Review: Darksiders

Mit der Videospielserie The Legend of Zelda beweist Nintendo jedes Mal aufs Neue, wie man eine Reihe verändern und trotzdem dem Spielprinzip weitgehend treu bleiben kann. Mit dem Titel Darksiders wollte THQ 2010 ein Stück vom Erfolg des Vorbilds abhaben.

An jenem Morgen hätte sich wohl niemand vorstellen können, dass er den Abend nicht mehr erleben wird. Jener Tag begann wie jeder andere, doch ein plötzlicher Meteoritenregen hat das Leben der Menschheit schlagartig von einem Moment auf den anderen verändert. Der Vorfall ist nämlich nichts anderes, als die in der Bibel prophezeite Apokalypse. Wenig später lassen sich auch schon die ersten Engel und Dämonen auf der Erde blicken, die gegeneinander Krieg führen. Krieg ist das zentrale Element von Darksiders, doch nicht, weil dieser Bestandteil der Handlung ist, sondern dass wir ihn verkörpern. Mit dem apokalyptischen Reiter Krieg müssen wir uns zunächst einen Weg durch die Stadt suchen, welche uns entfernt an New York City erinnert. Überall explodiert etwas, um Hilfe schreiende Menschen laufen durch die Straßen und biblische Gestalten tauchen aus dem Boden und dem Himmel auf. Selten wird ein Spiel pompöser eingeleitet. Leider hat aber auch die Apokalypse einen Haken, denn diese sollte zu jenem Zeitpunkt noch gar nicht eingeleitet werden. Schnell wird ein Sündenbock gesucht und die Auswahl fällt ausgerechnet auf uns. Einhundert Jahre nach der Apokalypse bekommen wir endlich unsere Chance, Rechenschaft vor dem Rat abzulegen, um unseren Ruf reinzuwaschen. Zu allem Übel wird ihm auch noch ein dämonischer Beobachter an die Seite gestellt.

Unter Beobachtung

Der Beobachter soll jederzeit ein wachsames Auge auf den Reiter werfen und den Rat über all seine Aktivitäten unterrichten. Gelegentlich mischt er sich auch in unsere Handlungsweise ein – wer jetzt an Navi aus The Legend of Zelda: Ocarina of Time denkt, der darf jedoch beruhigt aufatmen. Der Beobachter erreicht niemals das nervige Potential von Links persönlicher Fee, denn anstatt uns ständig Hilfestellungen zu geben, verweigert dieser lieber seinen Dienst und lässt uns einfach machen. Das ist auf der einen Seite natürlich schön, doch sobald wir einmal nicht weiterwissen und eventuell seine Hilfe in Anspruch nehmen müssten, ist das dann doch mehr als ärgerlich. Aufgrund der recht linearen Spielstruktur kommt das aber so gut wie nie vor. Verlaufen können wir uns in Darksiders auf der Oberfläche ohnehin nicht, denn der Weg ist in der Regel schmalspurig und vorgegeben. Am Rande tauchen allerdings immer wieder Stellen auf, die wir erst im späteren Spielverlauf erreichen können. Backtracking ist das aber nicht, denn an diesen Orten gibt es eigentlich immer nur Geheimnisse zu entdecken, die dem Krieg auf seiner Reise nützlich sein können. Beispielsweise finden wir in Schatztruhen einen von immer jeweils vier Lebenssplitter, die dann zu einem Lebensstein verschmelzen und die Energie des Reiters verbessern. Selbiges gilt auch für die Zornanzeige, die sich immer dann leert, wenn wir Spezialtechniken einsetzen.

Bekannte Mechaniken

Nicht nur das dürfte The-Legend-of-Zelda-Spielern bekannt vorkommen, denn um eben jene beschriebenen Orte erreichen zu können, müssen wir die in den Dungeons gefundenen Items einsetzen. Da gibt es zum Beispiel einen Enterhaken, um an markierten Stellen von der einen Plattform auf die andere schwingen zu können oder einen Klingenbumerang, mit denen wir erst eine Feuerstelle anvisieren und dann auf eine Bombe zielen. Bei Berührung explodiert die Bombe und zerbröckelt im Anschluss in der Regel eine Mauer und legt so einen Durchgang zu einem Geheimnis frei. Diese Spielerei taucht dementsprechend nicht nur auf der Oberwelt, sondern auch in den einzelnen Dungeons auf. Kaum haben wir einen Raum eines Dungeons betreten, gilt es auch schon ein Rätsel zu lösen. Manchmal müssen wir da einfach nur ein von einer Engelstatue gehaltenes Schwert zu einer Statue tragen, die kein Schwert in Händen hält oder einen Block von einem Podest schubsen, um diesen an eine Stelle im Raum zu schieben, von wo aus wir eine neue Anhöhe erreichen können. Die Mechaniken haben wir als Fans des Hylianers bereits vor Jahrzehnten verinnerlicht und sie funktionieren in Darksiders ebenso gut. In den Dungeons lauert am Ende selbstverständlich auch ein Bossgegner, den wir bekämpfen müssen, um die Handlung vorantreiben zu können.

