Review: Royal Space Force: The Wings of Honnêamise

Nicht immer ist es Filmen vergönnt, schnell auf neuen Datenträgern verfügbar zu sein. Dies betrifft auch den Anime Royal Space Force: The Wings of Honnêamise aus dem Jahr 1987, der verhältnismäßig spät im Jahr 2020 hierzulande erstmals auf DVD und Blu-ray erschien.

Regisseur Yamaga Hiroyuki erzählt in seinem Science-Fiction-Film Royal Space Force eine Geschichte, die auf einem erdähnlichen Planeten angesiedelt ist. Technologisch ist die Welt, in der Hauptfigur Shirotsugh Lhadatt lebt, noch nicht sonderlich weit entwickelt. So gibt es bisher nur den ersten Ansatz eines Weltraumprogramms und noch kein Mensch hat jemals den Planeten verlassen können. Das titelgebende Königreich Honnêamise beginnt mit der Ausarbeitung eines Programms, bei dem sich Lhadatt freiwillig meldet. Allerdings geht hinter den Kulissen nicht alles mit rechten Dingen zu, wodurch auch die benachbarte Republik in die Realisierung des Programms einbezogen wird. Kurz darauf stehen alle Anzeichen auf Krieg zwischen den beiden Nationen, in denen Lhadatt zu einem Spielball wird. Dieser muss sich im Verlauf der Handlungen mit Höhen und Tiefen auseinandersetzen. Auf der einen Seite will er als erster Astronaut der Welt in die Geschichte eingehen, muss auf der anderen Seite aber einen schweren Werdegang antreten. Unter anderem verliert er Kameraden, wird enttäuscht und demotiviert, was ihn zu bösen Taten wie der versuchten Vergewaltigung an seiner Freundin Riquinni Nonderaiko treibt. Royal Space Force erzählt eine erwachsene und spannende Geschichte, die weit über das Science-Fiction-Genre hinausgeht und regelrecht paralysiert.

Mitreißende Atmosphäre

Ebenso beschäftigt sich der Film mit Gegensätzen. Unter anderem werden Glauben und Wissenschaft gegenübergestellt. Auch reale Parallelen wie das Wettrennen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion sind Teil der Metaebene. Auf der akustischen Seite erklingt in allen Szenen die tolle Musik von Komponist Sakamoto Ryūichi, die sich auf ruhige als auch beklemmende Stücke konzentriert. Der Soundtrack ist sowohl in der deutschen Tonspur im Format PCM Stereo als auch im nicht weniger gelungenen japanischen Originalton im Format DTS-HD Master Audio 5.1 ein wahrer Genuss für die Ohren und ein Gewinn für die wunderbaren Bilder des Films. Beide Tonspuren kommen auch nicht ohne die passenden Synchronsprecher aus. In der deutschen Synchronisation wird Lhadatt beispielsweise von Matthias Haase und Nonderaiko von Ilya Welter gesprochen, die besonders gut die emotionalen Ausbrüche der Figuren konnotieren. Im Japanischen sind es Morimoto Leo und Yayoi Mitsuki, die diese beiden Charaktere in Royal Space Force sprechen. Besonders die deutsche Fassung fällt hierbei sehr positiv auf, da es recht häufig ein Wiederhören mit Sprechern gibt, die sich bei der Synchronisation von Anime zwanzig Jahre nach der Vertonung nicht mehr beteiligen oder gar schon verstorben sind, wie zum Beispiel Heinz Ostermann.

Zauberhafter Anime-Klassiker

Optisch besticht Royal Space Force mit dem Animationsstil der späten 1980er-Jahre. Figuren sind bedacht gezeichnet, wirken nie überdreht und auch die Farben sind alles andere als kräftig. Diese fügen sich in eine blasse Welt ein, die den Zuschauer mit fantasievoller Ideen und Technologien verblüfft. So ist die Architektur der Wohnhäuser sehr verschnörkelt, Züge werden an oval gekrümmten Oberleitungen zu ihrem Zielpunkt geleitet und alle Figuren tragen altertümliche Kleidungen. Dies ergibt ein stimmiges Gesamtbild, das glaubhaft und nie albern ist. Wer genau hinschaut, entdeckt auf dem Bild der Blu-ray Disc im Full-HD-Format ein paar altersbedingte Verunreinigungen, die aber bei gesundem Abstand zum Fernsehbildschirm für das menschliche Auge kaum bis gar nicht zu erkennen sind. Auch wenn der Anime-Film im 16:9-Format vorliegt, füllt das Bild nicht den ganzen Bildschirm aus, sodass rundherum leichte schwarze Begrenzungen zu erkennen sind. In Anbetracht dessen, dass der Film zwischen 1996 und 2020 im deutschsprachigen Raum de facto nur auf VHS verfügbar war, ist das aber ein meilenweiter Sprung nach vorne, der den Klassiker von Animationsstudio Gainax würdigt, das vor allem für das oft hochgelobte Neon Genesis Evangelion bekannt sein dürfte. Fans von Science-Fiction-Szenarien werden hier von der ersten bis zur letzten Minute verzaubert.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Royal Space Force: The Wings of Honnêamise ist ein spannender Science-Fiction-Anime-Film, in dem sich die Ereignisse zunächst nach und nach aufbauen, sich zum Ende der Geschichte hin aber mehr und mehr überschlagen. Nicht nur der Kern der Handlung, die Reise in den Weltraum, sondern auch die darum angesiedelten Geschichten um Hauptfigur Shirotsugh Lhadatt sind sehr interessant gestaltet. Dabei erreichen sie eine erwachsene Erzähltiefe, wenn zum Beispiel der Zwist zwischen Glauben und Wissenschaft gelöst oder eine Vergewaltigung verhindert wird. Großartig ist auch der sehr bedachte Zeichenstil der späten 1980er-Jahre, der mit blassen Farben tatsächlich wie eine Schablone zum ernsten Grundton passt. Ebenfalls überzeugend sind die Tonspuren, die sowohl im Deutschen als auch im Japanischen mit wunderbaren Sprechern aufwarten. Royal Space Force überzeugt von der ersten bis zur letzten Minute und verzaubert jedweden Science-Fiction-Fan, der von Ton, Bild und Inhalt regelrecht paralysiert werden dürfte.

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Royal Space Force: The Wings of Honnêamise!

© BANDAI VISUAL / GAINAX (Bildmaterial)

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