Review: Post Trauma

Mit posttraumatischen Belastungsstörungen haben Menschen schlimmstenfalls ihr Leben lang zu kämpfen. Das Survival-Horror-Spiel Post Trauma von Red Soul Games nimmt sich unter anderem dieser Thematik an, denkt diese aber genauso wie andere Punkte nicht ganz zu Ende.

Seit den 1990er-Jahren hat sich das Survival-Horror-Genre ständig weiterentwickelt und in vielerlei Aspekten verändert. Häufig wandelte sich das ruhige Vorankommen hin zu actionreichen Ballerorgien gegen garstige Kreaturen. Trotzdem fand nicht zuletzt in den 2010er-Jahren eine Rückbesinnung an die Ursprünge statt. Beispielsweise ging das Videospielunternehmen Capcom den Weg, die sich zur Schießbudenorgie gewandelte Serie mit Resident Evil VII: Biohazard im Jahr 2017 wesentlich zu entschleunigen, ohne dabei die inszenatorische Action der bis dahin erschienenen Titel zu leugnen. Post Trauma vom spanischen Entwicklerstudio Red Soul Games geht noch einen Schritt weiter und orientiert sich an Klassikern wie Alone in the Dark, dem ersten Resident Evil oder Silent Hill, die in den 1990er-Jahren das Genre definierten. Soll heißen, dass sich das Geschehen sehr stark auf die düstere wie klaustrophobische Atmosphäre stützt, uns nur alle paar Kilometer einen Gegner vor die Nase setzt und die Erkundung beziehungsweise das Rätsellösen in den Mittelpunkt des Gameplays setzt. Trotzdem ist der Anstrich modern, sodass auch Grafikfetischisten zumindest halbwegs auf ihre Kosten kommen. Auf dem Papier klingt das alles ziemlich gut, doch hat Post Trauma hier und da ein paar Schwächen, welche die Entwickler leider keinesfalls kaschieren können.

Drei Perspektiven

Allen voran wäre da die Story des Survival-Horror-Spiels zu nennen, denn diese ist alles andere als leicht verständlich. Sie nimmt ganz und gar konfuse Züge an und entwirrt sich selbst zum Ende des auf circa fünf bis sechs Stunden ausgelegten Abenteuers nicht. Aufgrund des Titels lassen sich zwar Rückschlüsse auf eine posttraumatische Belastungsstörung schließen, doch müssen wir ständig selbst Vermutungen anstellen, was mit den Handlungsfiguren passiert ist und wie sie sich in ihrer aktuellen Situation behaupten müssen. Protagonist Roman, ein gealterter Schaffner, erwacht ohne ersichtlichen Grund in einer ausrangierten Untergrundbahn und muss diese zunächst zum Laufen bringen, um vom Ort des Geschehens zu entkommen. Carlos ist hingegen Polizist und versucht einen Ausweg aus einem überfluteten Polizeirevier zu finden. Zu guter Letzt gibt es mit Freya noch eine Schülerin, die in einer Schule gefangen ist. Zwischen diesen drei Perspektiven springt Post Trauma munter hin und her. Der Fokus liegt dabei jedoch auf Roman und Freya, die sich innerhalb der Geschichte auch zusammenschließen. Dennoch nimmt auch Carlos eine offenbar gewichtige Rolle zum Ende hin ein. Welche Bedeutung alle Charaktere für den Handlungsort haben, der sich aus besagten Szenarien sowie Krankenhaus- und Tempelanleihen zusammensetzt, bleibt leider im Dunkeln.

Befriedigende Rätselkost

Spieltechnisch sieht es da schon besser aus, denn das Erkunden der einzelnen Areale von Post Trauma macht durchaus Spaß. Eine große zusammenhängende Spielwelt gibt es nicht, doch laden die einzelnen Abschnitte pro Kapitel dennoch zum Erkunden ein. Überall entdecken wir mysteriöse Spielbretter, verschlossene Schachteln oder abgeschlossene Türen. Bei diesen sind verschiedene Gegenstände vonnöten, die wir anderorts einzusammeln haben. An Ort und Stelle können wir dann mit ihnen interagieren. Oft ist jedoch notwendig, die Umgebungen genauestens zu untersuchen, da selbst das Ticken einer Uhr oder Wandmalereien Hinweise auf die Lösung der Rätsel geben. Während ein Großteil der Aufgaben leicht verständlich ist, sind es gerade die Kopfnüsse, die den Spielfluss ein wenig verlangsamen. Sobald wir die Knobeleien aber jeweils durchschaut haben, ist das Gefühl überaus befriedigend. Inventarmanagement ist im Spiel ebenfalls möglich. So befindet sich an Speicherpunkten zumeist eine Truhe, in der wir Items ablegen und sie von jeder anderen Kiste wieder abholen können. Dies funktioniert aber nur mit Waffen, Munition und Medizin. Alle storyrelevanten Gegenstände passen unbegrenzt in unsere Taschen. Das Umlagern von Items ist daher eh nur sehr selten notwendig, da die Ressourcen zum Überleben auf dem normalen Schwierigkeitsgrad gut ausbalanciert sind.

