Für Sega ist die Ausgangslage für Sonic Racing: Crossworlds in diesem Jahr besonders günstig. Nintendo hat mit Mario Kart World zwar ein solides Produkt abgeliefert, das jedoch mehr wie eine Baustelle wirkt. Über diese Art der Konstruktion kommt aber auch Sega nicht hinaus.
Es gibt deutlich mehr Fun Racer da draußen als vielleicht angenommen. Den Platzhirsch hat jedoch seit jeher Nintendo markiert. Zum Start der Switch 2 hat der Konsolenhersteller mit Mario Kart World zudem einen neuen Serienteil der Fun-Racer-Reihe schlechthin im Gepäck gehabt. Allerdings zeigte das Spiel, das es ähnlich wie Mario Kart 8 in der Ursprungsversion auf der Wii U noch unfertig wirkt. Zu breite Strecken, viel zu viele Fahrer auf der Piste und überwiegend Etappenrennen stören das Gesamtbild massiv. Natürlich wird Nintendo diese Kritik gehört haben und in den nächsten Jahren hoffentlich aus dem Spiel eine ähnliche Kehrtwende hinlegen wie seinerzeit bei Mario 8 Deluxe, doch dürfte dies noch ein paar Jahre dauern. Dementsprechend sind derzeit alle Augen auf Sega gerichtet, die ebenso ihr Maskottchen mit Sonic Racing: Crossworlds ins nächste Rennspiel schicken. Auch über dieses Spiel ist eigentlich nicht viel Negatives zu sagen. Es ist im Kern ein grundsolider Fun Racer, der durchaus Spaß machen kann. Bedingung dafür ist, dass wir uns mit ein paar Defiziten in puncto Spielbarkeit anfreunden. Abseits dessen bietet das Rennspiel nämlich zumindest eine gute wie innovative Idee, die sogar den ewigen Rivalen Nintendo neidisch machen dürfte. Gerade bei der Streckenführung rast der Titel der Konkurrenz mit sehr hohem Tempo davon.
Abgekupferte Spielmechaniken
Zunächst einmal fühlt sich Sonic Racing: Crossworlds deutlich eher wie ein klassisches Rennspiel an. Auf Schnickschnack wie eine offene Spielwelt verzichtet der Titel von Beginn an. Stattdessen entscheiden wir uns kinderleicht über das Hauptmenü für einen Spielmodus wie dem Grand Prix oder das Zeitfahren. Die einzelnen Strecken, die im Spiel zu Grands Prix zusammengefasst sind, können zumeist auch mit bunten Farben und einer scharfen Optik überzeugen. Es macht Spaß durch verschiedene Welten des Sonic-the-Hedgehog-Franchises zu rasen. Die Pisten erinnern stark an Serienteile wie Sonic und die geheimen Ringe oder Sonic Unleashed, was mal mehr und mal weniger wohlige Erinnerungen an diese Klassiker hervorruft. Nebenher sammeln wir Items wie Bomben oder Boxhandschuhe ein, die wir auf unsere Mitfahrer abfeuern, um diese zu bremsen. Dennoch sollten wir aufpassen, denn auch wir können von den Items der Gegner betroffen werden. Glibber verhindert zum Beispiel unsere Sicht und gigantisierte Vehikel machen uns platt wie eine Flunder. Das erinnert natürlich sehr stark an Mario Kart – und wir geben zu, dass es Sonic Racing: Crossworlds hier deutlich an Eigenständigkeit fehlt. Allerdings kommt es in der mittleren der drei Runden eines Rennens zu einem Erlebnis, das Segas Rennspiel auf dem Papier wohl unfassbar abwechslungsreich macht.
