Review: Ghostbusters: The Video Game – Remastered

1984 und 1989 lockten die Filme Ghostbusters: Die Geisterjäger und Ghostbusters II Millionen von Zuschauern weltweit in die Kinos. Es entwickelte sich ein Franchise, das auch Dekaden später noch lebendig ist, wie in Form von Ghostbusters: The Video Game – Remastered.

Bei Ghostbusters: The Video Game handelt es sich in der Remastered-Ausgabe um eine leicht aufgebohrte Version des 2009 für PC, PlayStation 3 und Xbox 360 veröffentlichten Action-Spiels. Der von Terminal Reality entwickelte Titel wurde 2019 und damit rund zehn Jahre später für die ausgehende Konsolengeneration rund um PlayStation 4 und Xbox One ergänzt. Erfreulich ist dabei, dass das Spiel auch für die Nintendo Switch überholt wurde und Nintendo-Fans keinen halbgaren technischen Port der alten Konsolengeneration vorgesetzt bekommen. Inhaltlich orientiert sich Ghostbusters: The Video Game vor allem am ersten und weniger am zweiten Film. Das heißt aber nicht, dass das Spiel die Filmhandlung nacherzählt. Viel mehr funktioniert das Spiel als Filmfortsetzung, denn auch Schauspieler, Drehbuchschreiber und Erfinder des Franchises Dan Aykroyd hat das Spiel damals quasi als dritten Teil erklärt. Nachdem das Reboot des Franchises aus dem Jahr 2016 nur mäßig bei den Fans ankam, wird inzwischen auch an einem echten dritten Kinofilm gearbeitet. Ob die Story des Spiels einen Einfluss auf diesen hat, ist zum Testzeitpunkt noch nicht bekannt. Potenzial hat die Geschichte definitiv, da sie sich vor allem auf die Ereignisse des ersten Kinofilms stützt und plausibel fortführt, auch wenn sich Ghostbusters: The Video Game anfänglich wie ein Best-of anfühlt.

Grün ist das Licht, die Falle ist dicht!

Wer das ursprüngliche Spiel nicht kennt, wird wohl überrascht sein, nicht in die Haut eines der vier aus den Filmen bekannten Gesichter zu schlüpfen. Stattdessen übernehmen wir die Rolle eines namenlosen Auszubildenden, der als neue Figur extra für das Videospiel entworfen wurde. Von den Geisterjägern Dr. Egon Spengler, Dr. Raymond Stantz, Dr. Peter Venkman und Winston Zeddemore werden wir liebevoll als „Kadett“ bezeichnet. In der Geisterjägerzentrale mitten im New Yorker Stadtteil Manhattan bekommen wir im Keller das Fangen eines Gespensts beigebracht, bevor wir in den harten Arbeitsalltag übergehen. Jeder, der die Filme nicht gesehen hat, braucht nicht verzweifeln. Alle anfallenden Arbeiten eines Geisterjägers werden in Ghostbusters: The Video Game von unseren vier Vorgesetzten genauestens erklärt. Auf unserem Rücken tragen wir in den meisten Fällen ein Protonenpäckchen, an welchem der Strahler befestigt ist. Dies ist sozusagen unsere Waffe, die in erster Linie für das Schwächen und Einfangen der Geister gedacht ist. Um ein solches Ungetüm überhaupt erst einzufangen, muss es mit Hilfe des so genannten PKE-Meters aufgespürt und durch den Strahler geschwächt werden. Im richtigen Moment legen wir dann unsere Falle aus, die sich sofort öffnet, wenn wir den Geist mit Hilfe des Protonenstrahls über ihr schweben lassen.

Ich bin Geisterjäger, kein Arzt!

