlich an Erwachsene richten. Das hat Nintendo mit Luigi’s Mansion bereits im Jahr 2001 bewiesen, als das Traditionsunternehmen aus Kyōto den GameCube in Japan veröffentlichte. Anstatt den Spieler in Angst und Schrecken zu versetzen, dreht Nintendo den Spieß um und lehrt Protagonist Luigi das Fürchten. Auch in Luigi’s Mansion 2 beobachten wir den Angsthasen dabei, wie er sich hinterrücks von Gespenstern, dunklen Korridoren sowie Blitz und Donner erschrecken lässt. All dies geschieht mit einer guten Portion Witz, meist dargestellt über markanten Slapstick-Humor. Ähnlich flach fällt auch die Geschichte aus, die an die Geschehnisse des ersten Serienteils anknüpft. König Buu Huu hat sich aus seinem Gefängnis befreit und stört fortan Professor Immanuel Gidds Forschung im Nachtschattental. Als der Finstermond in fünf Teile zerbricht, verwandeln sich die einst friedvollen Gespenster in fiese und gemeine Geister. Alleine wird der Wissenschaftler der Lage nicht mehr Herr und bittet Luigi um Hilfe beziehungsweise wird Luigi zwangsverpflichtet, mit dem neuen Staubsauger respektive Geisterfanggerät Schreckweg 09/15 auf Geisterjagd zu gehen. Wir beißen die Zähne zusammen und unterstützen den Klempner in Luigi’s Mansion 2 bei diesem Unterfangen.

Hitzige Geisterjagd

Spieltechnisch orientiert sich das Action-Adventure stark am Seriendebüt. Diesmal müssen wir aber nicht nur Gespenster aus einer Villa vertreiben, sondern gleich fünf Anwesen erkunden. Wir schleichen oder laufen durch finstere Gänge, untersuchen Möbelstücke auf Spuren von Geistern und – sobald ein Geist vor uns oder im Raum erscheint –, greifen wir zur Taschenlampe, blenden den Gegner und können dann mit dem Saugvorgang beginnen. Während die ersten beziehungsweise kleineren Geister recht harmlos sind und höchstens im Rudel ein wenig gefährlich werden können, ändert sich die Lage mit größeren und damit fieseren Gespenstern. Diese bewerfen uns in Luigi’s Mansion 2 aus dem Hinterhalt mit Spielzeug, Bananenschalen oder wie in Ghostbusters – The Video Game mit Ektoplasma, einer schleimartigen Flüssigkeit. In solchen Momenten heißt es auf Knopfdruck ausweichen, was manchmal gar nicht so einfach ist, da gerade die stärkeren Feinde aus dem Saugstrahl entkommen wollen und uns nur so über die Böden der Räumlichkeiten schleifen. Schwächen wir die Gegner im Kampf im richtigen Augenblick, lohnt sich das finanziell, denn dann hinterlassen die Geister Goldmünzen, Geldscheine und Goldbarren. Mit dem Geld verbessert sich beim Besuch im Labor des Professors unsere Ausrüstung automatisch. Das Spiel wird also tendenziell leichter.

Spieldesignschnitzer

Grundsätzlich klingt das bis hierhin alles gut und erinnert auch an vielen Stellen an den Vorgänger aus dem Jahr 2001. Allerdings hat das Entwicklerstudio Next Level Games ein paar Spieldesignschnitzer in Luigi’s Mansion 2 verbrochen, die das Gesamtbild schwächen. Auch das für das HD-Remaster verantwortliche Entwicklerstudio Tantalus Media hat dem nicht entgegengewirkt. Beispielsweise sind die verschiedenen Spukhäuser nicht miteinander verbunden und bilden eigene Komplexe. Wäre das noch zu verschmerzen, setzen die Entwickler auf eine ermüdende Missionsstruktur. Das heißt, wir fangen in einer Mission an, das Herrenhaus bis zu einem bestimmten Punkt zu erkunden. Haben wir das Missionsziel erreicht, finden wir uns im Labor von Immanuel Gidd wieder. Nach einem kurzen Plausch schickt er uns zurück und wir beginnen mit der Erkundung von vorn. An wenigen Stellen verändert sich die Struktur zwar, aber meistens nur insofern, dass manche Durchgänge nun verschlossen oder geöffnet sind. Das ist einfach unnötig künstlich und nimmt viel von der eigentlichen Atmosphäre, wie wir es noch vom Seriendebüt oder von ähnlich aufgebauten Spielen wie Resident Evil kennen. Hinzu kommt, dass wir während einer Aufgabe nicht speichern können. Wird Luigi zu Tode erstreckt, verlieren wir den kompletten Fortschritt seit Missionsbeginn. Na toll!

