Review: Prince of Persia: Trilogy 3D

Denkt man an namhafte Trilogien, so kommen einem wahrscheinlich zunächst Erzeugnisse der Filmwelt in den Sinn. Die ursprünglichen Star-Wars-Filme, Der Herr der Ringe oder auch Zurück in die Zukunft begeistern seit Jahrzehnten Millionen von Fans. Doch auch in der Videospielwelt lassen sich wunderbare Beispiele finden, welche die Spieler teils über Jahre in ihren Bann ziehen und auf diese Weise sogar ganze Genres prägen. Manchmal werden diese Titel zusammengefasst und neu aufgelegt – Beispiele dafür sind Serien wie Metroid Prime, God of War und eben auch Prince of Persia. Über das Für und Wider dieser Praxis lässt sich sicherlich streiten, doch stehen wir heute lediglich in der Funktion des Kritikers: Was taugt Prince of Persia: Trilogy 3D inhaltlich?


Wer die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht mag, der wird vermutlich auch dem Prinzen von Persien einiges abgewinnen können. In The Sands of Time entfesselt unser namenloser Held versehentlich den namensgebenden Sand der Zeit und stürzt damit das Königreich seines Vaters in den Ruin. Fortan muss er sich finsterster Kreaturen erwehren, zahllosen Fallen ausweichen, tödliche Abgründe überwinden und  sich letzten Endes seinem Schicksal stellen. Als The Sands of Time im Jahre 2003 für diverse Plattformen erschien, heimste es auf Anhieb Lobeshymnen von allen Seiten ein und ermöglichte das Revival eines Franchise, welches bereits  1989 seine ersten Schritte in der Videospielwelt tat. Vor allem die ausgefeilte Spielmechanik überzeugte sowohl Fans als auch Kritiker: In seinen Grundgerüsten ein typisches dreidimensionales Action-Adventure, wusste sich The Sands of Time mit einigen einzigartigen Hilfsmitteln von der Masse des Genres abzuheben. Der Sand der Zeit wird des Spielers wertvoller Verbündeter, ist aber nur in begrenzten Mengen vorhanden. Mit seiner Hilfe können wir nicht nur unsere Gegner direkt angreifen, sondern auch die Zeit selbst für kurze Dauer manipulieren, indem wir sie zurückspulen oder verlangsamen. Das orientalische Flair gepaart mit dem intelligenten Leveldesign tut ein Übriges, uns bei Laune zu halten.

Kampf ums Überleben

Die Story wird vom Prinzen selbst erzählt, der dabei auf vergangene Ereignisse zurückblickt. Selbst in der deutschen Version ist die Synchronisation gut gelungen. Ihm zur Seite steht in dieser Geschichte Farah, die Tochter des Maharaja, welche aber reichlich unselbstständig wirkt – Ashley aus Resident Evil 4 lässt grüßen! Der Spielfortschritt gestaltet sich sehr linear, Kampfpassagen wechseln sich stets mit Sprungeinlagen oder Rätseln ab. Werden wir von einem Gegner oder einer rotierenden Säge getroffen, spulen wir das Geschehen zurück und versuchen es einfach noch einmal. Dadurch ergeben sich teils eindrucksvolle Szenen, in denen wir den Attacken der Gegner ausweichen können und diese sich daraufhin gegenseitig verletzen. Das Kämpfen nimmt den wohl wichtigsten Teil im Mittel der Trilogie ein. Warrior Within erschien 2004 und zeigt uns einen düstereren Prinzen, der buchstäblich vom Schicksal gejagt wird. Als Befreier des Sandes der Zeit wird er verfolgt vom Dahaka, einer Inkarnation des Schicksals, und versucht auf der Insel der Zeit eine Lösung für sein Problem zu finden. Die Entwickler implementierten das von ihnen so genannte Free-Form-Fighting-System, bei dem aus jeder Aktion heraus eine neue Möglichkeit entstehen kann. Die Kombo-Vielfalt wurde beachtlich erhöht und auch die Bandbreite der Interaktionen mit der Umwelt kann sich sehen lassen. Wir können uns um Säulen schwingen und dabei Gegner enthaupten, die Waffen besiegter Widersacher aufnehmen und Wandbehänge nutzen, um aus Höhen sicher hinunterzugelangen. Unterstrichen wird die kämpferische Ausrichtung durch rockige Musik, was uns teilweise stark an die Spielserie Devil May Cry erinnerte.

