Review: Samurai Warriors 5

2014 erschien mit Samurai Warriors 4 ein Musō-Spiel, das mit seinem eingängigen Gameplay in seinen Bann zieht. Auf Basis des vierten Teils folgten drei weitere Episode, doch den richtigen Nachfolger Samurai Warriors 5 blieb uns Publisher Koei Tecmo bis Juni 2021 schuldig.

Musō-Spiele sind spätestens seit Hyrule Warriors aus dem Jahr 2014 und anderen Franchise-Verbindungen in der Mitte der Spielerschaft angelangt. Nach und nach erobert das eingängige Konzept den Massenmarkt. Samurai Warriors 5 will diesen Siegeszug fortsetzen. Vorweg sei gesagt, dass dem Titel dieses Unterfangen nicht in jeder Hinsicht gelingt. Das fängt bereits bei der Handlung an, denn während die meisten Samurai-Warriors-Spiele das Geschehen aus vielen Perspektiven zeigen, konzentriert sich Samurai Warriors 5 lediglich auf einen sehr kleinen Zeitraum. Im Fokus der Handlung steht die Beziehung zwischen dem ersten der drei Reichseiniger Oda Nobunaga und seinem General Akechi Mitsuhide. Historiker wissen, wie diese Geschichte im Juni 1582 endet. Aus Spoiler-Gründen werden wir hier nicht vorgreifen. Es sei jedoch gesagt, dass die Ambitionen von Oda, das im Streit liegende Land wieder zu vereinen, genauso im Mittelpunkt der Erzählung stehen, wie deren kriegerische Umsetzung. Das heißt, dass neben Oda und Akechi auch weitere historische Persönlichkeiten auftreten. Unter anderem lernen wir im Handlungsverlauf auch Tokugawa Ieyasu kennen, nur eben in seinen jungen Jahren. Für beinharte Fans dürfte dieser kurze Ausschnitt der Geschichte möglicherweise zu wenig sein. Anfänger freuen sich darüber, nicht gleich vom Umfang erschlagen zu werden.

Ein-Mann-Armeen prallen aufeinander

Samurai Warriors 5 ist in zwei essentielle Spielmodi aufgeteilt. Im Musō-Modus folgen wir der eingangs erwähnten Handlung, die in mehrere Kapitel aufgeteilt ist. Jedes Kapitel besteht aus verschiedenen Schlachten. Entscheiden wir uns für eine Schlacht, beginnt das Kapitel mit einer kurzen historischen Erklärung der Ausgangslage. Daraufhin folgt ein Dialog zwischen den beteiligten Charakteren und erst dann dürfen wir selbst Hand an das Spiel legen. Wie für das Genre üblich, kämpfen wir nach altbekanntem Musō-Prinzip als eine Ein-Mann-Armee gegen tausende Fußsoldaten, Bannerträger, Generäle und Fürsten. Hinter uns stehen zwar auch tausende Samurai, die für unsere Sache kämpfen, doch sind diese Soldaten eher Staffage, die zur Schlachtenatmosphäre beitragen. In den Kämpfen schnetzeln wir munter drauf los, reihen schwere an leichte Attacken und bilden somit Kombinationsangriffe, die komplexer werden, je mehr Erfahrungspunkte unser jeweiliger Held bereits gesammelt hat. Ebenfalls ist es möglich, bis zu vier ultimative Fähigkeiten auszuführen. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um temporäre Attributsverbesserungen oder sehr starke Techniken. Der mächtige Musō-Angriff ist natürlich ebenfalls mit von der Partie. Haben wir genug Blut bei den Feinden vergossen, können wir die Blutdurstanzeige leeren und noch mehr Schaden austeilen. Famos!

