Review: Driver: San Francisco

In den vergangenen Jahren verschwand die einst erfolgreiche Driver-Serie immer mehr in den Hintergrund. Experimente, etwa wie in einem Teil der Grand-Theft-Auto-Reihe unterwegs zu sein und mit Waffengewalt Missionen zu erledigen, scheiterten. Mit Driver: San Francisco kehrt die Spielserie mit alter Stärke und einer innovativen Idee auf die Mattscheibe zurück.

Endlich ist Charles Jericho gefasst! Der Schwerverbrecher und John Tanners ärgster Feind ist hinter Schloss und Riegel. Tanner ist aber erst vollends davon überzeugt, wenn er tatsächlich ins Gefängnis transportiert wurde und verfolgt den Gefangenentransport vom Steuer seines Autos aus. Plötzlich ändert sich alles, denn Jericho kann entkommen und macht Jagd auf den Beamten und auf Tanners Partner Tobias Jones. Nach einem fürchterlichen Verkehrsunfall ist es noch nicht ganz um Tanner geschehen, denn dieser erblickt das Licht der Welt in einem ganz neuen Licht. Er merkt, dass ihm der Unfall die Möglichkeit beschert hat, in den Körper eines fast jeden Verkehrsteilnehmers zu wechseln. Jones glaubt ihm natürlich kein Wort, doch bereits nach dem in den Story-Modus eingebundenen Tutorial, ist auch er von unserer neuen Gabe überzeugt. Zwischen den einzelnen Stadtmissionen, die wir im Story-Modus übrigens allesamt lösen müssen, um im Spielverlauf voranschreiten zu können, wird die Handlung über Tanner und Jericho spannend und in den Dialogen mit viel Wortwitz vorangetrieben. Die Geschichte um Tanner und Jericho zieht sich über acht Kapitel, sowie einem Pro- und einem Epilog. Zwar mag die Handlung nicht auf Realismus getrimmt sein, doch wird sie für sich genommen logisch und weitestgehend plausibel erklärt, denn wir schon sehr bald feststellen werden, ist in Driver: San Francisco nicht alles so, wie es scheint.

Bisher bei Driver: San Francisco

Bevor sich ein Kapitel dem Ende nähert, wird uns immer wieder ein Video gezeigt, welches die bisherigen Geschehnisse kurz und bündig zusammenfasst. Das mag zwar das Niveau einer Fernsehserie haben, aber wir verstehen nicht, warum man sich nicht darauf geeinigt hat, solch ein Video am Anfang des jeweiligen Kapitels einzuordnen. Trotzdem passen solche Einspielungen sehr gut zum Spiel und sind besonders dann hilfreich, wenn wir längere Zeit nicht mehr in den Titel reingeschaut haben und wir nicht nochmals von vorne anfangen möchten, um die Story voll und ganz verstehen zu können. Der wichtigste Bestandteil von Driver: San Francisco ist allerdings das so genannte Shiften. Mit dieser Spezialfähigkeit können wir im laufenden Spiel von einem Auto ins nächste springen, ohne dabei nervige Ladezeiten in Kauf zu nehmen. Das System hat den Nutzen, dass wir uns in den verschiedenen Situationen klare Vorteile sichern können. Verfolgen wir beispielsweise einen Kriminellen durch die Straßen von San Francisco und können ihn einfach nicht einholen, shiften wir ganz einfach in ein anderes Fahrzeug auf der Gegenfahrbahn. Anschließend peilen wir das Auto unseres Gangsters an und provozieren einen frontalen Zusammenstoß – das Ziel ist ausgeschaltet und die Mission erfüllt. Ähnliches dürfen wir natürlich auch bei einem Straßenrennen ausprobieren, denn wenn (bis auf uns) kaum ein Fahrer mehr am Rennen teilnimmt, ist die Ziellinie schon viel eher in greifbarer Nähe.

