Review: The Empire of Corpses

2009 verstarb der japanische Science-Fiction-Autor Itō Satoshi im Alter von 34 Jahren. Unter seinem Künstlernamen Project Itō veröffentlichte er viele Werke, von denen drei nach seinem Tod in Anime-Form umgesetzt wurden. Den Anfang macht der Film The Empire of Corpses.

Im ersten Teil der so genannten Project-Itō-Trilogie wird der Zuschauer ins Jahr 1878 versetzt. Am Ende des 19. Jahrhunderts macht die Menschheit einen großen technologischen Sprung, denn seit rund einhundert Jahren beherrscht die Leichentechnologie die Gesellschaft. Obwohl die Bevölkerung zunächst Angst vor dem technischen Fortschritt hatten und diesen sogar als Gotteslästerung betrachteten, konnte sich die neue Technologie durchsetzen. So muss sich der weibliche Anteil der Bevölkerung nicht mehr um ihre Ehemänner und Söhne sorgen, denn statt den Lebenden werden nun die Toten im Krieg geopfert. Die gesellschaftliche Akzeptanz geht in The Empire of Corpses jedoch ins Philosophische über, denn es heißt, dass nach dem Tod ein Leichnam 21 Gramm weniger wiegt. Dieses geringe Gewicht ist der Seelenstoff, der die Person zum Menschen machte. Durch den Austausch des ominösen Seelenstoffs ist es der Menschheit über Lochkarten möglich, Tote beispielsweise als Kutscher oder sonstige Diener zu versklaven. Zurückzuführen ist dies auf den Wissenschaftler Victor Frankenstein, der vor einhundert Jahren den ersten Toten zurückgeholt hat. Frankenstein war es jedoch möglich, ein Wesen zu schaffen, das reden, Liebe empfinden und sogar Mordgedanken entwickeln konnte. Frankensteins Kreation verschwand jedoch mit den Aufzeichnungen seines Erschaffers.

Science-Fiction- und Abenteuerfilm

Genau an dieser Stelle kommt der Protagonist von The Empire of Corpses ins Spiel, den der Zuschauer aber vermutlich eher aus einem anderen Werk kennen dürfte. Gemeint ist damit der junge Medizinstudent John Watson. Dieser hat seinen verstorbenen Freund Friday aus dem Totenreich verbotenerweise zurückgeholt, doch bleibt dieser wie jeder andere Zurückgeholte eine seelenlose Puppe, die nur einfachen Anweisungen Folge leisten kann. Von einem Mann namens M erwischt und erpresst, muss er fortan für das britische Empire und die Königin arbeiten. Seine Reise führt ihn unter anderem nach Indien, Afghanistan oder Japan – immer auf der Suche nach den Aufzeichnungen von Doktor Frankenstein. Unterwegs trifft Watson auf verschiedene historische Persönlichkeiten wie den britischen Militär Frederick Gustavus Burnaby oder den japanischen Offizier Yamaza Seigo, die ihn auf seiner Reise begleiten oder zumindest unterstützen. So müssen sich die Charaktere sowohl mit einem durchgedrehten russischen Wissenschaftler, der Bomben in die lebenden Leichen einpflanzt und als Waffe einsetzt, als auch mit toten Samurai auseinandersetzen, die sie in Kämpfe verwickeln. Es folgt ein spannendes Erlebnis auf das andere, sodass aus dem Science-Fiction-Werk ein Abenteuerfilm wird, der den Zuschauer mit wundervollen und wundersamen Ereignissen überschüttet.

Paralysierender Film über Leben und Tod

The Empire of Corpses von Studio Wit zaubert optisch ein Feuerwerk der Effekte ab. Der erwachsene Stil wird mit tollen Lichteffekten und sehr flüssigen Animationen begleitet. Hinzu kommen wie in einem Film von Regisseur Werner Herzog einprägsame Landschaftsbilder, in denen verschneite Berge mit Wolkenfetzen oder dem Sternenhimmel überzogen sind. Studio Wit, das auch für die Serie Attack on Titan verantwortlich ist, zeigt im Film von Makihara Ryōtarō sein ganzes kreatives Schaffen. Jede einzelne Szene wird im 16:9-Bildformat auf Blu-ray inklusive der Auflösung in 1080p zu einem düsteren Erlebnis, an dem sich der Zuschauer nicht sattsehen kann. Ebenfalls gut gelungen ist die deutsche Synchronisation, die mit den überaus prägnanten Stimmen von Erich Räuker, Sebastian Schulz und Co sehr gut besetzt ist. Letzterer spricht Watson ulkigerweise auch in der Fernsehserie Sherlock und könnte somit nicht passender sein. Im Japanischen wird er hingegen von Hosoya Yoshimasa, den Vielgucker aus zahlreichen Anime-Serien kennen dürften. Zusammen mit dem packenden Soundtrack ergibt sich so ein atmosphärisches Gesamtwerk. Wer die Blu-ray erwirbt, bekommt den Film nur im Doppelpack mit einer DVD, was ein wenig ärgerlich ist. Trotzdem: Wer sich auf The Empire of Corpses einlässt, wird einen Film erleben, den er nicht mehr so schnell vergisst.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray- und DVD-Fassung): The Empire of Corpses ist ein faszinierender Film über Leben und Tod sowie den Grenzen und Überschreitungen zwischen den beiden Zuständen. An vielen Stellen bleibt die Geschichte bewusst philosophisch, was jedoch dem interessanten und düsteren Szenario zugute kommt. Ebenfalls tragen die vielen Anspielungen an Werke wie Frankenstein, Sherlock Holmes oder Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer und die Erwähnung von diversen historischen Persönlichkeiten wie Thomas Alva Edison oder Charles Babbage der düsteren Stimmung bei, die für den Zuschauer somit wesentlich greifbarer ist. Mit der Zeit entwickelt sich die aus vielen Stoffen bunt zusammengenähte Science-Fiction auch zu einem intelligent durchorganisierten Abenteuerfilm, der die Protagonisten vor dutzende Herausforderungen stellt, die für ordentliche Spannung sorgen. Fans des Science-Fiction-Genres kommen definitiv nicht um The Empire of Corpses herum!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Empire of Corpses!

 

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