Ansonsten gibt es in der Zentrale nicht viel für uns zu tun. Wir lauschen Sekretärin Janine Melnitz beim Annehmen der eingehenden Telefonate, hören uns witzfreie Gesprächsfetzen auf dem Anrufbeantworter ab oder sprechen mit einem ganz bestimmten Krieger, gefangen in einem Gemälde. Von wem hier die Rede ist, dürften Fans des zweiten Films mit Sicherheit schon erraten haben, aber keine Sorge: Dieses Mal stiftet Vigo, der Karpate, keine Unruhe in New York City. Interessant ist, dass wir im Verlauf von Ghostbusters: The Video Game dutzende Artefakte sammeln, die an verschiedenen Stellen in der Zentrale wieder auftauchen und die Räumlichkeiten nach und nach schmücken. Haben wir genug von den wenig unterhaltsamen Freizeitaktivitäten, gehen wir zum Ecto-1B-Mobil und fahren mit unseren Kollegen automatisch zum nächsten Job. Zu Beginn des Spiels dürfen wir uns im Sedgewick-Hotel um einen ungebetenen und schleimigen Gast kümmern. Slimer ist mal wieder ausgebüchst und baut im Hotel jede Menge Ärger. Anstatt den Unruhestifter einfach einzufangen, müssen wir uns vorerst um ein paar andere Gespenster kümmern. Für jeden gefangenen Geist und jedes erbeutete Artefakt erhalten wir von der Stadt New York Geld auf unser Konto, das wir in neue und vor allem hilfreiche Ausrüstung wie stärkere Strahler oder bessere Fallen investieren.

Die Protonenpäckchen sind kein Spielzeug!

Nachdem wir den großen Ballsaal verwüsten und Slimer in Sicherheitsverwahrung stecken, geht das ganze Spektakel erst richtig los. Nach den ersten drei Levels von Ghostbusters: The Video Game nimmt der Kultfaktor allerdings ab. Die Handlung wirkt aufgrund der schieren Masse an Geistern aufgesetzt und kann eigentlich nur noch durch die flotten Sprüche der Geisterjäger motivieren, da fast keine bekannten Ungetüme mehr auftauchen. Die neuen Gegner erreichen unserer Meinung nach nicht annährend den Charme, die die Geisterwelt in den Filmen verkörpert. Dafür müssen die Geister aber oft auf unterschiedliche Art und Weise gefangen oder besiegt werden. Mit dem Stasisstrahl frieren wir sie ein und können sie anschließend mit dem normalen Protonenstrahl besiegen. Außerdem dürfen wir mit dem Schleimwerfer positiv aufgeladenen Glibber auf die monströsen Gestalten feuern, sofern sie mit schwarzem Schleim behaftet sein sollten. Andernfalls hätten wir kaum eine Chance, sie zu besiegen. Bei den Bildschirmanzeigen bedienen sich die Entwickler übrigens einem ganz besonderen Clou, denn in Ghostbusters: The Video Game wurden diese fast vollständig auf das Protonpäckchen ausgelagert. Unsere Verfassung und die Energiekapazität sind auf diesem jederzeit gut sichtbar, doch zu oft sollten wir den Blick nicht vom Päckchen abwenden. Hin und wieder muss es zur vollen Funktion entlüftet werden, damit es sich nicht erhitzt und wir wehrlos sind.

Bist du ein Gott?

Sollten wir dennoch mal außer Gefecht gesetzt werden, eilt einer unserer Kollegen sofort zur Hilfe und frischt unsere Lebensenergie auf. Leider gibt es ein paar Stellen in dem Spiel, in denen wir entweder alleine oder nur mit einem anderen Geisterjäger unterwegs sind. Zu oft kommt es dann vor, dass dieser ebenfalls von den Geistern besiegt wird, während er uns wieder auf die Beine helfen will. Beispielsweise müssen wir gegen Ende von Ghostbusters: The Video Game gegen fliegende Engelstatuen kämpfen, die wir mit dem Schleimschnapper packen und zerstören müssen. Das klingt beim Hören noch innovativ, ist aber selbst auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad höllisch schwer. Ein bis zwei Treffer reichen aus, um uns bewegungsunfähig zu machen. Unser Partner Ray eilt zwar zur Hilfe, erleidet aber in acht von zehn Fällen das gleiche Schicksal wie wir. Das Nervige an dieser Geschichte ist, dass wir so wieder am letzten Kontrollpunkt starten und ein und denselben Dialog immer wieder hören müssen. Ärgerlich ist außerdem, dass die Ladezeiten auf der PlayStation 4 immer noch so lange dauern wie im Ursprungsspiel. Das ist unnötig, nervtötend und kurz vor dem furiosen Finale spätestens beim dritten Versuch einfach nur eine Zumutung. Gut gefallen uns hingegen die Rätseleinlagen. Da müssen in einer Paralleldimension Plattformen aneinander gekettet und Teleportationsportale genutzt werden. Leider tauchen solche gehaltvollen Aufgaben im Spiel viel zu selten auf – etwas mehr Abwechslung wäre hier durchaus wünschenswert gewesen.

