Review: JDM: Japanese Drift Master

Seit dem Actionfilm The Fast and the Furious: Tōkyō Drift aus dem Jahr 2006 ist selbst in populärkulturellen Sphären bekannt, dass der Motorsport in Japan eng mit dem Driften verbunden ist. Vor dieser Technik verbeugt sich das Rennspiel JDM: Japanese Drift Master.

In JDM: Japanese Drift Master schlüpfen wir in die Haut des Rasers Tomasz Stanowski, dem in seiner Heimat Polen der Führerschein entzogen wurde. Deshalb kann er seiner großen Leidenschaft, dem Fahren von Rennen, in Europa nicht mehr frönen. Im Land der aufgehenden Sonne sieht es allerdings anders aus, weshalb ihn ein japanischer Freund nach Fernost lockt und zum Driften verführt. Wie für Rennspiele gewohnt, ist die Story nicht gerade das Gelbe vom Ei, aber immerhin bemüht sich Entwicklerstudio Game Factory zumindest, eine halbwegs unterhaltsame Geschichte zu konstruieren und den Spieler bei Laune zu halten. Präsentiert wird diese stilecht in fünf Kapiteln, die zwischen den Hauptmissionen in Manga-Form erzählt werden. Animierte Sequenzen hätten uns zwar besser gefallen, aber dennoch machen diese einzelnen Seiten durchaus Laune, auch wenn der Zeichenstil nicht durchweg mit großen bekannten Werken mithalten kann. Das muss es auch nicht, denn JDM: Japanese Drift Master ist ein Rennspiel, das sich ohnehin an eine besondere Zielgruppe richtet. Soll heißen, dass der Titel vor allem jene Rennsportfans anspricht, die Gefallen am Driften gefunden haben und in anderen Genrevertretern nichts anderes machen. Andere Aspekte des Motorsports sind im Werk von Game Factory unterzuordnen – und das wird dem Titel leider zum Verhängnis.

Hindernisse beim Driften

Über eine offene Spielwelt fahren wir zur nächsten Hauptmission, arbeiten nebenher kleinere Nebenjobs ab oder versuchen in der Fahrschule möglichst gute Ergebnisse bei den Zielvorgaben zu erreichen. Das macht durchaus Spaß, zumal auch die fiktive Präfektur Guntama, die an Japans Hauptinsel Honshū angelehnt ist, mit vielen engen Straßen und reichlich Kurven regelrecht aufs Driften ausgelegt ist. Auch die Zeit zum freien Herumfahren ist gut genutzt, da wir so nebenher fast schon zum Driften gezwungen werden und somit peu à peu an unserer Technik feilen. Warum dieser Lernprozess in JDM: Japanese Drift Master jedoch nicht ohne Hindernisse auskommt, hängt mit verschiedenen äußeren Faktoren zusammen. Auffällig ist hierbei, dass es in der Spielwelt kaum bis gar keine zerstörbaren Objekte gibt. Donnern wir beim Driften beispielsweise an einen Hydranten, wird weder das Hindernis, noch unser Wagen in irgendeiner Weise beschädigt. Dies stoppt das Driften unschön, wodurch auch der Punktezähler wieder zurückgesetzt wird. Ähnlich verhält es sich mit Stacheldraht und Zäunen, die häufig die Straßenränder markieren. Auch diese wirken wie mit Stahl verstärkte wie am Boden haftende Betonklötze, die es gerade Anfängern schwer machen, wirklich auf der Straße zu bleiben. Gerade die Steuerung sollte in einem Rennspiel fluppen, was sie hier nur bedingt tut.

Abwechslungsarmer Drift-Fokus

Für Anfänger gibt es in JDM: Japanese Drift Master zwar eine Arcade-Steuerung, doch wollen wir diese keinesfalls empfehlen. Erst beim Wechsel auf die Alternative, die eine Mischung aus Arcade-Fahrgefühl und Simulationsanspruch darstellt, steuern sich die Boliden im Spiel deutlich angenehmer. Weitere Fahrhilfen wie ein Antiblockiersystem lassen sich an- und ausstellen, erreichen aber nicht die Komplexität der Konkurrenz wie Gran Turismo 7. Ein weiteres Hindernis stellt die künstliche Intelligenz der Rivalen dar. Entweder verhalten diese sich viel zu klug, sammeln Punkte ohne Ende und machen uns so das Leben schwer – oder im Falle von Rennen donnern sie auch gerne mal ineinander. Deshalb schwankt der Schwierigkeitsgrad durchweg, was ärgerlich ist. Mit der Zeit kommen Tuning-Möglichkeiten hinzu, die zumindest etwas Besserung versprechen. Obwohl das Spiel mit seinem japanischen Setting sehr schick wirkt und auch die Musikauswahl facettenreich ausfällt, gibt es leider nur sehr wenig Abwechslung im Spiel. Alles läuft aufs Driften hinaus, was Perfektionisten und weit fortgeschrittenen Spielern trotz aller Mankos Spaß machen dürfte. Wer mit Rennspielen nur wenig am Hut hat und nicht nur aufs Driften fokussiert ist, muss eindeutig zu Alternativen greifen. JDM: Japanese Drift Master spricht niemand anderes als seine pure Kernzielgruppe an.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Auf JDM: Japanese Drift Master habe ich mich im Vorfeld sehr gefreut, da mir sowohl das Driften in Rennspielen wie Forza Horizon 4 als auch japanische Szenerien sehr viel Freude bereiten. Wer sich auf das Spiel von Gaming Factory einlassen will, sollte wissen, dass er auch nur das und nicht mehr bekommt. Zudem richtet sich der Titel in meinen Augen eher an Profis oder zumindest an fortgeschrittene Spieler, die das Driften bereits in anderen Rennspielen perfektioniert haben. Durch weitgehend fehlende zerstörbare Objekte geschehen auf den Straßen der fiktiven Präfektur Guntama einfach zu viele ungewollte Unfälle, die den Lernprozess besonders bei Anfängern zu sehr behindern. Auch die stark schwankende künstliche Intelligenz der Rivalen ist mir auf lange Sicht ein Dorn im Auge. Anstatt in den nächsten Monaten neue Inhalte nachzuliefern, sollte das Entwicklerstudio vielleicht darüber nachdenken, sich andere Genrevertreter verstärkt anzuschauen und sich von Zugänglichkeiten dieser inspirieren zu lassen. Unterm Strich wirkt das Spiel in seinem jetzigen Zustand für mich nicht gänzlich fertig entwickelt. Wem diese Defizite aber egal sind, ohnehin nur driften und mal ein japanisches Setting in einem Rennspiel erleben will, darf JDM: Japanese Drift Master aber gerne selbst eine Chance geben!

Vielen Dank an Gaming Factory für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von JDM: Japanese Gaming Factory!

Hinterlasse einen Kommentar