Review: Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung

Nachdem die Kooperation von Nintendo und Koei Tecmo im Jahr 2014 in Form von Hyrule Warriors für die Wii U Früchte trug und das Spiel auch für den 3DS und die Switch portiert wurde, war es nur eine Frage der Zeit, bis der Titel einen ersten Nachfolger spendiert bekam.

Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung ist keine Fortsetzung der Geschichte des ersten Teils, der ohnehin nicht zum Kanon des The-Legend-of-Zelda-Franchises gehört. Stattdessen handelt es sich bei dem Titel um die Vorgeschichte zum viel diskutierten The Legend of Zelda: Breath of the Wild aus dem Jahr 2017. In Rückblenden wurde die titelgebende Verheerung im Spiel zwar angesprochen, doch viele Einzelheiten blieben im Dunkeln. Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung möchte diese Lücke schließen und lässt uns die Schlachten aus dem dunklen Kapitel der Historie hautnah miterleben. Einhundert Jahre vor den Ereignissen von Breath of the Wild tritt die titelgebende Verheerung Ganon erstmals auf. Auch das Wissen um die als Wächter bezeichneten Maschinenwesen und die mysteriösen Türme ist noch nicht gelüftet, die Forschung steht hier noch ganz am Anfang. Wir schlüpfen in die Haut von Link, einem Ritter des Königreichs und Held der Serie. Um die Verheerung zu stoppen, begleiten wir Prinzessin Zelda dabei, Verbündete für den Kampf zu rekrutieren. Mit dem Gameplay der Hauptreihe hat das Musō-Spielprinzip von Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung aber nichts gemein. Statt wie in einem Action-Adventure eine Welt zu erkunden, stellen wir uns in vielen Schlachten tausenden von Feinden und metzeln uns dabei fröhlich durch die Gegnerhorden.

Hyrule als Kriegsschauplatz

Als Kulisse für diese Schlachten hält das titelgebende Fantasy-Königreich Hyrule her, das auf der Karte von Breath of the Wild basiert. Die einzelnen Orte, die wir im Verlauf der auf ein paar dutzend Spielstunden ausgelegten Story erleben, sind stilistisch ebenso den Arealen aus Breath of the Wild nachempfunden. Dennoch gibt es genügend Unterschiede zu sehen, zumal in einhundert Jahren schließlich viel passieren kann. Vom Ausgangspunkt, einem der Türme, machen wir uns in die Winkel der Spielwelt auf. Über eine Karte wählen wir dazu ganz einfach das nächste Schlachtfeld aus. Unsere Reise führt uns unter anderem zum Todesberg, in die Gerudo-Wüste oder ins Tabanta-Grenzland, wo die Orni leben. Wer Breath of the Wild gespielt hat, wird sich darüber freuen, in die bekannten Gegenden zurückzukehren. Wer das Action-Adventure aber noch nicht kennt, es nach Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung aber nachholen will, bekommt so zumindest einen kleinen visuellen Vorgeschmack. Obwohl es im Musō-Gameplay wie in Samurai Warriors 4 darum geht, hunderte oder gar tausende Gegner aus dem Weg zu räumen, müssen wir aber nach wie vor auch mal Vorposten erobern, um das Vorrücken des Feindes zu stoppen. Ebenfalls kommt es vor, dass wir in der Schlacht einen bestimmten Charakter vor Angriffen schützen und zu einem Zielpunkt eskortieren müssen.

Mit der Kraft des Shiekah-Steins

Da jedes von Koei Tecmo respektive Omega Force im Auftrag entwickelte Spiel Eigenheiten des verwerteten Franchises aufweist, ist es natürlich nicht verwunderlich, dass Mechaniken aus Breath of the Wild in Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung aufgegriffen werden. Wer als erstes an Waffen denkt, die nach dem gefühlt dritten oder vierten Schlag zerbrechen, darf aufatmen. Jede Waffe kann solange genutzt werden, bis wir sie auswechseln, verkaufen oder beim Schmied überarbeiten. Interessanter sind da schon die Anwendungsmöglichkeiten mit dem Shiekah-Stein, mit dem wir Gegner kurzzeitig einfrieren, mit Hilfe des Magnetmoduls metallene Kisten auf diese schleudern, unter ihren Füßen einen Eisblock erscheinen oder Bomben auf sie hageln lassen können. Haben wir eine dieser Fähigkeiten einmal verwendet, sorgt ein Cooldown dafür, dass wir ein paar Sekunden ganz auf den Shiekah-Stein verzichten müssen. Klasse ist ebenfalls, dass die Fähigkeiten auch in der Spielwelt genutzt werden können. Sehen wir brüchige Stellen, könnte eine Bombe zum Freilegen des Geheimnisses nötig sein. Wenn wir eine halb im Boden verbuddelte Truhe entdecken, können wir sie mit dem hilfreichen Magneten befreien. Diese kleinen Spielchen sorgen dafür, dass das genau genommen recht eintönige Schnetzeln zwischendurch immer mal wieder sehr gut aufgelockert wird.

