Review: Kwaidan ~Azuma Manor Story~

Kwaidan ~Azuma Manor Story~ erschien zwar bereits Anfang 2020 für den PC und die PlayStation 4, doch wie so häufig ließ die Nintendo-Switch-Fassung auch in diesem Falle einige Monate auf sich warten. Für Fans altbackener Spiele hat sich das Warten aber gelohnt.

In Kwaidan ~Azuma Manor Story~ schlüpfen wir in die Rolle der Hōsōshi Haruka. Nachdem ihr Meister von einer riesigen Schlange in einen Frosch verwandelt wird, begibt sie sich zum naheliegenden Herrenhaus der Familie Azuma. Beim Amt der Hōsōshi handelte es sich einst um Priester, die das Böse aus der Welt vertreiben sollten, wurden mit der Zeit aber selbst als das Böse angesehen. Auf diese Thematik geht das Spiel zwar nicht ein, doch muss es das auch gar nicht. Die Monsterjagd nach Survival-Horror-Art unterhält auch ohne die tiefgründige Auseinandersetzung mit historischen Ämtern. Kwaidan ~Azuma Manor Story~ spielt in den 1930er-Jahren beziehungsweise in den ersten Jahren der Shōwa-Zeit. Auf die japanische Zeitzählung nimmt das Abenteuer hier und da Bezug, womit einmal mehr unterstrichen wird, wie sehr sich das Spiel mit der kulturellen Identität Japans und seiner Mythologie beschäftigt. Unterwegs im titelgebenden Herrenhaus treffen wir nicht nur auf kleine und große Monster, sondern auch auf die letzten Überlebenden. Wir retten sie aus den Klauen der gefährlichen und gefräßigen Yōki, wie die übernatürlichen Wesen im Spiel genannt werden. So kommt auch die Story in Schwung, die durch Dialoge mit den Überlebenden und dem Lesen von Tagebucheinträgen mehr und mehr über das dunkle Geheimnis der Familie Azuma offenbart.

Altbackenes, aber funktionierendes Kampfsystem

Um gegen die Yōki bestehen zu können, müssen wir uns auf drei verschiedene Arten gegen sie wehren. Alle drei Angriffsmethoden sind auf die Offensive ausgelegt. Während wir mit Harukas Naginata, einer Stangenwaffe, Gegner auf gleicher Höhe attackieren, nutzen wir die Kraft eines Magatama, eines kommaförmigen Edelsteins, um Monster am Boden den Garaus zu machen. Fliegende Dämonen wollen hingegen mit einem Spiegel geblendet und ausgeschaltet werden. Uns gefallen diese Angriffsmethoden sehr, da sie das langsame Kampfsystem leicht abwechslungsreich machen. Hinzu kommt ein Abwehrmechanismus, bei dem wir auf Knopfdruck zum einen den Angriff abblocken, zum anderen gleichzeitig aber rückwärtsgehen. Das klingt schon beim Lesen altbacken und das ist es grundsätzlich auch. Wer sich jedoch einmal in die starre Steuerung vertieft und besonders die Ausweich- und Angriffsmechanismen der überschaubaren Anzahl an Gegnertypen frühzeitig erkennt, kommt außerordentlich gut mit den Feinden zurecht. Unterm Strich ist dieses Gameplay-Element auch überaus wichtig für den Spielspaß. Da Kwaidan ~Azuma Manor Story~ reiner Survival-Horror ist, sind Heilmittel rar gesät. Sind wir nicht ständig auf der Hut, verlieren wir unnötig Lebensenergie und Medizin. Hinzu kommt, dass wir wie im beliebten Genre-Klassiker Resident Evil nur begrenzt oft speichern können.

Einfluss von Point-and-Click-Adventures

Ebenfalls für Klaustrophobie sorgen die oft engen Gänge. Gerade wenn wir glauben, einmal durchatmen zu können, tauchen hinter der nächsten Ecke Monster auf, die uns ans Leder wollen. Aufgeweicht wird die Action regelmäßig mit ruhigen Momenten. Jederzeit haben wir die Möglichkeit, wie in einem Point-and-Click-Adventure mit einem – leider sehr schwerfällig zu bedienenden – Mauszeiger Objekte anzuklicken, um Hintergründe über das Anwesen zu erfahren und wichtige Items aufzuklauben. Diese landen in einem sehr limitierten Inventar und können von dort aus aktiviert werden. Wie für das Genre üblich, müssen Schlüsselobjekte an bestimmten Stellen eingesetzt werden. Kleinere Rätsel, die bis auf eines kaum Hirnschmalz erfordern, sind ebenfalls mit von der Partie. Hier überrascht uns das Abenteuer sogar mit dem Freischalten einer jederzeit aktivierbaren Ego-Perspektive, wodurch das Erkunden des Hauses noch ein wenig mehr Spaß macht. Am ehesten lässt sich Kwaidan ~Azuma Manor Story~ wohl mit Capcoms Onimusha: Warlords vergleichen. In technischer Hinsicht hinkt es dem PlayStation-2-Klassiker aus dem Jahr 2001 aber meilenweit hinterher. Die Texturen sind matschig, die Angriffsanimationen ein mittelmäßiger Witz und von einer Sprachausgabe gibt es keine Spur. Dennoch fesselt das eigentümliche Drama mit einer guten Portion Nostalgie für zwei bis fünf Stunden – und damit endet der Spuk für uns nach der genau richtigen Länge.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Da ich mit Survival-Horror-Spielen wie Resident Evil, Eternal Darkness und Co aufgewachsen bin, habe ich mich in Kwaidan ~Azuma Manor Story~ sofort heimisch gefühlt. Mir gefällt das japanische Setting, das sich stark mit der japanischen Kultur und Mythologie identifiziert. Es macht einfach Spaß, durch das Herrenhaus der Familie Azuma zu laufen, die zugänglichen Rätsel zu lösen und dabei mit der arg begrenzten Medizin und limitierten Speichermöglichkeiten hauszuhalten. Mit der Zeit lerne ich die Angriffsmechanismen der Yōki so nur besser kennen; die Immersion wird also gefördert. Abgesehen von den technischen Defiziten, die in dieser Form vom Entwickler aber so nur gewollt sein können, finde ich es allerdings sehr schade, dass das Spiel nur über einen einzelnen Speicherstand verfügt. Wer sich also einmal so übernimmt und plötzlich ohne Heilmittel dasteht, muss das Abenteuer, womöglich auch frustriert, noch einmal von vorne erleben. Zum Glück fällt Kwaidan ~Azuma Manor Story~ je nach Erfahrung des jeweiligen Spielertyps mit zwei bis fünf Stunden angenehm kurz aus, womit sich der Survival-Horror-Titel wunderbar als Lückenfüller vorm Schlafengehen anbietet.

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