Review: Onimusha: Warlords

Erstmals wurde Onimusha: Warlords im Jahr 2001 für die PlayStation 2 veröffentlicht. 2002 folgte noch eine Umsetzung für die Xbox, bevor der erste Serienteil für viele Jahre zumindest bei Capcom in Vergessenheit geriet. Dies sollte sich Anfang 2019 schlagartig ändern.

Onimusha: Warlords hat eine recht lange Entstehungsgeschichte, denn bereits 1997 dachte der japanische Publisher Capcom darüber nach, ein – der eigenen Resident-Evil-Marke nicht unähnliches – Spiel in der Sengoku-Zeit für das Nintendo 64DD zu entwickeln. Möglicherweise entschied sich Capcom aufgrund der zu geringen Verkaufszahlen der Nintendo-64-Peripherie dafür, die Entwicklung des Spiels für die PlayStation fortzusetzen. Als ungefähr die Hälfte der Entwicklung abgeschlossen war, veranlassten die Verantwortlichen bei Capcom, dass Onimusha: Warlords im Jahr 2001 für die Nachfolgekonsole PlayStation 2 veröffentlicht werden sollte – und somit wurde auch hier noch einmal die Entwicklungszeit verlängert. Im Januar 2001 war es dann aber endlich soweit und das teils an Resident Evil angelehnte Spiel stand in den japanischen Verkaufsregalen. Der Handlungsbeginn von Onimusha: Warlords kann ziemlich genau auf den 12. Juni 1560 datiert werden: Während der Schlacht von Okehazama kämpft Protagonist Akechi Samanosuke auf der Seite des ersten der drei Reichseiniger, Oda Nobunaga, gegen dessen Feind Imagawa Yoshimoto. Dieser fällt, wohlgemerkt historisch korrekt, bei der Schlacht. Dennoch sorgen künstlerische Freiheiten für eine alternative Geschichtsschreibung, da Oda Nobunaga bei der Schlacht ebenfalls sein Leben lassen muss.

Überschaubare Spielwelt, gefüllt mit wenigen Charakteren

Kurz darauf erhält Samanosuke von Prinzessin Yuki aus dem Geschlecht der Saitō einen unmissverständlichen Hilferuf. In der Provinz Mino, genauer gesagt in ihrem Heim, der Burg Inabayama, seien Dämonen eingefallen. Beim Eintreffen muss Samanosuke sehen, wie die Prinzessin von einem Oni entführt wird, woraus aus der Dämonenjagd auch noch eine Befreiungsaktion wird. Wie Odas vermeintlicher Tod mit der eigentlichen Story in Verbindung steht, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Fakt ist, dass Onimusha: Warlords mit einigen Überraschungen und Wendungen punkten kann. Abseits der Hauptfiguren gibt es zwar nur eine Handvoll Nebencharaktere, die jedoch durch die eine oder andere Unvorhersehbarkeit umso mehr dafür sorgen, dass es stets spannend bleibt. Wirklich groß ist die Spielwelt von Onimusha: Warlords ebenfalls nicht, denn neben überschaubaren Spielabschnitten wie einer Höhle, einem Kerker, dem Burgfried, einem Gefängnis, diversen Außenarealen und schließlich noch dem einen oder anderen Ausflug in die Dämonenwelt gibt es tatsächlich nicht. Da die Spielwelt allerdings bis auf sehr wenige Abschnitte vollkommen zusammenhängt, entwickelt sich schnell ein heimeliges Gefühl. Die Position jedes Zimmers, Korridors oder sogar Geheimgängen wird unverzüglich verinnerlicht, sodass Verlaufen nahezu ausgeschlossen ist.

Angenehme Rätselkost und geheimnisvolle Orte

Nicht nur mit der Größe der Spielwelt erinnert Onimusha: Warlords an Resident Evil, auch wie sich die Welt mit der Zeit öffnet, erinnert an Capcoms Survival-Horror-Spiel. Die Erkundung verläuft dabei zum Großteil sehr linear, hin und wieder gibt es jedoch Nebenräume oder Geheimnisse zu entdecken, sodass die stringente Erschließung der Burg kaum auffällt. Eine weitere Ähnlichkeit ist in den Rätseln zu finden, die die Spielwelt limitieren. Verschiedene Türen benötigen unterschiedliche Schlüssel, hin und wieder müssen Objekte kombiniert und diverse Schalterrätsel gelöst werden. Diese Rätsel sind zwar nur selten logisch, doch da sie auf ein erträgliches Mindestmaß reduziert sind, fallen sie auf Dauer absolut nicht so störend wie im geistigen Vorbild auf. Überall in der Spielwelt sind zudem Truhen platziert, die Heilkräuter, Pfeile für den Bogen, Talismane oder auch Energie-Erweiterungen für Samanosuke beinhalten. Es empfiehlt sich also, die Spielwelt stetig nach Geheimnissen und Verstecken abzusuchen. Manche Truhen können auch nur durch das Studieren von verschiedenen Texten geöffnet werden, die ebenfalls kreuz und quer in der Burg zu finden sind. Schade ist in diesem Zusammenhang nur, dass gewisse Spielabschnitte handlungsbedingt nicht noch einmal besucht werden können – und auch dort haben sich leider Texte und hilfreiche Items versteckt.