Schuster, bleib bei deinen Leisten!

Warrior Within erschien nur ein Jahr nach The Sands of Time und wir sind geneigt zu behaupten, dass man es dem Titel anmerkt. Ursprünglich war überhaupt keine Trilogie geplant gewesen und selbst Prince-of-Persia-Erfinder Jordan Mechner äußerte öffentlich Kritik an der Ausrichtung des Sequels. Wir halten fest: Das Spiel wirkt lieblos erstellt und arg verbuggt. Erleiden wir etwa beim Ausführen eines Rückwärtssaltos einen Treffer, bringt der Prinz seine Bewegung in aller Ruhe zu Ende, um dann anschließend – wie vom Blitz getroffen – umzufallen. Weshalb dieser Fehler im Animationsablauf auch im Nachfolger nicht ausgebessert wurde, ist uns völlig unverständlich. An anderer Stelle kommen Gegner ungeschoren durch tödliche Fallen hindurch und auch die Karte der Insel, ein wichtiges Utensil aufgrund der weniger linearen Wege, weiß nicht zu überzeugen. The Two Thrones macht es da wieder etwas besser: Der Prinz kehrt sieben Jahre nach den Geschehnissen aus The Sands of Time zurück nach Babylon und findet seine Heimatstadt in Trümmern und Chaos. Der Wesir versucht, die Macht an sich zu reißen und es liegt an uns, ihn daran zu hindern. Nach dem sehr düsteren und brutalen Warrior Within findet Prince of Persia atmosphärisch hier wieder zu seiner alten Stärke zurück. Das Repertoire des Prinzen wurde hauptsächlich erweitert durch die sogenannten Speed Kills, welche im Grunde Quick Time Events sind, die es uns erlauben, lautlos von hinten zu töten. Für kurze Abschnitte verwandeln wir uns in des Prinzen Alter Ego, seine dunkle Seite. Als Sandmonster sind wir dann ausgestattet mit einer Eisenkette und es gilt, bei stetig schwindender Lebensenergie den jeweiligen Spielabschnitt schnellstmöglich zu absolvieren. Seine dunkle Seite begleitet den Prinzen aber auch in Gedanken und lockert das Geschehen mit einigen flotten Sprüchen auf. Gleiches kann gesagt werden von der wieder auftretenden Farah, die sich nun um einiges hilfreicher präsentiert und auch die Entwicklung des Prinzen als Charakter vorantreibt, welche in einer sehenswerten und geradezu psychedelisch anmutenden Endsequenz ihren Höhepunkt findet.

Geschrieben von Daniel Büscher

Daniels Fazit: Einige werden von dem linearen Spielprinzip abgeschreckt werden, anderen gefällt gerade dieses. Die einzelnen Titel der Trilogie heben sich meiner Meinung nach gut voneinander ab. Besonders adrenalintreibend finde ich die Szenen, in denen man vom Dahaka verfolgt wird und einem dazu Rockmusik von Godsmack entgegendröhnt. In diesen Situationen bekommt es der ansonsten so coole Prinz richtig mit der Angst zu tun, als Spieler fühlt man geradezu mit ihm, taucht in seine Verzweiflung ein und rennt anschließend, was Beine und Sand hergeben. Der Sound ist aber auch zugleich eine der größten Schwachstellen dieser Kompilation: Dialoge werden teils bis zur Unverständlichkeit von einem Hallen begleitet – bei den originalen Versionen war dies nicht der Fall. Es macht die Spiele nicht unspielbar, ist für mich aber ein ärgerlicher Fehler, bei dem man sich als Spieler fragen sollte, ob man eine solch schlampige Arbeit mit seinem Geld unterstützen möchte. Abgesehen von diesem Ärgernis bietet die Trilogie für sich genommen gute Unterhaltung. Wer die Möglichkeit hat, sollte zu den Originalen greifen und wer dies nicht kann und obendrein tolerant gegenüber der genannten Unzulänglichkeit ist, darf der Trilogy-3D-Fassung eine Chance geben.

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