Die Straßen von San Francisco

Die Missionsvielfalt ist jederzeit gewährleistet, denn immer werden uns andere Geschichten aufgetischt, die sich vom Gameplay her grundsätzlich aber recht ähnlich spielen. Mal möchte ein Kamerateam mit von uns inszenierten Stunts versorgt oder ein Rennen für zwei Brüder gewonnen werden. Hin und wieder schlüpfen wir auch in die Rolle eines Kleinganoven und müssen und heiße Verfolgungsjagden mit der Polizei liefern. In solchen Situationen ist es uns dann natürlich nicht möglich, ständig hin und her zu shiften, denn die Ordnungshüter haben nur Augen für das Fahnungsfahrzeug, nicht jedoch für uns! Mit zunehmendem Spielverlauf erweitern wir die Stadt an der Westküste der Vereinigten Staaten nicht nur um ihren Fuhrpark, sondern um weitere Gebiete, die es zu befahren gilt. Dementsprechend tauchen auch immer mehr Herausforderungen auf, die wir optional bewältigen dürfen. Darunter fallen Aufgaben, wie über fünfzig Meter durch die Luft zu fliegen oder vierzig Meter zu driften. Für alle Aktionen, die wir in Driver: San Francisco tätigen, erhalten wir Erfahrungspunkte, die wir in neue Autos investieren dürfen oder unsere Spezialfähigkeiten verbessern dürfen. Das motiviert uns, auch abseits der Story durch die Straßen der Stadt zu spuken und unsere Fahrkünste zu entwickeln. Essentiell sind davon aber keine Aufgaben – wir haben den eigentlichen Story-Modus auch mit Erfüllen einiger weniger Missionen abschließen können.

Und: Action!

Haben wir nach Abschluss der Handlung immer noch nicht genug vom Spiel gesehen, dürfen wir uns auch selbst als Regisseur beteiligen und die Videos ins Internet hochladen. Dazu ist es allerdings erforderlich, dass wir das Spiel mit einem uPlay-Passport (auf der PlayStation 3) in unserem uPlay-Konto aktivieren beziehungsweise registrieren. Selbiges gilt ebenfalls für die restlichen Online-Modi des Spiels, doch dazu gleich mehr. Um ein Video zu erstellen, können wir nur die letzten drei Minuten des Spiels bearbeiten, die wir erlebt haben. Das ist ein wenig schade, zumal die Schneidearbeit mit dem Videomaterial unnötig fummelig ausfällt. Es ist trotzdem interessant zu sehen, wie unser Fahrstil aus einer anderen Perspektive aussieht. Das Feature ist auf jeden Fall eine nette Bereicherung für das Spiel, welches sicherlich seine Fans finden wird. Die verschiedenen Multiplayer-Optionen finden wir online (offline ist das Spiel im Splitscreen zu spielen) hingegen noch ein ganzes Stück interessanter. Hier schalten wir der Reihe nach neue Spielmodi frei, etwa Rennen (in denen wir nicht shiften dürfen) oder den Modus Verhaftung, der uns ganz besonders gefallen hat. Hier übernimmt ein Spieler die Rolle eines Transporters, der Medikamente in einem bestimmten Zeitraum an eine gewisse Anzahl an Ziele ausliefern muss, während alle anderen Spieler in Streifenwagen hinter diesem herdüsen. Leider stellt sich in unserem Test heraus, dass Polizisten shiften dürfen und der Dealer nicht. Das ist teils recht unfair und hätte in der Qualitätssicherung auffallen müssen.

Flüssiges Spielgeschehen

An einigen Ecken und Enden sollte das Entwicklerteam dann vielleicht doch ein paar Verbesserungen in den Online-Modus einführen, der uns bisher relativ gut gefallen hat und Langzeitspaß, auch nach Absolvieren der Story, bietet. Es ist allerdings eine Schande, dass wir uns zwangsweise solch ein Konto anlegen müssen, um online spielen zu können – zumal bestehende Ubisoft-Konten aus der Vergangenheit wohl kommentarlos in ein uPlay-Konto umgewandelt wurden und wir nicht mehr den Benutzernamen ändern konnten. Schwach. Wer darüber hinwegsehen kann, wird aber definitiv zufriedengestellt. Optisch macht das Spiel auf jeden Fall eine gute Figur, auch wenn er nicht mit Titeln wie Forza Motorsport 4 mithalten kann. Das heißt auch, dass das Schadensmodell und die Kollisionsabfrage nicht immer genau sind. So wurden wir im Test oft von der Straße abgedrängt, wenn uns jemand von hinten heftig gerammt hat. Andersherum verlor der Computer nicht die Kontrolle über sein Fahrzeug und stattdessen wurden wir (in derselben Fahrzeugkonstellation!) in den Graben gedrängt – unfair. Außerdem halten sich die Verkehrsteilnehmer in San Francisco anscheinend oft nicht an die Verkehrsregeln. Insbesondere beim Abbiegen einiger Fahrzeuge fehlt uns der Blinker, weshalb wir sehr oft in ein vor uns fahrendes Auto hineingerast sind. Dafür wird das Geschen durchgehend flüssig dargestellt. Schade nur, dass die Entwickler auf einen Tag-Nacht- oder gar Wetterzyklus verzichtet haben. San Francisco bei Nacht und Nebel zu sehen, wäre sicherlich atemberaubend schön gewesen.

