Review: Fifa 12

Es ist eine jährliche Tradition von Electronic Arts, ein neues Fifa-Spiel auf den Markt zu bringen. So erschien auch in diesem Jahr ein weiterer Teil der Fußballsimulation, welche Neuerungen mit sich bringt, die das Sportspiel im alljährlichen Kampf gegen den Konkurrenten von Konami, an die Spitze der Tabelle schießen soll.

Dieses Jahr stellt Electronic Arts die Zweikämpfe ins Rampenlicht und präsentiert die hauseigene Player Impact Engine, welche jede Kollision in Echtzeit und physikalisch korrekt berechnen soll. Wenn im Spielverlauf zwei Fußballer aufeinander prallen, bezieht das Spiel Faktoren wie Masse, Winkel und Geschwindigkeit in die Kalkulation mit ein, um einen realistischen Zweikampf inklusive dessen Konsequenzen zu berechnen. Im Spiel bemerken wir dies sofort! Rennen wir also frontal mit einem kleinen Stürmer in einen kräftig gebauten Verteidiger rein, so fällt der Stürmer hin und der Verteidiger bleibt stehen, als ob kaum etwas passiert wäre. Dieses Verhalten fordert uns Spieler dazu auf, die Stärken verschiedener Fußballer abzuwägen und unterschiedlich zu nutzen. Ein stämmiger Verteidiger wird im direkten Zweikampf sicherlich als klarer Gewinner hervorgehen, jedoch hat dies negative Auswirkungen auf die Beweglichkeit und Geschwindigkeit des Verteidigers. So müssen wir diese Faktoren erkennen und mit dem eher schwach gebauten Stürmer auf Tempo und schnelles Passspiel setzen. Diese Neuerung nahmen wir positiv auf und konnten sie auch gut nachvollziehen, denn ein kleiner Spieler wie etwa Mario Götze rennt bekanntermaßen auch nicht frontal auf einen Daniel van Buyten zu, sondern versucht ihn durch Passstafetten oder Tempodribbling auszuspielen.

Taktische Verteidigung

Zur Player Impact Engine gehört auch die sogenannte Tactical Defense. Unter den Controller-Einstellungen können wir nun zwischen der klassischen Verteidigung und Tactical Defense entscheiden. Während die klassische Verteidigung auf die altbewährte Steuerung der älteren Fifa-Spiele setzt, haben wir mit der neuen Verteidigungsoption völlig neue Möglichkeiten, unser Tor sauber zu halten. Halten wir die rechte Schultertaste und den Button für das Tackling gedrückt, agiert unser Verteidiger wesentlich defensiver, indem er den Raum abschirmt und versucht, den gegnerischen Angreifer aufzuhalten. Mit beiden Neuerungen wirkt Fifa 12 wesentlich physischer als all seine Vorgänger, jedoch hat uns die neue Tactical Defense nur wenig angesprochen. Wir sind der Meinung, dass unsere Spieler eine zu große Distanz zum Gegner halten und deswegen das Spiel in der Verteidigung zu weit vom Gegner entfernt ist. Die künstliche Intelligenz hat somit genug Platz für Fernschüsse und dass selbst gesteuerte Attackieren der Gegner ging in unserer Testphase des Öfteren daneben. Hier sollte sich jeder selbst ein Bild von der neuen Verteidigungsform machen, denn online finden sich bereits jetzt schon so manche Gegner, die diese neue Art der Verteidigung wirklich gut ausüben.

Unterschiedliche Mannschaftsstärken

Neben den großen Innovationen gibt es auch einige kleinere Verbesserungen, die das Spiel vorweisen kann. So wurde unter anderem auch das Dribbling-System nochmals überarbeitet. Im letzten Teil beschwerten sich viele Spieler, dass die Angreifer sich den Ball viel zu weit vorlegen und es damit den Verteidigern einfacher machen, den Ball zu stibitzen. Nun führen die virtuellen Fußballer den Ball merkbar enger am Fuß und ermöglichen so ein gezieltes Ausweichen von Gegnern, sowie ein effektiveres und schnelleres Dribbling. Mit dem richtigen Timing können wir jetzt halbautomatische Aktionen wie Hackentricks und Pässe mit der Hacke ausführen. Dies ermöglicht Neulingen wiederum einen leichten Einstieg in die Welt der technisch visierten Fußballspieler. Eine weitere Neuerung ist das schnelle Ausführen von Einwürfen, welche für deutlich mehr Überraschungsmomente sorgen. Das Spielverhalten der künstlichen Intelligenz ist die letzte auffällige Neuerung auf dem Platz, denn gegnerische Mannschaften spielen (ihren wirklichen Eigenschaften angepasst) weitaus realistischer. Ist der FC Barcelona unser Gegner, werden wir uns darauf einstellen müssen, dass die Mannschaft mit schnellen Passkombinationen versuchen wird, unsere Abwehr auszuhebeln. Ein Team wie Tottenham Hotspur versucht hingegen den Kopf von Stürmer Peter Crouch anzuspielen, um seine Luftüberlegenheit auszunutzen.

