Review: Der Gott des Gemetzels

Angelehnt an das Theaterstück Le dieu du carnage der Französin Yasmina Reza, welches im Dezember 2006 in Zürich uraufgeführt wurde, ist Der Gott des Gemetzels die Verfilmung von Roman Polanski. Anfang 2011 wurde die Komödie in Paris gedreht.

Nachdem der Film im November des letzten Jahres in den deutschen Kinos anlief, erschien er nun endlich auf Blu-ray und DVD, womit wir nun auch einen Blick auf die Komödie werfen konnten. Der elfjährige Sohn von Nancy und Alan Cowan hat im Park einem gleichaltrigen Jungen mit einem Stock gleich zwei Zähne ausgeschlagen. Worum es bei dem Streit ging, bleibt zunächst einmal unklar. Das ist ein Skandal, finden Penelope und Michael Longstreet und laden die Eltern des Täters zu sich nach Hause ein, um den Vorfall festzuhalten. Hier wird bereits klar, dass sie es sehr genau nehmen und versuchen, ihren Sohn in Schutz zu nehmen. Nachdem Penelope im Beisein der anderen am Computer den Fall für die Versicherung niedergeschrieben hat und sich alle vier auf die richtige Wortwahl geeinigt haben (die Cowans sind absolut nicht damit einverstanden, dass ihr Sohn angeblich mit diesem Stock bewaffnet gewesen sein soll), scheint die Situation geklärt zu sein. Nun will das Ehepaar Cowan die Wohnung eigentlich schon wieder verlassen und stehen bereits mit Mänteln bekleidet im Hausflur, da fragen die Longstreets, ob sie nicht doch noch auf einen Kaffee und ein Stück Kuchen bleiben wollen. Mit diesen Worten nimmt das Kammerspiel mit den vier Darstellern seinen Lauf.

Vier Charaktere – ein Handlungsort

Zunächst geben sich alle Beteiligten des Vorfalls sehr umgänglich und sind bereit dazu, das Problem friedlich aus der Welt zu schaffen. Es wird ein Treffen der beiden Kinder vereinbart, damit sie sich aussprechen können. Doch nach und nach kommen immer mehr Probleme der Eltern zum Vorschein, was den eigentlichen Grund des Zusammensitzens in den Hintergrund rücken lässt. Die Beziehung der Cowans wird beispielsweise durch Alans Beruf als Anwalt eines Pharma-Konzerns negativ beeinträchtigt. Während des Gesprächs telefoniert Alan sogar ständig mit seinen Mandanten, was zunächst nur seine Gattin Nancy nervt. Insgesamt scheint Alan sich auch nicht wirklich für die Situation zu interessieren und ist sogar der Meinung, sein Sohn sei ein Wahnsinniger, der sich niemals seiner Schuld bewusst würde. Anfängliche Sympathien werden unter anderem dadurch zunichte gemacht, dass Michael Longstreet den Hamster seines Sohnes wohl einfach vor dem Haus auf der offenen Straße ausgesetzt hat, was vor allem Nancy nicht verstehen kann. Mit Ausnahme von kurzen Abstechern in Flur, Bad und Küche spielt der gesamte Film im Wohnzimmer der Longstreets. Diese Kulisse ist aber sehr gut gewählt, da hier die Nähe der Charaktere zueinander besonders gut möglich wird und sich der Einzelne dieser Situation kaum entziehen kann.

Wenn Alkohol die Zunge lockert

Somit ist es nicht verwunderlich, dass die vier Erwachsenen ab der zweiten Hälfte des Films allmählich immer weniger Acht darauf geben, nicht aus dem Rahmen zu fallen und ihre Gedanken frei heraus aussprechen. Vor allem als sich der Frust so weit aufgestaut hat, dass zum Alkohol gegriffen wird, nimmt niemand mehr ein Blatt vor den Mund. Dann wird sich gegenseitig angegiftet, nach und nach werden die Hüllen fallengelassen und die Fassade der wohlhabenden Eltern beginnt langsam zu bröckeln. Während die beiden Paare vorher noch mehr oder weniger zusammengehalten haben, vertritt nun jeder seine eigenen Positionen. Der Alkohol hat sogar Auswirkungen auf die Kameraperspektiven. Während zuvor ausschließlich auf einem Stativ gedreht wurde, wird mit Einnahme des Scotch auch die Kamera freier und leicht wacklig. Das Bildformat ist bei Der Gott des Gemetzels in 16:9 (2,35:1) gehalten. Die Bildqualität ist durchgehend sehr gut – das Bild macht einen gestochen scharfen Eindruck. Akustisch gibt es wahlweise die deutsche oder die englische Synchronisation in DTS-HD auf die Ohren. Für Gehörlose ist sogar eine eigene Fassung auswählbar. Hier sind Szenerie und Handlungen äußerst detailliert beschrieben. Der Bonusgehalt der Blu-ray fällt leider recht mager aus. Neben (durchaus interessanten) Interviews mit den Darstellern des Films erhalten wir lediglich Informationen zu ihnen und den originalen Kinotrailer zu Roman Polanskis Verfilmung des Theaterstücks. Fans von Making-ofs, Outtakes und nicht verwendeten Szenen gehen demnach leider leer aus. Wer aber einmal eine erfrischende Komödie erleben möchte, muss zuschlagen!

Geschrieben von Patrick Overkamp

Patricks Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Als großer Sympathisant von Christoph Waltz war relativ schnell klar, dass ich mir Der Gott des Gemetzels auf jeden Fall anschauen werde. Als dann auch noch die Empfehlung von ein paar Freunden hinzu kam, wurde der Plan noch einmal bestätigt. Die Geschichte war mir nicht bekannt, da ich von dem Theaterstück, auf dem der Film basiert, vorher noch nichts gehört hatte, aber so konnte ich wenigstens ganz frisch ohne Erwartungen an den Film rangehen. Und ich wurde wirklich nicht enttäuscht. Obwohl es eigentlich um eine ernste Sache geht, wird damit sehr unterhaltsam umgegangen, was nicht zuletzt an Christoph Waltz liegt. Dieser ist in seiner Rolle als Alan Cowan erfrischend ehrlich und durch seine Einstellung zu der ganzen Geschichte bringt er die nötige Lockerheit mit ein. Aber auch sonst ist die Besetzung äußerst gut gewählt. Ich hatte zum Schluss den Eindruck, es hätte gar keine bessere Besetzung für Der Gott des Gemetzels geben können. Hervorragend!

Vielen Dank an Constantin Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Der Gott des Gemetzels!

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