Eine Katastrophe biblischen Ausmaßes?

Ghostbusters: The Video Game ist dennoch ein gutes Spiel. Sicherlich lässt sich über den im zunehmenden Spielverlauf mangelnden Ideenreichtum, die Gradlinigkeit der vielen Spielabschnitte und die schwankende künstliche Intelligenz streiten. Trotzdem macht das Spiel auch einiges richtig – beispielsweise die angenehme Synchronisation. Die englischen Synchronsprecher sind jene Schauspieler, die die Geisterjäger in den 1980er-Jahren verkörperten: Dan Aykroyd, Bill Murray, Ernie Hudson und auch der 2014 leider schon verstorbene Harold Ramis. Unverständlicherweise wurde die gute Synchronisation basierend auf den Originalsprechern der deutschen Kinofassung in der überarbeiteten Fassung gestrichen. Ebenfalls fehlt der komplette Mehrspielermodus. Einzig und allein mit höher aufgelösten Texturen, abgesehen von den mittlerweile veraltet wirkenden Zwischensequenzen, kann in unseren Augen aufgrund fehlender Inhalte sicherlich nicht von einer Remastered-Fassung gesprochen werden. Der ausgeklügelte und kultverdächtige Humor des Spiels steht den Filmen aber auch auf Englisch in nichts nach. Schließlich haben sich auch die Drehbuchautoren, sprich Aykroyd und Ramis, um die Texte für das Spiel gekümmert. Wer die Filme mochte, wird auch mit Ghostbusters: The Video Game seinen Spaß haben, muss bei der Remastered-Fassung allerdings ein paar heftige Abstriche machen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4- und Xbox 360-Fassung): Als Kenner der Xbox-360-Version von Ghostbusters: The Video Game wusste ich bereits im Vorfeld, auf welches Spiel ich mich in der Remastered-Fassung einlasse. So ist der typische Humor der Geisterjäger nahezu perfekt ins Spiel integriert. Wer sich vorher die beiden Kinofilme aus den 1980er-Jahren anschaut, wird sich über den fließenden Übergang des Humors freuen. Dies betrifft im Übrigen auch noch die Achievements des Spiels, die nach Zitaten aus den Filmen benannt sind. Hinzu kommt, dass das ursprüngliche Spiel mit den deutschen Originalsprechern auskommt. In der Remastered-Fassung wurden diese Inhalte zwar gestrichen, doch auch die Originalsprachausgabe ist gelungen, da die Schauspieler den digitalen Geisterjägern nicht nur ihre Gesichter, sondern auch ihre Stimmen geliehen haben. Das Spiel fungiert sehr gut als inoffizieller dritter Teil der Filmreihe, auch wenn sich die Story zu sehr auf den ersten Film stützt. Positiv ist wiederum, dass auch der Soundtrack aus dem ersten Film stammt. Dennoch gibt es weitere Mankos, die schon bei der ursprünglichen Fassung von 2009 stören. So ist die künstliche Intelligenz der Geisterjäger manchmal etwas träge und die der Geister gerne mal zu gut. Das führt häufig zum Zurücksetzen der Spielabschnitte. Fans des Mehrspielermodus werden wohl über den fehlenden Multiplayer-Aspekt klagen, der wie die deutschen Sprecher in der Remastered-Version gestrichen wurde. Wer Fan der Geisterjäger ist, darf bei Ghostbusters: The Video Game aber trotzdem zuschlagen, wobei ich persönlich aufgrund der Synchronisation aber eher zur technisch veralteten Version raten würde.

Vielen Dank an Mad Dog Games für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Ghostbusters: The Video Game!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s