Einführung des 24-Stundentags

Die Neuerungen nehmen in Fifa 12 nicht ab, auch außerhalb des Spielfeldes wurde am Spiel geschraubt, etwa das Menü und der Karriere-Modus wurden verändert. Das Menü selbst wirkt nun gewöhnungsbedürftig aufgebaut und brachte uns des Öfteren zur falschen Auswahl. Im Karriere-Modus wurden ein verbessertes Scouting-System und eine Änderung am Transfermarkt implantiert. Wir können nun drei Scouts mit verschiedenen Fähigkeiten einstellen und diese weltweit auf Reise schicken, um neue und junge Talente zu finden. Jeden Monat bekommen wir dann einen Bericht, in dem verschiedene Jugendspieler mitsamt ihren Fähigkeiten aufgelistet werden und wir dann entscheiden dürfen, ob wir diese für unsere Jugendakademie verpflichten möchten. Auf dem Transfermarkt wurde mittlerweile der 24-Stundentag eingeführt, allerdings nur am letzten Tag. So vergeht mit jedem Klick auf die Weiter-Anzeige nur eine virtuelle Stunde und nicht mehr ein ganzer Tageszyklus. Durch diese Veränderung können wir Angebote für andere Spieler abgeben, selber Spieler verkaufen und Verträge endgültig abschließen – und das sogar in den letzten Stunden, klasse! Diese Kleinigkeiten sind sehr gut umgesetzt wurden und geben uns im Karriere-Modus wesentlich mehr Kontrolle. Wir können entweder große Stars verpflichten oder uns komplett auf die Jugend fokussieren, um auf Talente zu bauen, die dann irgendwann im Spielverlauf selber zu großen Stars werden können.

Uninspirierte Atmosphäre

Die Technik hat, wie in jedem Jahr, ihre Licht- und Schattenseiten. Die Spielgesichter sehen bei den meisten Spielern nicht wirklich optisch ansprechend aus und stehen der Konkurrenz nach. Grafisch hervorstechen allerdings die Bewegungsabläufe der Spieler, welche im Auge des Betrachters schön wirken und für ein wahrlich flüssiges Spielgefühl sorgen. Ebenso stehen die Witterungsverhältnisse und die Rasenoptik in einem wunderschönen Licht. Die Atmosphäre in den Stadien ist allerdings immer noch so lasch, wie in allen anderen Fifa-Spielen zuvor und von einer guten Stimmung, inklusive jubelnden Fans und sonstigen atmosphärischen Lauten ist weit und breit nichts zu sehen oder zu hören. Einzig und allein hört man die ständig überflüssigen und selten klugen Kommentare von Manfred „Manni“ Breuckmann und Frank „Buschi“ Buschmann. Die Kommentare sind zudem meist auch noch fehlerhaft, denn ein Sportkommentator würde einen Torschuss wohl nur ungern als Flanke kommentieren, oder einen normalen Zweikampf als Grätsche. Wir fragen uns allen Ernstes, ob die fertige Version bevor sie in die Druckerpresse geschickt wurde, überhaupt einmal vorab abgehört wurde. Der Soundtrack des Spiels besteht aus Stücken jeglicher Musikrichtungen und sorgt für reichlich Abwechslung – einem musikalisch angenehmen Fifa-Abend steht somit nichts mehr im Wege.

Geschrieben von Axel Gutsmiedl

Axels Fazit (basierend auf der PlayStation-3-Fassung): In meinen Augen kann sich Electronic Arts auch in diesem Jahr die Krone aufsetzen. Fifa 12 ist wesentlich mehr Fußballsimulation als es Pro Evolution Soccer bis heute jemals gewesen ist und bietet mit den Neuerungen, wie zum Beispiel der Player Impact Engine, ein Spielgenuss vom Feinsten. Die künstliche Intelligenz funktioniert wesentlich besser als in den letzten Teilen der Serie. Das Zweikampfverhalten ist gewöhnungsbedürftig, was aber nicht heißen soll, dass es unnütz ist. Hat man die Tactical Defense erst einmal verinnerlicht, eröffnen sich viele neue Möglichkeiten die gegnerischen Angreifer zur Verzweiflung zu treiben. Die neuen Möglichkeiten im Online-Modus, wie zum Beispiel Challenges, Ligaspiele und Social Network tragen immens zum Suchtverhalten bei und sorgen für Langzeitmotivation. Einzig negativ ist wie jedes Jahr die Stadionatmosphäre und deren Polygon-Zuschauer. Warum Electronic Arts nichts dagegen unternehmen möchte, ist mir vollkommen unverständlich. Mit dieser kleinen Verbesserung wäre Fifa 12 sicherlich eines der besten Fußballspiele geworden und man hätte dann wohl kaum noch etwas zu meckern gefunden. Aber die Kritik, die ich hier äußere, ist schon auf einem ziemlich hohen Niveau. Der Titel macht einfach nur verdammt viel Spaß und schreit förmlich danach, von mir gespielt zu werden – und genau das werde ich jetzt auch machen!

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars von Fifa 12!

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