Kampf um die Burg

Mit der Zeit sammeln wir in Samurai Warriors 5 viele neue Waffen und können diese in der Schmiede weiter verbessern oder mit neuen Fähigkeiten ausstatten. Damit unsere Helden die verbesserten Waffen jedoch tragen können, ist es ebenfalls notwendig, dass sie geübt im Umgang mit ihnen sind. Dieser verbessert sich automatisch im Kampf, kann jedoch auch im Dōjō trainiert werden, wenn die nötigen Voraussetzungen geschaffen sind. Im Gegensatz zum Vorgänger Samurai Warriors 4 gibt es für unsere Recken jedoch eine recht niedrige Level-Grenze. Um diese zu erhöhen, ist es zwingend erforderlich und empfehlenswert, früh in den zweiten Modus des Spiels einzusteigen. Im Zitadellen-Modus, der nach Abschluss des ersten Kapitels freigeschaltet wird, müssen wir unsere Burg vor angreifenden Armeen beschützen und den feindlichen Kommandanten ausschalten. Für einen Sieg erhalten wir Ressourcen, die wir in den Ausbau der Gebäude investieren können. Verbessern wir beispielsweise das Dōjō, können unsere Charaktere auch höhere Stufen erreichen. Hinzu kommt, dass sich hierbei Paare bilden können, für die dann besondere Ereignisse freigeschaltet werden. Auch wenn es anfangs nicht danach aussieht: In Samurai Warriors 5 steckt sehr viel Umfang, der sich für langjährige Fans aber wohl zu sehr in zwei Modi versteckt, die nicht ganz ohne Wiederholungen auskommen.

Visueller Stilbruch

Wollen wir nicht nur die beiden Hauptfiguren, sondern auch die zahlreichen Nebencharaktere aufleveln, müssen wir im Musō-Modus erst eine Schlacht erfolgreich beenden, bevor wir sie frei mit unseren Wunschkandidaten angehen dürfen. Eine Änderung innerhalb der Reihe, die nicht jedem Fan schmecken dürfte, ist der visuelle Stilbruch. Anstatt einem natürlichen Look zu folgen, kommen in Samurai Warriors 5 Cel-Shading-Grafiken zum Einsatz. Diese fallen vor allem bei den Charakteren auf, bilden aber wunderbar eine Symbiose mit der Umgebung. Die PlayStation-4-Fassung läuft zudem butterweich auf der PlayStation 5. Auch aufpoppende Truppen sind kaum bis gar nicht zu bemerken. Unterlegt werden die Schlachten mit einer angenehmen Musik, die aber leider nicht an die Qualität des Vorgängers heranreicht. Schreie und Waffengeklirr verdichten aber zumindest die Atmosphäre. Ebenfalls gefällt uns die sehr gute japanische Synchronisation. Eine englische oder gar deutsche Vertonung gibt es leider nicht. Das ist aber nur während des Schlachtengetümmels bedauerlich, denn hier die bis auf wenige Mängel guten deutschen Bildschirmtexte zu lesen und sich dabei aufs Geschehen zu konzentrieren, ist kaum möglich. Wem das Gameplay alleine zu dröge ist, kann sich einen Freund schnappen und das Spiel lokal oder online zusammen genießen – und genau dieser Umstand sorgt dafür, dass Samurai Warriors 5 immer mal wieder herausgekramt werden will.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Nach dem katastrophalen Dynasty Warriors 9 habe ich weit im Vorfeld das Schlimmste für die nächste Episode der für mich noch sehr viel interessanteren Samurai-Warriors-Reihe befürchtet. Zum Glück ist dieser Fall nicht eingetreten. Die Geschichte um Oda Nobunaga und Akechi Mitsuhide ist nicht sonderlich komplex, dafür aber umso einsteigerfreundlicher. Aufgrund des Fokus auf einen kleinen Ausschnitt der Zeit der streitenden Provinzen werden Anfänger nicht gleich von unzähligen Charakteren, Bündnissen und Verbindungen erschlagen. Langjährige Fans werden jedoch genau diese Entscheidung kritisieren, fehlen ihnen doch viele bekannte Schlachten und Gesichter. Trotzdem macht Samurai Warriors 5 sehr viel Spaß, was vor allem am Kampfsystem liegt. Dieses punktet mit einer Vielzahl an Kombinationsangriffen und Spezialfähigkeiten. Der Zitadellen-Modus ist ebenfalls eine nette Idee, die mich zumindest für ein paar Stunden dazu animiert, Ressourcen für Gebäudeverbesserungen zu sammeln und die Beziehungen unter den Charakteren zu festigen. Leider ist recht schnell die Luft raus, da es keine weiteren Modi gibt. Dafür werde ich aber zumindest vor dem heimischen Fernseher immer mal wieder Spaß mit dem Spiel haben, wenn ich mich mit einem Freund lauthals ins Schlachtengetümmel stürze!

Vielen Dank an Koei Tecmo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Samurai Warriors 5!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s