Review: Rise Eterna

Strategie- und Taktik-Rollenspiele gehören zu den beliebtesten Genres, wurden am Ende der 2010er-Jahre nach einer Hochphase aber zunehmend seltener. Entwicklerstudio Makee will die auftuende Genre-Kluft mit dem im Mai 2021 veröffentlichten Titel Rise Eterna füllen.

Rise Eterna erfindet das Rad nicht neu – und das gilt leider vor allem für die Geschichte, die sich eher Genre-Standards bedient anstatt neue Wege zu bestreiten. Vor 35 Jahren wurde das Königreich Ars Rare vom athrakischen Imperium überfallen. Seitdem wird das Land von den Invasoren und noch dazu von Banditen kontrolliert. Mitten in den politischen Wirren schlüpfen wir in die Rolle des ehemaligen Elitesoldaten Natheal, der seiner Nation inzwischen den Rücken gekehrt hat und als Bandit durchs Land zieht. Mit Überfällen auf Dörfer und Städte will er nichts zu tun haben und wechselt sprunghaft das Lager, als er die Waise Lua inmitten der Trümmer des Dorfes Volentem kennenlernt. Fortan ist es unsere Aufgabe, das launische Mädchen in die Hauptstadt Gaiacus zu begleiten. Unterwegs lernen wir weitere Charaktere kennen, die sich unserer Sache anschließen und sich überraschend organisch in die Story eingliedern. Entweder kennen sich die Figuren von früher oder verfügen über Informationen, die die Handlung an der richtigen Stelle vorantreiben. Dennoch plätschert die Geschichte zu oft einfach nur vor sich hin. Wahre Höhepunkte sind rar gesät. Spiele wie Fire Emblem: Three Houses gehen in dieser Disziplin wesentlich mehr in die Tiefe. Dennoch kann Rise Eterna unterhalten – und das betrifft nicht nur Story und Charaktere, sondern auch das Gameplay.

Bekannte Genre-Mechaniken

Wie im offensichtlichen Vorbild Fire Emblem befehligen wir unsere Einheiten über große Schlachtfelder, legen uns mit allerhand Gegnern in kurzen Gefechten an, plündern Truhen und sammeln dabei allerhand Ressourcen. Das Spektakel wird dabei durchgehend aus der leicht versetzten Vogelperspektive dargestellt. Aufgrund dessen, dass unsere Gruppe auf dem Schlachtfeld aus maximal sechs Figuren besteht, behalten wir stets den Überblick über das Geschehen. Jede Figur hat eine maximale Bewegungsreichweite und kann verschiedene Aktionen ausführen. Unter anderem können wir uns mit Natheal und Lua in den Nahkampf wagen oder mit anderen Figuren wie Bogenschütze Solthy und Speerkämpferin Sarajed auch aus der Ferne attackieren. Da jeder Charakter nur eine begrenzte Anzahl an Items tragen kann, ist es hin und wieder auch notwendig, Gegenstände untereinander auszuwechseln. Ebenso ist es möglich, die Positionen von zwei Figuren zu tauschen, die nebeneinander stehen. Rise Eterna erreicht zwar nicht unbedingt die taktische Tiefe, die wir von Spielen wie Mercenaries Saga Chronicles oder Final Fantasy Tactics gewohnt sind, doch anspruchslos ist das Spiel nicht. Obwohl die ersten zwei bis drei Schlachten vom Schwierigkeitsgrad sehr leicht ausfallen, kann es je nach Spielertyp ab der vierten Mission dann doch ein wenig anspruchsvoll werden.