Ein Samurai mit besonderen Fähigkeiten

Zu neunzig Prozent des Spiels schlüpft der Spieler in die Haut des Samurais Samanosuke und kämpft dabei mit drei verschiedenen Schwertern, die den Elementen Blitz, Feuer und Wind zugeordnet sind. Jeder Schwerthieb fühlt sich je nach Waffe unterschiedlich an. Während die Blitzklinge für schnelle Hiebe bekannt ist, kann das Feuerschwert mit seinen langsamen Angriffen hingegen deutlich mehr Schaden anrichten. Wird sogar der Spezialangriff aktiviert, können durch den Verbrauch der eigenen Oni-Energie Gegner elektrisiert, verbrannt oder in einen Windstrudel gezogen werden. Mit einem Bogen und später auch mit einem Gewehr lassen sich auch auf Dächern stehende Scharfschützen ausschalten, was jedoch im Vergleich zum Schwertkampf eine sehr fummelige Angelegenheit ist. Wenn Samanosuke Feinde tötet, tauchen auf dem Bildschirm für kurze Zeit kleine oder große Seelen auf. Diese können auf Knopfdruck aufgesogen werden. Während rote Seelen für Waffenupgrades oder in die Herstellung von Munition oder Medizin investiert werden, können gelbe Seelen die Lebensenergie auffüllen. Weißblaue Seelen sind ebenso wertvoll, da sie die Oni-Energie auffüllen, mit der die Magie der drei Schwerter eingesetzt werden kann. Letzteres ist aber auch an nahezu jedem Speicherort möglich, nur die Lebensenergie gibt es in Onimusha: Warlords nicht gratis.

Eine stets unterlegene Kunoichi

In manchen Szenen wechselt das Geschehen zu Kaede, einer Kunoichi. Ihr Alleinstellungsmerkmal ist definitiv ihre Agilität. So schnell wie sie kann sich Samanosuke zu keiner Zeit bewegen. Dennoch spielt sich die Kunoichi sehr viel schwieriger als Samanosuke, da sie nicht über die Fähigkeit verfügt, Seelen zu absorbieren. Wer im Spiel pausenlos die knappen Kräuter- und Medizinvorräte verschlingt und dann mit der arg benachteiligten Kaede über keine Heilungsmöglichkeiten verfügt, kann durchaus in einer sehr schwer zu meisternden Situation landen. Auch wenn diese Spielabschnitte den harten Schnetzelalltag des Samurais auflockern sollen, können sie nicht ansatzweise so stark überzeugen wie der Rest des Abenteuers. Der sekundären Hauptfigur fehlt es einfach an Alleinstellungsmerkmalen. Abgesehen davon ist das Spiel auf dem normalen Schwierigkeitsgrad grundsätzlich aber nicht sonderlich schwer. Nur hin und wieder gibt es den einen oder anderen Gegner, bei dessen Auseinandersetzung wiederholt der Game-Over-Bildschirm auf der Mattscheibe erscheint. Es gibt in Onimusha: Warlords übrigens keine Kontrollpunkte: Sobald die Spielfigur stirbt, ist es lediglich nach der Rückkehr auf den Titelbildschirm möglich, den letzten Speicherpunkt zu laden. Hier heißt es die Zähne zusammen zu beißen und den überlegenen Feind eines Besseren zu belehren

Angemessene HD-Portierung

An dieser Form des Gamedesigns ist der Entstehungszeitpunkt des Spiels deutlich zu erkennen, denn aktuelle Standards werden bewusst ignoriert. Beispielsweise lassen sich auch die leicht gealterten Zwischensequenzen nicht überspringen. Dennoch hat der Titel den Sprung von der PlayStation auf die PlayStation 2, von Sonys Konsole auf Microsofts Xbox und von dort auf Nintendo Switch, PC, PlayStation 4 und Xbox One sehr gut gemeistert. Im direkten Vergleich zum Original sind die Texturen nicht mehr ganz so verwaschen und wesentlich schärfer, was sich vor allem in den kameratechnisch starren Hintergrundgrafiken widerspiegelt. Nur die Charaktermodelle könnten im Jahr 2019 vor allem in den Gesichtern etwas detaillierter sein. Die Körperbewegungen sind jedoch in allen Versionen atemberaubend, was vor allem am Motion-Capture-Verfahren liegt. Im Falle von Samanosuke stand hier der taiwanesisch-japanische Schauspieler Kaneshiro Takeshi „vor der Kamera“, der dem Samurai ebenso seine Stimme leiht. Allgemein lässt sich sagen, dass die japanischen Synchronsprecher sehr gut ausgewählt worden sind. Selbiges gilt für die Effekte und den vortrefflichen Soundtrack von Niigaki Takashi, der die tolle Inszenierung mit den richtigen Tönen trifft. In puncto Steuerung hat der Spieler die Wahl zwischen einer altbackenen Steuerung über die Richtungstasten oder einer neueren, wesentlich angenehmere Bedienung. Toll!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Onimusha: Warlords ist ein Spiel, das zu Beginn der 2000er-Jahre nach einer sehr turbulenten Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte den Grundstein für eine der wohl interessantesten Videospielreihen aus dem Hause Capcom gelegt hat. In fast allen Belangen behält sich der Titel vor, die einzelnen Elemente auf ein absolutes Minimum zu reduzieren und den überschaubaren Umfang dabei außerordentlich gut zu kaschieren. An keiner Stelle fällt auf, dass die Spielwelt eigentlich recht klein und die Spielzeit zu kurz ist. Wie in kaum einem anderen Spiel ist es Capcom gelungen, eine packende Geschichte in ein semi-lineares Spiel zu packen und vom opulenten Auftakt bei der Schlacht von Okehazama bis zum furiosen Endkampf zu unterhalten. Wer sich für die japanische Geschichte, Kultur und Architektur interessiert und einer kräftigen Portion Mythologie und Fantasy nicht abgeneigt ist, kommt um Onimusha: Warlords definitiv nicht herum!

Vielen Dank an Capcom für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Onimusha: Warlords!

 

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