Tore in eine fremde Dimension
Haben wir eine Runde gedreht, steht dem Erstplatzierten die Wahl frei, den mittleren Streckenabschnitt zu bestimmen. Dazu muss er über eine Markierung fahren, die dann ähnlich wie in Ratchet & Clank: Rift Apart ein Portal in eine andere Welt öffnen. Entweder entscheidet sich der Erstplatzierte für eine vorbestimmte Welt oder er lässt den Zufall darüber entscheiden. Sobald die nächste Runde vorbei ist, geht es auf dem altbekannten Streckenabschnitt zum Ziel. Mit diesem Rundrennen-und-Etappenrennen-Hybrid kommt also eine gewisse Dynamik ins Spiel. Allerdings ändert sich in keinem der Streckenabschnitte das Gameplay großartig. So düsen wir schlicht über die Piste, driften in den Kurven zum Erhalten eines Tempoboosts und fahren über Sprungschanzen, um Tricks auszuführen, die uns ebenfalls einen kurzen Boost geben. Gelegentlich fliegen oder vielmehr gleiten wir durch die Lüfte, um Abgründe zu überwinden. Fahren wir hingegen auf Wasseroberflächen, müsst wir manuell einen Boost aktivieren, um sprunghaft nach vorne zu preschen. Hier hätten wir dann doch etwas mehr erwartet, zumal die einzelnen Strecken meist ohne großartige Hindernisse auskommen, sehr breit sind und schlicht Abwechslung vermissen lassen. Wir hoffen jedoch, dass sich Sega nicht entmutigen lässt und genau dieses Konzept in einem potenziellen Nachfolger weiter verfolgen wird.
Im Rücklicht von Mario Kart World
Kritisch zu beäugen ist jedoch vor allem die Spielbarkeit. Es braucht ein wenig Zeit, bis wir uns auf einen Charakter eingelassen, ein Fahrzeug gewählt und modifiziert sowie uns für Gadgets im Rahmen unseres Spieltyps festgelegt haben. So verfügen all diese Elemente über verschiedene Attribute, Vorteile und Nachteile, die es nach unserem Ermessen auszutarieren gilt. Wer sich darauf einlässt, kann deutlich mehr Spaß haben als jene Spieler, die zwischendurch einfach nur ein paar Rennen fahren wollen. Das geht zwar auch, und am besten mit Freunden im Mehrspielermodus, doch eben bei Weitem nicht so gut wie nur mit Computergegnern. Die künstliche Intelligenz unserer Mitfahrer ist nämlich ein wenig problematisch, was für das Genre der Fun Racer aber auch nichts Neues ist. Haben wir beispielsweise Schwierigkeiten, uns an der Spitze des Fahrerfelds zu halten, ist es oft problemlos möglich, einen Rückstand in wenigen Augenblicken aufzuholen. Bedientechnisch geht das Rennspiel zwar leicht von der Hand, aber fühlt sich das Rasen über die Strecken selbst auf der technisch leistungsstarken PlayStation 5 überwiegend sehr schwammig an. Gerade beim Driften und dem Einsatz eines Items fällt uns auf, dass teilweise eine Latenzzeit vorliegt oder ein Befehl sogar überhaupt nicht ausgeführt wird. Damit reiht sich Sonic Racing: Crossworlds leider noch hinter Mario Kart World im mittleren Fahrerfeld ein. Da wäre mehr machbar gewesen!
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Mario Kart World hat mich in diesem Jahr sehr enttäuscht. Gut, da waren meine Erwartungen nach dem fantastischen Mario Kart 8 Deluxe aber vielleicht auch extrem hoch. An Sonic Racing: Crossworlds bin ich jedoch mit niedrigeren Erwartungen herangegangen. Auch dem Fun Racer aus dem Hause Sega gelingt es nicht ganz, mich länger als ein paar Partien zu packen. Am besten gefällt mir definitiv die Varianz im mittleren Streckenabschnitt, da so einfach nicht vorherzusehen ist, was genau passiert. Obwohl die Strecken optisch sehr abwechslungsreich ausfallen, gilt das jedoch nicht für die spielerische Dimension. Hier bleibt der Titel wie ein Uhrwerk in einem abwechslungsarmen Takt, der wirklich ermüdend ist. Hinzu kommt, dass die Steuerung für mein Verständnis viel zu schwammig ausfällt und daher unnötige Hürden in den Weg wirft. Es wäre recht einfach gewesen, am Platzhirsch aus dem Hause Nintendo vorbeizuziehen, aber diese Chance hat Sega leider einfach nicht nutzen wollen. Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal besser.