Driver ist zurück

Akustisch gibt es hingegen einiges auf die Ohren. Der Soundtrack von Driver: San Francisco bietet nicht nur eigens komponierte Tracks, um die Action zu unterlegen, sondern sogar ein ganzes Radio lauter ins Spiel passender Songs. Von Coldcuts Everything is under control bis hin zu The Noisettes Don’t give up ist alles mit dabei, was das Fahren durch San Francisco angenehm bereichert. Die Steuerung der einzelnen Fahrzeuge fällt dabei recht unterschiedlich aus. Während sich Busse sehr langsam und relativ unkontrolliert spielen lassen, fühlen sich stattdessen schicke Sportwagen umso agiler an. Um das Maximum herauszuholen, ist es sehr wichtig, voll und ganz auf den dichten Straßenverkehr zu achten. Sehr oft stehen wir nämlich unter Zeitdruck und das Ziel ist nur zu erreichen, wenn wir den anderen Verkehrsteilnehmern geschickt ausweichen und vernünftig um die Kurven driften. Letzteres fällt in Driver: San Francisco anfangs sehr gewöhnungsbedürftig aus, doch schon nach kurzer Zeit funktioniert dies hier schon wesentlich besser, als im aktuellen Konkurrenten Need for Speed: The Run, wo wir es auch am Ende des Spiels nur mit Mühe und Not geschafft haben. Obwohl der Titel für sich genommen mit einer ordentlichen Technik und einem innovativen Shift-System punkten kann, verstehen wir die Logik des letzt genannten Features oft nicht. John Tanner, ein Polizist, liebt es anscheinend, das Leben Unschuldiger zu opfern, um sein Ziel zu erreichen. Die Auflösung der Shift-Funktion stellt sich wiederum dagegen, doch weiß der Charakter das bis zu jenem Zeitpunkt nicht. Das hätte Ubisoft auffallen müssen. Trotzdem ist Driver: San Francisco bis auf wenige (recht unfaire) Momente ein tolles Spiel, das sich nicht nur Driver-Fans anschauen dürfen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-3-Fassung): Es ist jetzt bestimmt zehn Jahre her, seitdem ich das letzte Mal Driver auf der PlayStation und dem PC gespielt habe. Damals kam ich nur mit Mühe und Not über das Tutorial hinaus, welches wirklich sehr kompliziert ausgefallen ist. Das ist zum Glück bei Driver: San Francisco nicht mehr der Fall, denn hier ist der Einstieg angenehm einfach gehalten, die nachfolgenden Missionen hingegen nicht. Es ist teilweise sehr schwierig, die Aufgaben ohne zu schummeln zu meistern. Mit Schummeln meine ich das Shiften, denn bei einem Rennen würde ich mich gerne selbst auf mich verlassen, doch besonders das letzte Rennen ist ohne Shiften meiner Meinung nach nicht zu schaffen. Auch im Online-Modus Verhaftung könnte ich gut und gerne auf das Feature verzichten, um die Atmosphäre glaubhafter zu gestalten. Trotzdem finde ich die neuen Funktionen toll, da sie Abwechslung in dem mittlerweile recht drögen Rennspielalltag bringen. So hat mir besonders die Mission gut gefallen, wo ich in fünf Autos quer verteilt über San Francisco shiften musste, um fünf Bomben an fünf verschiedenen Orten zu entschärfen. Die Missionsvielfalt ist zudem das Highlight des Spiels, denn nicht nur die Aufgaben, wie etwa einen Truck stets über 95 Stundenkilometer zu halten, bevor dieser explodiert, sind ansprechend, sondern auch die Stories dahinter. Illustre Gestalten in Verbindung mit John Tanners Humor sind einfach eine Nummer für sich. Obwohl Driver: San Francisco ein paar Macken hat, kann ich das Spiel am Ende jedoch empfehlen, da mir zumindest der Online-Modus gleich noch mal so viel Spaß gemacht hat.

Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Driver: San Francisco!

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