Gänsehaut trotz Schwächen

Letzteres liegt daran, dass es in Post Trauma ohnehin nur wenige Monstrositäten gibt, die sich uns in den Weg stellen. Meistens hören wir diese schmatzend auf uns zu schlurfen, sodass wir uns rechtzeitig mit einem Vorschlaghammer und später auch mit einer Pistole oder einer Schrotflinte wehren können. Es schadet auch nicht, vor manchen Gegnern einfach wegzurennen und Munition zu sparen. Gerade die ersten beiden der insgesamt drei Bossgegner lassen sich mit Blei besser durchlöchern als mit einer Nahkampfwaffe malträtieren. Dies hängt auch mit der Steuerung zusammen, denn gerade Roman spielt sich träge. Freya flitzt dafür durch die Gänge, muss sich aber auch nie mit Feinden auseinandersetzen. Dazu kommt, dass es wie in Resident Evil Zero meist feste Kameraperspektiven gibt. In den Kapiteln mit Carlos wechselt das Geschehen zudem aus unerklärlichen, aber womöglich rein stilistischen Gründen aus der Third- in die First-Person-Perspektive. So bleibt der Titel spielerisch abwechslungsreich. Grafisch kann es das Spiel, gerade bei den spärlich animierten Charaktermodellen, aber nicht mit dem Remake von Silent Hill 2 oder den Neuauflagen älterer Resident-Evil-Spiele aufnehmen, aber es sorgt mit den Umgebungsgrafiken und dem Monsterdesign für Gänsehaut. Musik kommt nur dezent zum Einsatz. Die mittelmäßige Synchronisation auf Englisch wird mit passablen, aber nicht immer gut ins Deutsche übersetzten Texten von Roland Austinat und Mareica Hauke unterlegt. Genrefans dürfen bei Post Trauma einen Blick riskieren.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Vermeintliche Schwächen können durchaus Stärken sein. Das beweist mir zumindest Post Trauma von Red Soul Games. Angelehnt an Survival-Horror-Klassiker wie Alone in the Dark, Resident Evil oder Silent Hill gelingt es den spanischen Entwicklern mit wenigen Mitteln ein dennoch atmosphärisches Spiel auf die Beine zu stellen. Es macht Spaß, die verschiedenen Areale zu erkunden und nach wichtigen Gegenständen zu durchsuchen, um diese beim nächsten Rätsel einzusetzen. Auch das Lösen der Rätsel ist gerade bei den etwas kniffligeren Knobeleien eine befriedigende Angelegenheit. An dieser Stelle kann ich aber nur raten, sich mit Stift und Papier, einem zweiten Bildschirm oder zumindest der Smartphone-Kamera für Notizen zu bewaffnen, denn manchmal können die Laufwege etwas länger ausfallen, sollte eine Information nicht mehr ganz so präsent im Hinterkopf sein. Auch mit den grafischen Abstrichen im Gegensatz zu großen Genrevertretern kann ich sehr gut leben. Selbst mit der trägen Steuerung bei Protagonist Roman komme ich irgendwann gut zurecht. Der einzige Punkt, den ich wirklich kritisieren muss, ist die undurchsichtige Handlung. Hier muss viel eigene Interpretationsarbeit geleistet werden, denn von einer klaren Aussage, wie alles zusammenhängt, ist das Spiel meilenweit entfernt. Genrefans finden in Post Trauma trotz allem ein nicht zu unterschätzendes Kleinod – und auch wer einmal relativ schmerzfrei ins Genre hineinschnuppern will, bekommt hier eine gute Möglichkeit.

Vielen Dank an Raw Fury für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Post Trauma!

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