Weniger ist oft mehr

Obwohl das Gameplay im Kern wie gesagt eher monoton ausfällt, bringen die verschiedenen Charaktere häppchenweise mehr Abwechslung ins Spiel. Während Link Einhänder, Zweihänder, Hämmer, Keulen und Lanzen benutzt, sind die anderen Figuren auf einen bestimmten Waffentyp festgelegt. Impa attackiert beispielsweise mit Kodachi, hat dafür aber die Fähigkeit, geisterähnliche Abbilder von sich zu erschaffen, um mit geeinter Kraft einen Feind nach dem anderen zu erledigen. Spielen wir hingegen mit der Zora Mipha, so können wir die Gegner mit Wasserfontänen in die Höhe katapultieren und mit Lanzen durchbohren. Die Gerudo Urbosa greift mit Säbeln an, kann aber auch Blitze durch die Luft schleudern, um die Feinde zu schocken. Mit von der Partie ist auch der Orni Revali, der über die Gegner fliegt und mit einem Bogen aus der Luft attackiert. Wer hingegen auf kräftige Haudegen setzt, kommt um den Goronen Durak nicht herum. Mit gewaltigen Schlägen bringt dieser selbst Lava zur Explosion. Aus handlungsbezogener Sicht dürfte es jedem einleuchten, dass es viel weniger spielbare Charaktere gibt als im Vorgänger. Diese unterscheiden sich dafür in Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung umso mehr voneinander und bieten genügend Anreiz, sie mehr als nur einmal auszuprobieren. So findet jeder schnell seinen ganz eigenen Lieblingscharakter im Spiel.

Kochen mit Link(s)

Eine weitere Ähnlichkeit zu Breath of the Wild ist das Sammeln von unzähligen Materialien. Dies geschieht durch das Abmurksen von Moblins, Echsalfos, Schleimen oder Anhängern der Yiga-Bande nahezu automatisch. Manchmal müssen aber auch Truhen aufgespürt werden, die das gesuchte Material enthalten. Je nach Spielfortschritt werden auf der Karte in Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung neue Orte freigeschaltet, bei denen die Materialien zum Tragen kommen. Haben wir die gesuchten Objekte gefunden, können wir sie dort entweder gegen permanente Verbesserungen wie einem zusätzlichen Herz für die Energieleiste und einer Erweiterung der Angriffskette eintauschen, oder wir sorgen dafür, dass an Ort und Stelle neue Läden eröffnen, bei denen wir Edelsteine oder Kochzutaten erwerben können. Letztere sind besonders dann nützlich, wenn wir erhaltene Rezepte vor einer Schlacht verwirklichen wollen. Haben wir uns für ein Gericht entschieden, können wir es vor dem Kampf zubereiten und auf Boni wie einen erhöhten Schaden oder mehr Erfahrungspunkte setzen. Wirklich notwendig ist das zwar nicht, es bereichert aber in jedem Falle neben der Wahl der Charaktere und der Waffe, die wir mit in die Schlacht nehmen, deren Vorbereitung. Im Gegensatz zum Vorbild lässt sich in Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung auf der Switch aber nur ein Gericht kochen.

Angenehmer Schwierigkeitsgrad

In puncto Schwierigkeitsgrad ist Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung deutlich humaner als Breath of the Wild. Waffen und Schilde können nicht zerbrechen und auch wenn wir mal von einem stärkeren Gegner getroffen werden, zieht uns das nicht exorbitant viel Schaden ab. Außerdem erwartet das Spiel von uns nicht, die Charaktere abwechselnd mit in die Schlacht zu nehmen. Neben vielen Nebenmissionen, bei denen wir auch mit besonderen Materialien belohnt werden, können wir auch Rubine, sprich die Währung des Spiels, für Stufenaufstiege im Trainingslager ausgeben. Hier macht es der Titel genau richtig, um den Spielfortschritt nicht unnötig zu blockieren. Auf der technischen Seite sieht es wiederum anders aus, denn dem Titel gelingt es nicht, die dreißig Bilder pro Sekunde konstant zu halten. Fast durchweg pendelt sich die Bildwiederholrate bei zwanzig bis vierundzwanzig Bildern pro Sekunde ein, was für ein Dauerruckeln sorgt, da viel zu viel auf dem Bildschirm passiert. Eine komplette Katastrophe wie bei Deadly Premonition 2: A Blessing in Disguise bleibt uns zwar erspart, aber von Nintendos hauseigener Qualitätssicherung erwarten wir einfach deutlich mehr. Dafür überzeugt der Soundtrack, der sich an den atmosphärischen Klängen von Breath of the Wild orientiert – und das macht die holprige Framerate zumindest im Ansatz wieder wett.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Ein großer Fan von The Legend of Zelda: Breath of the Wild bin ich leider nie geworden. Dieses Spiel hat für mich einfach zu viele Defizite, auch wenn ich die Story des Titels wirklich toll finde. Aus keinem anderen Grund habe ich bei Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung einen Blick riskieren wollen. So erfahre ich viele Hintergründe, die sich mir beim Spielen von Breath of the Wild aufgrund der fragmentierten Erzählweise nicht immer ganz erschließen. Außerdem erlebe ich die Zeit der Verheerung hautnah mit und kann Schlachten schlagen, ohne dass alle zwei Minuten mal wieder eine Waffe zerbricht und ich mich in spielzeitstreckenden Mechaniken nach Alternativen umsehen muss. Koei Tecmo und Omega Force ist es gelungen, die Eigenschaften des Vorbilds zu übernehmen und in der richtigen Form ins Musō-Gameplay zu integrieren. Es macht richtig viel Spaß, die Funktionen des Shiekah-Steins in der Spielwelt und in den Kämpfen in dosierter Form zu nutzen und die in Breath of the Wild erwähnten Ereignisse mit unkompliziertem Button Mashing in den zahlreichen Schlachten nachzuerleben. Bedauerlich ist nur, dass in technischer Hinsicht deutlich mehr zu erwarten gewesen wäre. Die Bildwiederholrate ist für die Action, die auf dem Bildschirm passiert, einfach zu gering. Dennoch kann Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung Genre-Fans ein paar dutzend Stunden lang mit seichtem wie einsteigerfreundlichem Gameplay überzeugen.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung!

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