Review: The Siege and the Sandfox

Wenn ein Subgenre des Action-Adventures seit Jahrzehnten für Begeisterung sorgt, dann ist damit klar die Metroidvania-Kategorie gemeint. Für The Siege and the Sandfox hat sich Entwicklerstudio Cardboard Sword zudem Stealth-Elementen bedient und so ein unverbrauchtes Spielgefühl geschaffen.

Seit jeher gehören die als Kasha’i bekannten Meuchelmörder zu den treuesten Anhängern des Königs in der Welt von The Siege and the Sandfox. Obwohl sie bedacht sind, jeglichen Schaden vom Reich abzuwehren, waren sie sich einer Bedrohung aus den innersten Kreisen nicht bewusst. Als die Königin den Verrat an ihrem Gemahl mit dessen Ausschaltung tatsächlich umsetzt, besiegelt sie zudem unseren Tod. Als Kasha’i wird uns der Mord am Herrscher über das antike wie fiktive Königreich in die Schuld geschoben. Kurz darauf landen wir in der unheimlichen Verrätergrube, einem riesigen Labyrinth unterhalb der Hauptstadt. Das Schicksal meint es jedoch ziemlich gut mit uns, denn wir überleben den Sturz und versuchen mit letzter Kraft aus dem Kerker zu entkommen. Hierbei erkunden wir das komplexe Höhlensystem und kämpfen uns mit einem kleinen, aber erweiterbaren Repertoire an Mord- und Kletterwerkzeugen zum Palast hoch, um die bösartige Königin zu stellen. Die Geschichte von The Siege and the Sandfox kommt mir nur wenigen Mitteln aus, denn nach dem Intro gibt es allerhöchstens kurze Dialoge zu lesen respektive auf Englisch synchronisiert zu hören, die aber in inszenatorischer Form aus der dritten Person Singular erzählt werden. Grundsätzlich eine schöne Idee, die aber parallel zum Spielen ohne ausreichende Englischkenntnisse verwirrend sein könnte.

Parkourartiges Gameplay

Von der Erzählstruktur solltet ihr euch aber nicht abschrecken lassen, denn auch wenn Cardboard Sword respektive der hiesige Herausgeber Plaion es versäumt haben, in eine deutsche Synchronisation zu investieren, gibt es immerhin gut übersetzte deutschte Untertitel zu lesen. Darüber hinaus definiert sich das Action-Adventure auch mehr über sein Gameplay, welches vor allem Fans von Assassin’s Creed und Thief gefallen dürfte. Aus der zweidimensionalen Seitenperspektive helfen wir dem titelgebenden Sandfuchs dabei, aus dem dunklen Verlies zu entkommen. Dagegen hat in The Siege and the Sandfox das Wachpersonal etwas, das jegliche Ausbruchversuche verhindern soll. Ebenso gibt es an allen Ecken und Enden der Verrätergrube verschlossene Türen, die uns ausbremsen. Nicht vergessen dürfen wir die teils recht kniffligen Kletter- und Sprungpassagen, die es zu meistern gilt. Oft heißt die Devise schlicht Ruhe zu bewahren, denn wer zu hastig agiert, kommt zu spät ans Ziel. Nach und nach durchschauen wir allerdings die Architektur der Spielabschnitte und setzen unsere akrobatischen Künste immer geschickter ein, sodass sich ein parkourartiger Spielfluss ergibt. Das fluppt weitgehend ziemlich gut und macht auch sehr viel Spaß. Stürzen wir dennoch einmal in die Tiefe, macht das nicht viel aus. Sein Leben kann der Protagonist auf diese Art und Weise nicht verlieren.

Kleinere Makel in einem tollen Gesamtbild

Weniger verzeihlich sind hingegen die Auseinandersetzungen mit dem Wachpersonal, denn diese können wir nur hinterrücks mit einem Knüppel niederschlagen. Entdeckt eine Patrouille dann auch noch einen bewusstlosen Kollegen, wird dieser sofort wiederbelebt. Sobald in The Siege and the Sandfox eine Wache jedoch uns auf dem Radar hat, sollten wir schleunigst die Beine in die Hand nehmen und aus der Situation entkommen, zum Beispiel mit Wandsprüngen an höhere Stellen oder Fallen durch Holzbalken in tiefere Stockwerke. Sobald die Luft rein ist, können wir es noch einmal probieren. Werden wir erwischt, war es das, sodass wir uns ab dem letzten Kontrollpunkt erneut ins Getümmel stürzen müssen. Das klingt zwar fair, doch da die Laufwege aufgrund des langsameren Spieltempos gefühlt etwas länger ausfallen, könnte dies für den einen oder anderen unerfahrenen Spieler schon ein Spielspaßhindernis sein. Seltsam mutet die Entscheidung an, dass wir die Spielfigur mittels Controller trotz der zweidimensionalen Seitenperspektive nur mit dem Analog-Stick und nicht via Steuerkreuz bewegen können. Dafür entschädigt jedoch ein wunderschöner Pixel-Look im 16-Bit-Stil und ein atmosphärischer Soundtrack, bei dem jedoch auf lange Sicht kein Musikstück hängen bleiben dürfte. Metroidvania-Fans, die Gefallen an Stealth-Elementen haben, sollten bei The Siege and the Sandfox unbedingt zugreifen, da diese Mischung einzigartiges Potenzial bietet.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Für mich gehört das Metroidvania-Subgenre zu den Videospielkategorien, zu denen ich immer wieder gerne zurückkehre. Zwar gelingt es den Entwicklern nicht immer, mich völlig zu begeistern, doch in den meisten Fällen habe ich definitiv meinen Spaß. Überwiegend ist dies auch bei The Siege and the Sandfox der Fall. Sowohl das unverbrauchte Setting mit seinem westasiatischen Touch als auch der Stealth-Einschlag ist in dieser Kombination unverbraucht und unterhaltsam. Es macht mir Spaß, mich nach und nach aus der Verrätergrube hochzuarbeiten, neue Gadgets zu sammeln und mich immer kniffligeren Stellen der Level-Architektur zu widmen. Schade finde ich jedoch, dass ich bei einem Fehler beim Klettern häufig einen großen Teil wiederholen muss oder bei nur einem feindlichen Treffer direkt das Leben des Sandfuchses verwirkt ist. Hier erwarte ich deutlich mehr Feingefühl! Dies ist aber nur der Tropfen auf dem heißen Stein, denn das, was der Titel sein will, gibt es in dieser Kombination so noch nicht. Wer also ein Faible für Metroidvania-Spiele hat und es etwas gemächlicher angehen will, kommt mit The Siege and the Sandfox voll und ganz auf seine Kosten!

Vielen Dank an Plaion für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Siege and the Sandfox!

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