Ausgeburten der Hölle

Die Bosskämpfe sind die Höhepunkte des Spiels. Riesenfledermäuse, Riesensandwürmer oder Riesenspinnen gilt es in Darksiders zu bekämpfen. Auch hier orientieren sich die Entwickler von Vigil Games an Nintendos Erfolgsserie, da immer jeweils das zuletzt gefundene Item im Kampf eingesetzt werden muss. Sobald die Taktik eines Bossgegners durchschaut ist, geht der Kampf in der Regel schnell zu Ende. Nervig ist jedoch so mancher Kampf zwischendurch, da die Gegner in der zerstörten Spielwelt oft in Scharen auftreten und an einigen Stellen sogar in unfairen Kombinationen. Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad mussten wir im einen oder anderen Moment ordentlich schlucken, zumal wir an einer ganz bestimmten Stelle keinerlei Möglichkeit hatten, uns beim Händler mit Heilgegenständen auszurüsten und wir selbst keins von diesen Objekten dabei hatten – brauchen tun wir die in Darksiders nämlich nie, zumal sie auch sehr teuer sind. Immerhin haben sich die Entwickler beim Währungssystem eigenständig etwas ausgedacht, denn besiegte Gegner hinterlassen eine bestimmte Anzahl an Seelen. Diese können entweder heilende Wirkung haben, unsere Zornleiste wieder auffüllen oder einfach als Zahlungsmittel genutzt werden. Bei Händler Vulgrim dürfen wir diese dann auch für gewisse Fähigkeiten im Umgang mit Schwert und Sense ausgeben oder so gar Zaubersprüche erlernen.

Vernetzte Spielwelt

Obwohl das Grundgerüst von Darksiders für sich genommen funktioniert, sind es die anderen wichtigen Teile, die dem Spiel schaden. So ist die Handlung zwar interessant, doch im Spiel tauchen nur wenige Charaktere auf, welche die Story vorantreiben und noch dazu werden sie fast gar nicht charakterisiert. Das kann selbst der eine oder andere Teil von The Legend of Zelda besser. Ebenfalls besser macht Nintendos Serie die Spielwelt. Diese wirkt in Darksiders zu eng und selten gibt es Gebiete, die zum Dauererkunden einladen, wenn auch in allen Ecken ein Geheimnis auf Krieg wartet. Noch dazu ist es nervig, ständig Vulgrim aufzusuchen, um von einem besuchten Ort zum nächsten zu reisen, denn anstatt eine Schnellreisefunktion zu integrieren, müssen wir den so genannten Schlangenpfad in einer Zwischenwelt bereisen, um von einem Händlerplatz zum nächsten zu gelangen. Das zieht sich insbesondere dann in die Länge, wenn wir gegen Ende des Spiels die restlichen Geheimnisse der Spielwelt aufdecken wollen. Das Drumherum kommt dann leider auch ohne Nebenaufträge aus. Das ist wirklich sehr schade, denn Texte der Bibel geben genug her, um interessante Nebencharaktere in der Spielwelt platzieren zu können. Fiktive Charaktere hätten ebenfalls noch Platz finden können, um abseits der eigentlichen Storyline Gründe für die Erkundung der zerstörten Erde zu geben.