(Un)konventionelle Progression

Unterm Strich steigt, steht und fällt der Schwierigkeitsgrad mit unserem Drang, die Spielwelt zu erkunden. Unsere Recken stufen in Rise Eterna zudem nicht im herkömmlichen Sinne auf. Stattdessen finden wir in Truhen und in der Umgebung Juwelen unterschiedlicher Wertigkeiten, die wir pro Charakter in Steckplätzen auf einem Rad anordnen. Dadurch steigern wir Attribute wie den Angriffswert oder die Verteidigung. Niedere Edelsteine bescheren uns allerdings nicht nur Boni, sondern auch Mali. Somit müssen wir immer abwägen, welche Juwelen wir welchen Figuren zuteilen oder ob wir diese überhaupt einsetzen wollen. Hinzu kommt, dass wir nach jeder beendeten Schlacht einen Fähigkeitspunkt erhalten, mit denen wir spezielle Fähigkeiten wie einen zweiten Angriff freischalten dürfen. Auch erhöhte Wahrscheinlichkeiten für Konterangriffe oder eine schlichte Erhöhung der Lebenspunkte sind möglich. Auf dem Schlachtfeld gibt es jedoch auch Ressourcen wie Flüssigkeiten oder pflanzliches Material zu sammeln, mit denen wir in einem leicht zu verstehenden Handwerkssystem neue Items herstellen können. Dazu zählen zum Beispiel Heiltränke, mit denen wir im Notfall unsere Wunden heilen dürfen. Nützliche Zusatzwaffen wie Bomben, Harpunen oder Kunai können wir mit den richtigen Materialien genauso herstellen wie hilfreiche Tür- und Truhenschlüssel.

Gewöhnungssache

In puncto Bedienung muss sich Rise Eterna nicht vor der Konkurrenz verstecken. Auf den Kriegsschauplätzen gehen alle Eingaben, bedingt durch die orthogonal aufgebaute Spielwelt, kinderleicht von der Hand. Lediglich bei der Menüstruktur außerhalb der Schlachten ist den Entwicklern kein Kunststück gelungen. Hier schalten wir mit den Schultertasten durch die einzelnen Menüs. Mit dem Steuerkreuz respektive den Richtungstasten wechseln wir in so manchem Menü die Charaktere, während wir uns mit dem Analog-Stick durch die Juwelen oder Fähigkeiten kämpfen. Das ist zwar reine Gewöhnungssache, aber auch nach ein paar Spielstunden immer noch ein Krampf. Unter optischen Gesichtspunkten hebt sich der Titel aber deutlich von Fire Emblem, Langrisser und Co ab. Der Artstyle wirkt insbesondere bei den Charakterporträts in den Dialogen wesentlich europäischer, auch wenn die eigentliche Spielgrafik noch stark an das eher japanische Genre erinnert. Schade ist jedoch, dass es so gut wie keine Animationen während der Gespräche gibt. Teilweise werden uns in der Story dadurch sogar Informationen wie ein Mordversuch zunächst unterschlagen. Akustisch reißt das Spiel keine Bäume aus, unterstreicht mit seinen Klängen aber immerhin die mittelalterliche Atmosphäre. Genre-Fans, die dringend neues Futter brauchen, dürfen einen Blick riskieren.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Rise Eterna kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, denn auch wenn das Genre eine Hochphase durchgemacht hat, wurden die Spiele zum Ende der 2010er-Jahre plötzlich weniger. Auch wenn das Spiel viele seiner Mechaniken passend umsetzt, ist es qualitativ eher durchschnittlich. So plätschert die Story meiner Meinung nach zu sehr vor sich hin und bietet unterm Strich zu wenige Höhepunkte. Auch die Art und Weise, wie animationsarm sich Rise Eterna präsentiert, trifft nicht meinen Geschmack. Grafisch und akustisch gewinnt das Strategie-Rollenspiel von Entwicklerstudio Makee ebenfalls keinen Blumentopf. Dafür finde ich ein paar der Gameplay-Ansätze wirklich interessant, da es hier auf Konventionen verzichtet und Elemente verlagert. Es macht richtig viel Spaß, das Schlachtfeld nach Ressourcen und Juwelen abzusuchen. Vor allem letztere sind als Ersatz für fehlendes Aufstufen spannend. Damit steigt, steht und fällt der Schwierigkeitsgrad parallel zu meinem Drang, die Spielwelt zu erkunden. Das motiviert mich, taktisch und vorsichtig vorzugehen. Am Ende ist aber auch dieser Umstand Geschmackssache. Jeden Nerv trifft Rise Eterna bestimmt nicht. Wer das Genre mag und dringend Nachschub braucht, kann dem Titel eine Chance geben und sich für einige Stunden als Taktiker versuchen.

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