Review: A Day: The Hell that never ends

A Day: The Hell that never ends ist ein koreanischer Film von Regisseur Cho Sŏnho aus dem Jahr 2017, der Mystery- und Thriller-Elemente miteinander mischt. Obwohl er anfangs an den Filmklassiker Und täglich grüßt das Murmeltier erinnert, entwickelt er mit der Zeit auf eine ganz eigene Dynamik.

Im Mittelpunkt der Handlung scheint zunächst nur der Arzt Kim Chunyŏng zu stehen, der mit einem Freund und Kollegen gerade am Flughafen von Sŏul T’ŭkpyŏlsi landet. Kaum sind sie dort angekommen, muss Kim zunächst einen kleinen Jungen retten, der sich an einem seiner Bonbons verschluckt hat. Zu allem Überdruss wird er von seinem Kollegen, der Kim quasi als prominentes Produkt der Öffentlichkeit verkauft, zu einer Pressekonferenz gedrängt. Bei der Pressekonferenz, die live im Fernsehen übertragen wird, verplappert sich der Chirurg jedoch und seine kleine Tochter Ŭnjŏng, die in einer Spielhalle die Übertragung zufälligerweise verfolgt, ist darauf nicht sonderlich gut auf ihn zu sprechen und stellt ihm ein Ultimatum: Bis zwölf Uhr soll er an ihrem gemeinsamen Treffpunkt sein, warten würde sie nicht. Kim versucht die Zeit einzuhalten, wird aber aufgrund einer Geschwindigkeitsbegrenzung, einer tollpatschigen Mitarbeiterin an der Mautstelle und schließlich auch noch von einem Unfall aufgehalten, bei dem er sich als Arzt um die Verletzten kümmern möchte. Als er versucht, seine Tochter auf ihrem Mobiltelefon zu erreichen, bemerkt er, dass diese tot auf der anderen Seite der Straßenkreuzung liegt. Nur wenige Minuten später scheint dies für Kim alles nur ein sehr böser Traum gewesen zu sein; er wacht im Flugzeug auf und bereitet sich auf den Landeanflug auf Sŏul T’ŭkpyŏlsi vor – und durchlebt immer und immer wieder dieselben Ereignisse.

Und täglich grüßt der Unfallort

Chos Film baut auf dem Konzept der Zeitschleife auf, das Filmliebhaber seit 1993 aus dem US-amerikanischen Film Und täglich grüßt das Murmeltier von Harold Ramis, das wiederum auf Ken Grimwoods Zeitschleifenkonzept aus dessen Roman Replay: Das zweite Spiel basiert. Oft wurde diese Idee in Filmen bereits kopiert oder verändert und so scheint es in den ersten Minuten von A Day ebenfalls so zu sein, dass die Handlungsstruktur auf eine wesentlich kürzere Zeitschleife von nur wenigen Stunden übertragen wurde. In dem Moment, als Kim beim erneuten Besuchen des Unfallortes jedoch von I Minchŏl angesprochen wird und ihn fragt, warum alles genau gleich abläuft, aber Kim jeden Tag anders reagieren würde, beginnen die beiden sich von Tag zu Tag anzufreunden. Kim erfährt von I, dass sich auch dessen Verlobte Mikyŏng unter den Unfallopfern befindet und deshalb wohl immer und immer wieder den Tag aufs Neue erlebt. Gemeinsam versuchen sie einen Weg zu finden, um sowohl Mikyŏng als auch Ŭnjŏng vor dem Tod zu retten. Allerdings scheitern alle ihre Versuche, die mit neuen Routen zum Unfallort, einem besseren Zeitmanagement oder einer Manipulation der Geschehnisse zu tun haben. Auch wenn sie die Zeitspanne verlängern, ändert es früher oder später damit, dass Kim im Flugzeug und I wieder morgens in einem Bett erwacht. Der Film spielt hier stark mit der emotionalen Verfassung der Charaktere, deren Situation fast ausweglos ist.

Eingespieltes Team

In der zweiten Filmhälfte wird die Story noch um eine dritte Sichtweise erweitert, die zudem mit der Vergangenheit von Kim und I verknüpft wird. Somit kann der Film nicht als Kopie, durchaus aber als zugleich dosierte Kurzfassung und clevere Weiterentwicklung von Grimwoods und Ramis’ Werken gesehen werden. Dennoch sei gesagt, dass der Filmeinstieg aufgrund der zeitraffenden Erzählweise etwas anstrengend ist – da die Struktur aber nach etwa einem Drittel des insgesamt 90-minütigen Films aufgebrochen wird, kann die Handlung mit ihrem schnellen Tempo und wichtigen Rückblenden in der letzten Stunde, die zu einem klärenden Ergebnis für alle Beteiligten inklusive des Zuschauers führt, durchweg begeistern. In den Hauptrollen sind Kim Myŏngmin als Kim und Pyŏn Yohan als I zu sehen, die bereits gemeinsam in der koreanischen Fernsehserie Six Flying Dragons zu sehen waren und als eingespieltes Team auch in A Day miteinander harmonieren, egal ob sie gerade die menschlichen Abgründe oder die guten Seiten des jeweils anderen Charakters erblicken. Auf der technischen Seite gibt es kaum etwas zu meckern: Das Bild ist gestochen scharf und nur manche rasante Autofahrt ist die Trickserei anzusehen. Akustisch werden die Szenen manchmal mit Songs, in der Regel aber mit stimmungsvoller Musik unterlegt, um die spannende Atmosphäre aufrechtzuerhalten. Puristen schauen sich den Film am besten auf Koreanisch an, die deutsche Synchronisation ist aber bis auf die manchmal etwas zu lockere Übersetzung ebenfalls gut gelungen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): A Day von Regisseur Cho Sŏnho erzählt im Grunde mehrfach immer und immer wieder die gleiche Geschichte des Arztes Kim mit kleinen Nuancen, die jedoch im weiteren Filmverlauf spätestens mit dem Hinzukommen der Figur I aufgebrochen wird und sich dann vom filmischen Vorbild Und täglich grüßt das Murmeltier eindeutig abhebt. Es ist interessant zu sehen, wie das Konzept der Zeitschleife mit gleich zwei beziehungsweise drei Individuen funktioniert und schließlich aufgelöst werden will. Dazu tragen auch die beiden Hauptdarsteller Kim und Pyŏn bei, die wunderbar miteinander harmonieren und die manchmal rasante und manchmal langsame Erzählung vorantreiben. Unterm Strich ist A Day sicher kein Film geworden, der es mit Ramis’ Klassiker oder abseits der Thriller- und Mystery-Elemente mit anderen Dramen des koreanischen Kinos aufnehmen kann, für Fans der Zeitschleifenthematik oder auch der beiden Hauptdarsteller ist Chos Werk aber durchaus ein angenehm abendfüllender Film geworden!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von A Day!

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