Düsterer Stil

Optisch wird Darksiders in einem schönen Comic-Look wiedergegeben, welcher gekonnt das düstere Szenario darstellt. Flammen wirken bedrohlich und nicht albern und gefräßige Fische in den Tiefen der Seelandschaft wirken nicht weniger gefährlich. Leider spielt der Titel wenig mit Licht und Schatten, obwohl er dazu genügend Momente nutzen könnte. Ein Vorteil des düsteren Comic-Stils sind die fast nicht vorhandenen Ladezeiten. Der Titel lädt neue Gebiete unglaublich schnell und im Hintergrund nach. Nur selten müssen wir zwischendurch eine sehr kurze Standbild-Nachladepause ertragen. Trotz dieser technisch gesunden Infrastruktur, ist es in unserem Test gelegentlich zu unschönen Nachladerucklern gekommen, wenn auf dem Bild einfach zu viele Polygone berechnet werden mussten. Zu zwei Abstürzen ist es während der zwanzig Spielstunden, die wir für das Durchspielen gebraucht haben, ebenfalls gekommen. Das fällt zwar nicht besonders stark ins Gewicht, da der Titel sehr oft automatisch das Spiel speichert, doch ist besonders dann ärgerlich, wenn wir gerade tief in die Spielwelt eingetaucht sind und so unliebsam aus der Session geworfen werden. Das Spiel wird vergleichsweise mit einem epischen Soundtrack untermalt, doch ist die musikalische Untermalung fast nie zu hören. Warum das so sein soll, wissen wohl nur die Entwickler. Wir finden es doof.

Höhen und Tiefen

Bei der Steuerung hätten sich die Entwickler ebenso mehr Mühe geben können. Zwar ergibt der Mix aus Angriffen, Blocken und Ausweichen Sinn und sogar die Spezialfähigkeiten sind über schnelle Tastenkombinationen auswähl- beziehungsweise einsetzbar, doch die Köpfe bei Vigil Games hätten sich vor allem bei der Bedienung in Bezug auf die Gegenstände mehr an der The-Legend-of-Zelda-Reihe orientieren können. Gerade einmal einen Gegenstand können wir aus einem der drei Slots, die über das Steuerkreuz auswählbar sind, benutzen. Besonders in brenzligen Situationen ist das nicht gerade förderlich. Ebenso nervig ist die Bedienung des Kartenbildschirms. Wie im Vorbild können wir zwischen den Ebenen wechseln, um zu sehen, wo denn noch Schatztruhen oder Artefakte auf unsere Bergung warten. Es gibt jedoch keine Zoom-Funktion, was die Navigation umständlich macht. Halten wir also fest: Darksiders hat eine passable Story, die aber nicht über ein paar Höhe- und einen Wendepunkt herausragt. Die Nebencharaktere werden kaum charakterisiert und sind somit bloßes Zierwerk für die Rahmenhandlung, zumal für ein Action-Adventure wichtige Nebenaufträge fehlen und die Spielwelt somit gänzlich auf eigene Faust erkundet werden muss. Wer damit leben kann, wird mit Darksiders aber jede Menge Spaß haben, denn eine bessere Alternative zu The Legend of Zelda gibt es derzeit nicht.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Xbox-360-Fassung): Als ich mir vor zweieinhalb Jahren die ersten Reviews zu Darksiders durchgelesen habe, war ich doch recht positiv gestimmt, da sich das Spiel vor allem an große Serien wie The Legend of Zelda, Devil May Cry, Portal oder Metroid orientiert und aus diesen Reihen beliebig Spielinhalte kopiert und kombiniert. Es gibt jedoch nur wenige Punkte im Spiel, die Darksiders eine Eigenidentifikation verleihen, beispielsweise die unterschiedlichen Seelen und das unverbrauchte Szenario. Das ist sehr schade, da ich den Entwicklern bei Vigil Games durchaus zutraue, dass sie noch ein deutlich besseres Spiel hätten machen können. Vielleicht haben sie dieses Ziel ja beim zweiten Teil der Reihe erreicht, den ich in Kürze für die Wii U spielen werde und mich dann entsprechend in jenem Review noch zu Wort melden werde, doch zurück zum ersten Teil: Darksiders ist für mich ein Titel, den ich gerne gespielt habe, aber sicherlich nicht nochmal spielen werde. So toll die Mechaniken aus The Legend of Zelda in Darksiders auch funktionieren – ich spiele lieber das in meinen Augen deutlich bessere Original von Nintendo und bekomme dann auch noch von Spiel zu Spiel noch unterschiedliche Elemente geboten, die jeden Teil einzigartig machen. Darksiders ist also bei weitem kein geniales Spiel, aber immer noch ein gutes, welches sich Genre-Fans unbedingt einmal anschauen sollten. Wer sich unschlüssig ist, kann sich des Kriegs apokalyptisches Abenteuer auch in der Videothek übers Wochenende ausleihen, denn eine lange Spielzeit hat der Titel, sofern man nicht jedes Geheimnis aufdecken will, nämlich leider nicht.

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