Bereits 2014 und 2020 kam es dazu, dass sich das The-Legend-of-Zelda-Franchise öffnete, um brachiale Schlachten im Musō-Gameplay zu ermöglichen. Im November 2025 folgte der dritte Warriors-Aufguss mit Hyrule Warriors: Chronik der Versiegelung für die Switch 2.
Im Gegensatz zum ersten Ableger des Musō-Spin-offs können sich sowohl Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung als auch Hyrule Warriors: Chronik der Versiegelung in den historischen Kosmos von The Legend of Zelda: Breath of the Wild und The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom einordnen. Letzteres Action-Adventure ist vor allem für den neuesten Ableger der Hyrule-Warriors-Reihe von Bedeutung. Anstatt Zipfelmützenträger Link in Aktion zu erleben, schlüpfen wir in der Chronik der Versiegelung in die Rolle von Prinzessin Zelda. Diese wird zu Beginn von Tears of the Kingdom etliche Jahrhunderte in die Vergangenheit katapultiert und lernt vor Ort ein Hyrule kennen, das gerade erst von König Rauru und Königin Sonia gegründet wurde. Obwohl sie mit ihren königlichen Vorgängern versucht, einen Weg zurück in ihre Zeit zu finden, droht das Land in Dunkelheit zu versiegen. Eine Plage macht sich im titelgebenden Fantasy-Königreich breit. Darüber hinaus versucht sich der dubiose Gerudo-König Ganondorf, sich mächtigen Konstrukten und uralten Relikten zu bemächtigen. Unsere Aufgabe besteht darin, Ganondorf aufzuhalten – und zugleich zu versuchen, die Zukunft nicht allzu sehr zu verändern. Das ist eine interessante wie spannende Ausgangslage, die zudem über sehr viele Zwischensequenzen erzählt wird – und diese sind sogar vollständig vertont!
Faszination einer Vertonung
Wir staunen nicht schlecht, dass Nintendo endlich den Weg einschlägt, größeren Wert auf die Sprachausgabe zu legen. Die Zwischensequenzen von Hyrule Warriors: Chronik der Versiegelung sind zwar nicht allesamt wahnsinnig gut geschrieben, aber sie bereichern die Atmosphäre ungemein. Wir fragen uns, warum mit Koei Tecmo erst ein kooperierender Dritthersteller ins Boot geholt werden muss, nur um zu zeigen, wie dicht die The-Legend-of-Zelda-Reihe storytechnisch erzählt werden kann. Allerdings geht die Vertonung nicht über die Cutscenes hinaus, denn wenn sich Charaktere auf dem Schlachtfeld unterhalten, bleibt es bei einfachen Texteinblendungen in der unteren linken Bildschirmecke. Zugegebenermaßen sind diese Texte obsolet. Wichtig ist eigentlich nur zu wissen, welches Ziel wir erreichen müssen. Dieses wird klar formuliert und ist auch jederzeit sowohl als Text als auch auf der Minimap auf dem Bildschirm ersichtlich. Mal müssen wir einen bestimmten Gegner besiegen und mal an besonderer Stelle die Position halten. Im Grunde läuft aber auch in Hyrule Warriors: Chronik der Versiegelung alles darauf hinaus, dass wir uns pro Schlacht mit hunderten oder gar tausenden Gegnern nach bester Musō-Manier anlegen, wie es Serienfans möglicherweise aus Samurai Warriors 5 und Co kennen. Das macht auch eine ganze Zeit lang ordentlich Laune.
Abwechslungsreiche Kämpfe
Durch besiegte Gegner sammeln wir Erfahrungspunkte, wodurch unsere Heroen stärker werden und damit kräftiger austeilen können. Noch dazu sammeln wir auf dem Schlachtfeld Material, das wir in unsere Waffen investieren können, damit wir uns noch besser durch die Horden schnetzeln können. Im Gegensatz zu Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung gibt es jedoch noch weitere Waffen in Form von Sonau-Bauteilen, Überbleibseln eines antiken Volkes, das in Tears of the Kingdom bereits thematisiert wurde. Diese können wir beispielsweise nutzen, um auf dem Schlachtfeld einen Flammenwerfer einzusetzen. Außerdem können wir Gegner vereisen, Angriffe zurückschleudern oder mit Kanonen auf die Feinde feuern. Das ist durchaus abwechslungsreich, verbraucht jedoch ordentlich Batterien. Diese füllen sich im Verlauf der Schlacht zwar langsam von alleine wieder auf, aber wir können mit entsprechenden Items sowohl Batterien als auch unsere Lebensenergie in Form von Herzen bei Bedarf wieder auffüllen. Hinzu kommen Folgeangriffe, Finisher, Spezialattacken und Synchronangriffe mit einem Verbündeten, die wir zum Teil im richtigen Moment einsetzen oder sogar mit den Sonau-Bauteilen in einer bestimmten Reihenfolge kombinieren müssen, um ordentlich davon zu profitieren. Hier macht Hyrule Warriors: Chronik der Versiegelung wirklich sehr viel richtig.
