Review: Detektiv Conan (Box 10, Episoden 255–281)

Mit der im Oktober 2019 veröffentlichten zehnten Serienbox zur Anime-Serie Detektiv Conan schickt Kazé Anime den kleinen Ermittler in neue Abenteuer. Diese sind zumindest teilweise lose miteinander verzahnt, treiben die eigentliche Geschichte aber so gut wie nicht voran.

Wie schon bei der neunten Volume von der Anime-Serie Detektiv Conan gibt es auch bei der zehnten Ausgabe keinen Cliffhanger, der zu Beginn aufgelöst werden muss. Obwohl das den Spannungsbogen sicherlich ein wenig gedehnt hätte, macht das aber nichts, denn die insgesamt 27 enthaltenen Folgen erzählen auch so mitreißende Geschichten. An der eigentlichen Grundthematik hat sich in der zehnten Serienbox natürlich nichts verändert. Kudō Shin’ichi ist nach wie vor in der geschrumpften Gestalt eines Kindes unter seinem Decknamen Edogawa Conan unterwegs, ohne dabei den scharfen Verstand seines siebzehnjährigen Ichs zu verlieren. Unterschlupf hat er bei seiner Freundin Mōri Ran und deren Vater Kogorō gefunden. Da Kogorō wie Shin’ichi ebenfalls ein Detektiv ist, macht sich Rans große Liebe das ebenfalls zunutze und löst stellvertretend somit munter einen Mordfall nach dem anderen. Die einzelnen Geschichten finden in der zehnten Ausgabe von Detektiv Conan zudem eher selten in Japans Hauptstadt Tōkyō statt, sodass mit verhältnismäßig exotischen Handlungsorten wie dem weißen Strand von Shirahama in der Präfektur Wakayama, der idyllischen Burg Matsue mit ihrem Bambuswald in der Präfektur Shimane, der fiktiven Okusu-Ranch, einer Fahrt im Shinkansen oder dem Großstadtdschungel von Ōsaka reichlich Abwechslung vorhanden ist.

Verbrechen in allen Gesellschaftsschichten

Bei den zahlreichen Fällen kommen selbstverständlich wieder viele verschiedene Charaktere zum Tragen, die aus unterschiedlichen Beweggründen Verbrechen begehen, vielleicht nur in Versuchung geraten oder sogar selbst zum Opfer einer Straftat werden. Die dargestellten Figuren kommen aus allen Gesellschaftsschichten und sind facettenreich charakterisiert. Beispielsweise wird in einem Restaurant in Ōsaka der Reporter Ed McKay mit einem Pistolenschuss ermordet. Unter Mordverdacht fallen drei Sportler, unter denen sich – wie es der Zufall so will – auch Shin’ichis Fußballspieleridol Ray Curtis befindet. An anderer Stelle von Detektiv Conan wird Kogorō aufs Land beordert, damit er das Rätsel um einen verschlossenen Aktenkoffer lösen kann. Ulkigerweise taucht nur wenige Stunden vorher ein Doppelgänger von Herrn Mori auf, der zu allem Übel auch noch tot in seinem Hotelzimmer aufgefunden wird. In der Serie bleiben selbst die unscheinbarsten Figuren nicht verschont und nicht selten fallen die Verbrechen äußerst mysteriös aus. Beispielsweise wird in der 276. Episode ein vermeintlicher Dieb, der den Opferkasten eines recht kleinen Schreins plündern will, während eines Erdbebens offenbar von einer herunterfallenden Glocke getroffen. Außerdem wird die Person beschuldigt, vorher jemanden ausgeraubt zu haben. Vom Geld fehlt bis dahin aber jede Spur.

Synchronsprecherwechsel

Während inhaltlich weitgehend alles beim Alten bleibt, gibt es in technischer Hinsicht in den Episoden aus dem Jahr 2001, die hierzulande erstmals 2006 im Fernsehen ausgestrahlt worden sind, kleine Änderungen zu spüren. Sämtliche Folgen liegen im 4:3-Bildformat vor, wirken unter farblichen Gesichtspunkten gefühlt jedoch etwas kräftiger. Am ehesten sticht aber das markante Charakterdesign hervor, was die Vielfältigkeit ihres Schöpfers Aoyama Gosho auszeichnet. In puncto Soundtrack gibt es nach wie vor dieselben Ohrwürmer zu hören, womit die prägnanten Melodien jede Szene wunderbar unterlegen. Änderungen gibt es in den Episoden der zehnten Serienbox von Detektiv Conan aber vor allem bei zwei deutschen Synchronsprechern. Professor Agasa Hiroshi wird beispielsweise nicht länger vom 2006 verstorbenen Wolfgang Thal, sondern von Rüdiger Evers vertont. Charles Rettinghaus wird hingegen von Michael Iwannek abgelöst, sodass sich auch Fans von Kojima Genta auf eine Umstellung gefasst machen müssen. Es sei aber gesagt, dass die Umgewöhnung nicht wirklich schwer fällt, da die neuen Sprecher wirklich gut zu ihren zugeteilten Rollen passen. Auf den japanischen Originalton wurde abermals verzichtet. Im Rahmen des Bonusmaterials kommen Fans der kleinen Spürnase aber immerhin in den Genuss eines schön gestalteten Episodenguides.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf den Episoden 255 bis 281 der Serie): Detektiv Conan erzählt in der zehnten Serienbox viele kleine Geschichten, die teilweise miteinander verzahnt sind, aber den Blick auf das große Ganze verlieren. So werden die Männer in Schwarz mit keinem Wort erwähnt und es taucht nur eine neue Figur auf, die noch wichtig werden kann. Das ist schon ein wenig schade, da sich die Anime-Serie so zu sehr in Nebensächlichkeiten verliert. Unterm Strich ist das aber nicht so schlimm, wie es sich anhört, denn die enthaltenen Mordfälle sind spannend inszeniert und es macht jederzeit sehr viel Spaß, mitzurätseln, wer denn nun schon wieder der Täter sein soll. Dadurch, dass die Charaktere sowohl von ihrer Persönlichkeit und ihrem Aussehen facettenreich gestaltet sind, ist das auch nach fast dreihundert Episoden immer wieder erfrischend. Manga-Autor Aoyama Gosho versteht sein Handwerk, das genauso gut in der Anime-Serie an den Zuschauer vermittelt werden kann. Detektiv-Conan-Fans dürfen also auch dieses Mal ohne große Bedenken zuschlagen!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Detektiv Conan (Box 10, Episoden 255–281)!

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