Künstliche Spielzeitstreckung

Selten kann es zudem vorkommen, dass wir ziellos umherirren, weil wir ein kleines Detail irgendwo übersehen haben. Zugegeben kann es helfen, die Konsole auszuschalten und es am nächsten Nachmittag erneut zu probieren, doch hätten wir gerade von Nintendo weitere, wenn auch rein optionale Hilfestellungen erwartet. Hinzu kommt der Fakt, dass Luigi’s Mansion 2 mit seinen circa fünfzehn Spielstunden viel zu lang ausfällt. Negativ ist das deshalb, da sich das Gameplay nach circa drei Stunden nicht mehr verändert beziehungsweise erweitert wird. Wir erhalten als weiteres Gimmick lediglich die Düsterlampe, mit der wir unsichtbare Objekte zum Vorschein bringen können, mit denen wir in irgendeiner Form interagieren müssen. Im Vorgänger konnten wir zumindest noch mit den Elementen Feuer und Eis hantieren. Damit ermüdet das Action-Adventure über einen Zeitraum von etwa zehn Stunden stark, so sehr wir die sonst liebevolle Inszenierung auch mögen. Haben wir keine Lust mehr auf die Story, können wir in der Switch-Version lokal mit Freunden und online wahlweise auch mit fremden Mitspielern im Multiplayer-Modus den so genannten Wirrwarrturm erklimmen. Bis zu 25 Etagen lassen sich im Viererteam erkunden. Hier gehen wir zusammen auf Geisterjagd, besiegen kleinere Bossgegner, müssen Schalter aktivieren oder Gespensterhunde aufspüren.

Technische Verbesserungen und Anpassungen

Sicherlich könnt ihr es euch schon denken, aber auf Dauer ist auch der Mehrspielermodus nicht sonderlich abwechslungsreich. Immerhin läuft dieser im Gegensatz zu anderen Spielen auf der Switch stabil. Zu zwei Testzeitpunkten, genauer gesagt am 29. Juni sowie am 2. Juli 2024, gab es stets genügend Partien, an denen wir teilnehmen konnten. Wir können uns jedoch nicht vorstellen, dass der Andrang auf lange Sicht so groß bleibt. Wollt ihr Luigi’s Mansion 2 unbedingt online spielen, solltet ihr dies frühzeitig in Angriff nehmen. Als Dank dürft ihr bis zu fünfhundert Goldmünzen aus einer Mehrspielerpartie mit in den Story-Modus nehmen. In Anbetracht dessen, dass ihr diese Summe im Bruchteil der Zeit alleine wesentlich schneller ergattern könnt, ist der Bonus aber schwach. Stellt sich am Ende eher die Frage, wie gut die Switch-Portierung gelungen ist. Steuerungstechnisch flutscht der Titel die meiste Zeit über. Lediglich das Ausrichten von Staubsauger und Taschenlampe ist häufig etwas umständlich, wenn auch dank des zweiten Analog-Sticks nicht so fummelig wie auf dem 3DS. Optisch wurde das Spiel generalüberholt, erinnert aber stellenweise und gerade in den Zwischensequenzen noch an seine 3DS-Herkunft. Akustisch gibt es dafür charmante Musikstücke und schaurige wie lustige Geistergeräusche auf die Ohren. Unterm Strich ist die Switch-Fassung von Luigi’s Mansion 2 die beste Version, aber leider noch immer kein besonders gutes Spiel.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Luigi’s Mansion auf dem GameCube bleibt für mich ein herausragender Titel, an den ich viele schöne Erinnerungen habe. Es ist ein kurzweiliger wie unterhaltsamer Gruselspaß. Wie sehr wünschte ich, dass ich dies auch über den zweiten Serienteil sagen könnte. Der einstige 3DS-Titel erhielt 2013 zwar fast überwiegend positive Bewertungen, doch gerade Personen aus meinem Freundeskreis rieten mir vom zweiten Serienteil immer wieder ab. Ich muss diesen kritischen Stimmen leider recht geben, denn während ich in den ersten zwei bis drei Spielstunden aufgrund der stimmigen Spielwelt und behutsam eingeführten Gameplay-Mechaniken noch sehr viel Spaß bei der Geisterjagd habe, kippt diese Erfahrung danach immens. Es verwundert mich, dass bei einem Spiel aus dem Hause Nintendo über zehn Stunden bis zum Finale keine große Veränderung am Gameplay mehr vorgenommen wird und die einzelnen Aufgaben gleich bleiben. Auch das ständige Zurückkehren ins Labor mit dem meist unnötigem Geplapper des Professors ist in meinen Augen eine echte Zumutung. Das Grundgerüst der 3DS-Version hätte das Potenzial gehabt, ein gutes Spiel zu werden, doch anstatt eines simplen HD-Remasters ohne wichtige Anpassungen an den richtigen Stellen hätte Nintendo dem Titel eher ein vollwertiges Remake spendieren sollen, doch so ist und bleibt Luigi’s Mansion 2 einfach nur Durchschnittskost!

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Luigi’s Mansion 2 HD!

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