Monotone Motivation
Darüber hinaus sammeln wir auf dem Schlachtfeld jede Menge Items, die wir in den sogenannten Hyrule-Missionen auf der Übersichtskarte benötigen. Liefern wir die gewünschten Items ab, erweitern sich beispielsweise die Skills von verschiedenen Figuren. Gerade zu Beginn haben wir die gesuchten Objekte eigentlich immer in petto, sofern wir uns denn auch auf die zahlreichen Nebenmissionen einlassen. Erst im späteren Spielverlauf kann es schon mal vorkommen, dass bereits abgeschlossene Missionen womöglich noch einmal angegangen werden müssen, um an die Materialien zu kommen. Schlimm ist das aber nicht, denn auf diesem Weg sammeln unsere Recken weitere Erfahrungspunkte – und vielleicht gibt es ja einen Charakter, den wir bis dahin sträflich vernachlässigt haben. So holen wir auch auf diese Art und Weise an Fortschritten auf. Es gibt in Hyrule Warriors: Chronik der Versiegelung keinen Leerlauf. Es gibt immer etwas zu tun, was motiviert, dran zu bleiben. Allerdings bleibt das Gameplay über weite Strecken sehr monoton, weshalb wir den Titel oft nicht länger als ein bis maximal zwei Stunden am Stück spielen können. Spezialaufgaben oder Bonusziele, wie sie es andere Warriors-Titel vormachen, gibt es abseits der an Star Fox 64 oder Panzer Dragoon erinnernden Flugmissionen in der Chronik der Versiegelung leider kaum bis gar nicht.
Angemessene Technik
Wer das Musō-Gameplay ungern alleine angeht, kann sich im lokalen Mehrspielermodus auch einen Freund schnappen und im horizontal ausgerichteten Splitscreen oder via GameShare-Funktion der Switch 2 auf zwei getrennten Konsolen gemeinsam die Horden des Bösen pulverisieren. Wer keinen Freund griffbereit hat, kann Hyrule Warriors: Chronik der Versiegelung auch online angehen. Den Mehrspielermodus konnten wir bis zum Testzeitpunkt am 11. November 2025 leider nicht testen. Trotzdem sei gesagt, dass die Steuerung des Spiels nur in Ordnung geht. Sie erfüllt ihren Zweck, doch für unseren Geschmack sind die Helden des Spiels etwas zu lahm. Die Menüführung funktioniert hingegen problemlos. Im Einzelspielermodus läuft der Titel darüber hinaus äußerst stabil. Framerate-Einbrüche sind höchstens vereinzelt festzustellen und zudem derart marginal, dass sie am flüssigen Spielgeschehen nicht kratzen. Auch die zumeist in blutroter Farbe getunkten Areale sind stilistisch über jeden Zweifel erhaben. Beim Soundtrack gibt es ebenso nichts zu meckern, denn sie erinnern stark an die Atmosphäre aus Tears of the Kingdom und Breath of the Wild. Fans der The-Legend-of-Zelda-Reihe, die genau diese Stimmung erwarten, kommen hier definitiv auf ihre Kosten. Wer noch keine Hyrule-Warriors-Episode gespielt hat, wird noch etwas mehr Spaß haben.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit: Zunächst einmal möchte ich betonen, dass ich weder von Breath of the Wild noch von Tears of the Kingdom ein Fan bin. Ich akzeptiere die Spiele dafür, was sie sind. Obwohl ich mit beiden Spielen nur bedingt Spaß habe, sieht das bei den Verbindungen zur Hyrule-Warriors-Reihe ganz anders aus. Dies betrifft auch Hyrule Warriors: Chronik der Versiegelung. Mich hält die Story bei Laune, was vor allem an den vielen vertonten Zwischensequenzen liegt, die mich tief in die Atmosphäre des Spiels einsaugen. Auch die Missionen motivieren mich zwischendurch immer mal wieder, ein paar Schlachten zu schlagen. Ich finde es aber schade, dass die Entwickler an Abwechslung gespart haben. Die Kämpfe sind zwar voller toller Ideen, aber die Missionen laufen immer nur nach demselben Schema ab. Da geht definitiv mehr, wie andere Musō-Titel bereits bewiesen haben. Auch die Steuerung ist für meinen Geschmack etwas zu lahm. Trotzdem kehre ich am Ende eines Tages gerne zurück, da das Gameplay unkompliziert, eingängig und zumindest phasenweise immer mal wieder motivierend ist. Durch den kanonisierten Ansatz kommen am Ende vor allem Fans von Tears of the Kingdom auf ihre Kosten, da sie das Geschehen hautnah aus Zeldas Perspektive erleben können. Wer den Titel nicht kennt, ist womöglich beim ersten Hyrule Warriors auf der Wii U oder der Switch besser aufgehoben. Wer aber nicht so weit zurück in die Vergangenheit gehen und einfach unkomplizierten Spielspaß auf seiner Switch 2 erleben will, findet auch in Hyrule Warriors: Chronik der Versiegelung einen guten Ansatzpunkt für sehr viel Spielspaß.
Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Hyrule Warriors: Chronik der Versiegelung!